Medikamente im Test

Sulpirid

Wirkungsweise

Depressionen und Schizophrenien und andere Psychosen

Sulpirid nimmt eine Mittelstellung zwischen Antidepressivum und Neuroleptikum ein. Es wird sowohl bei Psychosen als auch bei Depressionen eingesetzt.

Wo und wie Sulpirid an der Nervenzelle wirkt, hängt offenbar von der Dosierung ab. In niedriger Dosierung sorgt es dafür, dass im Gehirn mehr von dem Botenstoff Dopamin freigesetzt wird. Damit wird seine antidepressive Wirkung erklärt. In höherer Dosierung entspricht seine Wirkung der Neuroleptika. Dann wirkt es mäßig stark antipsychotisch. Sulpirid wirkt nicht dämpfend und unterstützt nicht den Schlaf.

Depressionen

Die therapeutische Wirksamkeit von Sulpirid bei Depressionen ist nicht ausreichend nachgewiesen. Da das Mittel zudem ausgeprägte unerwünschte Wirkungen auf das Hormonsystem hat, wird es als "wenig geeignet" beurteilt.

Schizophrenien und andere Psychosen

Obwohl das Mittel bereits seit mehr als 50 Jahren in Gebrauch ist, ist seine therapeutische Wirksamkeit bei der Behandlung von Psychosen nicht ausreichend nachgewiesen. Lediglich in zwei klinischen Studien mit relativ kurzer Behandlungszeit und methodischen Schwächen wurde Sulpirid mit einem Scheinmedikament verglichen. Ein Unterschied auf die Befindlichkeit von Schizophreniepatienten war dabei nicht auszumachen. Die Vergleichsstudien mit anderen klassischen Neuroleptika oder als Zusatzmedikation bei nicht ausreichend mit Clozapin behandelten Patienten genügen heutigen Ansprüchen nicht.

Aufgrund des ungewissen Nutzens, dem ausgeprägte unerwünschte Wirkungen gegenüberstehen, wird Sulpirid als "wenig geeignet" bewertet. Es sollte allenfalls für einen Therapieversuch eingesetzt werden, um eine nicht hinreichend erfolgreiche Clozapinbehandlung zu ergänzen.

Menière-Krankheit

Niedrig dosiertes Sulpirid setzt im Gehirn den Botenstoff Dopamin vermehrt frei. Ob sich das auf die Menière-Krankheit auswirkt und wenn ja wie, ist bisher nicht ausreichend untersucht. Die therapeutische Wirksamkeit von Sulpirid bei Menière-Krankheit ist nicht ausreichend nachgewiesen. Daher werden die Mittel als "wenig geeignet" bewertet.

Anwendung

Depressionen

Zur Behandlung von Depressionen werden in der Regel 150 bis 300 Milligramm Sulpirid eingesetzt. Ansonsten gelten die gleichen Angaben wie bei den trizyklischen Antidepressiva.

Bei eingeschränkter Nierenfunktion darf Sulpirid nur halb so stark wie sonst üblich dosiert werden.

Schizophrenien und andere Psychosen

Sulpirid wird zur Behandlung von Psychosen üblicherweise in Dosierungen zwischen 300 und 1 000 Milligramm gegeben. Dabei wird die Anfangsdosierung im Abstand von ein bis drei Wochen nach und nach erhöht. Nur bei schweren Krankheitszuständen wird die Dosierung auf bis zu 1 600 Milligramm am Tag gesteigert.

Menière-Krankheit und Schizophrenien und andere Psychosen

Wenn die Nierenfunktion eingeschränkt ist, muss Sulpirid niedriger dosiert werden.

Nach 16 Uhr sollten Sie Sulpirid nicht mehr einnehmen, weil es sonst zu Schlafstörungen kommen kann. In niedrigen Dosen kann das Mittel aktivierend wirken.

Achtung

Depressionen und Menière-Krankheit

Dogmatil Saft: Das Mittel enthält als Konservierungsmittel Parabene. Wenn Sie auf Parastoffe allergisch reagieren, dürfen Sie das Präparat nicht anwenden.

Bei unregelmäßigen Monatsblutungen sollte die Ursache vor Beginn einer Behandlung mit Sulpirid abgeklärt werden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Sulpirid nicht anwenden:

  • Sie haben einen erhöhten Prolaktinblutspiegel.
  • Sie haben einen Tumor der Nebennieren, Brustkrebs oder einen Tumor, der durch Prolaktin gefördert wird.
  • Sie haben eine Erkrankung des Gehirns, die mit Erregungszuständen einhergeht, oder leiden an einer Manie.
  • Sie haben Epilepsie oder hatten schon einmal einen Krampfanfall.
  • Sie leiden an Parkinsonkrankheit und werden mit Levodopa behandelt.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie haben einen schweren Nieren- oder Leberschaden.
  • Sie können die Blase nicht vollständig entleeren, bei Männern z. B. weil Ihre Prostata vergrößert ist.
  • Der Übergang vom Magen zum Darm ist verengt (Pylorusstenose) oder Sie leiden an einer anderen Art von Verengung im Magen-Darm-Trakt (z. B. Darmverschluss).
  • Sie haben Herzrhythmusstörungen, einen verlangsamten Herzschlag oder der Mineralgehalt im Blut ist gestört (Magnesium- oder Kaliummangel). Dann können die Impulse, die das Herz zu seiner Tätigkeit anregen, nicht richtig weitergeleitet werden.
  • Sie haben Angina Pectoris oder eine Herzschwäche.
  • Sie hatten schon einmal eine Thrombose.
  • Sie haben viel zu niedrigen oder viel zu hohen Blutdruck.
  • Sie leiden an Demenz oder haben aufgrund einer Arteriosklerose ein erhöhtes Schlaganfallrisiko.
  • Sie haben ein Engwinkelglaukom (grüner Star).
  • Sie hatten schon einmal ein malignes neuroleptisches Syndrom. Dabei tritt sehr hohes Fieber auf.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Die dämpfende Wirkung von Schmerz-, Schlaf- und Beruhigungsmittel kann sich durch Sulpirid so verstärken, dass Bewegungen, Atmung und Bewusstsein ernsthaft beeinträchtigt sind.
  • Mittel mit ähnlichem Wirkort (Anticholinergika wie Trihexyphenidyl und Biperiden bei Parkinsonkrankheit und trizyklische Antidepressiva wie Clomipramin und Doxepin) können die Wirkungen von Sulpirid bis zum Delirium verstärken. Die Symptome sind mit denen des Alkoholdeliriums vergleichbar: Herzrasen, Schwitzen, Zittern, Verwirrtheit, Gleichgewichtsstörungen, Krampfanfälle.

Unbedingt beachten

Levodopa (bei Parkinsonkrankheit) und Sulpirid dürfen nicht zusammen eingenommen werden, da sie ihre Wirkung gegenseitig aufheben.

Die Kombination mit bestimmten Mitteln, die selbst am Herzen wirken, kann zu einer Form lebensbedrohlicher Herzrhythmusstörungen, den Torsade de pointes, führen. Zu diesen Medikamenten gehören beispielsweise Amiodaron, Chinidin und Sotalol, mit denen bestimmte Arten von Herzrhythmusstörungen behandelt werden, trizyklische Antidepressiva, wie Clomipramin oder Doxepin (bei Depressionen, Angst-und Zwangsstörungen), Lithium (bei Depressionen), Thioridazin (bei Schizophrenien und anderen Psychosen), Moxifloxacin sowie intravenös gegebenes Erythromycin (beide bei bakteriellen Infektionen). Näheres hierzu finden Sie unter Mittel bei Herzrhythmusstörungen: verstärkte Wirkung.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Alkohol dämpft die Gehirnfunktionen. In Kombination mit Sulpirid können vermehrt Schläfrigkeit, Benommenheit, Konzentrations- und Koordinationsstörungen auftreten.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

1 bis 10 von 100 Menschen, die Sulpirid einnehmen, bekommen Verdauungsstörungen oder leiden unter Übelkeit und Erbrechen. Bei ebenso vielen kann es zu Kopfschmerzen oder Schwitzen kommen. Dies bessert sich meist nach einiger Zeit.

Bei bis zu 10 von 100 Behandelten kann sich der Mund trocken anfühlen oder – im Gegenteil – der Speichelfluss verstärken.

Muss beobachtet werden

Bei etwa 3 von 100 Menschen, die Sulpirid einnehmen, führt der Wirkstoff zu Schwindel, 1 bis 10 von 100 Behandelten klagen über Sehstörungen.

Bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten kann das Mittel den Harnfluss behindern und das Wasserlassen erschweren.

Ebenso häufig treten Appetitsteigerung und nachfolgend Gewichtszunahme auf. Über derartige unerwünschte Wirkungen sollten Sie den Arzt informieren. Eventuell ist dann eine Dosisreduktion erforderlich.

Möglich ist auch ein vielfältiges Spektrum von psychischen Veränderungen: von Benommenheit und Müdigkeit über Verwirrtheit oder Depressionen bis zum Erregungszustand.

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten kann Sulpirid den Herzschlag beschleunigen. Eventuell kann Sulpirid den Blutdruck absinken lassen, ihn vor allem bei Menschen mit Bluthochdruck aber auch ansteigen lassen.

Wenn die genannten Symptome länger als einen Tag anhalten, sollten Sie sich an einen Arzt wenden. Benachrichtigen Sie hingegen sofort den Arzt, wenn noch Schwindel oder Kreislaufschwäche hinzukommt.

Sulpirid kann dosisabhängig ausgeprägte Wirkungen auf das Hormonsystem haben. Bei Frauen kann es zu Zyklusstörungen, schmerzhaften Verdickungen in der Brust und zu Milchfluss kommen. Männer leiden an Potenz- und Libidostörungen und die Brust kann sich vergrößern. Bei ihnen ist Milchfluss selten. Wenn diese unerwünschten Wirkungen auftreten und Sie stark beeinträchtigen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Nach dem Absetzen der Mittel bilden sich diese Störungen meist wieder zurück.

Abhängig von der Höhe der Dosierung kann Sulpirid bei 1 bis 10 von 100 Behandelten Bewegungsstörungen auslösen.

Willentlich nicht zu beeinflussende Bewegungsstörungen wie das krampfartige Herausstrecken der Zunge, das Zurückwerfen des Kopfes in den Nacken (Frühdyskinesien) oder parkinsonähnliche Beschwerden mit Zittern, langsamem und steifem Gang treten bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten auf. Darauf sollte der Arzt unbedingt aufmerksam gemacht werden. Er kann zusätzlich den Wirkstoff Biperiden verordnen, durch den diese Erscheinungen verschwinden.

Sofort zum Arzt

Wenn Bewegungs- und Bewusstseinsstörungen gleichzeitig mit hohem Fieber auftreten und eventuell noch Herzrasen, schnelles Atmen und Atemnot, Speichelfluss und Schwitzen hinzukommen, kann es sich um das lebensbedrohliche maligne neuroleptische Syndrom handeln. Da Fiebermittel nicht sicher wirken, sollte die erhöhte Temperatur mit Wadenwickeln oder Kühlbädern gesenkt werden. Das Mittel muss abgesetzt und sofort der Notarzt (Telefon 112) gerufen werden. Der Kranke braucht eine intensivmedizinische Behandlung.

In Einzelfällen kann es zu Schwindel, Herzstolpern und plötzlicher Bewusstlosigkeit kommen als Zeichen einer schweren, lebensgefährlichen Herzrhythmusstörung, der Torsade de pointes, die ein Herzversagen nach sich ziehen kann. Bei solchen Beschwerden sollten Sie unverzüglich den Arzt rufen. Das Risiko für eine solche Störung steigt insbesondere mit dem Alter an und ist bei Frauen größer als bei Männern.

Eine Behandlung mit Neuroleptika kann das Risiko für Thrombosen in den tiefen Beinvenen erhöhen. Diese unerwünschte Wirkung ist auch für Sulpirid in Einzelfällen beschrieben. Bei Schmerzen in der Leistenbeuge oder in den Kniekehlen, zusammen mit einem Schweregefühl in den Beinen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Stellen Sie stechende Schmerzen im Brustkorb, verbunden mit Atemnot, fest, sollten Sie sich sofort mit einem Arzt in Verbindung setzen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Depressionen

Eine Depression bei Kindern darf nicht mit Sulpirid behandelt werden.

Schizophrenien und andere Psychosen

Kinder unter sechs Jahren dürfen nicht mit Sulpirid behandelt werden. Ab sechs Jahre dürfen Kinder und Jugendliche mit Schizophrenie nur in Ausnahmefällen und nachdem der Arzt Nutzen und Risiken sorgfältig abgewogen hat, Sulpirid bekommen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

In der Schwangerschaft darf Sulpirid nicht angewendet werden.

Auch in der Stillzeit ist Sulpirid zu meiden, da die Substanz in die Muttermilch übergeht. Außerdem verstärkt Sulpirid aufgrund seiner Wirkung auf die Ausschüttung des Hormons Prolaktin den Milchfluss und erschwert das Abstillen.

Für ältere Menschen

Ältere Menschen benötigen nur etwa die Hälfte der für jüngere Erwachsene vorgesehenen Dosis.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Aufgrund der beschriebenen unerwünschten Wirkungen kann Sulpirid die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Sie sollten deshalb zu Behandlungsbeginn und bei Dosiserhöhungen kein Fahrzeug lenken, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

Sie sehen nun nur noch Informationen zu: ${filtereditemslist}.