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Pflanzliches Mittel: Ginkgo

Wirkungsweise

Ginkgo soll bei Durchblutungs- und Hirnleistungsstörungen helfen. Der Extrakt wird aus den Blättern des in Asien beheimateten Ginkgobaumes gewonnen, die verschiedene Inhaltsstoffe (z. B. Terpene, Proanthocyanide, Heteroside, Flavone) enthalten. Wie Ginkgoextrakt wirkt und welche der verschiedenen Inhaltsstoffe an der Wirkung beteiligt sind, ist unklar. Vermutet werden verschiedene Wirkmechanismen. Ginkgoextrakt soll:

  • die Blutgefäße erweitern, und zwar sowohl Arterien als auch Venen und kleinste Blutgefäße (Kapillaren)
  • verhindern, dass die Blutplättchen verkleben. Es wird angenommen, dass das auf seinen Inhaltsstoffen beruht, die dem "plättchenaktivierenden" Faktor entgegenwirken, der bei der Blutgerinnung eine Rolle spielt.
  • "freie Radikale" einfangen, die die Zellen schädigen
  • bestimmte körpereigene Stoffe (Zytokine) hemmen, die die Blutplättchen aktivieren und damit die Blutgerinnung fördern; erwartet wird, dass sich dann nicht so leicht Gerinnsel bilden
  • die Bindestellen für die Nervenbotenstoffe Serotonin und Acetylcholin stimulieren, sodass die Reizleitung in den Nerven besser funktioniert
  • die Fließeigenschaften des Blutes verbessern und die roten Blutkörperchen leichter verformbar machen, was den Blutfluss vor allem in den Kapillaren verbessern soll.
Arterielle Durchblutungs­störungen

Ob alle diese Mechanismen in der Praxis zum Tragen kommen, ist jedoch unklar. Es ist beispielsweise fraglich, ob sich das alltägliche Leben tatsächlich relevant verbessert, wenn sich die schmerzfreie Gehstrecke mit Ginkgoextrakten durchschnittlich um 30 Meter verlängern lässt, wie in manchen Studien gezeigt wurde. Ein solcher Effekt ist relativ gering und lässt sich durch nicht medikamentöse Maßnahmen, beispielsweise ein regelmäßiges Gehtraining, ebenso gut erreichen und sogar übertreffen. Zudem können neuere Studien für Ginkgo biloba bei "Schaufensterkrankheit" (Claudicatio intermittens) keine Verbesserung der Gesamtgehstrecke und auch nicht der schmerzfreien Gehstrecke im Vergleich zu einem Scheinmedikament (Placebo) feststellen. Eine relevante therapeutische Wirksamkeit ist damit nicht ausreichend nachgewiesen, Präparate mit Ginkgoextrakt sind bei PAVK deshalb wenig geeignet.

Demenz­erkrankungen, Hirnleistungs­störungen

Wenn das Blut leichter fließt, kann es das Gehirn besser mit Sauerstoff versorgen. Auch die Gefahr einer Gerinnselbildung ist nicht mehr so groß. Zudem soll sich die Reizleitung der Nerven verbessern. All das könnte sich auf die geistige Leistungsfähigkeit positiv auswirken. Einige Studien berichten tatsächlich, dass sich bei Demenzkranken durch die Behandlung mit Ginkgoextrakt die Denkfähigkeit verbessert. Diese Studien wurden aber aus verschiedenen Gründen kritisiert: So waren daran nur relativ wenige Probanden beteiligt, sie wurden nur kurze Zeit behandelt und die Art der Hirnleistungsstörung wurde nicht bei allen genau definiert. Andere Studien kommen dagegen zu weniger günstigen Ergebnissen.

In einer neuen Analyse wird nun für einen standardisierten Azeton-Wasser-Extrakt von Ginkgo biloba festgestellt, dass die Behandelten ihre alltäglichen Aktivitäten besser bewerkstelligen konnten. Dabei handelte es sich um Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz und zusätzlichen psychischen Beeinträchtigungen wie beispielsweise einer Depression. Sie nahmen von dem Extrakt täglich 240 Milligramm ein. Diese positiven Studienergebnisse sollten noch einmal von unabhängigen Institutionen bestätigt werden. Dass die geistige Leistungsfähigkeit oder die Lebensqualität insgesamt verbessert wird, ist noch nicht ausreichend nachgewiesen. Ob die Betroffenen aufgrund der Behandlung später als es sonst zu erwarten ist, in ein Heim eingewiesen werden können, wurde bislang nicht untersucht. Darüber hinaus fehlen aussagekräftige Untersuchungen, in denen die Therapie mit Ginkgoextrakt mit der mit Acetylcholinesterasehemmern verglichen wird, für die eine gewisse Wirksamkeit nachgewiesen ist.

Aufgrund dieser Bedingungen lautet das Gesamturteil "wenig geeignet" – allerdings mit dem Zusatz, dass die Anwendung von Ginkgoextrakt einen Versuch wert sein kann, wenn Acetylcholinesterasehemmer nicht eingesetzt werden können.

Bisher gibt es zudem keinen Anhaltspunkt dafür, dass sich mit einer frühzeitigen Einnahme von Ginkgoextrakt einer Demenzerkrankung vorbeugen lässt.

Aufgrund dieser wissenschaftlichen Untersuchungen erstatten die Krankenkassen die Einnahme von Ginkgo zur Vorbeugung nicht.

Zur Behandlung demenzieller Erkrankungen kann der Arzt Ginkgopräparate allerdings unter zwei Voraussetzungen zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung verordnen: Es wurde ein Aceton-Wasser-Gemisch zur Herstellung des Ginkgoextraktes verwendet und es ist eine Tagesdosis von 240 Milligramm des standardisierten Extrakts gewährleistet. Einzelheiten hierzu auch unter Ausnahmeliste.

Wie bei allen pflanzlichen Mitteln gibt es auch bei Ginkgopräparaten das Problem, sie auf einen gleichbleibenden Wirkstoffgehalt zu standardisieren. Die Hersteller geben an, dass die Standardisierung des Extraktes für Terpenlactone und Ginkgoflavonglycoside gilt. Ein bestimmter standardisierter Extrakt (EGb761) wurde patentiert.

Anwendung

Demenz­erkrankungen, Hirnleistungs­störungen

Die Behandlung sollte nur erfolgen, wenn eine Bezugsperson des Kranken die regelmäßige Einnahme sicherstellt. Alle sechs Monate sollte das Mittel abgesetzt und geprüft werden, ob sich der Zustand des Betroffenen verschlechtert. Ist das nicht der Fall, ist ein Ende der Therapie zu erwägen.

Achtung

Da die Mittel die Blutgerinnung beeinflussen können, sollten sie bei einer planbaren Operation fünf bis acht Tage vorher abgesetzt werden.

Gegenanzeigen

Wenn Sie erblich- oder krankheitsbedingt zu Blutungen neigen, sollte der Arzt Nutzen und Risiken einer Anwendung von Ginkgoextrakten sorgfältig abwägen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Ginkgoextrakt schwächt die Wirkung von Omeprazol aus der Gruppe der säureblockierenden Mittel (bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren), weil der Wirkstoff schneller abgebaut wird. Dann besteht die Gefahr, dass die Schleimhaut im Magen und Zwölffingerdarm nicht mehr ausreichend geschützt wird. Möglicherweise trifft dies auch für die anderen säureblockierenden Mittel zu.

Unbedingt beachten

Ginkgoextrakt kann die Wirkung von gerinnungshemmenden Mitteln wie Warfarin oder Phenprocoumon sowie von Acetylsalicylsäure, Clopidogrel und Ticlopidin (bei erhöhter Thrombosegefahr) verstärken, sodass leichter Blutungen auftreten. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Sehr selten kommt es zu leichter Übelkeit, Kopf- oder Bauchschmerzen.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Arterielle Durchblutungs­störungen

Über die Risiken einer Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine Erkenntnisse. Sicherheitshalber sollten Sie die Mittel daher nicht anwenden.

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