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Schmerzmittel: Oxycodon + Naloxon (Kombination)

Wirkungsweise

In diesem Mittel sind der Schmerzwirkstoff Oxycodon und Naloxon miteinander kombiniert. Oxycodon ist ein Opioid, sein Wirkmechanismus entspricht dem von Morphin. Naloxon ist ein Gegenmittel zu Morphin. So lässt sich beispielsweise mit einer Injektion von Naloxon eine Überdosis Morphin neutralisieren, denn es besetzt die Bindestellen, an die sich sonst Morphin oder andere Opioide anlagern würden.

In der Kombination mit Oxycodon soll der Zusatz von Naloxon aber in erster Linie dazu dienen, die stopfende Wirkung des Opioids abzuschwächen. Verstopfung belastet bis zu sieben von zehn Kranken, die lange mit Opioiden behandelt werden müssen. Die gebräuchlichen Abführmittel sind dabei meist nicht wirksam genug. Bisher wurde die Kombination vor allem an Kranken untersucht, die bei der Behandlung mit Opioiden eine starke Verstopfung bekommen haben. Bei ihnen besserte sie sich. Ob aber wirklich alle, die mit Opioiden behandelt werden, von dieser Kombination profitieren, ist noch nicht hinreichend untersucht. Daher wird die Kombination zur allgemeinen Schmerzbehandlung als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Voraussetzung ist zudem, dass Oxycodon in der Kombination so dosiert ist, wie es individuell erforderlich ist.

Informieren Sie sich auch zu den allgemeinen Eigenschaften von Opioiden.

Anwendung

Wenn Sie noch nicht mit Opioiden behandelt wurden, nehmen Sie im Allgemeinen zunächst zweimal zehn Milligramm Oxycodon am Tag. Sind Sie bereits an Opioide gewöhnt, können Sie eine höhere Dosierung wählen. Die Tageshöchstdosis liegt bei 40 Milligramm Oxycodon. Kranke, die damit nicht schmerzfrei werden, können zusätzlich Oxycodon aus Präparaten mit verzögerter Freisetzung einnehmen, die kein Naloxon enthalten.

Soll das Schmerzmittel nach längerer Behandlungszeit abgesetzt werden, muss die Dosierung gemäß der ärztlichen Anweisung langsam verringert werden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie das Mittel nicht anwenden:

  • Ihre Atemfunktion ist beeinträchtigt (z. B. bei Asthma, Lungenemphysem, Lungenhochdruck). Wird dann eines dieser Präparate angewendet, kann es zu einer gefährlichen Unterversorgung mit Sauerstoff kommen.
  • Ihre Leberfunktion ist mäßig oder schwer gestört. Dann können die Mittel nicht wirken.
  • Es besteht eine Abhängigkeit von Morphin. Dann lösen die Mittel schwere Entzugserscheinungen aus.
  • Sie haben in den vergangenen zwei Wochen MAO-Hemmer (Tranylcypromin oder Moclobemid bei Depressionen, Selegilin bei Parkinsonkrankheit) eingenommen.

Unter folgenden Bedingungen sollten Sie Oxycodon + Naloxon nur einsetzen, wenn der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abgewogen hat:

  • Sie neigen zu Krämpfen, die vom Gehirn ausgehen (z. B. bei Epilepsien), nehmen Medikamente ein, die eine solche Krampfbereitschaft fördern, oder neigen aufgrund von Erkrankungen zu erhöhtem Hirndruck.
  • Sie haben Kreislaufstörungen.
  • Es besteht eine Unterfunktion der Schilddrüse.
  • Die Bauchspeicheldrüse ist entzündet.
  • Die Funktion der Nieren ist erheblich beeinträchtigt.
  • Sie haben eine Darmlähmung.
  • Die Prostata ist so vergrößert, dass die Blase nicht komplett entleert werden kann.
  • Es liegt eine Gallenwegerkrankung vor.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Alle Medikamente, die die Gehirnfunktion dämpfen, wie Benzodiazepine (bei Angststörungen), Schlafmittel, Mittel bei Depressionen, Schizophrenien und anderen Psychosen sowie bei Allergien, können die atemlähmende Wirkung des Opioids verstärken.
  • Bei gleichzeitiger Anwendung dieses Mittels mit einem Benzodiazepin (bei Schlafstörungen oder Angst- und Zwangsstörungen) verdoppelt sich das Risiko, dass unerwünschte Wirkungen wie Schwindel, Benommenheit und Atemprobleme auftreten, die eine Krankenhauseinweisung erforderlich machen.
  • Darüber hinaus können trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin (bei Depressionen), Dimetinden (bei Allergien) und Anticholinergika wie Biperiden (bei Parkinsonkrankheit) einige unerwünschte Wirkungen von Oxycodon verstärken. Hierzu gehören Verstopfung, Mundtrockenheit und Störungen beim Wasserlassen.
  • Buprenorphin (bei starken Schmerzen) kann die Wirkung von Oxycodon verringern oder sogar aufheben.
  • Durch Cimetidin (bei Sodbrennen) sowie durch Fluconazol und Itraconazol (innerlich bei Pilzinfektionen) kann Oxycodon stärker und länger wirken.

Unbedingt beachten

Dieses Schmerzmittel kann in Einzelfällen die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden, verstärken. Wenn Sie eine Schmerzbehandlung mit diesem Mittel beginnen, sollten Sie deshalb die Blutgerinnung häufiger als sonst selbst kontrollieren oder vom Arzt kontrollieren lassen. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Die zeitgleiche Einnahme des Mittels mit einem MAO-Hemmer (Tranylcypromin oder Moclobemid bei Depressionen, Selegilin bei Parkinsonkrankheit) kann das lebensbedrohliche Serotonin-Syndrom mit Erregungszuständen, Bewusstseinstrübung, Muskelzittern und -zucken sowie Blutdruckabfall auslösen. Nach einer Behandlung mit MAO-Hemmern müssen mindestens zwei Wochen verstreichen, bevor Sie diese Schmerzmittel einnehmen dürfen. Die gleiche Zeit muss vergehen, bis Sie nach einer Behandlung mit diesen Schmerzmitteln einen MAO-Hemmer einnehmen dürfen. Ein Serotonin-Syndrom kann sich möglicherweise auch bei der gleichzeitigen Anwendung dieser Schmerzmittel mit SSRI (bei Depressionen) einstellen.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Alkohol kann die atemlähmende Wirkung von Opioiden verstärken. Für verlängert wirkende (retardierte) Präparate mit Oxycodon gilt darüber hinaus, dass Alkohol ab einer Konzentration von 20 Prozent die verzögerte Freisetzung des Wirkstoffs verhindert. Dann wird zu viel Wirkstoff freigesetzt und das Risiko unerwünschter Arzneimittelwirkungen steigt.

Wenn Sie Oxycodon einnehmen, sollten Sie keine Grapefruit essen und auf Grapefruitsaft verzichten, weil beides die Wirkung von Oxycodon verstärkt. Dann steigt das Risiko für Atemstörungen.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei fast allen Menschen verengen sich die Pupillen. Das kann beim Sehen störend sein.

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten tritt Mundtrockenheit auf. Ebenso häufig kommen Sekretfluss aus der Nase, Gähnen und Juckreiz vor.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen.

Übelkeit und Erbrechen treten meistens zu Beginn der Behandlung auf, besonders bei bettlägerigen Personen nach der ersten Gabe. Wenn Sie sich innerhalb der ersten Stunde übergeben, spucken Sie das Medikament meist mit aus und es wirkt nicht. Sprechen Sie den Arzt auf ein Medikament gegen Übelkeit an.

Möglicherweise sehen Sie verschwommen, doppelt und die Augen zittern. Hält dieses länger als drei Tage an, wenden Sie sich an den Arzt.

Benommenheit, Müdigkeit und Verwirrtheit verstärken sich bei höherer Dosierung.

Es können Kopfschmerzen und Schwitzen auftreten.

Der Blutdruck kann abfallen, Schwindel und Herzklopfen können auftreten. Besprechen Sie dieses mit dem Arzt.

Die Bronchialmuskulatur kann sich verkrampfen, sodass es zu einem asthmaähnlichen Anfall kommt. Besonders betroffen sind Menschen mit einer Lungenerkrankung.

Vor allem Männer mit vergrößerter Prostata können Probleme bekommen, die Blase zu entleeren.

Oberbauchschmerzen können auf einer Gallenkolik beruhen.

Kranke, die lange Zeit mit einem Opioid in hoher Dosierung behandelt wurden und nun dieses Kombinationsmittel einnehmen, können in der Zeit der Umstellung Entzugssymptome zeigen. Dazu gehören Gänsehaut, Schweißausbrüche, Schüttelfrost und Schwäche. Auch Angst und Unruhe, die bei bis zu 10 von 100 Anwendern auftreten, können diese Ursache haben.

Bis zu 10 von 100 Anwendern bekommen Muskelkrämpfe oder bemerken eine Muskelschwäche. Das sollten Sie einem Arzt mitteilen.

Bei bis zu 10 von 100 Anwendern treten Bauchschmerzen, Verstopfung, Blähungen, Übelkeit und Erbrechen auf und der Appetit lässt nach. Hält das länger an, sollte der Arzt informiert werden.

Sofort zum Arzt

Oxycodon kann die Zahl der Atemzüge und die Atemtiefe (Atemdepression) verringern. Wer einen Schwerkranken betreut, sollte auf dessen Atmung achten. Sind nur noch vier bis sechs statt der üblichen zwölf Atemzüge pro Minute feststellbar, müssen Sie sofort den Arzt rufen.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen, oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Über die Risiken einer Anwendung bei Kindern und Jugendlichen gibt es keine Erkenntnisse. Sicherheitshalber sollten sie daher mit diesen Mitteln nicht behandelt werden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Wenn eine Schmerzbehandlung unbedingt erforderlich ist, ist dieses Mittel in der Schwangerschaft akzeptabel. Dauerte die Behandlung weniger als 30 Tage, ist das Risiko, dass das Neugeborene Entzugssymptome aufweist, sehr gering. Bei längerer Behandlung und zusätzlichen Risikofaktoren steigt dieses Risiko für das Kind hingegen deutlich an. Insbesondere eine Anwendung in der Zeit des Geburtstermins erhöht das Risiko für Atembeschwerden beim Neugeborenen. Wenn Sie dieses Mittel während der Stillzeit einnehmen müssen, sollten Sie nicht stillen.

Für ältere Menschen

Im Alter braucht der Körper länger, um Opioide abzubauen. Darum muss meist eine schwächere Dosis gewählt und der Abstand zwischen den einzelnen Gaben vergrößert werden.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Benommenheit, Müdigkeit, Schwindel und Sehstörungen können die Fähigkeit, aktiv am Verkehr teilzunehmen, Maschinen zu bedienen und Arbeiten ohne sicheren Halt zu verrichten, beeinträchtigen oder ganz unmöglich machen. Das ist insbesondere zu Beginn der Behandlung, bei einer Dosiserhöhung und nach einem Präparatewechsel zu erwarten. Menschen mit einer stabilen Behandlung können hingegen durchaus verkehrstüchtig sein. Bitten Sie daher den Arzt, Ihre Verkehrstüchtigkeit einzuschätzen.

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