Medikamente im Test

Säurehemmende Mittel: Famotidin und Ranitidin

Aktuelles Sommer 2019

Aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes sind eine Vielzahl von Medikamenten, die Ranitidin enthalten, zurückgerufen worden. Diese Mittel, die gegen Sodbrennen, Speiseröhrenentzündung sowie Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre eingesetzt werden, können ein Nitrosamin (N-Nitrosodimethylamin, NDMA) enthalten. Näheres hierzu unter Magensäurehemmer zurückgerufen.

Wirkungsweise

Famotidin und Ranitidin besetzen Bindestellen für das Gewebehormon Histamin (H2-Rezeptoren) im Magen. Diese steuern die Säureproduktion. Sind die Bindestellen blockiert, gibt die Magenschleimhaut weniger Säure ab. Aufgrund dieser Eigenschaften werden die Mittel auch als "H2-Blocker" bezeichnet.

Beide Substanzen sind gleichermaßen wirksam und erprobt. Sobald die Mittel jedoch abgesetzt werden, produziert der Magen erneut Säure.

Sodbrennen

Die Mittel sind geeignet zur kurzzeitigen Anwendung bei starkem Sodbrennen. Werden sie über längere Zeit eingesetzt, muss vorher ausgeschlossen werden, dass die Beschwerden auf eine bösartige Veränderung in der Speiseröhre oder der Magenschleimhaut zurückgehen.

Zur kurzzeitigen Eigenbehandlung von Sodbrennen ist Ranitidin in niedriger Dosierung rezeptfrei zu bekommen.

Sind die Symptome trotz der Behandlung nach zwei Wochen noch vorhanden oder haben sie sich verschlimmert, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Magen- und Zwölf­finger­darm­geschwüre und Speiseröhren­entzündung

Zur Behandlung von Speiseröhrenentzündung sowie von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren sind säurehemmende Mittel mit Einschränkung geeignet, wenn eine Beteiligung von Helicobacter sicher ausgeschlossen werden kann. Sie wirken schwächer als säureblockierende Medikamente.

Anwendung

Sie nehmen die Tabletten entweder einmal täglich vor dem Schlafengehen ein oder zweimal täglich morgens und abends, unabhängig von den Mahlzeiten. Die Wirkung setzt etwa nach einer halben Stunde ein und hält zirka vier bis sechs Stunden vor.

Sodbrennen

Im Vergleich zu Antazida wirkt Ranitidin also nicht ganz so schnell, dafür aber länger. Bei Sodbrennen dürfen Sie von Ranitidin 300 Milligramm einnehmen. Das entspricht bei den rezeptpflichtigen Mitteln zwei Tabletten pro Tag, von dem rezeptfreien Mittel können Sie bis zu vier Tabletten pro Tag einnehmen.

Magen- und Zwölf­finger­darm­geschwüre

Bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren sollten Sie von Famotidin täglich nicht mehr als 40 Milligramm, von Ranitidin nicht mehr als 300 Millligramm, in Ausnahmefällen bis maximal 600 Milligramm einnehmen.

Speiseröhren­entzündung

Bei einer Speiseröhrenentzündung nehmen Sie – je nach Ausprägung der Beschwerden – 300 bis 600 Milligramm Ranitidin täglich ein.

Wenn Ihre Nierenfunktion stark eingeschränkt ist, muss die Dosis verringert werden.

Gegenanzeigen

Wenn die Leber nur eingeschränkt arbeitet, sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Famotidin sorgfältig abwägen.

Sodbrennen

Unter folgenden Bedingungen sollten Sie eine Eigenbehandlung mit Ranitidin nur beginnen, wenn Sie sich zuvor mit einem Arzt beraten haben und er mit Ihnen Nutzen und Risiken einer Anwendung sorgfältig abgewogen hat:

  • Sie hatten bereits einmal ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür.
  • Sie hatten bereits eine Refluxerkrankung.
  • Sie hatten eine krankhafte Störung der Blutbildung (Porphyrie).
  • Sie müssen wegen anderer Erkrankungen regelmäßig Arzneimittel einnehmen.
  • Die Funktion der Nieren ist eingeschränkt.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Famotidin und Ranitidin können die Aufnahme von Itraconazol- und Ketoconazol-Tabletten (bei Pilzinfektionen) vermindern und damit deren Wirkung schwächen. Wenn Sie diese Medikamente einnehmen müssen, sollten Sie Famotidin oder Ranitidin erst im Abstand von zwei Stunden zu den Antipilzmitteln schlucken.

Magen- und Zwölf­finger­darm­geschwüre und Speiseröhren­entzündung

Wird Famotidin gemeinsam mit Probenecid (bei Gicht) eingenommen, kann dies die Ausscheidung von Famotidin verringern. Dadurch wirkt dieses länger. 

Unbedingt beachten

Säurehemmende Mittel können die Aufnahme und damit möglicherweise die Wirkung von Ulipristal ("Pille danach", Handelsname ellaOne) vermindern, sodass unsicher ist, ob das Mittel noch empfängnisverhütend wirkt. Beide Medikamente sollten Sie deshalb nicht gleichzeitig anwenden.

Außerdem verringern sie die Aufnahme einiger antiviraler Mittel wie zum Beispiel Atazanavir, Fosamprenavir oder Rilpivirin (bei HIV-Infektionen, Aids). Deshalb sollten Sie die HIV-Mittel mindestens zwei bis vier Stunden vor oder zehn bis zwölf Stunden nach dem säurehemmenden Mittel einnehmen. Näheres unter Antibiotika/Virustatika: verringerte Wirkung.

Nebenwirkungen

Famotidin und Ranitidin können in Einzelfällen Haarausfall auslösen. Dieser lässt meist wieder nach, sobald das Mittel abgesetzt wird.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten tritt Durchfall oder Verstopfung auf. Dies bessert sich meist nach einiger Zeit.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Dann sollten Sie es absetzen. Sind die Hauterscheinungen einige Tage später nicht deutlich abgeklungen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Famotidin und Ranitidin können die Blutbildung beeinflussen, sodass sich das Blutbild verändert. Wenn Sie schneller als sonst blaue Flecken bekommen oder häufiger an Infekten leiden, sollten Sie den Arzt aufsuchen, damit er das Blutbild kontrollieren kann. Das Risiko für eine derartige Nebenwirkung ist allerdings gering, wenn Sie die Dosierungsempfehlungen beachten und die Mittel nicht länger als zwei Wochen einnehmen.

Magen- und Zwölf­finger­darm­geschwüre und Speiseröhren­entzündung

Wenn Sie die Mittel hoch dosiert einnehmen, können Sinnestäuschungen, Verwirrtheit sowie Erregungszustände und Depressionen vorkommen. Treten solche Beschwerden auf, sollten Sie das Mittel absetzen, dann verschwinden diese Nebenwirkungen wieder.

Selten können die Mittel die Leber schädigen. Treten Übelkeit, Erbrechen und/oder dunkel gefärbter Urin auf und ist der Stuhl auffallend hell, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Die Mittel können die Leber auch schwer schädigen. Wenn sich die Haut gelb färbt – möglicherweise begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper –, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen.

Wenn ein starker Hautausschlag mit Juckreiz sowie Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel auftreten, müssen Sie die Anwendung sofort abbrechen und unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen, weil es sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln kann.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Sodbrennen

Kinder sollten rezeptfreies Ranitidin nur bekommen, wenn ein Arzt dies ausdrücklich befürwortet.

Magen- und Zwölf­finger­darm­geschwüre und Speiseröhren­entzündung

Famotidin sollte nicht bei Kindern angewendet werden, da zu Wirksamkeit und Verträglichkeit in diesem Alter keine ausreichenden Erkenntnisse vorliegen.

Ranitidin Tabletten sollten generell nicht an Kinder unter drei Jahren gegeben werden. Es liegen keine ausreichenden Erkenntnisse über die Einnahme in diesem Alter vor.

Bei älteren Kindern kann Ranitidin 2-mal täglich in einer Dosierung von 2–4 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht gegeben werden, wenn sie an einem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür leiden. Mehr als insgesamt 300 Milligramm pro Tag sollten es aber nicht sein.

Muss eine Speiseröhrenentzündung behandelt werden, kann die Dosis auf maximal 2-mal täglich 5 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht erhöht werden. Auch in dieser Indikation sollten 300 Milligramm Ranitidin pro Tag nicht überschritten werden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Eine Selbstbehandlung mit Ranitidin während Schwangerschaft und Stillzeit wird nicht empfohlen.

In der Schwangerschaft sollte stets ein Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von säurehemmenden Mitteln sorgfältig abwägen. Mit Ranitidin liegen die längsten Erfahrungen vor.

Beide Wirkstoffe treten in die Muttermilch über, Famotidin jedoch nur in sehr geringer Menge. Wenn Antazida die Beschwerden nicht ausreichend lindern können, ist - nach Rücksprache mit einem Arzt - in der Stillzeit diese Substanz zu bevorzugen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Wenn Sie merken, dass das Mittel Sie müde oder schwindlig macht, sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten. Das Mittel kann die Wirkung von Alkohol verstärken.

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