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Abführmittel: Prucaloprid

Wirkungsweise

Prucaloprid (Resolor) ist für die Behandlung einer chronischen Verstopfung bei Erwachsenen zugelassen, bei denen andere Abführmittel nicht ausreichend wirksam waren.

Das Mittel besetzt spezielle Bindestellen für den Nervenbotenstoff Serotonin und regt damit die Darmbewegungen an. Für die Zulassung wurde Resolor überwiegend an Frauen getestet. Dabei wirkte es besser als ein Scheinmedikament (Placebo): Nach einem Behandlungszeitraum von zwölf Wochen hatten 24 von 100 Frauen, die Prucaloprid eingenommen hatten, wieder ausreichend häufig Stuhlgang, bei der Behandlung mit einem Placebo waren es 11 von 100. In den Studien an Männern war Resolor ebenfalls gegenüber Scheinmedikament überlegen: 38 von 100 Männern hatten nach zwölf Behandlungswochen wieder ausreichend Stuhlgang, verglichen mit 18 von 100 unter einem Scheinmedikament.

Eine weitere Untersuchung an Frauen und Männern, die die Wirksamkeit von Resolor über sechs Monate untersuchte, kommt aber zu dem Ergebnis, dass das Mittel im Vergleich zu Scheinmedikament keine bedeutsame Auswirkung auf die Häufigkeit von Darmentleerungen hat. Auch verbessert das Mittel die Lebensqualität der Behandelten nicht. Die Untersuchungsergebnisse im Vergleich zu Scheinmedikament sind damit widersprüchlich, es gibt nur wenige Vergleichsstudien zu anderen Abführmitteln, die zudem Hinweise auf eine möglicherweise schlechtere abführende Wirkung sowie schlechtere Verträglichkeit von Prucaloprid geben.

Der Wirkstoff Prucaloprid ist chemisch ähnlich aufgebaut wie der länger bekannte Wirkstoff Cisaprid. Beide Mittel besitzen ähnliche Wirkeigenschaften. Auch Cisaprid regt die Darmbewegungen an, dieser Wirkstoff wurde aber vor einigen Jahren wegen schwerwiegender Nebenwirkungen in Form von Herzrhythmusstörungen vom Markt genommen. Mit Prucaloprid liegen bisher nur wenige Erfahrungen vor. Unerwünschte Wirkungen am Herzen sind daher nicht sicher auszuschließen. In den klinischen Studien wurde das Mittel lediglich über einen Zeitraum von längstens einem halbem Jahr kontrolliert untersucht.

Das Mittel ist mit Einschränkung geeignet, da sein Stellenwert in der Therapie durch weitere Studien noch besser belegt werden sollte. Denkbar ist seine Anwendung aber bei den Patienten, bei denen die chronische Verstopfung auf einer Transportstörung des Stuhls im Darm beruht (slow-transit-Verstopfung). Bei ihnen kann versucht werden, ob mit dem Mittel eine drohende Operation vermieden werden kann.

Anwendung

Von dem Mittel werden einmal täglich zwei Milligramm eingenommen. Ist nach vier Wochen keine Verbesserung der Beschwerden zu erkennen, sollte die Behandlung gegebenenfalls abgebrochen werden.

Patienten mit schwerer Nieren- oder Leberfunktionsstörung sollten die Behandlung mit der halben Dosis (1 Milligramm) beginnen. Patienten mit leichten oder mäßigen Einschränkungen von Nieren oder Leberfunktion erhalten die übliche Dosis.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie das Mittel nicht einnehmen:

  • Sie benötigen eine Dialyse.
  • Sie leiden an einer schweren Verstopfung oder einer schweren chronisch-entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa.

Zusätzliche Risiken bei der Behandlung mit Prucaloprid, die der Arzt gemeinsam mit Ihnen gegenüber dem zu erwartenden Therapienutzen abwägen muss, bestehen unter folgenden Umständen:

  • Sie leiden an einer schweren Nierenfunktionsstörung. Dann kann sich Prucaloprid im Körper anreichern. Die Anfangsdosierung sollte daher nur bei einem Milligramm liegen.
  • Sie leiden an einer schweren Einschränkung der Leberfunktion. Bislang liegen nur wenige Erfahrungen zu Wirksamkeit und Verträglichkeit bei diesen Patienten vor.
  • Sie leiden an einer schweren Herz-Kreislauf-Erkrankung, insbesondere an Herzrhythmusstörungen oder einer instabilen Angina Pectoris, oder an einer schweren Lungen-, Nerven-, Krebs- oder Stoffwechselerkrankung. Für diese Patienten wurden bisher noch keine ausreichenden Studiendaten gesammelt.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Insbesondere zu Beginn der Behandlung können bei mehr als 10 von 100 Patienten Übelkeit mit Bauchschmerzen und Durchfall auftreten. Diese Beschwerden können von Kopfschmerzen begleitet sein.

Bei 1 bis 10 von 100 Patienten kommt es zu Erbrechen, Appetitlosigkeit und Blähungen. Diese Symptome sind in aller Regel vorübergehend und vergehen während der Behandlung.

Muss beobachtet werden

1 bis 10 von 100 Behandelten fühlen sich erschöpft und müde. Ebenso vielen ist schwindelig. Wenn derartige Beschwerden auftreten, sollten Sie keine gefährlichen Arbeiten verrichten. Wenn die Beschwerden nicht nach einigen Tagen vergehen oder zudem noch Kopfschmerzen auftreten, sollten Sie dies mit einem Arzt besprechen.

Bei etwa 1 von 100 Behandelten kann das Herz unangenehm spürbar oder unruhig klopfen. Ob dies mit dem Arzneimittel in Zusammenhang steht, ist unklar. Wenn sich derartige Beschwerden aber häufen, sollten Sie diese mit einem Arzt besprechen.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Frauen, die schwanger werden können, sollten während der Behandlung mit Prucaloprid für eine sichere Empfängnisverhütung sorgen. Wie sich das Mittel auf ein Ungeborenes auswirkt, ist bisher nicht bekannt.

Wenn Sie mit der Pille verhüten, ist zu beachten, dass Prucaloprid zu Durchfall führen kann. In der Folge kann die Wirksamkeit der Pille beeinträchtigt sein. Sicherheitshalber sollten Sie in diesem Fall eine zusätzliche Verhütungsmethode, z. B. Kondom, nutzen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Für die Anwendung von Prucaloprid während Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor. Das Mittel geht in die Muttermilch über. Mögliche Auswirkungen auf den Säugling sind nicht untersucht. Daher sollten Sie Prucaloprid während Schwangerschaft und Stillzeit sicherheitshalber nicht anwenden.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Weder die Wirksamkeit noch die Verträglichkeit von Resolor ist bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nachgewiesen. In einer Untersuchung konnte das Mittel eine Verstopfung nicht besser lindern als eine Behandlung mit einem Scheinmedikament. Kinder und Jugendliche sollten das Mittel daher nicht bekommen.

Für ältere Menschen

Da bei älteren Personen häufig die Nierenfunktion eingeschränkt ist, wird für den Behandlungsbeginn mit Prucaloprid eine niedrige Dosis von einem Milligramm empfohlen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Wenn Ihnen zu Beginn oder auch während der Behandlung mit Prucaloprid schwindelig wird und Sie müde sind, sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen und auch keine Maschinen bedienen oder Arbeiten ohne festen Halt durchführen.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs