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Antibiotikum: Minocyclin

Wirkungsweise

Minocyclin ist ein Breitbandantibiotikum und hemmt viele verschiedene Bakterienarten in ihrem Wachstum. Es gehört zur Gruppe der Tetracycline. Testergebnisse Minocyclin.

Minocyclin ist weniger gut verträglich als Doxycyclin, ein anderer Vertreter derselben Wirkstoffgruppe, der aber auch in den gleichen Anwendungsgebieten zum Einsatz kommen kann wie Minocyclin.

Grundsätzlich ist es auch beim Einsatz von Minocyclin wichtig, die aktuelle Resistenzlage zu berücksichtigen. Hier finden Sie allgemeine Informationen zu Resistenzen.

Akne

Wegen der schlechteren Verträglichkeit von Minocyclin bei der Behandlung einer schweren Akne ist Doxycyclin vorzuziehen. Dennoch wird Minocyclin vom Hersteller besonders als "Akneantibiotikum" herausgestellt. Es wirkt wie Doxycyclin bei entzündlicher Akne gut und reichert sich insbesondere im Fettgewebe an. Dies wird bei Akne als vorteilhaft angesehen, weil sich die Propionibakterien vorwiegend im fetthaltigen Talg der Haarfollikel sammeln. Dieser vermeintliche Vorteil ist aber gleichzeitig ein Nachteil: Minocyclin kann sich damit auch stärker in der Gehirn- und Rückenmarkflüssigkeit (Liquor) anreichern. Dadurch treten häufiger unerwünschte Wirkungen bei diesem Mittel auf. Auch das Risiko für schwere Hautreaktionen steigt. Dass das Mittel Wirksamkeitsvorteile gegenüber Doxycyclin besitzt, ist dagegen nicht ausreichend belegt.

Bei schwerer Akne gilt Minocyclin als "mit Einschränkung geeignet". Wenn äußerlich anzuwendende Aknemittel die Hauterscheinungen nicht ausreichend bessern, zahlreiche Entzündungsherde vorhanden sind und die Pusteln zu Vernarbungen auf der Haut führen, kann es zum Einsatz kommen. Wie alle Bakterien können auch Propionibakterien gegen Antibiotika resistent werden, was sich daran zeigt, dass sich die Akne trotz kontinuierlicher Einnahme der Mittel nicht mehr bessert. Aus diesem Grund sollte Minocyclin zum Einnehmen nur zurückhaltend und lediglich über einen begrenzten Zeitraum eingesetzt werden. Um eine Resistenzbildung bestmöglich zu vermeiden, wird eine kombinierte Anwendung mit Mitteln zum Auftragen wie Benzoylperoxid empfohlen.

Rosazea

Bessert sich die Rosazea mit äußerlich anzuwendenden Mitteln nicht genug, werden Antibiotika eingesetzt, vor allem Tetracycline wie Minocyclin oder Doxycyclin. Insgesamt liegen aber nur wenige Studien vor, aus denen hervorgeht, dass die Antibiotika besser wirken als Scheinmedikamente. Die therapeutische Wirksamkeit sollte daher noch besser belegt werden. Minocyclin ist bei Rosacea mit Einschränkung geeignet, wenn äußerlich anzuwendende Mittel nicht ausreichend wirksam waren. Allerdings sind Mittel mit Doxycyclin denjenigen mit Minocyclin vorzuziehen, weil sie besser verträglich sind. Zudem ist zu berücksichtigen, dass mit einem dauerhaften Einsatz von Antibiotika zum Einnehmen auch die Gefahr verbunden ist, dass sich bei den im Körper befindlichen Bakterien Resistenzen ausbilden.

Anwendung

Alle Angaben hierzu lesen Sie unter "Anwendung" bei Antibiotika allgemein. Zusätzlich ist zu beachten:

Nehmen Sie das Mittel nur aufrecht im Sitzen oder Stehen ein und nur zusammen mit einer ausreichenden Menge Wasser, da die Tabletten sonst in der Speiseröhre haften bleiben und dort das Gewebe schädigen können. Nach der Einnahme sollten Sie etwa ein bis zwei Stunden nicht liegen.

Minocyclin ist erst nach nach bis zu 22 Stunden zur Hälfte abgebaut. Es verweilt also lange im Körper und braucht deshalb nur einmal täglich eingenommen zu werden.

Wenn Sie Minocyclin in hoher Dosierung oder über längere Zeit einnehmen, sollte der Arzt in regelmäßigen Abständen die Leber- und Nierenwerte sowie das Blutbild prüfen.Bei Akne nehmen Sie üblicherweise zweimal täglich 50 Milligramm Minocyclin ein, und zwar über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen. Bei Rosazea nehmen Sie bis zu drei Wochen lang einmal täglich 100 Milligramm.

Ist die Nierenfunktion bereits beeinträchtigt, sollte der Arzt die Dosierung von Minocyclin verringern.

Achtung

Beachten Sie für die folgenden Abschnitte auch die Ausführungen unter Antibiotika allgemein.

Minocyclin macht die Haut empfindlicher für Sonnenlicht. Während der Behandlung sollten Sie keine Sonnenbäder nehmen und nicht ins Solarium gehen.

Setzen Sie die Haut während der Behandlung nie ohne Sonnenschutzmittel der Sonne aus. Sehr oft kommt es zu sonnenallergieähnlichen Symptomen: Es bilden sich Bläschen und die Haut rötet sich. Auch Ihre Nägel sollten Sie vor allzu starker Sonneneinwirkung schützen. Entsteht ein Sonnenbrand mit stark geröteter, entzündeter Haut, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Minocyclin dürfen Sie keinesfalls nach Ablauf des Verfallsdatums verwenden, da die Zersetzungsprodukte zu lange gelagerter Tabletten ein Fanconi-Syndrom auslösen können. Anzeichen dafür sind erhöhte Mengen an Urin, wobei die Nieren verstärkt Zucker, Eiweiß und Kalium ausscheiden und das Blut übersäuert (Acidose).

Gegenanzeigen

Wenn die Funktion Ihrer Leber massiv gestört ist, dürfen Sie nicht mit Minocyclin behandelt werden.

Wenn Ihre Nierenfunktion oder Ihre Leberfunktion eingeschränkt ist, muss der Arzt Nutzen und Risiken der Behandlung sorgfältig abwägen. Das gilt auch, wenn Sie an Myasthenia gravis erkrankt sind, weil dann die Gefahr besteht, dass sich die Krankheit unter der Behandlung mit Tetracyclinen verschlimmert.

Wenn Sie Minocyclin länger anwenden als empfohlen, sollte der Arzt Ihre Schilddrüsenfunktion überprüfen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Damit sich keine Resistenzen gegen verschiedene Antibiotika entwickeln, sollten nicht mehrere Antibiotika hintereinander oder gleichzeitig eingesetzt werden, auch nicht äußerlich und innerlich parallel. Auch vorbeugend sollten Sie diese Mittel nicht anwenden.

Wenn Sie noch andere Medikamente anwenden, ist zu beachten:

Unbedingt beachten

  • Minocyclin darf keinesfalls gleichzeitig und auch nicht kurz vor oder nach einer Behandlung mit Isotretinointabletten (bei Akne) angewendet werden, weil dann der Hirndruck gefährlich ansteigen kann.
  • Minocyclin verstärkt die Wirkung der blutzuckersenkenden Sulfonylharnstoffe (z. B. Glibenclamid, bei Typ-2-Diabetes), sodass der Blutzucker zu stark absinken und eine Unterzuckerung auftreten kann. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel zur Blutzuckersenkung: verstärkte Wirkung.
  • Minocyclin verstärkt die Aufnahme von Digoxin (bei Herzschwäche) ins Blut. Wenn Sie die Antibiotika länger als einige Tage einnehmen müssen, sollte der Arzt die Dosis von Digoxin anpassen. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel bei Herzschwäche: verstärkte Wirkung.
  • Minocyclin verstärkt die Wirkung von gerinnungshemmenden Mitteln (Wirkstoffe: Warfarin, Phenprocoumon, bei erhöhter Thrombosegefahr). Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.
  • Antazida (bei Sodbrennen) und Eisen (bei Blutarmut) beeinträchtigen die Aufnahme von Minocyclin, sodass dieses nicht mehr so gut wirkt. Auch Phenobarbital, Phenytoin, Primidon und Carbamazepin (alle bei Epilepsien) sowie Rifampicin (bei Tuberkulose) vermindern die Wirkung von Minocyclin. Näheres hierzu lesen Sie unter Antibiotika/Virustatika: verringerte Wirkung. Nehmen Sie diese Mittel deshalb im Abstand von zwei bis drei Stunden ein.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Minocyclin dürfen Sie nicht zusammen mit Milch einnehmen und auch nicht mit Mineralwässern und Säften, die mit Calcium angereichert sind, weil der Wirkstoff dann nicht richtig ins Blut aufgenommen wird. Im Abstand von zwei bis drei Stunden jedoch können Sie Milch oder Milchprodukte wie Jogurt, Quark oder Käse zu sich nehmen.

Nebenwirkungen

Alle Angaben hierzu lesen Sie unter "Unerwünschte Wirkungen" bei Antibiotika allgemein. Zusätzlich ist zu beachten:

Wenn Übelkeit, Sodbrennen, Magendrücken, Erbrechen, Durchfall oder Blähungen auftreten, sollten Sie das Mittel mit dem Essen einnehmen (aber nicht mit Milch oder Milchprodukten). Oft legen sich die Beschwerden dann.

Diese Mittel können Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken davon in der Regel nichts, vielmehr fallen die Funktionsänderungen nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom Einzelfall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man solche Leberwerte oft tolerieren und sie häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen und eventuell zu einem anderen Mittel wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Minocyclin kann sich in Knochen und Zähne einlagern. Die Zähne können sich dadurch gelb, braun oder schwarz verfärben, vor allem die Milchzähne bei Kindern. Außerdem werden sie anfälliger für Karies. Das Knochenwachstum kann sich verzögern. Bei Erwachsenen kommen diese unerwünschten Wirkungen nur sehr selten vor und hauptsächlich bei langfristiger hoch dosierter Einnahme der Tetracycline.

Muss beobachtet werden

Wenn Sie sich auffällig und anhaltend müde fühlen, sollte der Arzt das Blutbild prüfen.

Während der Therapie kann sich die Nierenfunktion verschlechtern, was oft ohne Beschwerden bleibt. Wenn Sie Wassereinlagerungen in den Beinen feststellen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, der Ihre Nierenwerte bestimmt.

Minocyclin kann vorübergehende Kurzsichtigkeit auslösen. Wenn Sie das Gefühl haben, schlechter zu sehen, sollten Sie das mit Ihrem Arzt besprechen und Ihr Verhalten daran anpassen.

Wenn Sie Minocyclin über lange Zeit anwenden, kann sich die Zunge verändern (schwarze Haarzunge). Stellen Sie Veränderungen an der Zunge fest, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Falls Sie bei der Einnahme von Minocyclin einen Hautausschlag oder wunde Stellen am Mund bekommen, begleitet von Muskel- und Gelenkschmerzen, die sich nicht anders erklären lassen, die Haut auffällig lichtempfindlich ist und diese Erscheinungen auch nach zwei bis drei Tagen nicht wieder verschwunden sind, kann es sich um eine durch Minocyclin hervorgerufene rheumaähnliche Erkrankung handeln (Lupus erythematodes). Suchen Sie dann möglichst bald einen Arzt auf. Bilden sich zusätzlich Knötchen oder Bläschen, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

In Einzelfällen kann sich die Schilddrüse entzünden oder in ihrer Funktion verändern. Wenn die Umgebung der Schilddrüse schmerzempfindlich ist oder sich spürbar verändert, sollte ein Arzt die Schilddrüsenfunktion überprüfen.

Sofort zum Arzt

In sehr seltenen Fällen (bei 1 bis 10 von 10 000 Behandelten) kann eine reversible Drucksteigerung im Gehirn auftreten (Pseudotumor cerebri). Mögliche Symptome sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und eventuell auch Sehstörungen durch Wassereinlagerungen im Auge (Papillenödem), die sich wie ein Schleier vor den Augen bemerkbar machen. Wenn derartige Beschwerden auftreten, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen. Diese unerwünschte Wirkung verschwindet, wenn das Mittel abgesetzt wird.

Minocyclin kann die Funktion des Zentralnervensystem beeinträchtigen. Typische Beschwerden hierfür sind Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Hörstörungen oder Empfindungsstörungen. Wenn diese auftreten, müssen Sie sofort zum Arzt gehen. Diese Beschwerden deuten darauf hin, dass Minocyclin die Funktion des zentralen Nervensystems beeinträchtigt. Diese unerwünschte Wirkung tritt bei Minocyclin häufiger auf als bei den anderen Tetracyclinen (z. B. Doxycyclin).

Unter Minocyclin sind auch in Einzelfällen schwerwiegende Arzneimittelreaktionen mit Veränderungen im Blutbild (DRESS-Symptom für „drug reaction with eosinophilia and systemic symptoms“) aufgetreten. Diese können sich mit schweren Hauterscheinungen aber auch mit Fieber, begleitet von Herzschwäche (Luftnot bei Anstrengung) sowie Leberversagen (Gelbsucht, entfärbter Stuhl, Juckreiz) äußern.

Minocyclin kann die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind: eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

Besondere Hinweise

Allgemein

Alle Angaben hierzu lesen Sie unter "Hinweise" bei Antibiotika allgemein.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Vor allem Kinder unter 8 Jahren dürfen Minocyclin wegen der unerwünschten Wirkungen auf Knochenwachstum und Zähne nur bekommen, wenn kein anderes Antibiotikum angewendet werden kann – was aber selten vorkommt.

Neben Zahnverfärbungen kann das Mittel bei ihnen zu einer Verzögerung des Knochenwachstum führen und dafür sorgen, dass Gelenke und Glieder schmerzen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Minocyclin dürfen Sie ab der 16. Schwangerschaftswoche nicht mehr einnehmen, weil es die Zahn- und Knochenbildung des Ungeborenen beeinträchtigt.

In der Stillzeit dürfen Sie das Mittel nicht einnehmen, weil es später an den Milchzähnen der gestillten Kinder Zahnverfärbungen und Defekte am Zahnschmelz hervorrufen kann.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Minocyclin kann in Einzelfällen vorübergehend Kurzsichtigkeit auslösen. Dann sollten Sie ohne angepasste Sehhilfe nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs