Medikamente im Test

Säurehemmende Mittel: Famotidin und Ranitidin

Aktuelles Sommer 2019

Aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes sind eine Vielzahl von Medikamenten, die Ranitidin enthalten, zurückgerufen worden. Diese Mittel, die gegen Sodbrennen, Speiseröhrenentzündung sowie Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre eingesetzt werden, können ein Nitrosamin (N-Nitrosodimethylamin, NDMA) enthalten. Näheres hierzu unter Magensäurehemmer zurückgerufen.

Update April 2020. In den USA geht die dortige Arzneimittelbehörde FDA inzwischen einen Schritt weiter. Sie rät Patienten, die sich zur Selbstmedikation Ranitidin-haltige Mittel gekauft haben, diese zu entsorgen und keine neuen zu kaufen.

Da Untersuchungen darauf hinweisen, dass der Nitrosamingehalt mit der Lagerung und bei steigenden Temperaturen zunimmt, sollten Sie sicherheitshalber lang gelagerte Präparate nicht mehr einnehmen. Für die Behandlung von Sodbrennen gibt es Alternativen, bei denen diese Problematik nicht auftritt.

Wer Ranitidin auf Verschreibung einnimmt, sollte mit seinem Arzt sprechen, bevor er das Mittel absetzt. Zu den Therapieoptionen lesen sie die Erläuterungen bei Speiseröhren­entzündung oder Magen- und Zwölf­finger­darm­geschwüre.

Wirkungsweise

Famotidin und Ranitidin besetzen Bindestellen für das Gewebehormon Histamin (H2-Rezeptoren) im Magen. Diese steuern die Säureproduktion. Sind die Bindestellen blockiert, gibt die Magenschleimhaut weniger Säure ab. Aufgrund dieser Eigenschaften werden die Mittel auch als "H2-Blocker" bezeichnet.

Beide Substanzen sind gleichermaßen wirksam und erprobt. Bei regelmäßiger Einnahme verringert sich die Wirkung im Verlauf deutlich.

Sodbrennen

Die Mittel sind geeignet zur kurzzeitigen Anwendung bei starkem Sodbrennen. Werden sie über längere Zeit eingesetzt, muss vorher ausgeschlossen werden, dass die Beschwerden auf eine bösartige Veränderung in der Speiseröhre oder der Magenschleimhaut zurückgehen.

Zur kurzzeitigen Eigenbehandlung von Sodbrennen ist Ranitidin in niedriger Dosierung rezeptfrei zu bekommen.

Sind die Symptome trotz der Behandlung nach zwei Wochen noch vorhanden oder haben sie sich verschlimmert, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Magen- und Zwölf­finger­darm­geschwüre

Zur Behandlung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren sind säurehemmende Mittel mit Einschränkung geeignet, wenn eine Beteiligung von Helicobacter sicher ausgeschlossen werden kann. Sie wirken schwächer als säureblockierende Medikamente.

Speiseröhren­entzündung

Zur Behandlung von Speiseröhrenentzündung ist Ranitidin mit Einschränkung geeignet, wenn eine Beteiligung von Helicobacter sicher ausgeschlossen werden kann. Es wirkt schwächer als säureblockierende Medikamente.

Anwendung

Sie nehmen die Tabletten entweder einmal täglich vor dem Schlafengehen ein oder zweimal täglich morgens und abends, unabhängig von den Mahlzeiten. Die Wirkung setzt etwa nach einer halben Stunde ein und hält zirka vier bis sechs Stunden vor.

Wenn Ihre Nierenfunktion stark eingeschränkt ist, muss die Dosis verringert werden.

Sodbrennen

Im Vergleich zu Antazida wirkt Ranitidin nicht ganz so schnell, dafür aber länger. Bei Sodbrennen dürfen Sie von Ranitidin 300 Milligramm einnehmen. Das entspricht bei den rezeptpflichtigen Mitteln zwei Tabletten pro Tag, von dem rezeptfreien Mittel können Sie bis zu vier Tabletten pro Tag einnehmen.

Magen- und Zwölf­finger­darm­geschwüre

Bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren sollten Sie von Famotidin täglich nicht mehr als 40 Milligramm, von Ranitidin nicht mehr als 300 Milligramm, in Ausnahmefällen bis maximal 600 Milligramm einnehmen.

Speiseröhren­entzündung

Bei einer Speiseröhrenentzündung nehmen Sie – je nach Ausprägung der Beschwerden – 300 bis 600 Milligramm Ranitidin täglich ein.

Gegenanzeigen

Wenn die Leber nur eingeschränkt arbeitet, sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Famotidin sorgfältig abwägen.

Sodbrennen

Unter folgenden Bedingungen sollten Sie eine Eigenbehandlung mit Ranitidin nur beginnen, wenn Sie sich zuvor mit einem Arzt beraten haben und er mit Ihnen Nutzen und Risiken einer Anwendung sorgfältig abgewogen hat:

  • Sie hatten bereits einmal ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür.
  • Sie hatten bereits eine Refluxerkrankung.
  • Sie hatten eine krankhafte Störung der Blutbildung (Porphyrie).
  • Sie müssen wegen anderer Erkrankungen regelmäßig Arzneimittel einnehmen.
  • Die Funktion der Nieren ist eingeschränkt.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Famotidin und Ranitidin können die Aufnahme von Itraconazol- und Ketoconazol-Tabletten (bei Pilzinfektionen) vermindern und damit deren Wirkung schwächen. Wenn Sie diese Medikamente einnehmen müssen, sollten Sie Famotidin oder Ranitidin erst im Abstand von zwei Stunden zu den Antipilzmitteln schlucken.

Magen- und Zwölf­finger­darm­geschwüre

Wird Famotidin gemeinsam mit Probenecid (bei Gicht) eingenommen, kann dies die Ausscheidung von Famotidin verringern. Dadurch wirkt dieses länger.

Unbedingt beachten

Säurehemmende Mittel können die Aufnahme und damit möglicherweise die Wirkung von Ulipristal ("Pille danach", Handelsname ellaOne) vermindern, sodass unsicher ist, ob das Mittel noch empfängnisverhütend wirkt. Beide Medikamente sollten Sie deshalb nicht gleichzeitig anwenden.

Außerdem verringern sie die Aufnahme einiger antiviraler Mittel wie Atazanavir, Fosamprenavir oder Rilpivirin (bei HIV-Infektionen, Aids). Deshalb sollten Sie die HIV-Mittel mindestens zwei bis vier Stunden vor oder zehn bis zwölf Stunden nach dem säurehemmenden Mittel einnehmen. Näheres unter Antibiotika/Virustatika: verringerte Wirkung.

Nebenwirkungen

Famotidin und Ranitidin können in Einzelfällen Haarausfall auslösen. Dieser lässt meist wieder nach, sobald das Mittel abgesetzt wird.

Die Mittel können Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten tritt Durchfall oder Verstopfung auf. Dies bessert sich meist nach einiger Zeit.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Haben Sie sich das Mittel zur Eigenbehandlung ohne Rezept besorgt, sollten Sie es absetzen. Sind die Hauterscheinungen auch einige Tage nach dem Absetzen nicht deutlich abgeklungen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Hat dagegen ein Arzt Ihnen das Mittel verordnet, sollten Sie ihn aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen.

Famotidin und Ranitidin können die Blutbildung beeinflussen, sodass sich das Blutbild verändert. Wenn Sie schneller als sonst blaue Flecken bekommen oder häufiger an Infekten leiden, sollten Sie den Arzt aufsuchen, damit er das Blutbild kontrollieren kann. Das Risiko für eine derartige Nebenwirkung ist allerdings gering, wenn Sie die Dosierungsempfehlungen beachten und die Mittel nicht länger als zwei Wochen einnehmen.

Magen- und Zwölf­finger­darm­geschwüre und Speiseröhren­entzündung

Wenn Sie die Mittel hoch dosiert einnehmen, können Sinnestäuschungen, Verwirrtheit sowie Erregungszustände und Depressionen vorkommen. Treten solche Beschwerden auf, sollten Sie das Mittel absetzen, dann verschwinden diese Nebenwirkungen wieder.

Sofort zum Arzt

Die Mittel können die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind: eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen, oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Eine Selbstbehandlung mit Ranitidin während Schwangerschaft und Stillzeit wird nicht empfohlen.

In der Schwangerschaft sollte stets ein Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von säurehemmenden Mitteln sorgfältig abwägen.

Beide Wirkstoffe treten in die Muttermilch über, Famotidin jedoch nur in sehr geringer Menge. Wenn Antazida die Beschwerden nicht ausreichend lindern können, ist – nach Rücksprache mit einem Arzt – in der Stillzeit Famotidin zu bevorzugen.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Sodbrennen

Kinder sollten gegen Sodbrennen rezeptfreies Ranitidin nur bekommen, wenn ein Arzt dies ausdrücklich befürwortet.

Magen- und Zwölf­finger­darm­geschwüre und Speiseröhren­entzündung

Ranitidin Tabletten sollten generell nicht an Kinder unter drei Jahren gegeben werden. Es liegen keine ausreichenden Erkenntnisse über die Einnahme in diesem Alter vor.

Bei älteren Kindern kann Ranitidin zweimal täglich in einer Dosierung von zwei bis vier Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht gegeben werden, wenn sie an einem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür leiden. Mehr als insgesamt 300 Milligramm pro Tag sollten es aber nicht sein.

Muss eine Speiseröhrenentzündung behandelt werden, kann die Dosis auf maximal zweimal täglich fünf Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht erhöht werden. Auch in dieser Indikation sollten 300 Milligramm Ranitidin pro Tag nicht überschritten werden.

Magen- und Zwölf­finger­darm­geschwüre

Famotidin sollte nicht bei Kindern angewendet werden, da zu Wirksamkeit und Verträglichkeit in diesem Alter keine ausreichenden Erkenntnisse vorliegen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Wenn Sie merken, dass das Mittel Sie müde oder schwindlig macht, sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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