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Schilddrüsenhormon: Levothyroxin

Wirkungsweise

Bei Schilddrüsenerkrankungen kommt Levothyroxin, auch L-Thyroxin genannt, zum Einsatz – Testergebnisse Schilddrüsenhormon. Dieses synthetisch hergestellte Schilddrüsenhormon Thyroxin (T4) wird vom Körper wie natürliches T4 zu T3 (Trijodthyronin) umgebaut. T3 ist das Schilddrüsenhormon, das die eigentlichen Wirkungen an den Zellen in den Geweben des Körpers vermittelt.

Bis die Hälfte des eingenommenen Levothyroxins im Körper verarbeitet ist, dauert es sechs bis sieben Tage. Dieser langsame Umbau hat Vorteile: Levothyroxin überfällt den Körper nicht schlagartig mit seiner Wirkung und sie verteilt sich relativ gleichmäßig über den Tag.

Bei einem Jodmangelkropf, bei dem gleichzeitig wenig Schilddrüsenhormone produziert werden, deckt das Medikament den Bedarf des Körpers an Schilddrüsenhormonen. Die Gehirndrüsen bekommen dann auf dem Blutweg die Meldung "genug vorhanden" und produzieren nur noch ein Minimum jener Hormone, die die Schilddrüse antreiben. Das drosselt die Aktivität der Schilddrüse; der Kropf wird kleiner.

Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse ersetzt das Medikament die Hormone, die der Körper selbst nicht oder in nicht ausreichender Menge bildet.

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion hat Levothyroxin die Aufgabe, die Wirkung der schilddrüsenhemmenden Medikamente etwas auszugleichen. So bleibt die Hormonkonzentration auf einem Niveau, bei dem die Gehirndrüsen nicht übermäßig aktiviert werden.

Für alle diese Anwendungen gilt Levothyroxin als "geeignet".

Anwendung

Bei Schilddrüsenunterfunktion und zur Vorbeugung eines Kropfes genügen häufig 50 bis 100 Mikrogramm Levothyroxin pro Tag. Um einen Kropf zu behandeln, sind 100 bis 200 Mikrogramm Levothyroxin täglich erforderlich. Die individuelle Dosis legt der Arzt anhand der Untersuchungsergebnisse fest. Dafür muss er die Konzentration des Hormons aus den Gehirndrüsen (Thyreotropin oder TSH) im Blut bestimmen. Zusätzlich ist eine Ultraschallaufnahme der Schilddrüse notwendig.

Liegt der Grund für die Gabe des Schilddrüsenhormons in einer Erkrankung der Hirnanhangdrüse, kann die richtige Dosierung von Levothyroxin nicht anhand des TSH-Wertes ermittelt werden. Dann muss dafür die Konzentration der Hormone T3 und T4 im Blut herangezogen werden.

Dient das Levothyroxin dazu, eine Schilddrüsenunterfunktion zu behandeln, muss berücksichtigt werden, dass der Körper bis dahin eine relativ träge Schilddrüsentätigkeit gewohnt war. Ein vehementer Hormonschub kann die Organe, die so lange auf Sparflamme gelaufen sind, überfordern. Das gilt besonders für das Herz und vor allem für ein geschädigtes Herz. Deshalb werden die Hormone bei Personen, die z. B. Herzrhythmusstörungen, Herzmuskelschwäche, eine koronare Herzkrankheit oder hohen Blutdruck haben, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben oder bei denen anzunehmen ist, dass die Schilddrüse schon lange so träge arbeitet, zu Beginn der Behandlung sehr niedrig dosiert. Alle vier Wochen kann die Dosis dann jeweils um etwa 25 Mikrogramm gesteigert werden, bis die notwendige Menge erreicht ist.

Üblicherweise wird Levothyroxin in Tabletten eingenommen. Die meisten Präparate gibt es in vielen verschiedenen Dosierungen, die sich oft nur um Milligrammbruchteile voneinander unterscheiden. Dadurch können Sie die für Sie individuell festgelegte Menge an Schilddrüsenhormon mit einer einzigen Tablette einnehmen. Tropfen eignen sich besonders für diejenigen, die eine deutlich geringere Levothyroxindosis benötigen oder die Dosierung feiner regulieren müssen.

Das Schilddrüsenhormonpräparat nehmen Sie jeweils morgens etwa eine halbe Stunde vor dem Frühstück mit einem Glas Leitungswasser ein. Nur aus einem weitgehend leeren Magen wird das Hormon zuverlässig aufgenommen. Wenn Sie dies jedoch vor dem Zubettgehen besser gewährleisten können, spricht auch nichts gegen eine abendliche Einnahme. Haben Sie sich für eine Einnahmezeit entschieden – morgens oder abends –, ist es wichtig, dabei zu bleiben und nicht zu wechseln.

Haben Sie Ihr Schilddrüsenmedikament einmal vergessen, nehmen Sie am nächsten Tag die übliche Dosis. Die vergessene Tablette lassen Sie weg. Unterbrechen Sie die Einnahme für mehr als drei Tage, kann es Ihrem Körper an Schilddrüsenhormon fehlen. Unter Umständen muss dann der Arzt eingreifen.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion muss das Hormon normalerweise lebenslang eingenommen werden. Wird es hingegen eingesetzt, um einen Kropf zu verkleinern, kann die Behandlung nach ein bis zwei Jahren beendet werden. Nach dieser Zeit hat sich das Schilddrüsengewebe so weit verringert, wie es mit dieser Therapie möglich ist. Die Hormone dürfen jedoch nicht abrupt abgesetzt, sondern müssen sehr langsam reduziert werden. Andernfalls kann sich die Schilddrüse erneut vergrößern. Nach dem Ende der Therapie muss eine ausreichende Jodversorgung sichergestellt werden.

Achtung

Bei manchen Menschen produzieren die Nebennierenrinden zu wenig von dem Hormon Cortisol (Hydrocortison). Das kann seine Ursache in einer Unterfunktion dieser Organe oder der sie steuernden Drüse im Gehirn haben. Auch eine lang dauernde Behandlung mit starkwirkenden Glucocorticoiden schwächt die Hormonproduktion der Nebennierenrinden. Die Betroffenen müssen dann Tabletten mit dem Glucocorticoid Hydrocortison einnehmen, bevor sie Schilddrüsenhormone bekommen, damit der Körper in der Lage ist, die Belastung, die eine verstärkte Schilddrüsenhormonwirkung bedeutet, zu verkraften.

Wenn Sie einmal auf ein Mittel eingestellt wurden, sollten Sie möglichst nicht auf ein anderes Präparat wechseln. Falls dies dennoch erforderlich sein sollte, muss der Arzt wieder, wie zu Beginn der Behandlung, die optimale Dosis aus den TSH-Werten im Blut und der Ultraschalluntersuchung ermitteln. Der Grund dafür ist, dass die verschiedenen Mittel mit L-Thyroxin das Hormon auf unterschiedliche Art und Weise freigeben und sich daher unterschiedliche Blutwerte ergeben.

Gegenanzeigen

Der Arzt sollte Nutzen und Risiken der Anwendung von Schilddrüsenhormonen besonders sorgfältig abwägen, wenn bei Ihnen bereits Erkrankungen der Gefäße oder des Herzens vorliegen wie etwa Herzrhythmusstörungen, erhöhten Blutdruck, eine koronare Herzkrankheit oder eine Entzündung des Herzmuskels. Bei diesen Erkrankungen muss der Arzt die Schilddrüsenwerte im Blut überprüfen, damit die Konzentration des Steuerungshormons TSH im Normbereich bleibt. Gegebenenfalls muss er die Dosierung der Schilddrüsenhormone anpassen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Rifampicin (bei Tuberkulose), Carbamazepin, Phenobarbital und Phenytoin (bei Epilepsien) sowie Östrogene (z. B. zur Empfängnisverhütung, bei Wechseljahresbeschwerden) können die Wirkung der Schilddrüsenhormone abschwächen. Sie müssen dann eventuell höher dosiert werden.
  • Bei Einnahme von Medikamenten mit Eisen (bei Blutarmut), aluminiumhaltigen Mitteln (in Antazida bei Sodbrennen), calciumhaltigen Mitteln (bei Osteoporose), Sucralfat (bei Magengeschwüren) und Colestyramin (bei erhöhten Blutfetten) werden die Schilddrüsenhormone schlechter aus dem Darm aufgenommen. Zwischen der Einnahme dieser Medikamente und dem Schilddrüsenhormon sollten vier bis fünf Stunden Abstand liegen.

Unbedingt beachten

Schilddrüsenhormone verstärken die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Sojaprodukte können die Aufnahme der Schilddrüsenhormone aus dem Darm vermindern. Wenn Sie mit einer gezielt sojareichen Ernährung beginnen oder eine solche beenden, ist daher ein Arztbesuch sinnvoll, um zu überprüfen, ob die Dosierung der Schilddrüsenhormone verändert werden muss.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Vor allem bei Kindern können in den ersten Therapiemonaten die Haare ausfallen. Das gibt sich mit der Zeit und die Haare wachsen wieder nach.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen. Solche allergischen Reaktionen zeigen sich bei 1 bis 10 von 1 000 Personen.

Alle weiteren unerwünschten Wirkungen sind ein Zeichen dafür, dass die Schilddrüsenhormone zu hoch dosiert sind. Symptome dafür sind schneller Herzschlag, Nervosität, innere Unruhe, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, zitternde Hände, Muskelschwäche, Hitzegefühl, gerötetes Gesicht, Schweißausbrüche, erhöhte Temperatur, Erbrechen, Durchfall, Gewichtsverlust bei gesteigertem Appetit und bei Frauen eventuell Menstruationsstörungen. Wenden Sie sich dann an den Arzt; er wird wahrscheinlich die Dosierung ändern.

Zu Beginn der Therapie können diese Beschwerden eher auftreten, weil die richtige Dosierung des Medikaments erst gefunden werden muss. Dazu wird auch häufiger die Konzentration des Schilddrüsenhormons oder die von TSH im Blut kontrolliert.

Bei Menschen mit Diabetes können besonders zu Anfang die Blutzuckerwerte ansteigen. Um das rechtzeitig zu bemerken, sollten Sie in dieser Zeit den Blutzucker regelmäßig bestimmen.

Vor allem bei Kindern mit Epilepsie können vermehrt Krampfanfälle auftreten.

Frauen, die besonders gefährdet sind, nach den Wechseljahren eine Osteoporose zu entwickeln, sollten dies mit dem Arzt besprechen, da es unklar ist, ob eine lang dauernde Schilddrüsenhormontherapie das Osteoporoserisiko erhöht.

Sofort zum Arzt

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Bei Herzrasen, unregelmäßigem Puls und Herzschmerzen (Angina Pectoris) müssen Sie sofort einen Arzt rufen. Die Symptome können auf einen Herzinfarkt hindeuten.

Wenn starke Kopfschmerzen mit Sehstörungen und Erbrechen einsetzen, sollten Sie sofort einen Arzt rufen. Es könnte sich um eine Drucksteigerung im Gehirn handeln. Derartiges tritt bei 1 bis 10 von 10 000 Personen auf.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Frauen, die Schilddrüsenhormone benötigen, müssen diese auch in der Schwangerschaft einnehmen. In dieser Zeit steigt der Bedarf sogar, sodass die Dosis ab dem dritten Monat um etwa ein Viertel erhöht werden muss. Nach der Geburt kann sie wieder auf die ursprüngliche Menge gesenkt werden.

Auch während der Stillzeit muss eine Schilddrüsenerkrankung der Mutter behandelt werden. Levothyroxin geht nur in einer geringen Menge in die Muttermilch über, die die Schilddrüsenfunktion gesunder Säuglinge nicht beeinflusst.

Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollten Sie Schilddrüsenhormone nicht gleichzeitig mit Medikamenten einnehmen, die die Tätigkeit der Schilddrüse bremsen.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Für Kinder wird das Schilddrüsenhormon ihrem Alter und Körpergewicht entsprechend dosiert.

Bei frühgeborenen Säuglingen mit niedrigem Geburtsgewicht muss die Ärztin oder der Arzt Levothyroxin besonders vorsichtig dosieren, da ein erhöhtes Risiko für einen Kreislaufkollaps besteht.

Zur Behandlung von Babys und Kleinkindern steht eine Tropfenzubereitung zur Verfügung. Mit ihr ist eine angepasste Dosierung besonders leicht möglich. Die Tropfflasche muss dafür aber exakt senkrecht gehalten werden. Tabletten können bei größeren Kindern angewendet werden. Wenn das Schlucken noch schwerfällt, können aber auch sie in Wasser aufgelöst werden, kurz bevor das Kind das Mittel einnehmen soll.

Bei Neugeborenen mit angeborener Schilddrüsenunterfunktion beginnt die Therapie in der Regel mit einer Dosis von 10 bis 15 Mikrogramm L-Thyroxin pro Kilogramm Körpergewicht, um rasch Normalwerte zu erreichen. Nach etwa 3 Monaten wird die Dosis entsprechend der Blutwerte angepasst.

Entwickelt sich eine Schilddrüsenunterfunktion erst mit der Zeit, wird bei älteren Kindern die Therapie mit 5 bis 10 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht begonnen. Bei ihnen wird die L-Thyroxin-Menge alle 2 bis 4 Wochen solange erhöht, bis der erforderliche Blutwert erreicht ist.

Für ältere Menschen

Der Stoffwechsel älterer Menschen gewöhnt sich an die hormonell beschleunigte Gangart nur sehr langsam. Darum muss der Arzt die Therapie mit einer besonders niedrigen Dosierung beginnen und darf sie nur sehr langsam steigern. Oft genügt bei ihnen als Dauertherapie eine tägliche Menge von ein Mikrogramm Levothyroxin pro Kilogramm Körpergewicht.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs