Medikamente im Test

Spasmolytikum: Darifenacin

Wirkungsweise

Darifenacin setzt sich an jene Bindungsstellen von Zellen, die das Zusammenziehen der Harnblasenmuskulatur kontrollieren. Seine Wirkung bei Inkontinenz zeigt sich darin, dass die Blase mehr Urin fasst und erst später als sonst und weniger häufig ungewollt Urin abgibt. Auch das Gefühl, dringend auf die Toilette gehen zu müssen, stellt sich seltener ein. In Studien beurteilte eine Reihe von Behandelten diese Wirkungen durchaus als Verbesserung der Lebensqualität, obwohl die typischen Nebenwirkungen dieser Blasenmittel auftraten. Allerdings waren die positiven Effekte nur geringfügig größer als bei denjenigen, die mit einem Scheinmedikament behandelt wurden. Diese Ergebnisse und die fehlenden Langzeiterfahrungen führen zu der Bewertung "mit Einschränkung geeignet".

Anwendung

Zwei Wochen nach Behandlungsbeginn sollten Sie sich fragen, ob sich Ihr Inkontinenzproblem gebessert hat; gegebenenfalls können Sie die Dosierung noch erhöhen. Bleibt der Erfolg auch dann aus, wirkt das Mittel bei Ihnen nicht und Sie sollten die Einnahme beenden.

Bei einer Behandlung über längere Zeit sollten Sie die Tabletten von Zeit zu Zeit absetzen, um zu prüfen, ob sich die Probleme nachhaltig gebessert haben.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Darifenacin nicht einnehmen:

  • Sie können die Blase nicht vollständig entleeren, bei Männern zum Beispiel weil die Prostata vergrößert ist.
  • Sie leiden an einer schweren Erkrankung des Magen-Darm-Trakts (z. B. toxisches Megakolon oder schwere Colitis ulcerosa).
  • Sie leiden unter Myasthenia gravis, einer Krankheit, bei der die Nervenimpulse nicht richtig auf die Muskeln übertragen werden.
  • Die Funktionsfähigkeit Ihrer Leber ist stark eingeschränkt.

Bei Magen-Darm-Beschwerden wie Verstopfung und Sodbrennen muss der Arzt Nutzen und Risiken einer Behandlung mit Darifenacin besonders sorgfältig abwägen. Das gilt auch, wenn sich der Speisebrei im Magen-Darm-Trakt nicht ungehindert fortbewegen kann, weil es anlagebedingte oder zum Beispiel durch Narben entstandene Verengungen gibt oder sich die Muskulatur nicht ausreichend zusammenziehen kann. Auch wenn bei Ihnen ein Engwinkelglaukom festgestellt wurde, muss der Arzt Vor- und Nachteile einer Behandlung mit Darifenacin sorgfältig abwägen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Darifenacin verringert die Eigenbewegungen der Speiseröhre und des Magen-Darm-Trakts. Werden gleichzeitig Medikamente eingenommen, die diese Verdauungswege reizen, wie beispielsweise Bisphosphonate (bei Osteoporose), können diese Arzneimittel größeren Schaden anrichten. Zum Beispiel können sie die Schleimhaut der Speiseröhre schädigen.
  • Auch Erythromycin, Clarithromycin und Telithromycin (bei bakteriellen Infektionen) sowie Fluconazol (innerlich bei Pilzinfektionen) verstärken die Wirkung von Darifenacin. Es ist ratsam, die Behandlung mit einer geringen Dosis zu beginnen. Sie kann gesteigert werden, wenn das Mittel gut vertragen wird.
  • Durch Darifenacin können Thioridazin und Imipramin (beide bei Depressionen) stärker wirken.
  • Die gleichzeitige Einnahme von Darifenacin und Anticholinergika (z. B. bei Parkinsonkrankheit) kann sowohl Wirkungen als auch Nebenwirkungen beider Medikamente verstärken.
  • Die Wirkungen von Darifenacin und Acetylcholinesterase-Hemmern (bei Demenzerkrankungen) beeinflussen einander. Bei gleichzeitiger Einnahme verringert sich die Wirkung des Demenzmedikaments. Dann kann sich die Hirnleistung verschlechtern. Zugleich verringert sich der muskelentspannende Effekt von Darifenacin an der Blase. Damit kann die Wirkung auf die Inkontinenz schwächer ausfallen.

Unbedingt beachten

  • Wenn Sie gleichzeitig mit Paroxetin (bei Depressionen), Amiodaron (bei Herzrhythmusstörungen) oder Terbinafin (innerlich bei Pilzerkrankungen) behandelt werden, kann Darifenacin stärker wirken. Dann können Nebenwirkungen häufiger auftreten. Bei einer solchen Medikamentenkombination sollte die Behandlung mit 7,5 Milligramm Darifenacin beginnen.
  • Itraconazol und Ketoconazol (innerlich bei Pilzinfektionen) und Nelfinavir und Ritonavir (beide bei HIV-Infektion) können die Wirkung von Darifenacin sehr verstärken. Daher sollten diese Arzneistoffe nicht miteinander kombiniert werden. Bei der gemeinsamen Anwendung mit Ciclosporin (bei Organtransplantationen, Schuppenflechte) sollte eine Dosierung von 7,5 Milligramm Darifenacin pro Tag keinesfalls überschritten werden.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Grapefruits und Grapefruitsaft können die Wirkungen und Nebenwirkungen von Darifenacin verstärken. Während der Behandlung sollten Sie diese Lebensmittel meiden.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Mund und Kehle können sich trocken anfühlen, auch die Atemwege und die Haut können "austrocknen". Je höher die Dosierung ist, desto häufiger stellt sich das Problem ein.

Bei mehr als 1 von 100 Behandelten treten Übelkeit und Bauchschmerzen auf.

Muss beobachtet werden

Wenn Ihnen das Wasserlassen schwerfällt oder Sie dabei Schmerzen haben, kann das daran liegen, dass das Medikament zu hoch dosiert ist. Dann sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Es können Sehstörungen auftreten, die länger als zwei Tage anhalten und teilweise auf Lichtscheu und Augentrockenheit beruhen. Diese Augenprobleme sollten Sie mit einem Arzt besprechen.

Darifenacin verringert die Schweißbildung. In heißer Umgebung kann dies zu einem Hitzestau im Körper führen. Achten Sie dann auf eine ausreichende Kühlung der Haut, zum Beispiel mittels Ventilator oder durch Anfeuchten der Haut.

Schwäche und Schwindel können darauf hindeuten, dass das Mittel den Blutdruck erhöht oder gesenkt hat. Diese Veränderung sollte der Arzt überprüfen.

Einer aktuellen Untersuchung zufolge kann sich eine Verstopfung entwickeln. Wenn Sie Darifenacin einnehmen und länger als drei bis vier Tage keinen Stuhlgang haben, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wenn sich die Haut verstärkt rötet und juckt und sich Bläschen bilden, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen und mit ihm über das weitere Vorgehen beraten.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Bisher wurden keine Studien an Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren durchgeführt. Daher dürfen sie mit diesem Mittel nicht behandelt werden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Wegen unzureichender Erfahrungen sollten Sie Darifenacin in der Schwangerschaft möglichst nicht einnehmen.

Auch während der Stillzeit können Risiken für das gestillte Kind nicht ausgeschlossen werden. Sicherheitshalber sollten Sie Darifenacin in dieser Zeit nicht anwenden.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Vor allem Sehstörungen, eventuell auch Müdigkeit und Schwindel können die Fähigkeit beeinträchtigen, ein Fahrzeug zu lenken, Maschinen zu bedienen und Arbeiten ohne sicheren Halt zu verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs