Medikamente im Test

Spasmolytikum: Fesoterodin

Wirkungsweise

Fesoterodin wirkt bei Inkontinenz, da es die Muskelspannung der Harnblase verringert. Die so entspanntere Harnblase kann sich stärker dehnen und das Gefühl, zur Toilette gehen zu müssen, wird weniger drängend. Außerdem macht das Mittel die Harnblase weniger ansprechbar für jene Nervenimpulse, die sie auf Entleerung einstellen.

Fesoterodin wird im Körper zu verschiedenen Substanzen umgebaut, wovon eine bei Dranginkontinenz besonders wirksam ist. Diese Substanz, auf der die Wirksamkeit bei Inkontinenz vornehmlich beruht, entsteht sowohl beim Abbau von Fesoterodin als auch von Tolterodin, einem verwandten Inkontinenzmittel, das schon 10 Jahre länger als Fesoterodin im Handel ist. Mithin ist die eigentliche Wirksubstanz beider Medikamente die Gleiche.

Durch die Einnahme von Fesoterodin werden Inkontinenzvorfälle etwas seltener. Trotzdem gilt der Nutzen der Anwendung derzeit noch als unsicher. Der Nutzen wäre dann erwiesen, wenn das alltägliche Leben durch die Medikamenteneinnahme spürbar leichter würde. Im Durchschnitt müssen Menschen, die mit Inkontinenzmitteln behandelt werden, pro Woche aber nur fünfmal seltener zur Toilette gehen und verlieren viermal weniger unfreiwillig Urin. Das sieht nicht jeder als bemerkenswerte Verbesserung an. Solange sich die Abstände zwischen den Ereignissen nicht so verlängern, dass sich der Betroffene traut, das Haus für weitere Wege zu verlassen, ist die in Studien messbare Verringerung der Symptome für ihn ohne nennenswerte Bedeutung.

Wenngleich es zwischen Fesoterodin und Tolterodin keinen nennenswerten Unterschied gibt, zeigt Fesoterodin in einer Dosierung von 8 Milligramm im Vergleich zu verzögert freigesetztem Tolterodin bei einigen Patienten doch geringfügige Vorteile. Dafür tritt bei der Einnahme von Fesoterodin aber häufiger Mundtrockenheit auf und es brechen mehr Patienten eine länger dauernde Behandlung wegen unerwünschter Wirkungen ab.

Ferner ist nicht klar, ob das Erreichte bestehen bleibt, wenn Fesoterodin nicht mehr eingenommen wird. Da zudem relativ häufig recht belastende unerwünschte Wirkungen auftreten, wird das Mittel als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.

Anwendung

Zur Dauerbehandlung werden pro Tag bis zu 8 Milligramm Fesoterodin eingenommen. Menschen mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion benötigen eine geringere Dosis.

Bei einer Behandlung über längere Zeit sollten Sie die Tabletten von Zeit zu Zeit einmal absetzen, um zu prüfen, ob sich die Probleme gebessert haben.

Bei einer Dauerbehandlung sollte die Leberfunktion regelmäßig kontrolliert werden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Fesoterodin nicht einnehmen:

  • Obwohl die Blase gefüllt ist, können Sie kein Wasser lassen (Harnverhalt).
  • Der Speisebrei kann sich im Magen-Darm-Trakt nicht ungehindert fortbewegen, weil es anlagebedingte oder zum Beispiel durch Narben entstandene Verengungen gibt oder sich die Muskulatur nicht ausreichend zusammenziehen kann. Dann kann es zu einem Verschluss von Magen oder Darm kommen. Das Gleiche gilt, wenn Sie unter der entzündlichen Darmerkrankung Colitis ulcerosa leiden.
  • Sie leiden an Myasthenia gravis, einer Nervenerkrankung, bei der die Nervenimpulse nicht richtig auf die Muskeln übertragen werden.
  • Ihre Leberfunktion ist stark eingeschränkt. Das gilt auch, wenn Leber und Nieren eingeschänkt arbeiten und Sie zusätzlich Arzneimittel einnehmen müssen, die den Abbau von Fesoterodin verlangsamen. Dazu gehören z. B. Ketoconazol (innerlich bei Pilzerkrankungen) und Clarithromycin (bei bakteriellen Infektionen).

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie können nur schlecht Wasser lassen. Bei Männern kann der Grund dafür eine vergrößerte Prostata sein.
  • Die Funktionsfähigkeit der Leber oder der Nieren ist eingeschränkt.
  • Sie neigen zu Darmträgheit oder leiden an einem unzureichenden Verschluss des Mageneingangs (Refluxkrankheit).
  • Sie haben einen langsamen Herzschlag, einen niedrigen Kaliumspiegel im Blut oder es liegt eine Herzerkrankung vor, wie Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen.
  • Sie haben ein Engwinkelglaukom (grüner Star).

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten, dass viele Arzneimittel in demselben Teil des Nervensystems wirken, den auch Fesoterodin beeinflusst. Bei gleichzeitiger Anwendung muss mit verstärkten unerwünschten Wirkungen gerechnet werden. Zu diesen Arzneimitteln gehören trizyklische Antidepressiva (bei Depressionen), Neuroleptika (bei Schizophrenien und anderen Psychosen), Amantadin und jene Anticholinergika, die bei Parkinsonkrankheit angewendet werden.

Durch Ketoconazol und Itraconazol (innerlich bei Pilzinfektionen), Atazanavir, Indinavir, Nelfinavir, Ritonavir, Saquinavir (alle bei HIV-Infektion), Clarithromycin und Telithromycin (bei bakteriellen Infektionen) wird Fesoterodin vom Körper langsamer abgebaut. Dann kann das Mittel stärker wirken und es können vermehrt unerwünschte Wirkungen auftreten. Muss das Inkontinenzmittel mit einem der anderen genannten Mittel zusammen eingenommen werden, beträgt die Höchstdosis von Fesoterodin 4 Milligramm am Tag.

Die Wirkungen von Fesoterodin einerseits und Acetylcholinesterase-Hemmern (bei Demenzerkrankungen) andererseits beeinflussen einander. Bei gleichzeitiger Einnahme verringert sich die Wirkung des Demenzmedikaments. Dann kann sich die Hirnleistung verschlechtern. Zugleich kann sich der muskelentspannende Effekt von Fesoterodin an der Blase verringern und die Wirkung auf die Inkontinenz somit schwächer ausfallen.

Fesoterodin kann durch Rifampicin (bei Tuberkulose), Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin (alle bei Epilepsien) und Johanniskraut (bei Depressionen) schwächer wirken. Möglicherweise muss der Arzt dann die Dosierung anpassen.

Unbedingt beachten

Fesoterodin darf bei eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion nicht zusammen mit den oben genannten Arzneimitteln, die seinen Abbau verlangsamen, eingenommen werden, weil sich dann der Blutspiegel von Fesoterodin gefährlich erhöhen kann.

Nebenwirkungen

Fesoterodin kann die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Das gilt vor allem, wenn es lange Zeit eingenommen wird. Wenn Sie langsamer reagieren als vor der Behandlung und sowohl Aufmerksamkeit als auch Gedächtnis nachlassen, sollten Sie mit dem Arzt sprechen. Wenn Sie das Mittel absetzen, verschwinden diese Störungen wieder.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei mehr als 10 von 100 Behandelten können sich Mund und Kehle trocken anfühlen, auch die Haut kann "austrocknen". Über trockene Augen klagen bis zu 10 von 100 Anwendern. Ebenso viele klagen über Bauchschmerzen, Durchfall oder Übelkeit.

1 bis 10 von 100 Behandelten berichtet von Schwindel oder Benommenheit.

Muss beobachtet werden

Einer aktuellen Untersuchung zufolge kann sich eine Verstopfung entwickeln. 1 bis 10 von 100 Behandelten berichten davon. Wenn Sie Fesoterodin einnehmen und länger als drei bis vier Tage keinen Stuhlgang haben, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

1 von 100 Behandelten hat Schmerzen beim Wasserlassen oder der Harnfluss tritt verzögert ein. Manche haben das Gefühl, dass sie die Blase nicht vollständig leeren können. In der Folge kann es zu Harnwegsinfektionen kommen.

Bei etwa 1 von 100 kann das Herz ungewöhnlich schnell oder unrhythmisch schlagen. Insbesondere wenn bereits Herzerkrankungen vorliegen, sollten Sie diese mit einem Arzt besprechen.

Vor allem bei längerer Anwendung können sich Sehstörungen entwickeln. Wenn diese Beschwerden länger als zwei Tage anhalten, sollten Sie sich mit dem Arzt in Verbindung setzen.

Wenn sich die Haut verstärkt rötet und juckt und sich Bläschen bilden, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen und mit ihm über das weitere Vorgehen beraten.

Sofort zum Arzt

Bei starkem Hautausschlag, Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel müssen Sie die Anwendung sofort abbrechen und unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen, weil es sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln kann.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Dass das Mittel bei Kindern wirkt, ist nicht nachgewiesen. Daher sollte es bei ihnen nicht angewendet werden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Fesoterodin sollte aufgrund der Ergebnisse von Tierversuchen und wegen fehlender Erfahrungen beim Menschen in der Schwangerschaft nicht angewendet werden.

Wegen fehlender Erfahrungen soll es auch in der Stillzeit nicht zum Einsatz kommen. Ist eine Anwendung während dieser Zeit dennoch erforderlich, muss abgestillt werden.

Für ältere Menschen

Vor allem unerwünschte Wirkungen wie die Verschlechterung der geistigen Leistungsfähigkeit, Mundtrockenheit sowie Verstopfung betreffen besonders ältere Menschen. Näheres hierzu lesen Sie in der Einleitung unter Hinweise für ältere Menschen.

Beim Tragen von Kontaktlinsen

Wenn das Mittel zu trockenen Augen führt, werden Kontaktlinsen schlechter vertragen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Es kann sein, dass das Mittel zu verschwommenem Sehen, Schwindel und Benommenheit, verbunden mit Schläfrigkeit, führt. Das kann die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Dann sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs