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Schmerz- und Fiebermittel: Metamizol

Wirkungsweise

Metamizol, auch Novaminsulfon genannt, wirkt von den Schmerzmitteln der Stufe 1 am stärksten. Es senkt auch hohes Fieber.

Schmerzen

Man nimmt an, dass die schmerzstillende Wirkung darauf beruht, dass sowohl Metamizol selbst als auch eines seiner Abbauprodukte in verschiedenen Teilen des Nervensystems wirkt. Da Metamizol auch kolikartige Schmerzen schnell und sicher unterbricht, ging man lange davon aus, es hätte krampflösende Eigenschaften. Das ist jedoch umstritten.

Fieber

Metamizol wirkt bei hohem Fieber zuverlässig, indem es in das Wärmeregulationszentrum im Gehirn eingreift und dafür sorgt, dass über die Haut vermehrt Wärme abgegeben wird.

Die Anwendungsgebiete von Metamizol sind sehr eng begrenzt: Ein Einsatz ist demnach möglich bei: akuten starken Schmerzen nach Verletzungen und Operationen, krampfartigen Leibschmerzen (Koliken, beispielsweise aufgrund eines eingeklemmten Nierensteins), starken Bauchschmerzen, für die keine andere Behandlung infrage kommt, Tumorschmerzen sowie bei hohem Fieber, das auf andere Maßnahmen nicht anspricht. Für diese Situationen wird Metamizol als "geeignet" bewertet.

Bei weniger starken Schmerzen oder Fieber, das auch auf andere Art und Weise gesenkt werden kann, fällt die Nutzen-Risiko-Abwägung dagegen negativ aus, denn Metamizol kann schwere allergische Reaktionen und Blutbildungsstörungen (Agranulozytose) hervorrufen. Werden diese nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, können sie lebensbedrohlich sein.

Wie groß dieses Risiko ist, wird unterschiedlich beurteilt. Während Metamizol in einigen Ländern als sehr sicheres Schmerzmittel gilt, wurde es in Schweden aufgrund der unerwünschten Wirkungen aus dem Handel genommen; in den USA ist es gar nicht auf dem Markt. In Deutschland registriert die Arzneimittelkommission der Ärzteschaft mehr Blutbildungsstörungen, seit Metamizol wieder häufiger verordnet wird. Metamizol bei einfachen Schmerzen und bei fieberhaften Erkrankungen, die anders behandelt werden können, einzusetzen, ist nicht angemessen.

Sollte Fieber unter Metamizol nicht absinken, oder sich während einer Schmerzbehandlung mit Metamizol Fieber einstellen, darf keinesfalls mit dem Mittel weiterbehandelt werden. Fieber kann auch ein Zeichen für die durch Metamizol bedingten Blutbildungsstörungen sein. Wenn Sie also Metamizol anwenden und Fieber bekommen, müssen Sie dies dem Arzt mitteilen.

Wegen der gravierenden Nebenwirkungen soll das noch einmal besonders hervorgehoben werden, was ohnehin bei jeder Arzneimittelanwendung selbstverständlich sein sollte: Das Mittel soll ausschließlich für die Situation angewendet werden, für die es der Arzt aktuell verordnet hat, und es soll nur derjenige einsetzen, dem es der Arzt verschrieben hat. Keinesfalls soll Metamizol an andere weitergegeben werden – auch dann nicht, wenn man meint, ihm mit diesem Medikament besonders gut helfen zu können.

Schmerzen

Metamizolinjektionen sollen Situationen vorbehalten bleiben, in denen der Kranke nicht schlucken kann, da das Risiko für allergische Haut- und Schockreaktionen bei der Gabe des Medikaments direkt ins Blut größer ist, als wenn es geschluckt wird. Das Mittel muss sehr langsam in die Vene eingeleitet und der Patient währenddessen beobachtet werden. Wegen der erhöhten Gefahr schwerer Nebenwirkungen ist eine Injektion in den Muskel ein Behandlungsfehler und sollte heute nicht mehr erfolgen. Störungen der Blutbildung können selbst dann auftreten, wenn das Mittel vorher anscheinend gut vertragen wurde. Ein Warnhinweis darauf sind Fieber und Infekte, hier speziell Mandelentzündungen, ohne erkennbare Ursache. In diesem Fall muss unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden.

Anwendung

Metamizol gibt es als Tabletten, Tropfen, Zäpfchen und zur Injektion. Als Tropfen wirkt es sehr schnell, bei Zäpfchen lässt die Wirkung länger auf sich warten als bei Tabletten.

Die übliche Dosis liegt bei 500 bis 1 000 Milligramm (= ein bis zwei Tabletten). Bei Bedarf kann die Einnahme nach sechs bis acht Stunden wiederholt werden. Mehr als vier Gramm Metamizol am Tag sollten Sie nicht anwenden.

Bei Einschränkungen der Nieren- oder Leberfunktion muss der Arzt die Dosierung von Metamizol anpassen.

Wenn Sie länger als eine Woche mit Metamizol behandelt werden, muss der Arzt regelmäßig das Blutbild überprüfen und dabei die einzelnen Zellbestandteile bestimmen lassen (Differenzialblutbild). Diese Kontrollen sind besonders wichtig, wenn Infektionen im Mund- und Rachenraum und im Analbereich auftreten. Sie deuten darauf hin, dass die Bildung von Blutzellen, die der Immunabwehr dienen, gestört sein kann.

Gegenanzeigen

Metamizol darf nicht angewendet werden, wenn die Produktion von Blutzellen oder des roten Blutfarbstoffs gestört ist. Das ist z. B. bei einer gestörten Funktion des Knochenmarks und nach einer Chemotherapie bei Krebserkrankungen der Fall.

Personen, die bereits einmal auf ein Schmerzmittel wie ASS, Diclofenac oder Ibuprofen mit Asthma oder allergischen Hautreaktionen reagiert haben, sollten kein Metamizol anwenden.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie neigen zu Asthma oder Allergien.
  • Sie leiden an einer Leber- oder Nierenfunktionsstörung.
  • Sie haben sehr niedrigen Blutdruck oder eine Krankheit, bei der eine Absenkung des Blutdrucks unbedingt vermieden werden muss, wie eine schwere koronare Herzerkrankung, oder die Blutgefäße, die das Gehirn versorgen, sind verengt.
  • Sie haben hohes Fieber, trinken wenig und Ihr Kreislauf ist geschwächt.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Durch Metamizol kann die Konzentration von Ciclosporin (nach Organtransplantationen, bei rheumatoider Arthritis, Schuppenflechte) im Blut absinken. Menschen, die auf dieses Medikament angewiesen sind, müssen bei einer Behandlung mit Metamizol speziell überwacht werden.
  • Bei der Kombination von Metamizol mit Arzneimitteln, die ebenfalls die Blutbildung beeinträchtigen können, wie Clozapin (bei Schizophrenien und anderen Psychosen) steigt das Risiko für eine Blutbildungsstörung.
  • Wenn über längere Zeit Metamizol gleichzeitig mit Acetylsalicylsäure in niedriger Dosierung zur Verhinderung von Herzinfarkt und Schlaganfall eingesetzt wird, kann das die vorbeugende Wirksamkeit von ASS beeinträchtigen. Es wird empfohlen möglichst auf ein anderes Schmerzmittel auszuweichen oder Metamizol erst eine halbe Stunde nach der ASS-Einnahme anzuwenden.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Der Urin kann sich rot färben. Dies beruht auf einem Abbauprodukt der Substanz und ist harmlos.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen.

Wenn Sie die Behandlung mit etwa 1 000 Milligramm Metamizol beginnen, kann es zu Blutdruckabfall mit Schwächegefühl kommen. Daher sollte die erste Dosis deutlich geringer sein. Auch bei der intravenösen Anwendung von Metamizol kann der Blutdruck stark absinken.

Der Mund-Nasen-Rachen-Raum sowie der Anal- und Genitalbereich können sich entzünden und Gewebe dort kann geschwürig zerfallen. Das sollten Sie mit einem Arzt besprechen. Es kann sich um Infektionen handeln, die aufgrund der durch Metamizol gestörten Immunabwehr Fuß fassen konnten.

Sofort zum Arzt

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen, oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Eine solche Überempfindlichkeit ist häufiger, wenn Sie unter Nesselsucht, chronischen Atemwegsinfektionen oder Asthma leiden. Auch nach Injektionen gibt es häufiger Allergien als bei geschluckten Präparaten.

Bei der allergischen Reaktion kann auch das Unterhautgewebe anschwellen. Wenn dies Lippen und Zunge betrifft, droht Atemnot (Angioödem). Auch dann müssen Sie sofort den Notarzt rufen.

Die oben beschriebenen Hauterscheinungen können in sehr seltenen Fällen auch erste Anzeichen für andere sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arzneimittel sein. Meist entwickeln diese sich während der Anwendung des Mittels nach Tagen bis Wochen. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus, und es bilden sich Blasen ("Syndrom der verbrühten Haut"). Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich sofort an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch lebensbedrohlich verschlimmern.

Nierenschmerzen und eine verringerte Harnproduktion deuten auf eine Nierenschädigung hin. Solche Symptome sollten Sie sofort zum Arzt führen.

Wenn Sie während der Behandlung Fieber bekommen, müssen Sie sofort den Arzt informieren. Fieber mit Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und Schüttelforst sowie Schleimhautentzündungen können die ersten Anzeichen einer Blutbildungsstörung sein. Sie tritt nur vereinzelt auf, kann aber bedrohlich werden. Sie müssen dann umgehend den Arzt aufsuchen und das Blutbild kontrollieren lassen.

Besonders die Zahl der weißen Blutkörperchen, die bei der Infektionsabwehr eine wichtige Rolle spielen, nimmt durch Metamizol ab (Agranulozytose). Das Risiko wird unterschiedlich beziffert: zwischen 1 von 20 000 Anwendern und 1 von 1 Million Anwendern. Die große Schwankungsbreite liegt unter anderem daran, dass die verschiedenen Bevölkerungsgruppen in den diversen Ländern offenbar unterschiedlich empfindlich für diese Nebenwirkung sind. Um eine derartige Blutbildungsstörung möglichst früh zu erkennen, muss der Arzt nach der ersten Behandlungswoche regelmäßig Blutbildkontrollen durchführen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Metamizoltropfen und -injektionen dürfen bei Kindern angewendet werden, die älter sind als drei Monate und mehr als fünf Kilogramm wiegen. Zäpfchen sind erst für Kinder ab vier Jahre gedacht, die mehr als 19 Kilogramm wiegen. Kinder ab fünfzehn Jahren, die mehr als 53 Kilogramm wiegen, können auch Tabletten einnehmen. *

Fieber

Bei Fieber wird für Kinder eine Dosis von zehn Milligramm Metamizol pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Über die Anwendung von Metamizol während der Schwangerschaft gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Das Mittel sollte daher in den ersten sechs Schwangerschaftsmonaten nur angewendet werden, wenn es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt. Mussten Sie im letzten Schwangerschaftsdrittel wiederholt Metamizol einnehmen, sollte der Kreislauf des Kindes mit einer speziellen Ultraschalluntersuchung daraufhin kontrolliert werden, ob sich die Verbindung zwischen Haupt- und Lungenschlagader vorzeitig geschlossen hat.

Metamizol tritt in die Muttermilch über. Sie sollten es daher in der Stillzeit möglichst nicht anwenden. Nehmen Sie das Mittel nur vereinzelt einmal ein, ist es nach Ansicht von Experten nicht nötig abzustillen. Für eine mehrtägige Schmerzbehandlung sollten Sie besser Ibuprofen oder Paracetamol wählen.

Für ältere Menschen

Im Alter kann es nahezu doppelt so lange dauern, bis die Abbauprodukte von Metamizol ausgeschieden sind. Darum sollten ältere Menschen von Metamizol eine geringere Dosis einnehmen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Wenn Sie Metamizol in höherer Dosierung einnehmen, sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

* Textaktualisierung 29.01.2020

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs