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Epilepsiemittel: Perampanel

Wirkungsweise

Perampanel blockiert die Bindungsstelle für einen Nervenbotenstoff und soll so die krankhafte Übererregbarkeit der Nervenzellen, die den Krampfanfällen bei Epilepsie zugrunde liegt, verringern. Sein genauer Wirkungsmechanismus ist aber nicht vollständig geklärt.

Perampanel darf nur als zusätzliches Mittel eingesetzt werden, wenn die bisherige Behandlung mit einem oder mehreren Antiepileptika die Anfallhäufigkeit nicht ausreichend senken konnte.

In den klinischen Studien wurde das Mittel als Zusatztherapeutikum überwiegend an Patientinnen und Patienten mit fokalen Anfällen untersucht, die mit zwei bis drei anderen Antiepileptika keine ausreichende Verringerung der Anfallshäufigkeit erreicht hatten. In dieser Situation ist die Wirksamkeit von Perampanel gegenüber einer Scheinbehandlung nachgewiesen. So verringerte sich beispielsweise in einer sechs Monate andauernden Studie bei einer täglichen Dosis von acht Milligramm Perampanel die Zahl der Epilepsieanfälle bei etwa 35 von 100 Behandelten mindestens um die Hälfte. Bei Betroffenen, die mit einem Scheinmedikament behandelt wurden, war dies lediglich bei 18 von 100 der Fall. Von 100 Behandelten profitieren somit 17 von der zusätzlichen Behandlung mit Perampanel.

Als Zusatztherapeutikum senkt Perampanel auch bei generalisierten Epilepsien die Anfallshäufigkeit spürbar.

Studien, in denen der Effekt verschiedener Zusatzmedikamente direkt mit dem von Perampanel verglichen wurde, gibt es derzeit nicht. Auch die Wirksamkeit bei Betroffenen, die nur ein zusätzliches weiteres antiepileptisches Medikament bekommen, sollte noch besser belegt werden. Zudem wird Perampanel vom Körper nur sehr langsam abgebaut. Das kann Nachteile haben, etwa wenn unerwünschte Wirkungen mit dem Mittel auftreten.

Aus diesen Gründen sollte Perampanel erst eingesetzt werden, wenn bereits zwei andere Antiepileptika nicht ausreichend wirksam waren. So angewandt ist es bei fokalen wie auch bei generalisierten Anfällen mit Einschränkung geeignet.

Anwendung

Allgemeine Angaben zur Anwendung finden Sie unter Epilepsiemittel gemeinsam betrachtet.

Sie nehmen das Mittel einmal abends vor dem Schlafengehen.

Die geeignete Dosis von Perampanel muss durch schrittweise Erhöhung der Arzneimittelmenge individuell ermittelt werden. Die Behandlung wird mit einer Dosis von zwei Milligramm Perampanel täglich begonnen. Diese wird – abhängig davon, welche Medikamente noch gleichzeitig angewendet werden müssen – entweder im Abstand von einer oder zwei Wochen jeweils um zwei Milligramm erhöht. Die übliche Dauerdosis beträgt vier bis acht Milligramm pro Tag. Ist diese Dosis nicht ausreichend wirksam, kann sie im Einzelfall auf maximal zwölf Milligramm pro Tag erhöht werden. Bei dieser Dosierung sind aber vermehrt Nebenwirkungen zu erwarten.

Ist die Funktion Ihrer Leber leicht bis mäßig eingeschränkt, sollte die Dosis von acht Milligramm pro Tag nicht überschritten werden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen soll auf die Anwendung von Perampanel verzichtet werden.

  • Die Funktion Ihrer Niere ist mäßig bis stark eingeschränkt.
  • Die Funktion Ihrer Leber ist stark eingeschränkt.

Wenn Sie in der Vergangenheit schon einmal abhängig von Alkohol oder Drogen waren, muss die Ärztin oder der Arzt Nutzen und Risiken einer Behandlung mit Perampanel besonders sorgfältig gegeneinander abwägen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente anwenden, ist Folgendes zu beachten:

Die Antiepileptika Carbamazepin, Oxcarbazepin, Phenytoin sowie Rifampicin bei Tuberkulose und Johanniskraut bei depressiven Störungen können die Wirkung von Perampanel abschwächen. Wenn diese Mittel gemeinsam angewendet werden müssen, kann zu Beginn der Behandlung die Aufdosierung von Perampanel schneller erfolgen. Wenn während einer Behandlung mit Perampanel die Einnahme dieser Mittel begonnen oder beendet werden soll, muss die Ärztin oder der Arzt die Dosierung des Antiepileptikums entsprechend der individuellen Erfordernisse anpassen. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel bei Epilepsien: verringerte Wirkung.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Allgemeine Hinweise zu Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken lesen Sie unter Epilepsiemittel gemeinsam betrachtet. Zusammen mit Alkohol können sich zudem die Wirkungen von Perampanel auf die Psyche, wie Wut und Verwirrtheit, verstärken.

Nebenwirkungen

Zusammen mit anderen Antiepileptika kann Perampanel Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Wegen der langen Wirkdauer von Perampanel können unerwünschte Wirkungen auch noch einige Tage nach dem Absetzen fortbestehen.

Keine Maßnahmen erforderlich

Einer bis 10 von 100 Behandelten klagt über Übelkeit. Einer bis 10 von 100 Behandelten wird reizbar und schnell wütend. Meist bessert sich dies spontan.

Ebenso häufig kann es zu einer leichten Gewichtszunahme kommen.

Muss beobachtet werden

Bei mehr als 10 von 100 Behandelten treten Schwindel, Benommenheit, Müdigkeit oder Schläfrigkeit auf. In höherer Dosierung kann das Mittel bei 1 bis 10 von 100 Behandelten zu Gangunsicherheit führen. Alle genannten unerwünschten Wirkungen erhöhen das Risiko zu stürzen. Diese Beschwerden sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen und mit ihm entscheiden, ob die Dosis verringert werden muss.

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten treten – insbesondere bei höherer Dosierung des Mittels – Sehstörungen wie verschwommenes Sehen oder Doppeltsehen auf. Wenden Sie sich in diesem Fall an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Wenn feindseliges Verhalten und Wutgefühle anhalten, die oder der Behandelte sehr aggressiv wird, andere bedroht oder gar Selbsttötungsgedanken entwickelt, sollten Sie oder Angehörige sich möglichst bald an den behandelnden Arzt wenden. Diese Probleme treten besonders bei Behandlungsbeginn und bei Dosissteigerungen auf. Dann muss die Dosis verringert oder die Behandlung abgebrochen werden.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt und Sie ein Alternativmedikament benötigen.

Sofort zum Arzt

Die oben beschriebenen Hauterscheinungen können in sehr seltenen Fällen auch erste Anzeichen für andere sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arzneimittel sein. Meist entwickeln diese sich während der Anwendung des Mittels nach Tagen bis Wochen. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus und es bilden sich Blasen ("Syndrom der verbrühten Haut"). Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich sofort an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch lebensbedrohlich verschlimmern.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Frauen im gebärfähigen Alter wird empfohlen, für die Dauer der Behandlung mit Perampanel eine zuverlässige Verhütungsmethode anzuwenden. Das Mittel veranlasst die Leber, mehr von den Enzymen zu produzieren, die unter anderem die Hormone abbauen, die in der Antibaby-Pille enthalten sind. Dann kann – insbesondere bei einer Dosis von zwölf Milligramm Perampanel – eine Empfängnis nicht mehr sicher verhütet werden und es ist eine ungewollte Schwangerschaft möglich. Ein Zeichen für die verringerte Hormonwirkung können Zwischenblutungen sein. Daher sollten Sie mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, ob Sie zu einer nichthormonellen Verhütungsmethode wechseln müssen oder ob Sie ein Pillenpräparat einnehmen können, das mehr Östrogen enthält.

Beenden Sie die Perampanel-Behandlung, sollten Sie wieder zu einer Pille mit geringerem Östrogengehalt wechseln, um das Risiko für Nebenwirkungen zu reduzieren.

Als nichthormonelle Verhütungsmethode kommt neben Kondom oder Diaphragma auch ein kupferhaltiges Intrauterinpessar (Spirale) in Frage.

Weitere Informationen hierzu finden Sie unter Mittel zur Empfängnisverhütung: verringerte Wirkung.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Allgemeine Hinweise für die Anwendung in der Schwangerschaft finden Sie unter Epilepsiemittel gemeinsam betrachtet.

Für die Anwendung von Perampanel in der Schwangerschaft und Stillzeit liegen bislang nur wenige Erfahrungen vor. Sicherheitshalber soll das Mittel in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Perampanel können Kinder mit fokalen Anfällen ab einem Alter von vier Jahren einnehmen und Kinder mit generalisierten Anfällen ab einem Alter von sieben Jahren.

Bei Kindern mit einem Körpergewicht über 30 Kilogramm entspricht die Dosierung der von Erwachsenen. Bei Kindern, die weniger als 30 Kilogramm wiegen, beträgt die Anfangsdosis ein Milligramm täglich. Die Dosis wird bei ihnen schrittweise alle 7 oder 14 Tage um ein Milligramm erhöht. Je nach Ansprechen und Verträglichkeit kann die Dosis bei Kindern mit einem Körpergewicht zwischen 20 bis 30 Kilogramm auf maximal acht Milligramm pro Tag erhöht werden. Bei Kindern, die weniger als 20 Kilogramm wiegen, sind es maximal sechs Milligramm pro Tag.

Für ältere Menschen

In Studien wurden nur wenige Menschen, die über 65 Jahre alt sind und an Epilepsie leiden, untersucht. Ob das Mittel bei ihnen ebenso gut wirkt wie bei jüngeren Menschen ist somit unklar. Das Mittel verursacht Schwindel und Benommenheit. Das Risiko zu stürzen, ist dann insbesondere bei älteren Patientinnen und Patienten erhöht. Auch Verwirrtheit kann auftreten. Bei Älteren sollte daher die Ärztin oder der Arzt Nutzen und Risiken einer Behandlung mit Perampanel besonders sorgfältig abwägen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Allgemeine Hinweise zur Verkehrstüchtigkeit finden sie unter Epilepsiemittel gemeinsam betrachtet.

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