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Säurehemmende Mittel: Famotidin und Ranitidin

Aktuelles

Update Feburar 2021 – Kein Ranitidin mehr im Handel

Das Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte hat angeordnet, dass bis Januar 2023 die Zulassungen für Ranitidin ruhen. Damit dürfen in Deutschlang keine Ranitidin-Präparate mehr vertrieben werden. Die europäische Kommission hat dieses Vorgehen Ende 2020 beschlossen, dieser Beschluss ist jetzt national umgesetzt worden.

Rückblick

Aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes sind 2020 eine Vielzahl von Medikamenten, die Ranitidin enthalten, zurückgerufen worden. Diese Mittel, die gegen Speiseröhrenentzündung sowie Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre eingesetzt werden, können ein Nitrosamin (N-Nitrosodimethylamin, NDMA) enthalten. Näheres hierzu unter Kein Ranitidin mehr im Handel.

April 2020 In den USA rät die dortige Arzneimittelbehörde FDA Patienten, die sich zur Selbstmedikation Ranitidin-haltige Mittel gekauft haben, diese zu entsorgen und keine neuen zu kaufen.

Da Untersuchungen darauf hinweisen, dass der Nitrosamingehalt mit der Lagerung und bei steigenden Temperaturen zunimmt, sollten Sie sicherheitshalber lang gelagerte Präparate nicht mehr einnehmen. Für die Behandlung von Sodbrennen gibt es Alternativen, bei denen diese Problematik nicht auftritt. Wer Ranitidin auf Verschreibung einnimmt, sollte mit seinem Arzt sprechen, bevor er das Mittel absetzt. Zu den Therapieoptionen lesen sie die Erläuterungen bei Speiseröhrenentzündung oder Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre.

Mai 2020 Durch die Europäische Arzneimittel-Agentur wurde das Ruhen der Zulassung für Ranitidin-haltige Mittel empfohlen.

Januar 2021 In Deutschland wird kein rezeptfreies Medikament mit Ranitidin zur Selbstbehandlung von Sodbrennen mehr angeboten.

Wirkungsweise

Famotidin und Ranitidin besetzen Bindestellen für das Gewebehormon Histamin (H2-Rezeptoren) im Magen. Diese steuern die Säureproduktion. Sind die Bindestellen blockiert, gibt die Magenschleimhaut weniger Säure ab. Aufgrund dieser Eigenschaften werden die Mittel auch als "H2-Blocker" bezeichnet.

Beide Substanzen sind gleichermaßen wirksam und erprobt. Bei regelmäßiger Einnahme verringert sich die Wirkung im Verlauf deutlich.

Magen- und Zwölf­finger­darm­geschwüre

Zur Behandlung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren sind säurehemmende Mittel mit Einschränkung geeignet, wenn eine Beteiligung von Helicobacter sicher ausgeschlossen werden kann. Sie wirken schwächer als säureblockierende Medikamente.

Speiseröhren­entzündung

Zur Behandlung von Speiseröhrenentzündung ist Ranitidin mit Einschränkung geeignet, wenn eine Beteiligung von Helicobacter sicher ausgeschlossen werden kann. Es wirkt schwächer als säureblockierende Medikamente.

Anwendung

Sie nehmen die Tabletten entweder einmal täglich vor dem Schlafengehen ein oder zweimal täglich morgens und abends, unabhängig von den Mahlzeiten. Die Wirkung setzt etwa nach einer halben Stunde ein und hält zirka vier bis sechs Stunden vor.

Wenn Ihre Nierenfunktion stark eingeschränkt ist, muss die Dosis verringert werden.

Magen- und Zwölf­finger­darm­geschwüre

Bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren sollten Sie von Famotidin täglich nicht mehr als 40 Milligramm, von Ranitidin nicht mehr als 300 Milligramm, in Ausnahmefällen bis maximal 600 Milligramm einnehmen.

Speiseröhren­entzündung

Bei einer Speiseröhrenentzündung nehmen Sie – je nach Ausprägung der Beschwerden – 300 bis 600 Milligramm Ranitidin täglich ein.

Gegenanzeigen

Wenn die Leber nur eingeschränkt arbeitet, sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Famotidin sorgfältig abwägen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Famotidin und Ranitidin können die Aufnahme von Itraconazol- und Ketoconazol-Tabletten (bei Pilzinfektionen) vermindern und damit deren Wirkung schwächen. Wenn Sie diese Medikamente einnehmen müssen, sollten Sie Famotidin oder Ranitidin erst im Abstand von zwei Stunden zu den Antipilzmitteln schlucken.

Magen- und Zwölf­finger­darm­geschwüre

Wird Famotidin gemeinsam mit Probenecid (bei Gicht) eingenommen, kann dies die Ausscheidung von Famotidin verringern. Dadurch wirkt dieses länger.

Unbedingt beachten

Säurehemmende Mittel können die Aufnahme und damit möglicherweise die Wirkung von Ulipristal ("Pille danach", Handelsname ellaOne) vermindern, sodass unsicher ist, ob das Mittel noch empfängnisverhütend wirkt. Beide Medikamente sollten Sie deshalb nicht gleichzeitig anwenden.

Außerdem verringern sie die Aufnahme einiger antiviraler Mittel wie Atazanavir, Fosamprenavir oder Rilpivirin (bei HIV-Infektionen, Aids). Deshalb sollten Sie die HIV-Mittel mindestens zwei bis vier Stunden vor oder zehn bis zwölf Stunden nach dem säurehemmenden Mittel einnehmen. Näheres unter Antibiotika/Virustatika: verringerte Wirkung.

Nebenwirkungen

Famotidin und Ranitidin können in Einzelfällen Haarausfall auslösen. Dieser lässt meist wieder nach, sobald das Mittel abgesetzt wird.

Die Mittel können Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten tritt Durchfall oder Verstopfung auf. Dies bessert sich meist nach einiger Zeit.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen.

Famotidin und Ranitidin können die Blutbildung beeinflussen, sodass sich das Blutbild verändert. Wenn Sie schneller als sonst blaue Flecken bekommen oder häufiger an Infekten leiden, sollten Sie den Arzt aufsuchen, damit er das Blutbild kontrollieren kann. Das Risiko für eine derartige Nebenwirkung ist allerdings gering, wenn Sie die Dosierungsempfehlungen beachten und die Mittel nicht länger als zwei Wochen einnehmen.

Wenn Sie die Mittel hoch dosiert einnehmen, können Sinnestäuschungen, Verwirrtheit sowie Erregungszustände und Depressionen vorkommen. Treten solche Beschwerden auf, sollten Sie das Mittel absetzen, dann verschwinden diese Nebenwirkungen wieder.

Sofort zum Arzt

Die Mittel können die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind: eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen, oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Grundsätzlich dürfen beide Mittel während der Schwangerschaft eingesetzt werden. Beide Wirkstoffe können über die Plazenta auch in den Körper des Kindes gelangen. Bislang gibt es aber keine Hinweise, dass dies für das Ungeborene nachteilig ist.

Beide Wirkstoffe treten in die Muttermilch über, Famotidin jedoch nur in sehr geringer Menge. In der Stillzeit ist daher Famotidin zu bevorzugen.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Ranitidin Tabletten sollten generell nicht an Kinder unter drei Jahren gegeben werden. Es liegen keine ausreichenden Erkenntnisse über die Einnahme in diesem Alter vor.

Bei älteren Kindern kann Ranitidin zweimal täglich in einer Dosierung von zwei bis vier Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht gegeben werden, wenn sie an einem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür leiden. Mehr als insgesamt 300 Milligramm pro Tag sollten es aber nicht sein.

Muss eine Speiseröhrenentzündung behandelt werden, kann die Dosis auf maximal zweimal täglich fünf Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht erhöht werden. Auch in dieser Indikation sollten 300 Milligramm Ranitidin pro Tag nicht überschritten werden.

Magen- und Zwölf­finger­darm­geschwüre

Famotidin sollte nicht bei Kindern angewendet werden, da zu Wirksamkeit und Verträglichkeit in diesem Alter keine ausreichenden Erkenntnisse vorliegen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Wenn Sie merken, dass das Mittel Sie müde oder schwindlig macht, sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

* aktualisiert am 15.01.2021

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