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Schmerz- und Fiebermittel: Phenazon und Propyphenazon

Wirkungsweise

Phenazon und Propyphenazon wirken schmerzlindernd und können auch Fieber senken. Sie gehören aufgrund ihrer chemischen Struktur zur Wirkstoffgruppe der Pyrazole, zu der auch das verschreibungspflichtige Metamizol gehört. Welcher Mechanismus ihrer Wirkung genau zugrunde liegt, ist noch nicht ausreichend geklärt. Man geht derzeit davon aus, dass die beiden Wirkstoffe die Produktion von Prostaglandinen hemmen und darüber im Gehirn schmerzstillend und fiebersenkend wirken. Wie dies abläuft, ist unter Acetylsalicylsäure ausführlich erläutert.

Die therapeutische Wirksamkeit von Phenazon und Propyphenazon bei Schmerzen und Fieber ist nicht ausreichend untersucht, obwohl die Substanzen bereits seit Jahrzehnten im Handel sind. Für beide Wirkstoffe liegen keine Studien zur Schmerzlinderung oder Fiebersenkung vor, die den heutigen Anforderungen gerecht werden. Man nimmt aber an, dass ihre Wirksamkeit in etwa der anderer rezeptfreier Schmerzmittel entspricht.

Zudem mangelt es an Erkenntnissen über die Risiken von Phenazon und Propyphenazon – insbesondere hinsichtlich der Anwendung über lange Zeit und sehr selten auftretender, aber bedrohlicher Nebenwirkungen. Vom verschreibungspflichtigen Metamizol sind schwere Störungen der Blutbildung, schwere allergische Reaktionen und Nierenschädigungen bekannt. Dieses Risiko soll bei Phenazon und Propyphenazon zwar geringer sein, doch liegen dazu keine verlässlichen Informationen vor.

Fieber und Schmerzen

Da es andere gut wirksame und verträglichere Schmerzwirkstoffe für die Selbstbehandlung gibt und diese als "geeignet" bewertet werden, gelten Präparate mit Phenazon oder Propyphenazon zur Behandlung von Schmerzen als "wenig geeignet". Diese Bewertung gilt auch für den Einsatz von Propyphenazon bei Fieber.

Migräne

Phenazon ist auch für die Behandlung von Migränekopfschmerzen gedacht. Die schmerzlindernde Wirkung von Phenazon bei einem Migräneanfall wurde allerdings bisher nur in einer einzigen Studie belegt. Da es eine Vielzahl anderer Migränewirkstoffe gibt, deren Eigenschaften gut dokumentiert sind, gilt Phenazon als "mit Einschränkung geeignet".

Anwendung

Die Mittel gibt es als Tabletten und Zäpfchen. Letztere sollen möglichst nach dem Stuhlgang in den Enddarm eingeführt werden. Damit das leichter gelingt, können sie in der Hand etwas erwärmt werden.

Nach etwa einer halben Stunde sollten die Schmerzen deutlich nachlassen.

Achtung

Werden die Mittel – insbesondere zur Behandlung von Kopfschmerzen – längere Zeit öfter als zehn Tage im Monat eingenommen, besteht die Gefahr, dass sich Dauerkopfschmerzen entwickeln. Auch das Risiko für Schäden an den Nieren steigt.

Gegenanzeigen

Phenazon und Propyphenazon dürfen Sie nicht anwenden, wenn bei Ihnen die Bildung des roten Blutfarbstoffs schwerwiegend gestört ist (akut intermittierende Porphyrie).

Unter folgenden Bedingungen sollten Sie Phenazon oder Propyphenazon nur nach Rücksprache mit einem Arzt einsetzen, der zudem Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abgewogen hat:

  • Sie haben Nesselsucht, Asthma oder eine chronische Atemwegsinfektion oder Sie haben auf die Anwendung anderer Schmerz- oder Rheumamittel schon einmal überempfindlich reagiert. Dann ist bei Anwendung dieser Mittel das Risiko erhöht, dass der Kreislauf versagt.
  • Bei Ihnen wurde bereits einmal eine Blutbildungsstörung festgestellt.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie Betablocker oder Calciumantagonisten einnehmen (bei hohem Blutdruck, Herzkrankheiten), kann Phenazon oder Propyphenazon langsamer ausgeschieden werden. Dann kann das Schmerzmittel länger wirken und die Gefahr von unerwünschten Wirkungen steigt.

Phenazon kann den Abbau von gerinnungshemmenden Mitteln wie Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden, beschleunigen. Wenn Sie den Schmerzwirkstoff zusammen mit gerinnungshemmenden Mitteln einnehmen, kann die Blutgerinnung weniger stark gehemmt sein, als es notwendig ist. Dann kann das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko, das durch diese Mittel gesenkt werden soll, wieder erhöht sein.

Nebenwirkungen

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Haben Sie sich das Mittel zur Eigenbehandlung ohne Rezept besorgt, sollten Sie es absetzen. Sind die Hauterscheinungen auch einige Tage nach dem Absetzen nicht deutlich abgeklungen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Hat dagegen ein Arzt Ihnen das Mittel verordnet, sollten Sie ihn aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen.

Sofort zum Arzt

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen, oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Eine solche Überempfindlichkeit ist häufiger, wenn Sie unter Nesselsucht, chronischen Atemwegsinfektionen oder Asthma leiden.

Nierenschmerzen und eine verringerte Harnproduktion deuten auf eine Nierenschädigung hin. Solche Symptome sollten Sie sofort zum Arzt führen.

Wenn Sie während der Behandlung Fieber bekommen, müssen Sie sofort den Arzt informieren. Fieber mit Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und Schüttelfrost sowie Schleimhautentzündungen können erste Anzeichen einer Blutbildungsstörung sein. Sie tritt nur vereinzelt auf, kann aber bedrohlich werden. Sie müssen dann umgehend den Arzt aufsuchen und das Blutbild kontrollieren lassen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Obwohl Phenazon und Propyphenazon schon lange als Schmerzmittel auf dem Markt sind, liegen nur wenige Studiendaten für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen vor. Weder ihre therapeutische Wirksamkeit noch ihre Verträglichkeit ist damit ausreichend nachgewiesen. Auch bei Kindern und Jugendlichen gelten die Mittel zur Selbstbehandlung von Schmerzen und Fieber als "wenig geeignet". Kinder sollten möglichst nicht damit behandelt werden.

Phenazon: Die Mittel sollten bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren nicht angewendet werden.

Propyphenazon: Dieses Mittel ist nicht für Kinder unter sieben Jahren gedacht.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Phenazon und Propyphenazon dürfen während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden.

Für ältere Menschen

Bei älteren Menschen wirken Phenazon und Propyphenazon länger als bei jüngeren. Daher sollten sie eine geringere Dosis einnehmen.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs