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Spasmolytikum: Solifenacin

Wirkungsweise

Solifenacin wird bei Inkontinenz verordnet, da es Bindungsstellen an Zellen, die vornehmlich an der Blase vorkommen, besetzt. Voraussetzung für die Entleerung der Blase ist ein kompliziertes Wechselspiel aus An- und Entspannung verschiedener Muskelgruppen. In dieses Wechselspiel greift Solifenacin ein. Die Wirkung anderer Inkontinenzmittel wie Tolterodin richtet sich nicht ganz so speziell auf die Blasenzellen. Aufgrund dieses Unterschieds erwartet man sich von Solifenacin weniger unerwünschte Wirkungen. Die bislang vorliegenden klinischen Studien können aber noch nicht klären, ob sich diese Hoffnungen erfüllen.

Im Vergleich zu einer Scheinbehandlung verbessert sich die Inkontinenz durch Solifenacin geringfügig. Ein nicht unerheblicher Teil der Studienteilnehmer bricht die Behandlung aber wegen unerwünschter Wirkungen ab. Ob Solifenacin Vorteile gegenüber den bisherigen Standardmedikamenten hat, wurde in verschiedenen Studien geprüft. Vergleichsmedikamente waren Oxybutynin, Tolterodin und Propiverin. Große Unterschiede bestehen nicht, allerdings scheint Solifenacin gegenüber diesen Mitteln insgesamt etwas seltener Mundtrockenheit hervorzurufen.

Im direkten Vergleich zu Tolterodin zeichnet sich eine etwas bessere Wirkung ab. Solifenacin vermeidet geringfügig mehr Inkontinenzereignisse. Solifenacin ist auch besser verträglich als Tolterodin, wenn dieses rasch freigesetzt wird. Im Vergleich zu verzögert freigesetztem Tolterodin verursacht es aber etwas häufiger Mundtrockenheit. Allgemein gilt für Solifenacin: Erhöht man die Dosis, kann sich die Zahl der Toilettengänge verringern. Der Preis dafür sind allerdings mehr unerwünschte Wirkungen.

Auch seine Verträglichkeit bei der Einnahme über lange Zeit ist noch nicht ausreichend untersucht. Diese Gründe zusammengenommen führen zu der Bewertung "mit Einschränkung geeignet".

Anwendung

Zwei bis vier Wochen nach Behandlungsbeginn sollten Sie sich fragen, ob sich Ihr Inkontinenzproblem gebessert hat. Ist dem nicht so, wirkt das Mittel bei Ihnen nicht und Sie sollten die Einnahme beenden.

Auch bei einer Behandlung über längere Zeit sollten Sie die Tabletten in Absprache mit dem Arzt von Zeit zu Zeit absetzen, um zu prüfen, ob sich die Probleme nachhaltig gebessert haben.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Solifenacin nicht einnehmen:

  • Die Funktionsfähigkeit Ihrer Leber ist stark eingeschränkt.
  • Die Funktionsfähigkeit Ihrer Nieren ist stark eingeschränkt oder die Ihrer Leber ist mäßig eingeschränkt und Sie nehmen gleichzeitig Itraconazol oder Ketoconazol (innerlich bei Pilzinfektionen) oder Nelfinavir oder Ritonavir (beide bei HIV-Infektionen) ein.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie können die Blase nicht vollständig entleeren, bei Männern z. B. weil die Prostata vergrößert ist.
  • Der Speisebrei kann sich im Magen-Darm-Trakt nicht ungehindert fortbewegen, weil es anlagebedingte oder z. B. durch Narben entstandene Verengungen gibt oder sich die Muskulatur nicht ausreichend zusammenziehen kann.
  • Sie haben häufig Sodbrennen, weil sich Teile des Magens in die Brusthöhle verlagert haben (Hiatushernie).
  • Sie haben Magen-Darm-Beschwerden wie Verstopfung.
  • Bei Ihnen liegen Funktionsstörungen von Nieren und Leber vor. Bei erheblich eingeschränkter Nierenfunktion oder mäßig eingeschränkter Leberfunktion dürfen Sie pro Tag nicht mehr als fünf Milligramm Solifenacin einnehmen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Solifenacin verringert die Eigenbewegungen der Speiseröhre und des Magen-Darm-Trakts. Werden gleichzeitig Medikamente eingenommen, die diese Verdauungswege reizen, wie Bisphosphonate (bei Osteoporose), können diese Arzneimittel größeren Schaden anrichten. Zum Beispiel können sie die Schleimhaut der Speiseröhre schädigen.
  • Die gleichzeitige Einnahme von Solifenacin und Anticholinergika (z. B. bei Parkinsonkrankheit) oder Neuroleptika (bei Schizophrenien und anderen Psychosen) kann sowohl Wirkungen als auch Nebenwirkungen beider Mittel verstärken. Müssen Sie solche Mittel einnehmen, sollte die Behandlung mit Solifenacin eine Woche vorher beendet werden.
  • Ketoconazol, Itraconazol (innerlich bei Pilzinfektionen), Ritonavir und Nelfinavir (beide bei HIV-Infektion) können die Wirkung von Solifenacin erheblich verstärken. Dann darf die Dosis fünf Milligramm pro Tag nicht überschreiten.
  • Die Wirkungen von Solifenacin und Acetylcholinesterase-Hemmern (bei Demenzerkrankungen) beeinflussen einander. Bei gleichzeitiger Einnahme verringert sich die Wirkung des Demenzmedikaments. Dann kann sich die Hirnleistung verschlechtern. Zugleich verringert sich der muskelentspannende Effekt von Solifenacin an der Blase. Damit kann die Wirkung auf die Inkontinenz schwächer ausfallen.

Nebenwirkungen

Solifenacin kann die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Das gilt vor allem, wenn es lange Zeit eingenommen wird. Wenn Sie langsamer reagieren als vor der Behandlung und sowohl Aufmerksamkeit als auch Gedächtnis nachlassen, sollten Sie mit dem Arzt sprechen. Wenn Sie das Mittel absetzen, verschwinden diese Störungen wieder.

Keine Maßnahmen erforderlich

Mund und Kehle können sich trocken anfühlen, auch die Atemwege und die Haut können "austrocknen". Mit steigender Dosierung trifft das zunehmend mehr Personen.

Bei mehr als 1 von 100 Behandelten treten Übelkeit und Bauchschmerzen auf.

Muss beobachtet werden

Wenn Ihnen das Wasserlassen schwerfällt oder dabei Schmerzen auftreten, kann das daran liegen, dass das Medikament zu hoch dosiert ist. Dann sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Es können Sehstörungen auftreten, die länger als zwei Tage anhalten und teilweise auf Lichtscheu und Augentrockenheit beruhen. Diese Augenprobleme sollten Sie mit dem Arzt besprechen.

Solifenacin verringert die Schweißbildung. In heißer Umgebung kann dies zu einem Hitzestau im Körper führen. Achten Sie dann auf eine ausreichende Kühlung der Haut, z. B. mittels Ventilator oder durch Anfeuchten der Haut.

Einer Untersuchung zufolge kann sich eine Verstopfung entwickeln. Wenn Sie Solifenacin einnehmen und länger als drei bis vier Tage keinen Stuhlgang haben, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Ihr Herzschlag kann sich leicht beschleunigen, die Frequenz kann sich aber auch bis zum Herzrasen steigern. Wenden Sie sich bei solchen Herzrhythmusstörungen an den Arzt.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen.

Sofort zum Arzt

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen, oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Die oben beschriebenen Hauterscheinungen können in sehr seltenen Fällen auch erste Anzeichen für andere sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arzneimittel sein. Meist entwickeln diese sich während der Anwendung des Mittels nach Tagen bis Wochen. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus und es bilden sich Blasen ("Syndrom der verbrühten Haut"). Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich sofort an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch lebensbedrohlich verschlimmern.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Über schädliche Wirkungen einer Einnahme während der Schwangerschaft ist nichts bekannt. Dennoch sollten Sie Solifenacin nur einnehmen, wenn der Arzt es für unbedingt erforderlich hält.

Solifenacin geht in die Muttermilch über. Da in Untersuchungen an Tieren bei den gesäugten Nachkommen Wachstumsstörungen auftraten, sollten Sie Solifenacin während der Stillzeit nicht einnehmen.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Bisher wurden keine Studien an Kindern durchgeführt. Daher dürfen sie mit diesen Mitteln nicht behandelt werden.

Für ältere Menschen

Vor allem unerwünschte Wirkungen wie die Verschlechterung der geistigen Leistungsfähigkeit, Mundtrockenheit sowie Verstopfung betreffen besonders ältere Menschen. Näheres hierzu lesen Sie in der Einleitung unter Hinweise für ältere Menschen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Insbesondere Sehstörungen, eventuell auch Müdigkeit und Schwindel können die Fähigkeit beeinträchtigen, aktiv am Verkehr teilzunehmen, Maschinen zu bedienen und Arbeiten ohne sicheren Halt zu verrichten.

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