Medikamente im Test
  • Über 9 000 Medikamente
  • Geprüft durch unabhängige Experten
  • Ständig aktualisiert

Pflanzliches Mittel: Pfefferminzöl

Wirkungsweise

Das ätherische Öl der Pfefferminze (Mentha piperita) wird aus den frisch geernteten, blühenden Zweigspitzen der Pflanze gewonnen. Der Hauptinhaltsstoff ist Menthol. Das Öl wird sowohl innerlich als auch äußerlich eingesetzt. Testergebnisse: Pfefferminzöl

Reizdarm

Pfefferminzöl wirkt krampflösend und entblähend auf die Muskulatur des Magen-Darm-Traktes. Es wird in Form magensaftresistenter Weichkapseln zur Behandlung von Reizdarmbeschwerden angeboten. Die Kapseln lösen sich im sauren Magensaft nicht auf und geben das Pfefferminzöl erst im Darm frei. Damit gelangen die Inhaltsstoffe gezielt dorthin, wo sie bei Reizdarmbeschwerden wirken sollen. Zudem werden unerwünschte Wirkungen auf die Muskulatur des Mageneingangs vermieden.

Der Nutzen magensaftresistenter Zubereitungen mit Pfefferminzöl bei Reizdarm wurde in einigen Studien untersucht. Allerdings handelt es sich überwiegend um Studien an vergleichsweise wenig Patienten und mit kurzer Dauer. Als Vergleich diente eine Scheinbehandlung. Pfefferminzöl kann demnach Schmerzen lindern und das Beschwerdebild insgesamt verbessern. Wie die magensaftresistenten Pfefferminzöl-Kapseln im Vergleich zu anderen Präparaten, etwa chemisch synthetischen Krampflösern oder Antidepressiva, helfen, ist nicht untersucht. Hinzu kommt: Reizdarm ist ein chronisches Leiden, bei dem sich häufig Phasen mit starken und weniger belastenden Beschwerden abwechseln. Da bislang nur Studien mit höchstens zwölf Behandlungswochen vorliegen, ist auch nicht geklärt, ob die Mittel bei einer länger andauernden Anwendung nützen und dabei auch weiterhin verträglich bleiben. Pfefferminzöl-Kapseln gelten daher bei Reizdarm als mit Einschränkung geeignet. Sie können kurzzeitig zur Beschwerdelinderung eingesetzt werden.

Gallenbeschwerden und Gallensteine und Verdauungs­beschwerden

Pfefferminzöl wird in Form von Tropfen bei Gallen- und Verdauungsbeschwerden angeboten. Nimmt man sie ein, wirken sie krampflösend und entblähend auf die Muskulatur des Magen-Darm-Traktes. Ob dieser Effekt auch für die Gallenwege zutrifft und das Mittel daher bei Gallenwegsbeschwerden und Gallensteinen nützt, ist nicht ausreichend durch Studien belegt. Deshalb wird das Mittel hierfür mit wenig geeignet bewertet. Bei krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden ist es mit Einschränkung geeignet. Die therapeutische Wirksamkeit sollte mit weiteren Studien noch besser belegt werden. Pfefferminzöl wirkt reizend auf die Schleimhaut. In Tropfenform entfaltet es diese Wirkung bereits im Magen und kann daher bei empfindlichen Menschen zu Magenschmerzen führen. Da es muskelentspannend wirkt, ist bei den Tropfen auch Sodbrennen möglich, insbesondere, wenn der Schließmuskel am Mageneingang nicht richtig funktioniert (Refluxerkrankung). Wenn solche Beschwerden auftreten, sollten Sie das Mittel nicht weiter anwenden.

Schmerzen

Äußerlich angewendetes Pfefferminzöl dringt nach dem Auftragen in die Haut ein und erregt die dort befindlichen Kälterezeptoren. Dadurch entsteht ein lang anhaltendes Kältegefühl, auf dem möglicherweise die schmerzlindernden Effekte beruhen. Daneben steigert Pfefferminzöl die Durchblutung und wirkt entspannend auf die Muskulatur.

Gemäß den vorliegenden Studien kann man annehmen, dass auf Stirn und Schläfen aufgetragenes Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerzen hilfreich sein kann. Vorteilhaft ist, dass es keine Kopfschmerzen hervorrufen kann, die auf der (zu) häufigen Anwendung beruhen. Da aber noch nicht ausreichend belegt ist, dass das ätherische Öl einfachen Schmerzmitteln gleichwertig ist, wird das Mittel als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Es kann für diejenigen eine Behandlungsmöglichkeit sein, für die geeignete Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen und Paracetamol nicht infrage kommen oder die diesen Mitteln ablehnend gegenüberstehen.

Anwendung

Reizdarm

Das Mittel wird mehrmals täglich mindestens eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten eingenommen.

Sie dürfen die magensaftresistenten Kapseln nicht zerbeißen oder lutschen, weil das Pfefferminzöl sonst vorzeitig freigesetzt wird und die Schleimhäute in Mund und Speiseröhre reizen kann. Außerdem beeinträchtigt es dann auch den Schließmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen, so dass es leicht zu Sodbrennen kommen kann. Bei korrekter Anwendung wird das Öl erst dort freigesetzt, wo es wirken soll: im Darm.

Sie können das Mittel so lange anwenden, bis die Beschwerden abgeklungen sind. Normalerweise dauert dies ein bis zwei Wochen. Treten sie erneut auf, können Sie wieder mit der Einnahme beginnen. Insgesamt sollte das Mittel aber nicht länger als drei Monate angewendet werden.

Gallenbeschwerden und Gallensteine und Verdauungs­beschwerden

Die Tropfen werden mehrmals täglich in Wasser gerührt und eingenommen. Ohne ärztlichen Rat sollten Sie das Arzneimittel nicht länger als eine Woche anwenden. Auch wenn die Beschwerden immer wieder auftreten, sollten Sie mit Ihrem Arzt sprechen.

Schmerzen

Reiben Sie die Haut, beispielsweise an Stirn oder Schläfe, bei Bedarf mit dem Mittel ein. Verwenden Sie dazu den beigefügten Applikator.

Achtung

Gallenbeschwerden und Gallensteine und Schmerzen

Die Tropfen dürfen nicht in die Augen gelangen, da das ätherische Öl die Bindehaut stark reizt. Haben Sie das Öl versehentlich an die Hände bekommen, sollten Sie diese sofort gründlich waschen. Auch mit offenen Wunden sollte das Öl nicht in Berührung kommen.

Gegenanzeigen

Reizdarm

In folgenden Fällen dürfen Sie Pfefferminzöl in magensaftresistenten Kapseln nicht einnehmen:

  • Sie sind allergisch auf Menthol, einen Bestandteil von Pfefferminzöl.
  • Ihre Leberfunktion ist eingeschränkt.
  • Sie leiden an einer Gallenblasenentzündung, es liegen bereits Gallensteine in der Gallenblase oder in den Gallenwegen vor oder Ihre Galle ist in anderer Weise geschädigt. Dann kann Pfefferminzöl die Beschwerden akut verschlimmern.
  • Sie wiegen weniger als 40 Kilogramm. Es liegen zu wenig Verträglichkeitsdaten vor.

Folgendes ist außerdem zu bedenken: Patienten, die an Sodbrennen leiden oder deren Zwerchfell eine Lücke aufweist, müssen die Anwendungshinweise besonders sorgfältig beachten. Wenn Pfefferminzöl bereits im Magen freigesetzt wird, können sich die Beschwerden verschlimmern.

Gallenbeschwerden und Gallensteine und Verdauungs­beschwerden

Sie dürfen das Mittel nicht anwenden, wenn Sie allergisch auf Menthol, einen Bestandteil von Pfefferminzöl, reagieren. Auch wenn die Gallenwege blockiert sind (z. B. durch Gallensteine), die Gallenblase oder der Darm entzündet oder die Leber schwer geschädigt ist, dürfen Sie das Mittel nicht einnehmen.

Wenn die Gallenblase Steine enthält, sollten Sie das Mittel nur nach Rücksprache mit einem Arzt einsetzen, wenn dieser Nutzen und Risiken sorgfältig abgewogen hat.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Reizdarm

Die Kapseln sollen den Magen unverändert verlassen und erst im Darm aufgelöst werden, damit das Pfefferminzöl dort wirken kann. Die Kapselumhüllung ist so beschaffen, dass sie sich im sauren Magensaft nicht auflöst. Wenn Sie aber Mittel einnehmen, die die Magensäure abpuffern (Antazida bei Sodbrennen), wird der pH-Wert im Magen kurzzeitig angehoben. Die Kapsel löst sich dann bereits im Magen auf und das Pfefferminzöl kann seinen Wirkort, den Darm, nicht erreichen. Können Sie auf die Einnahme dieser Mittel nicht verzichten, sollten Sie diese im Abstand von mindestens zwei Stunden anwenden.

Wenn Sie Mittel nehmen, die die Bildung der Magensäure für längere Zeit vermindern oder sie ganz blockieren (Omeprazol oder H2-Antihistaminika wie Famotidin), ändert sich der ph-Wert im Magen dauerhaft. Eine gemeinsame Anwendung dieser Mittel zusammen mit magensaftresistenten Pfefferminzölkapseln sollten Sie daher ganz vermeiden.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Reizdarm

Wenn Sie die Kapseln zusammen mit dem Essen einnehmen, birgt dies die Gefahr, dass sich der spezielle Überzug der Kapseln vorzeitig auflöst und Pfefferminzöl schon im Magen freigesetzt wird. Sie sollten die Kapseln daher mindestens eine halbe Stunde vor dem Essen nehmen.

Nebenwirkungen

Gallenbeschwerden und Gallensteine und Reizdarm und Verdauungs­beschwerden

Nicht verstoffwechseltes Menthol wird über die Atemluft ausgeschieden. Während der Behandlung kann der Atem deshalb nach Pfefferminze riechen.

Keine Maßnahmen erforderlich

Schmerzen

Die Haut kann leicht brennen, sich röten und jucken. Wenn Sie die Stelle dann gründlich mit Wasser reinigen, klingen die Symptome in der Regel ab.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Haben Sie sich das Mittel zur Eigenbehandlung ohne Rezept besorgt, sollten Sie es absetzen. Sind die Hauterscheinungen auch einige Tage nach dem Absetzen nicht deutlich abgeklungen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Gallenbeschwerden und Gallensteine und Verdauungs­beschwerden

Bei empfindlichen Personen können bei Daueranwendung Magenbeschwerden wie Sodbrennen auftreten, insbesondere wenn der Schließmuskel am Mageneingang nicht richtig funktioniert (Refluxerkrankung). Wenn derartige Beschwerden einsetzen, sollten Sie das Mittel nicht weiter anwenden.

Gallenbeschwerden und Gallensteine und Reizdarm und Verdauungs­beschwerden

Pfefferminzöl kann die Schleimhäute angreifen. Nach dem Stuhlgang kann es daher zu schmerzhaften Hautirritationen im Afterbereich kommen. Diese lassen sich lindern, indem Sie die Haut mit lauwarmem Wasser abwaschen und mit weicher Zinkpaste eincremen (Pasta Zinci mollis). Halten die Beschwerden an, sollten Sie das Pfefferminzöl nicht weiter einnehmen.

Sofort zum Arzt

Gallenbeschwerden und Gallensteine und Reizdarm und Verdauungs­beschwerden

In Einzelfällen wurde von schweren allergischen Reaktionen nach der Einnahme von Pfefferminzöl berichtet: Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Gallenbeschwerden und Gallensteine und Reizdarm und Verdauungs­beschwerden

Obwohl pflanzliche Mittel häufig während Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden, fehlen oft ausreichend dokumentierte Erfahrungen. Dies gilt auch für Pfefferminzöl zur innerlichen Anwendung. Wirksamkeit und Verträglichkeit des Mittels in diesen Lebensphasen sind somit nicht ausreichend sicher einzuschätzen. Die Anwendung von Pfefferminzöl-Kapseln wird daher während der Schwangerschaft und der Stillzeit nicht empfohlen. In Schwangerschaft und Stillzeit sollten Sie daher Pfefferminzöl nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt einnehmen.

Schmerzen

Pfefferminzöl kann äußerlich während der Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Reizdarm

Die Angaben der Hersteller zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unterscheiden sich. Buscomint und Chiana sollen demnach erst ab einem Alter von 12 Jahren zum Einsatz kommen, Klosterfrau Reizdarm erst ab 16 Jahren.

Generell fehlen für Kinder unter acht Jahren ausreichende Untersuchungen zu Wirksamkeit und Verträglichkeit von Pfefferminzöl bei Reizdarmbeschwerden. Sie sollten Pfefferminzöl daher nicht bekommen.

Gallenbeschwerden und Gallensteine und Verdauungs­beschwerden

Kindern unter zwei Jahren dürfen Sie die Tropfen nicht geben, weil Pfefferminzöl zu einer Verkrampfung der Stimmritze, des Kehlkopfes und der Atemwege führen kann. Generell fehlen für Kinder bis zu zwölf Jahren ausreichende Untersuchungen zu Wirksamkeit und Verträglichkeit von Pfefferminzöl. Sie sollten es deshalb bei Kindern nicht anwenden.

Schmerzen

Bei Kindern unter zwei Jahren dürfen Sie das Mittel nicht anwenden, weil Pfefferminzöl zu einer Verkrampfung der Stimmritze, des Kehlkopfes und der Atemwege führen kann. Der Hersteller empfiehlt, dass Euminz nicht bei Kindern unter sechs Jahren äußerlich gegen Schmerzen angewendet werden soll.

Sie sehen nun nur noch Informationen zu: ${filtereditemslist}.