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Schmerzmittel: Tilidin + Naloxon (Kombination)

Wirkungsweise

Das Kombinationsmittel enthält das Opioid Tilidin und Naloxon. Tilidin ist ein mäßig stark wirkender Stoff, dessen Wirkmechanismus dem von Morphin entspricht. Naloxon ist ein Gegenmittel zu Morphin. Mit einer Injektion von Naloxon lässt sich beispielsweise eine Überdosis Morphin neutralisieren, denn es besetzt die Opiatrezeptoren, an die sich sonst Morphin oder andere Opioide binden würden. Weitere Informationen zu dieser Wirkstoffgruppe lesen Sie unter Opioide allgemein: Was ist das Besondere an diesen Wirkstoffen.

In der Kombination mit Tilidin macht man sich diese Eigenschaften von Naloxon zu eigen und das hat folgenden Grund: Als Medikamente mit Tilidin ohne den Zusatz in den Handel kamen, wurden sie bald von der Drogenszene entdeckt. Die Tropfen, die zum Einnehmen gedacht waren, wurden gespritzt und wirkten euphorisierend. Um diesem Missbrauch entgegenzutreten, wurden die Präparate mit Naloxon versetzt. Werden diese – anders als vorgesehen – gespritzt, wirken sie nicht mehr anregend. Geschluckt behält die Kombination von Tilidin und Naloxon hingegen seine Wirksamkeit, weil das Naloxon in der Leber rasch abgebaut wird. Das gilt jedoch nur, solange von dem Mittel nur so viel eingenommen wird, dass die Menge von 600 Milligramm Tilidin nicht überschritten wird. Damit gelangen gleichzeitig höchstens 48 Milligramm Naloxon in den Körper. Ob die Leber eine größere Menge Naloxon noch schnell genug abbauen kann, ist nicht sicher. Gelingt das nicht, kann die Eigenschaft von Naloxon als Gegenmittel zum Opioid doch zum Tragen kommen und die Wirksamkeit von Tilidin abschwächen. Das bedeutet, dass der Zusatz von Naloxon die Möglichkeit begrenzt, die Tilidindosis so weit zu steigern, wie es zur ausreichenden Schmerzstillung bei der jeweiligen Person erforderlich ist. Aus diesem Grund wird die Kombination aus Tilidin und Naloxon bei starken Schmerzen als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.

In den vergangenen Jahren wurde festgestellt, dass diese Mittel in Tropfenform trotz des Naloxonzusatzes vielfach missbräuchlich verwendet werden. Sie unterstehen daher nun dem Betäubungsmittelgesetz. Die Tropfen sollten nur zu Beginn der Behandlung eingesetzt werden, um die geeignete Dosierung herauszufinden. Danach sollte auf Tabletten umgestellt werden.

Anwendung

Die übliche Dosierung des Tilidinanteils sind 50 bis 100 Milligramm. Normalerweise genügen insgesamt 200 Milligramm am Tag, Höchstmenge sind 6-mal 100 Milligramm pro Tag. Nach 25 bis 50 Minuten lassen die Schmerzen nach.

Soll das Schmerzmittel nach längerer Behandlungszeit abgesetzt werden, muss die Dosierung gemäß der ärztlichen Anweisung langsam verringert werden.

Achtung

Einige Präparate enthalten Alkohol (siehe Übersicht). Personen mit Alkoholproblemen dürfen die Mittel nicht einnehmen. Auch Leberkranke und Personen mit Anfallleiden sollten den Alkoholgehalt berücksichtigen. Darüber hinaus kann Alkohol die Wirkung vieler Arzneimittel (z. B. Schlaf- und Beruhigungsmittel, Psychopharmaka, starke Schmerzmittel, einige Mittel bei hohem Blutdruck) verstärken.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie das Mittel nicht anwenden:

  • Ihre Atemfunktion ist beeinträchtigt (z. B. bei Asthma, Lungenemphysem, Lungenhochdruck). Wird dann eines dieser Präparate angewendet, kann es zu einer gefährlichen Unterversorgung mit Sauerstoff kommen.
  • Ihre Leberfunktion ist mäßig oder schwer gestört. Dann können die Mittel nicht wirken.
  • Es besteht eine Abhängigkeit von Morphin. Dann lösen die Mittel schwere Entzugserscheinungen aus.
  • Sie haben in den vergangenen zwei Wochen MAO-Hemmer (Tranylcypromin oder Moclobemid bei Depressionen, Selegilin bei Parkinsonkrankheit) eingenommen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Alle Medikamente, die die Gehirnfunktion dämpfen, wie Benzodiazepine (bei Angststörungen), Schlafmittel, Mittel bei Depressionen, Schizophrenien und anderen Psychosen sowie bei Allergien, können die atemlähmende Wirkung des Opioids Tilidin verstärken.
  • Buprenorphin (bei starken Schmerzen) kann die Wirkung von Tilidin verringern oder sogar aufheben.
  • Bei gleichzeitiger Anwendung dieses Mittels mit einem Benzodiazepin (bei Schlafstörungen oder Angst- und Zwangsstörungen) verdoppelt sich das Risiko, dass unerwünschte Wirkungen wie Schwindel, Benommenheit und Atemprobleme auftreten, die eine Krankenhauseinweisung erforderlich machen.

Unbedingt beachten

Dieses Schmerzmittel kann in Einzelfällen die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden, verstärken. Wenn Sie eine Schmerzbehandlung mit einem dieser Schmerzmittel beginnen, sollten Sie deshalb die Blutgerinnung häufiger als sonst selbst kontrollieren oder vom Arzt kontrollieren lassen. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Die zeitgleiche Einnahme des Mittels mit einem MAO-Hemmer (Tranylcypromin oder Moclobemid bei Depressionen, Selegilin bei Parkinsonkrankheit) kann das lebensbedrohliche Serotonin-Syndrom mit Erregungszuständen, Bewusstseinstrübung, Muskelzittern und -zucken sowie Blutdruckabfall auslösen. Nach einer Behandlung mit MAO-Hemmern müssen mindestens zwei Wochen verstreichen, bevor Sie diese Schmerzmittel einnehmen dürfen. Die gleiche Zeit muss vergehen, bis Sie nach einer Behandlung mit diesen Schmerzmitteln einen MAO-Hemmer einnehmen dürfen. Ein Serotonin-Syndrom kann sich möglicherweise auch bei der gleichzeitigen Anwendung dieser Schmerzmittel mit SSRI (bei Depressionen) einstellen.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Alkohol kann die atemlähmende Wirkung von Opioiden verstärken.

Nebenwirkungen

Muss beobachtet werden

Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen zeigen sich meist am Anfang der Behandlung und verstärken sich bei körperlicher Belastung.

Benommenheit, Müdigkeit und Verwirrtheit verstärken sich bei höherer Dosierung.

Es können Kopfschmerzen und Schwitzen auftreten.

Halten diese Beschwerden an, sollten Sie mit dem Arzt darüber sprechen.

Sofort zum Arzt

Tilidin kann die Zahl der Atemzüge und die Atemtiefe (Atemdepression) verringern. Wer einen Schwerkranken betreut, sollte auf dessen Atmung achten. Sind nur noch vier bis sechs statt der üblichen zwölf Atemzüge pro Minute feststellbar, müssen Sie sofort den Arzt rufen.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen, oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Über die Risiken einer Anwendung bei Kindern unter zwei Jahren gibt es keine Erkenntnisse. Sicherheitshalber sollten sie mit diesem Mittel nicht behandelt werden. Kinder zwischen 2 und 14 Jahren erhalten bis zu viermal täglich 0,5 Milligramm Tilidin pro Kilogramm Körpergewicht, solange sie unter 20 Kilogramm wiegen. Damit bekommt beispielsweise ein Kind von 15 Kilogramm 7,5 Milligramm Tilidin. Das entspricht drei Tropfen. Das ist für Kinder die geringste Einzeldosis – unabhängig vom Gewicht.

Wiegt das Kind mehr, liegt die Einzeldosis bei 0,7 Milligramm Tilidin pro Kilogramm Körpergewicht. Ein Kind von 25 Kilogramm sollte 17,5 Milligramm Tilidin erhalten, was sieben Tropfen entspricht.

Die Tabletten dürfen bei Kindern unter 14 Jahren nicht angewendet werden.

Bedenken Sie, dass einige Präparate Alkohol enthalten (siehe Übersicht). Mittel ohne Alkohol sind vorzuziehen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Über die Risiken einer Anwendung in der Schwangerschaft gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Sicherheitshalber sollten Sie das Mittel daher nicht anwenden. Während der Stillzeit sollten Sie dieses Kombinationsmittel ebenfalls nicht einnehmen. Eine einmalige Anwendung des Mittels während der Stillzeit wird jedoch als unproblematisch angesehen. Bei wiederholter Anwendung können beim Kind Atemprobleme auftreten.

Bedenken Sie darüber hinaus, dass einige Präparate Alkohol enthalten (siehe Übersicht). Mittel ohne Alkohol sind vorzuziehen.

Für ältere Menschen

Im Alter braucht der Körper länger, um Opioide abzubauen. Darum muss meist eine schwächere Dosis gewählt und der Abstand zwischen den einzelnen Gaben vergrößert werden.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Benommenheit, Müdigkeit und Schwindel können die Fähigkeit, aktiv am Verkehr teilzunehmen, Maschinen zu bedienen und Arbeiten ohne sicheren Halt zu verrichten, beeinträchtigen oder ganz unmöglich machen. Das ist insbesondere zu Beginn der Behandlung, bei einer Dosiserhöhung und nach einem Präparatewechsel zu erwarten. Menschen mit einer stabilen Behandlung können hingegen durchaus verkehrstüchtig sein. Bitten Sie daher den Arzt, Ihre Verkehrstüchtigkeit einzuschätzen.

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