Medikamente im Test

Parkinsonmittel: Biperiden, Bornaprin und Trihexyphenidyl

Wirkungsweise

Biperiden, Bornaprin und Trihexyphenidyl sind Anticholinergika. Sie verbessern vor allem die Plus-Symptome einer Parkinsonerkrankung. Die Wirkstoffe verringern den Effekt von Acetylcholin im Gehirn. Damit verschiebt sich das Verhältnis der beiden Überträgerstoffe Acetylcholin und Dopamin zugunsten des Dopamins. Dadurch lässt das Zittern nach, die Muskelstarre lockert sich.

Anticholinergika sind relativ alte Medikamente, mit denen keine Studien durchgeführt wurden, wie man sie heute fordert. Dieses Defizit ist bis heute nicht behoben. Doch es gibt Belege dafür, dass die Mittel Bewegungsstörungen bei Parkinsonkrankheit besser beeinflussen als ein Scheinmedikament. Diesem Nutzen stehen allerdings zahlreiche unerwünschte Wirkungen gegenüber, die vor allem die psychische Verfassung und geistige Leistungsfähigkeit betreffen. Sie machen sich vornehmlich bei älteren Menschen bemerkbar. Anticholinergika werden bei Parkinsonkrankheit als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.

Sie können zudem hilfreich sein, um parkinsonähnliche Beschwerden zu behandeln, die durch die Behandlung mit Neuroleptika ausgelöst wurden.

Anwendung

Der Körper muss sich langsam an Anticholinergika gewöhnen. Darum sollte die Therapie mit einer relativ geringen Dosis beginnen, die auf zwei oder drei Tagesportionen verteilt eingenommen wird. Sie wird dann je nach Medikament täglich, alle zwei Tage oder wöchentlich gesteigert, bis die individuell notwendige Menge erreicht ist.

Die Tabletten sollten Sie in möglichst gleichen Abständen über den Tag verteilt einnehmen, damit der Wirkstoffspiegel konstant bleibt.

Die Medikamente dürfen nicht abrupt abgesetzt werden, weil sich die Krankheitssymptome dann krisenhaft verschlimmern können.

Regelmäßige Messungen des Augeninnendrucks sollen rechtzeitig auf einen sich entwickelnden grünen Star aufmerksam machen.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie nicht mit Anticholinergika behandelt werden:

  • Es liegt eine Demenzerkrankung vor.
  • Sie haben ein unbehandeltes Engwinkelglaukom (grüner Star).
  • In Ihrem Magen-Darm-Kanal gibt es Verengungen, der Dickdarm ist krankhaft erweitert (Megakolon) oder seine Muskulatur arbeitet nicht.

Unter folgenden Bedingungen sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie haben eine vergrößerte Prostata oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen.
  • Sie haben einen zu schnellen Herzrhythmus.
  • Sie leiden an Myasthenia gravis, einer Erkrankung, bei der die Nervenimpulse nicht richtig auf die Muskeln übertragen werden.
  • Sie leiden an Epilepsie. Anticholinergika erhöhen das Risiko für Krampfanfälle. Bei Epilepsiekranken muss die Dosierung des Parkinsonmedikaments besonders langsam gesteigert werden.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Durch Anticholinergika kann Levodopa (bei Parkinsonkrankheit) schlechter aufgenommen werden. Dann können sich die Bewegungsstörungen verstärken.
  • Anticholinergika verringern die Wirkung von Donepezil, Galantamin und Rivastigmin (bei Demenzerkrankungen).
  • Trizyklische Antidepressiva (bei Depressionen), Neuroleptika, insbesondere schwach wirkende klassische Neuroleptika wie Levomepromazin (bei Schizophrenien und anderen Psychosen), Antihistaminika (bei Allergien), andere Parkinsonmedikamente wie Amantadin und Spasmolytika (bei Muskelkrämpfen, Inkontinenz) verstärken die Wirkungen und Nebenwirkungen von Anticholinergika.
  • Chinidin (bei Herzrhythmusstörungen) intensiviert die unerwünschte Wirkung der Anticholinergika auf Herz und Kreislauf. Herzrhythmusstörungen können sich dann verstärken.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Anticholinergika können die Wirkung von Alkohol verstärken.

Nebenwirkungen

Weil die Wirkstoffe stimmungsaufhellend und euphorisierend wirken können, ist nicht auszuschließen, dass sie manchmal zur Abhängigkeit führen.

Die Mittel können darüber hinaus – insbesondere bei Daueranwendung – die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Wenn Sie langsamer reagieren als früher und Ihre Aufmerksamkeit sowie Ihr Gedächtnis nachlassen, sollten Sie mit dem Arzt sprechen. Wenn Sie das Mittel absetzen, verschwinden diese Störungen wieder.

Keine Maßnahmen erforderlich

1 von 100 Behandelten empfindet seinen Mund als trocken. Dieses Gefühl lässt sich durch Trinken oder Kaugummikauen lindern.

Müdigkeit, Schwindel, Benommenheit, Nervosität, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit können auftreten.

Auch über Magenbeschwerden, Übelkeit und Verstopfung wird berichtet. Magenbeschwerden lassen sich vermeiden, indem die Mittel unmittelbar nach dem Essen eingenommen werden.

Es können Sehstörungen auftreten. Dann können sich Ihre Augen nur schwer auf unterschiedliche Sehabstände einstellen, Sie sehen unscharf und sind lichtempfindlich, weil die Pupillen erweitert sind.

Muss beobachtet werden

Sie schwitzen selbst dann nicht, wenn Sie sich anstrengen oder der Hitze aussetzen. Dann kann der Körper seine Temperatur nicht ausreichend regulieren und Sie sollten mit dem Arzt das weitere Vorgehen besprechen.

Das Herz schlägt sehr schnell, sehr selten auch einmal zu langsam. Wenn Ihr Puls in Ruhe dauerhaft über 100 Schläge pro Minute liegt, sollten Sie sich an einen Arzt wenden.

Es entwickelt sich ein grüner Star, bei dem der Augeninnendruck ansteigt. Um darauf rechtzeitig aufmerksam zu werden, sollten Sie etwa alle drei Monate beim Augenarzt den Augeninnendruck messen lassen.

Von Schwierigkeiten beim Wasserlassen berichten vor allem Männer mit vergrößerter Prostata. Dieses Problem sollten Sie in den nächsten Tagen mit einem Arzt besprechen.

Die Muskelbewegungen des Gesichts, der Arme oder Beine sind gestört.

Sofort zum Arzt

Wenn Sie gar kein Wasser mehr lassen können und der Bereich der Blase schmerzt, müssen Sie sich umgehend in ärztliche Behandlung begeben.

Treten Unruhe, Angst, Erregung, Verwirrtheit, Halluzinationen und Zustände wie im Delirium (Bewusstseinsstörungen, keine zeitliche und räumliche Orientierung, das Sehen von Trugbildern, Schwitzen und Zittern) auf, ist das sofortige Eingreifen eines Arztes notwendig.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Über die Anwendung dieser Substanzen in der Schwangerschaft liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor. Die Mittel sollten daher nicht eingesetzt werden.

Die Mittel hemmen den Milchfluss. Sie sollten in der Stillzeit nicht angewendet werden.

Für ältere Menschen

Ältere Menschen reagieren auf Anticholinergika oft mit den Zeichen einer Hirnleistungsstörung (Demenz). Anticholinergika sollten bei ihnen nach Möglichkeit nicht eingesetzt werden. Geschieht das doch, müssen die Mittel schwächer dosiert und die Dosierung zu Beginn der Therapie besonders langsam gesteigert werden.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Müdigkeit, Schwindel, Benommenheit, Sehstörungen können die Sicherheit beim Lenken eines Fahrzeugs, beim Bedienen einer Maschine und beim Arbeiten ohne sicheren Halt beeinträchtigen.

Da die Parkinsonkrankheit das Reaktionsvermögen verlangsamt, sind viele Betroffene nicht fahrtüchtig. Wer mit Medikamenten stabil eingestellt ist, kann jedoch unter Umständen wieder am Straßenverkehr teilnehmen. Im Zweifelsfall kann in einer fachärztlichen Untersuchung die Reaktionszeit ermittelt werden.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs