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Antibiotikum: Doxycyclin

Wirkungsweise

Doxycyclin ist ein Breitbandantibiotikum aus der Gruppe der Tetracycline. Es hemmt viele verschiedene Bakterienarten in ihrem Wachstum und wird bei unterschiedlichen Erkrankungen eingesetzt – Testergebnisse Doxycyclin.

Bei Hauterkrankungen wird Doxycyclin wegen seiner entzündungshemmenden Wirkung in niedriger Dosierung eingesetzt. Vergleicht man Doxycyclin mit einem anderen Tetracyclin, Minocyclin, so zeigt sich, dass es besser in den Körper aufgenommen wird und auch verträglicher ist als dieses.

Grundsätzlich ist wichtig, die aktuelle Resistenzlage gegenüber Doxycyclin zu berücksichtigen. Hier finden Sie allgemeine Informationen zu Resistenzen.

Sexuell übertragbare Erkrankung: Chlamydien­infektion

Doxycyclin ist zur Behandlung von Chlamydieninfektionen der Geschlechtsorgane geeignet.

Lyme-Borreliose

Doxycyclin ist zur Behandlung der Lyme-Borreliose geeignet.

Lungenentzündung

Doxycyclin wird auch zur Behandlung von Lungenentzündungen eingesetzt, die man sich außerhalb des Krankenhauses zugezogen hat. Da der Wirkstoff aber in den vergangenen Jahrzehnten häufig – oft auch ungezielt – bei Atemwegsinfektionen eingesetzt wurde, besteht hierzulande bereits eine erhöhte Resistenzrate. Das Mittel ist daher bei Lungenentzündungen außerhalb des Krankenhauses nur noch mit Einschränkung geeignet. Es sollte nur angewendet werden, wenn Penicilline nicht eingesetzt werden können. Sind allerdings atypische Bakterien wie Mykoplasmen die Ursache der Lungenentzündung, ist Doxycyclin ein geeignetes Antibiotikum zur Behandlung. Etwa 10 bis 20 Prozent der Lungenentzündungen werden durch diese Erregerart verursacht.

Akne

Bei schwerer Akne gilt Doxycyclin als "mit Einschränkung geeignet". Wenn äußerlich anzuwendende Aknemittel die Hauterscheinungen nicht ausreichend bessern, zahlreiche Entzündungsherde vorhanden sind und die Pusteln zu Vernarbungen auf der Haut führen, kann es zum Einsatz kommen. Da aber die Gefahr besteht, dass Resistenzen entstehen, soll das Mittel nur für kurze Zeit und auch nicht als alleinige Maßnahme angewendet werden. Wie alle Bakterien können auch Propionibakterien gegen Antibiotika resistent werden, was sich daran zeigt, dass sich die Akne trotz kontinuierlicher Einnahme der Mittel nicht mehr bessert. Aus diesem Grund sollen Antibiotika zum Einnehmen nur zurückhaltend und lediglich über einen begrenzten Zeitraum eingesetzt werden. Um eine Resistenzbildung bestmöglich zu vermeiden, wird eine kombinierte Anwendung mit Mitteln zum Auftragen wie Benzoylperoxid empfohlen.

Rosazea

Bessert sich die Rosazea mit äußerlich anzuwendenden Mitteln nicht genug, werden Antibiotika eingesetzt, vor allem Tetracycline wie Doxycyclin oder Minocyclin. Dazu liegen aber nur wenige Studien vor, aus denen hervorgeht, dass die Antibiotika besser wirken als Scheinmedikamente. Die therapeutische Wirksamkeit sollte daher noch besser belegt werden. Doxycyclin ist mit Einschränkung geeignet, wenn äußerlich anzuwendende Mittel nicht ausreichend wirksam waren. Dabei sind Mittel mit Doxycyclin denjenigen mit Minocyclin vorzuziehen, weil sie besser verträglich sind. Zudem ist zu berücksichtigen, dass mit einem dauerhaften Einsatz von Antibiotika zum Einnehmen auch die Gefahr verbunden ist, dass sich bei den im Körper befindlichen Bakterien Resistenzen ausbilden. In Oraycea ist Doxycyclin niedriger dosiert als in den Mitteln, die sonst bei bakteriellen Infektionen eingesetzt werden. In dieser Dosierung wirkt Doxycyclin vor allem antientzündlich, weniger keimhemmend. Deswegen ist Oraycea auch nur zur Behandlung von Rosazea zugelassen. Hier kann es im Vergleich zu einem Scheinmedikament den Hautzustand stärker verbessern. Die therapeutische Wirksamkeit des Mittels ist in Studien über einen Zeitraum von etwa vier Monaten nachgewiesen. Möglicherweise wird es auch besser vertragen als höher dosiertes Doxycyclin. Die bisher vorliegenden Studien finden beim niedrig dosierten Einsatz von Doxycyclin keine Hinweise auf eine Resistenzentwicklung. Allerdings wurde in diesen Untersuchungen nur eine begrenzte Anzahl von Patienten beobachtet. Dass bei diesem Mittel auch bei langfristiger Anwendung keine Resistenzen auftreten, sollte noch besser nachgewiesen werden. Oraycea ist bei Rosazea mit Einschränkung geeignet und soll nur angewendet werden, wenn äußerliche Mittel nicht ausreichend wirken.

Anwendung

Alle Angaben hierzu lesen Sie unter "Anwendung" bei Antibiotika allgemein. Zusätzlich ist zu beachten:

Nehmen Sie das Mittel nur aufrecht im Sitzen oder Stehen ein und nur zusammen mit einer ausreichenden Menge Wasser, da die Tabletten sonst in der Speiseröhre haften bleiben und dort das Gewebe schädigen können. Nach der Einnahme sollten Sie etwa ein bis zwei Stunden nicht liegen.

Doxycyclin ist erst nach etwa 16 Stunden zur Hälfte abgebaut. Es verweilt also lange im Körper und braucht deshalb nur einmal täglich eingenommen zu werden.

Wenn Sie Doxycylin in hoher Dosierung oder über längere Zeit einnehmen, sollte der Arzt in regelmäßigen Abständen die Leber- und Nierenwerte sowie das Blutbild prüfen.

Doxycyclin wird des Öfteren zu Beginn der Behandlung höher dosiert, damit die erforderlichen Wirkstoffkonzentrationen rascher erreicht werden. Anschließend wird die Dosis verringert. Bei Atemwegserkrankungen nehmen Sie am ersten Tag der Behandlung 200 Milligramm Doxycyclin ein. An den restlichen Tagen der Behandlung genügen 100 Milligramm.

Handelt es sich allerdings um eine schwere Atemwegserkrankung oder um Lyme-Borreliose oder eine genitale Chlamydieninfektion erfolgt die Behandlung ohne Dosisabsenkung mit täglich 200 Milligramm Doxycyclin.

Bei einer Chlamydieninfektion des Gebärmutterhalses ist eine Behandlung über sieben Tage für nahezu alle Behandelten ausreichend. Sind bei einer Frau allerdings bereits Gebärmutter oder Eileiter entzündet, muss die Behandlung – gegebenenfalls in Kombination mit weiteren Antibiotika – zwei Wochen lang erfolgen.

Bei den Hauterkrankungen Akne und Rosazea nehmen Sie in den ersten drei Wochen täglich 100 Milligramm Doxycyclin ein. Danach schließt sich eine Erhaltungstherapie in geringerer Dosierung mit 50 Milligramm Doxycyclin täglich an, die Sie bei Rosazea maximal drei Wochen fortführen, bei Akne maximal zwölf Wochen.

Rosazea

Oraycea: Dieses niedrig dosierte Doxycyclin kommt nur bei Rosazea zum Einsatz. Über einen Zeitraum von sechs Wochen hinweg nehmen Sie täglich am Morgen eine Kapsel ein. Wenn sich das Hautbild in diesem Zeitraum nicht verbessert, sollten Sie nach Rücksprache mit dem Arzt die Behandlung abbrechen. Bislang liegen erst für eine Behandlung von vier Monaten Erfahrungen aus klinischen Studien vor.

Achtung

Beachten Sie für die folgenden Abschnitte auch die Ausführungen unter Antibiotika allgemein.

Doxycyclin macht die Haut empfindlicher für Sonnenlicht. Während der Behandlung sollten Sie daher keine ausgedehnten Sonnenbäder nehmen und nicht ins Solarium gehen.

Setzen Sie Ihre Haut während der Behandlung nie ohne Sonnenschutzmittel der Sonne aus. Sehr oft kommt es zu sonnenallergieähnlichen Symptomen: Es bilden sich Bläschen und die Haut rötet sich. Auch Ihre Nägel sollten Sie vor allzu starker Sonneneinwirkung schützen. Entsteht ein Sonnenbrand mit stark geröteter, entzündeter Haut, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Doxycyclin dürfen Sie keinesfalls nach Ablauf des Verfallsdatums verwenden, da die Zersetzungsprodukte überlagerter Tabletten ein Fanconi-Syndrom auslösen können. Anzeichen dafür sind erhöhte Mengen an Urin, wobei die Nieren verstärkt Zucker, Eiweiß und Kalium ausscheiden und das Blut übersäuert (Acidose).

Gegenanzeigen

Wenn die Funktion Ihrer Leber massiv gestört ist, dürfen Sie nicht mit Doxycyclin behandelt werden.

Wenn Ihre Nierenfunktion oder Ihre Leberfunktion eingeschränkt ist, muss der Arzt Nutzen und Risiken der Behandlung sorgfältig abwägen. Das gilt auch, wenn Sie an Myasthenia gravis erkrankt sind, weil dann die Gefahr besteht, dass sich die Krankheit unter der Behandlung mit Doxycyclin verschlimmert.

Rosazea

Oraycea: Dieses Mittel ist nicht für die Behandlung einer Rosazea gedacht, die bereits das Auge erfasst hat. Dafür liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Damit sich keine Resistenzen gegen verschiedene Antibiotika entwickeln, sollten nicht mehrere Antibiotika hintereinander oder gleichzeitig eingesetzt werden, auch nicht äußerlich und innerlich parallel. Auch vorbeugend sollten Sie diese Mittel nicht anwenden.

Unbedingt beachten

Wenn Sie noch andere Medikamente anwenden, ist zu beachten:

  • Doxycyclin darf keinesfalls gleichzeitig und auch nicht kurz vor oder nach einer Behandlung mit Isotretinointabletten (bei Akne) angewendet werden, weil dann der Hirndruck gefährlich ansteigen kann.
  • Doxycyclin verstärkt die Wirkung der blutzuckersenkenden Sulfonylharnstoffe (z. B. Glibenclamid, bei Typ-2-Diabetes), sodass der Blutzucker zu stark absinken und eine Unterzuckerung auftreten kann. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel zur Blutzuckersenkung: verstärkte Wirkung.
  • Doxycyclin verstärkt die Aufnahme von Digoxin (bei Herzschwäche) ins Blut. Wenn Sie das Antibiotikum länger als einige Tage einnehmen müssen, sollte der Arzt die Dosis von Digoxin anpassen. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel bei Herzschwäche: verstärkte Wirkung.
  • Doxycyclin verstärkt die Wirkung von gerinnungshemmenden Mitteln (Wirkstoffe: Warfarin, Phenprocoumon, bei erhöhter Thrombosegefahr). Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.
  • Antazida (bei Sodbrennen) und Eisen (bei Blutarmut) beeinträchtigen die Aufnahme von Doxycyclin, sodass dieses nicht mehr so gut wirkt. Auch Phenobarbital, Phenytoin, Primidon und Carbamazepin (alle bei Epilepsien) sowie Rifampicin (bei Tuberkulose) vermindern die Wirkung von Doxycyclin. Näheres hierzu lesen Sie unter Antibiotika/Virustatika: verringerte Wirkung. Nehmen Sie diese Mittel deshalb im Abstand von zwei bis drei Stunden ein.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Doxycyclin dürfen Sie nicht zusammen mit Milch einnehmen und auch nicht mit Mineralwässern und Säften, die mit Calcium angereichert sind, weil das Mittel dann nicht richtig ins Blut aufgenommen wird. Im Abstand von zwei bis drei Stunden jedoch können Sie Milch oder Milchprodukte wie Jogurt, Quark oder Käse zu sich nehmen.

Nebenwirkungen

Alle Angaben hierzu lesen Sie unter "Unerwünschte Wirkungen" bei Antibiotika allgemein. Zusätzlich ist zu beachten:

Wenn Übelkeit, Sodbrennen, Magendrücken, Erbrechen, Durchfall oder Blähungen auftreten, sollten Sie das Mittel mit dem Essen einnehmen (aber nicht mit Milch oder Milchprodukten). Oft legen sich die Beschwerden dann.

Dieses Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken davon in der Regel nichts, vielmehr fallen die Funktionsänderungen nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom Einzelfall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man solche Leberwerte oft tolerieren und sie häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen und eventuell zu einem anderen Mittel wechseln.

Rosazea

Oraycea: Da das Risiko für unerwünschte Wirkungen in der Regel von der verabreichten Dosis abhängig ist, treten die meisten der im Folgenden genannten Nebenwirkungen bei diesem niedrig dosierten Mittel seltener auf als bei den höher dosierten Doxycyclinpräparaten.

Keine Maßnahmen erforderlich

Doxycyclin kann sich in Knochen und Zähne einlagern. Die Zähne können sich dadurch gelb, braun oder schwarz verfärben, vor allem die Milchzähne bei Kindern. Außerdem werden sie anfälliger für Karies. Das Knochenwachstum kann sich verzögern. Bei Erwachsenen kommen diese unerwünschten Wirkungen nur sehr selten vor und hauptsächlich bei langfristiger hoch dosierter Einnahme von Doxycyclin.

Muss beobachtet werden

Wenn Sie sich auffällig und anhaltend müde fühlen, sollte der Arzt das Blutbild prüfen.

Während der Therapie kann sich die Nierenfunktion verschlechtern, was oft ohne Beschwerden bleibt. Wenn Sie Wassereinlagerungen in den Beinen feststellen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, der Ihre Nierenwerte bestimmt.

Doxycyclin kann vorübergehende Kurzsichtigkeit auslösen. Wenn Sie das Gefühl haben, schlechter zu sehen, sollten Sie das mit Ihrem Arzt besprechen und Ihr Verhalten daran anpassen.

Wenn Sie Doxycyclin über lange Zeit anwenden, kann sich die Zunge verändern (schwarze Haarzunge). Stellen Sie Veränderungen an der Zunge fest, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

In sehr seltenen Fällen (bei 1 bis 10 von 10 000 Behandelten) kann eine reversible Drucksteigerung im Gehirn auftreten (Pseudotumor cerebri). Mögliche Symptome sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und eventuell auch Sehstörungen durch Wassereinlagerungen im Auge (Papillenödem), die sich wie ein Schleier vor den Augen bemerkbar machen. Wenn derartige Beschwerden auftreten, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen. Diese unerwünschte Wirkung verschwindet, wenn das Mittel abgesetzt wird.

Besondere Hinweise

Allgemein

Alle Angaben hierzu lesen Sie unter "Hinweise" bei Antibiotika allgemein.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Vor allem Kinder unter 8 Jahren dürfen Doxycyclin wegen der unerwünschten Wirkungen auf Knochenwachstum und Zähne nur bekommen, wenn kein anderes Antibiotikum angewendet werden kann – was aber selten vorkommt.

Neben Zahnverfärbungen kann das Mittel bei ihnen zu einer Verzögerung des Knochenwachstum führen und dafür sorgen, dass Gelenke und Glieder schmerzen. Einige Hersteller empfehlen deshalb die Anwendung erst ab einem Alter von zwölf Jahren, auch der Hersteller von Oraycea.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Doxycyclin dürfen Sie ab der 16. Schwangerschaftswoche nicht mehr einnehmen, weil es die Zahn- und Knochenbildung des Ungeborenen beeinträchtigt.

In der Stillzeit dürfen Sie das Mittel nicht einnehmen, weil es später an den Milchzähnen der gestillten Kinder Zahnverfärbungen und Defekte am Zahnschmelz hervorrufen kann.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Doxycyclin kann in Einzelfällen vorübergehend Kurzsichtigkeit auslösen. Dann sollten Sie ohne angepasste Sehhilfe nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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