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Prostaglandine: Bimatoprost, Latanoprost, Tafluprost und Travoprost (Augentropfen)

Wirkungsweise

Prostaglandine fördern den Abfluss des Kammerwassers und senken den Augeninnendruck relativ stark. Die Wirkstoffe leiten sich von hormonähnlichen Substanzen ab, die überall im Körper vorkommen und dort verschiedene Körperfunktionen regulieren. In den Augentropfen werden synthetische Prostaglandine eingesetzt, die dem Prostaglandin ähneln, das im Auge vorkommt.

Augentropfen mit Prostaglandinen werden zur Behandlung des grünen Stars als "geeignet" bewertet, wenn sie keine Konservierungsmittel enthalten. Konservierte Mittel erhalten ein "auch geeignet".

Anwendung

Die Augentropfen brauchen nur einmal abends angewendet zu werden.

Weitere Hinweise zur Anwendung sowie Informationen zur Verkehrstüchtigkeit und beim Tragen von Kontaktlinsen lesen Sie unter Augenmittel anwenden.

Bei einer Glaukombehandlung sollten Sie den Augeninnendruck regelmäßig alle drei Monate durch einen Augenarzt kontrollieren lassen.

Gegenanzeigen

Wenn Ihre Nieren- oder Leberfunktion eingeschränkt ist, sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Bimatoprost und Tafluprost sorgfältig abwägen, bevor er Ihnen Augentropfen mit einem dieser Wirkstoffe verordnet. Über die Anwendung dieser Mittel bei Menschen mit solchen Funktionsstörungen liegen bislang noch nicht genügend Erfahrungen vor.

Wenn Sie zusätzlich zum grünen Star an einem schweren Asthma leiden, sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Bimatoprost, Latanoprost und Tafluprost besonders sorgfältig abwägen. Für die Anwendung von Prostaglandinen unter diesen Umständen liegen noch keine ausreichenden Erfahrungen vor.

Nebenwirkungen

Die meisten unerwünschten Wirkungen der Prostaglandin-Augentropfen betreffen das Auge und können zum Teil unspezifische Reaktionen auf diese Mittel sein oder auf den darin enthaltenen Konservierungsmitteln beruhen. Wenn Beschwerden wie Augenreizung, trockene Augen oder verstärkter Tränenfluss nicht rasch wieder verschwinden oder sie sich verschlimmern, sollten Sie sich an einen Arzt wenden.

Da die Mittel äußerlich am Auge angewendet werden, gelangt nur wenig Wirkstoff in den Kreislauf. Dennoch wurden in Einzelfällen auch unerwünschte Wirkungen beobachtet, die nicht das Auge betreffen. Dazu zählen Kopfschmerzen oder Auswirkungen auf die Atem- und Herzfunktion.

Bei bis zu einer von zehn Personen kann sich nach einem Jahr der Behandlung die Farbe der Regenbogenhaut und damit die der Augen verändern. Bei Latanoprost wird dies im Vergleich zu anderen Prostaglandinen häufiger beobachtet. Solche Farbveränderungen treten besonders häufig bei Menschen mit ohnehin gesprenkelter Augenfärbung auf. Wird nur ein Auge behandelt, können die Augen unterschiedliche Färbungen annehmen. Ob diese Nebenwirkung, die sich nicht wieder zurückbildet, nur eine Sache des Aussehens ist, ist noch nicht sicher geklärt. Bisherige Studienergebnisse weisen allerdings nicht darauf hin, dass sich die Farbänderung auf die Augengesundheit negativ auswirkt oder dass sich die Pigmente in den Bereich des Auges einlagern, durch den das Kammerwasser abfließt. Sollte es nach jahrelanger Anwendung der Augentropfen dennoch derartige Ablagerungen geben, wird der Augenarzt im Rahmen der regelmäßigen Untersuchungen darauf aufmerksam werden.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei mehr als 10 von 100 Behandelten brennt es nach dem Eintropfen vorübergehend im Auge, es juckt und rötet sich deutlich. Nach bisherigen Erkenntnissen kommt dies bei Latanoprost seltener vor als bei Travoprost oder Bimatoprost. Außerdem kann es im Auge stechen und es kann ein Fremdkörpergefühl auftreten.

Bei 1 bis 10 von 100 Personen färben sich die Augenwimpern dunkel, werden dichter und länger.

Bei bis zu 10 von 100 Personen färben sich bei langdauerndem Gebrauch von Augentropfen mit Bimatoprost, Latanoprost oder Tafluprost die Augenlider dunkel.

Muss beobachtet werden

Bei Anzeichen für eine Bindehaut- oder Lidrandentzündung oder für eine Entzündung der Hornhaut sollten Sie einen Arzt kontaktieren und mit ihm das weitere Vorgehen besprechen.

Die Mittel können Auswirkungen auf den Blutdruck und die Herzfrequenz haben. Wenn Ihnen während der Behandlung häufig schwindelig ist, sollten Sie Blutdruck und Herzschlag vom Arzt untersuchen lassen.

Wenn die Augen nicht nur nach dem Eintropfen, sondern dauerhaft gerötet sind, brennen, tränen, anschwellen oder jucken, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel oder gegebenenfalls auf einen Bestandteil der Lösung wie zum Beispiel das Konservierungsmittel. Dann sollten Sie sich an einen Arzt wenden.

Sofort zum Arzt

Wenn Sie schlechter sehen, kann es sein, dass sich an der Stelle des schärfsten Sehens Flüssigkeit angesammelt hat (Makulaödem). Das sollte umgehend ein Augenarzt kontrollieren.

Schmerzen im Auge, Tränen, Lichtscheu und Schleiersehen deuten auf eine Regenbogenhautentzündung hin (bei 1 bis 10 von 10 000). Von diesen Beschwerden sollten Sie den Augenarzt umgehend in Kenntnis setzen. Bei rechtzeitiger angemessener Behandlung bilden sich diese unerwünschten Wirkungen folgenlos zurück.

In Einzelfällen können Atembeschwerden auftreten, die sich zu einem Asthmaanfall steigern und lebensbedrohlich werden können. Bei zunehmender Atemnot sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen oder einen Notarzt (Telefon 112) rufen.

Sollte es während der Anwendung von Latanoprost zu einem Engegefühl in der Brust (Angina Pectoris) kommen, sollten Sie das Mittel nicht mehr weiter anwenden und rasch einen Arzt aufsuchen. Derartiges wurde bisher nur in Einzelfällen beobachtet.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Über die Anwendung von Prostaglandin-Augentropfen bei Kindern gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Sie sollten daher mit diesen Mitteln nicht behandelt werden. Davon ausgenommen sind die Wirkstoffe Latanoprost und Travoprost. Beide können bei Kindern in gleicher Dosierung eingesetzt werden wie bei Erwachsenen. Allerdings liegen bei Latanoprost für Kinder unter einem Jahr und bei Travoprost für Kinder unter drei Jahren nur sehr wenige Erfahrungen vor. Auch die Langzeitverträglichkeit der Mittel ist bei Kindern nicht ausreichend untersucht. Bei einem angeborenen Glaukom sind ohnehin eher operative Maßnahmen als Medikamente angebracht, um den Augeninnendruck zu senken.

Bei Kinderwunsch

Frauen, die schwanger werden können, wird aus Sicherheitsgründen ein verlässlicher Empfängnisschutz empfohlen, wenn sie Augentropfen mit Tafluprost oder Travoprost anwenden. In Tierexperimenten haben die Mittel Fehlbildungen hervorgerufen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Prostaglandine sind während einer Schwangerschaft nicht die Mittel der ersten Wahl. Wenn die Mittel in das mütterliche Blut gelangen, können sie die Blutversorgung des ungeborenen Kindes beeinträchtigen und die Wehenbereitschaft der Gebärmutter steigern. Allerdings sind diese Folgen nach dem Gebrauch von Augentropfen eher unwahrscheinlich. Wenn weder Brinzolamid noch Dorzolamid oder Timolol den Augeninnendruck ausreichend senken, können schwangere Frauen Prostaglandin-Augentropfen anwenden. Am besten untersucht ist von den Vertretern dieser Wirkstoffgruppe Latanoprost. Für die restlichen Prostaglandine liegen dagegen keine Erfahrungen zur Anwendung während der Schwangerschaft vor, sie sollten deshalb nicht angewendet werden.

Bisher liegen nur wenige Erfahrungen für die Anwendung von prostaglandinhaltigen Augentropfen bei stillenden Frauen vor. Tierversuche haben gezeigt, dass alle Wirkstoffe in die Muttermilch übergehen können. Latanoprost kann nach Ansicht von Experten aber eingesetzt werden, wenn dies unbedingt erforderlich ist und das Baby aufmerksam beobachtet wird. Bislang wurden noch keine Auswirkungen von Latanoprost auf die gestillten Babys beschrieben. In jedem Fall sind bei Anwendung von Prostaglandinen in der Schwangerschaft und während der Stillzeit die Hinweise auf die richtige Anwendung von Augenmitteln zu beachten.

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