Medikamente im Test

Spasmolytikum: Propiverin

Wirkungsweise

Propiverin kann eine Dranginkontinenz auf zwei Wegen beeinflussen. Zu einen verringert sich durch den Wirkstoff die Anspannung der Muskulatur der Harnblase. Dann kann sie sich stärker dehnen und mehr Inhalt fassen. Darüber hinaus macht das Medikament das Organ weniger ansprechbar für jene Nervenimpulse, die es auf Entleerung einstellen.

Die Wirksamkeit von Propiverin bei Dranginkontinenz ist in einigen klinischen Studien nachgewiesen. Ob die Symptomverbesserungen aber das alltägliche Leben spürbar erleichtern, gilt derzeit als unsicher. Im Durchschnitt müssen Menschen, die mit Inkontinenzmitteln behandelt werden, pro Woche nur fünfmal seltener zur Toilette gehen und verlieren viermal weniger unfreiwillig Urin als ohne Behandlung. Das sieht nicht jeder als bemerkenswerte Verbesserung an. Solange sich die Abstände zwischen den Ereignissen nicht so verlängern, dass sich der Betroffene traut, das Haus für weitere Wege zu verlassen, ist die in Studien messbare Verringerung der Symptome für ihn ohne nennenswerte Bedeutung. Darum wird das Mittel als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.

Anwendung

Die übliche Dosierung sind 30 bis 45 Milligramm Propiverin am Tag.

Tritt die Inkontinenz vornehmlich nachts auf, sollen abends 15 bis 30 Milligramm eingenommen werden.

Bei einer Langzeitbehandlung sollten Sie das Mittel von Zeit zu Zeit absetzen, um zu prüfen, ob sich die Probleme gebessert haben.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Propiverin nicht anwenden:

  • Der Speisebrei kann sich im Magen-Darm-Trakt nicht ungehindert fortbewegen, weil es anlagebedingte oder zum Beispiel durch Narben entstandene Verengungen gibt oder sich die Muskulatur nicht ausreichend zusammenziehen kann. Dann kann es zu einem Verschluss von Magen oder Darm kommen. Das Gleiche gilt, wenn Sie unter der entzündlichen Darmerkrankung Colitis ulcerosa leiden.
  • Sie leiden an Herzrhythmusstörungen, bei denen das Herz sehr schnell schlägt.
  • Die Funktion Ihrer Leber ist mäßig bis stark eingeschränkt.
  • Sie leiden unter Myasthenia gravis, einer Krankheit, bei der die Nervenimpulse nicht richtig auf die Muskeln übertragen werden.
  • Sie können die Blase nicht vollständig entleeren, zum Beispiel weil die Prostata vergrößert ist.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abwägen:

  • Die Funktion Ihrer Leber oder der Nieren ist mäßig eingeschränkt.
  • Sie haben ein Engwinkelglaukom (grüner Star).
  • Sie haben eine Herzmuskelschwäche oder eine koronare Herzkrankheit.
  • Sie haben häufig Sodbrennen, weil sich Teile des Magens in die Brusthöhle verlagert haben (Hiatushernie).

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten, dass viele Arzneimittel in demselben Teil des Nervensystems wirken, den auch Propiverin beeinflusst. Bei gleichzeitiger Anwendung muss mit verstärkten unerwünschten Wirkungen gerechnet werden. Zu diesen Arzneimitteln gehören trizyklische Antidepressiva (bei Depressionen), Neuroleptika (bei Schizophrenien und anderen Psychosen), Amantadin und jene Anticholinergika, die bei Parkinsonkrankheit angewendet werden.

Auch die Wirkungen von Propiverin und Acetylcholinesterase-Hemmern (bei Demenzerkrankungen) beeinflussen einander. Bei gleichzeitiger Einnahme verringert sich die Wirkung des Demenzmedikaments. Dann kann sich die Hirnleistung verschlechtern. Zugleich kann sich der muskelentspannende Effekt von Propiverin an der Blase verringern und die Wirkung auf die Inkontinenz somit schwächer ausfallen.

Nebenwirkungen

Propiverin kann die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Das gilt vor allem, wenn es lange Zeit eingenommen wird. Wenn Sie langsamer reagieren als vor der Behandlung und sowohl Aufmerksamkeit als auch Gedächtnis nachlassen, sollten Sie mit dem Arzt sprechen. Wenn Sie das Mittel absetzen, verschwinden diese Störungen wieder.

Keine Maßnahmen erforderlich

Mund und Kehle können sich trocken anfühlen, auch die Atemwege und die Haut können "austrocknen".

Muss beobachtet werden

Wenn Ihnen das Wasserlassen schwerfällt oder dabei Schmerzen auftreten, kann das daran liegen, dass das Medikament zu hoch dosiert ist. Dann sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Schwäche und Schwindel können darauf hindeuten, dass das Mittel den Blutdruck erhöht oder abgesenkt hat. Diese Veränderung sollte der Arzt überprüfen.

Es können Sehstörungen auftreten, die länger als zwei Tage anhalten und teilweise auf Lichtscheu und Augentrockenheit beruhen. Diese Augenprobleme sollten Sie mit dem Arzt besprechen.

Einer aktuellen Untersuchung zufolge kann sich eine Verstopfung entwickeln. Wenn Sie Propiverin einnehmen und länger als drei bis vier Tage keinen Stuhlgang haben, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Ihr Herzschlag kann sich leicht beschleunigen, die Frequenz kann sich aber auch vereinzelt bis zum Herzrasen steigern. Wenden Sie sich bei solchen Herzrhythmusstörungen an den Arzt.

Wenn sich die Haut verstärkt rötet und juckt und sich Bläschen bilden, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen und mit ihm über das weitere Vorgehen beraten.

Sofort zum Arzt

Wenn starker Hautausschlag, Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel auftreten, müssen Sie die Anwendung sofort abbrechen und unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen, weil es sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln kann.

Das Mittel kann in Einzelfällen ein Glaukom auslösen. Symptome dafür sind gerötete, schmerzende Augen, geweitete Pupillen, die sich bei Lichteinfall nicht mehr verengen, sowie sich hart anfühlende Augäpfel. Dann müssen Sie unverzüglich einen Augenarzt oder die nächste Notfallambulanz aufsuchen. Wird ein solcher akuter Glaukomanfall nicht sofort behandelt, können Sie erblinden.

Fieber, Schwitzen, Herzrasen, gerötete Haut, Unruhe, Störungen des Bewusstseins, der Aufmerksamkeit und Orientierung, die so weit gehen können, dass der Betreffende nicht mehr ansprechbar ist, sind Zeichen einer Überdosierung. Bei derartigen Vergiftungserscheinungen besteht Lebensgefahr! Es muss sofort der Notarzt gerufen werden.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Bei Kindern zwischen einem und vier Jahren kommt eine Behandlung mit Propiverin nur in Betracht, wenn eine Rückenmarksschädigung vorliegt.

Als weiteres Anwendungsgebiet von Propiverin im Kindesalter ist nächtliches Bettnässen denkbar. Diesem liegt jedoch meist eine Verhaltensstörung zugrunde, bei deren Behandlung psychotherapeutische Maßnahmen im Vordergrund stehen sollten. Soll Propiverin hier dennoch zum Einsatz kommen, wird dies erst ab dem fünften Lebensjahr empfohlen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Über die Anwendung von Propiverin in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Im Tierversuch zeigten sich bei den Nachkommen Entwicklungsstörungen. Außerdem konnte das Mittel in der Muttermilch nachgewiesen werden. Schäden für das Ungeborene oder den Säugling sind somit nicht auszuschließen. Während Schwangerschaft und Stillzeit sollte Propiverin daher nur nach sorgfältiger Abwägung der Risiken gegenüber dem zu erwartenden Nutzen angewendet werden.

Beim Tragen von Kontaktlinsen

Wenn das Mittel zu trockenen Augen führt, werden Kontaktlinsen schlechter vertragen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Wenn Sehstörungen auftreten, sollten Sie kein Fahrzeug lenken, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs