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Pflanzliches Mittel: Weißdorn

Wirkungsweise

Extrakte aus Weißdorn (Crataegus) sollen die Herzkraft verstärken und die Durchblutung der Herzkranzgefäße verbessern. Sie enthalten bestimmte Pflanzenstoffe (Flavonoide), die – ähnlich wie Extrakte aus dem Fingerhut (Digitalis) – die Calciumkonzentration in den Zellen erhöhen.

Im Jahr 2008 wurde eine große Studie veröffentlicht, in der untersucht wurde, ob ein bestimmter Weißdornextrakt in hoher Dosierung (zweimal 450 Milligramm täglich) das Risiko für plötzlichen Herztod oder Herzinfarkt bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Herzschwäche reduzieren kann, wenn er zusätzlich zu den Standardmedikamenten gegeben wird, die nach den derzeitigen Leitlinien bei Herzschwäche eingesetzt werden sollen. Die Studie ergab, dass die zusätzliche Einnahme von Weißdornextrakt die Gesamtrate von plötzlichem Herztod, Herzinfarkten und Krankenhauseinweisungen nicht senken kann. Im Vergleich mit einem Scheinmedikament (Placebo) vermag Weißdorn die typischen Herzschwächebeschwerden wie Atemnot und Müdigkeit zwar positiv zu beeinflussen und die Leistungsfähigkeit des Herzens etwas zu verbessern. Ob dies aber für den Betroffenen im täglichen Leben auch spürbar ist, bleibt unsicher.

In einer weiteren Untersuchung jedenfalls konnte Weißdornextrakt als zusätzlich zur Standardtherapie eingenommenes Medikament nicht dazu beitragen, die Leistungsfähigkeit beim Gehen zu erhöhen. Der Effekt von Weißdorn ist wesentlich geringer als bei verschreibungspflichtigen Mitteln (z. B. Diuretika und ACE-Hemmer).

Zudem fehlen Studien, die nachweisen, dass sich durch die alleinige Gabe von Weißdornextrakt der Krankheitsverlauf positiv beeinflussen lässt oder dass sich damit die Lebenserwartung erhöht. Für die verschreibungspflichtigen Standardtherapeutika liegen solche Studien vor, sie sind bei einer Herzschwäche auf jeden Fall sinnvoll.

Weißdornextrakt ist deshalb bei eingeschränkter Herzleistung wenig geeignet.

Die therapeutische Wirksamkeit von Weißdorntee ist ebenfalls nicht ausreichend nachgewiesen, auch dieser ist wenig geeignet.

Nebenwirkungen

Muss beobachtet werden

Selten treten Magen-Darm-Beschwerden, Schwächegefühl oder Schwindel, Kopfschmerzen und Migräne auf. Setzen Sie das Mittel dann ab und besprechen Sie das weitere Vorgehen mit Ihrem Arzt.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Dann sollten Sie es absetzen. Sind die Hauterscheinungen einige Tage später nicht deutlich abgeklungen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wenn Sie das Mittel über lange Zeit und in hoher Dosierung anwenden, kann in Einzelfällen der Blutdruck stark absinken und das Herz aus dem Rhythmus geraten. Wenn Ihnen häufiger schwindlig ist oder Herzrasen auftritt, sollten Sie dies mit einem Arzt besprechen.

Sofort zum Arzt

In Einzelfällen sind schwere allergische Reaktionen wie Schwellungen der Haut und Schleimhäute im Gesicht (Augenlider, Lippen, Kinn, Wangen, Zunge) oder an den Genitalien (Quincke-Ödem, Angioödem) oder auch das "Syndrom der verbrannten Haut" (Stevens-Johnson-Syndrom) beschrieben worden.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Kinder unter zwölf Jahren sollten keine Weißdornextrakte einnehmen. Auch Teezubereitungen werden bei ihnen nicht empfohlen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Über die Risiken einer Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Sicherheitshalber sollten Sie die Mittel daher nicht anwenden.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs