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Osteoporosemittel: Raloxifen

Wirkungsweise

Raloxifen gehört in die Gruppe der selektiven Östrogenrezeptor-Modulatoren (SERM) und kann die Knochendichte erhöhen. Diese Substanzen wirken an den Bindungsstellen für Östrogen. Diese gibt es an verschiedenen Orten im Körper, so auch an den Knochen. Dort haben diese Medikamente die gleiche Wirkung wie das körpereigene Östrogen. An anderen Bindungsstellen, beispielsweise an der Brust, behindert Raloxifen demgegenüber die Wirkung von Östrogen.

Klinische Studien zeigen, dass sich bei einer Behandlung mit Raloxifen die Knochendichte erhöht und weniger Wirbelbrüche auftreten. Diesem Teilaspekt einer Osteoporose kann Raloxifen also gegensteuern. Nicht nachgewiesen ist dagegen, dass eine Raloxifenbehandlung die im höheren Lebensalter so problematischen Oberschenkelhalsbrüche verhindern kann.

Raloxifen ist nur zur Anwendung bei Frauen bestimmt, die keine Regelblutung mehr haben. Die für die Zeit der Wechseljahre typischen Beschwerden, wie Hitzewallungen, treten bei seiner Einnahme häufiger und stärker auf.

Bei Anwendung über lange Zeit kann Raloxifen im Vergleich zu einer Scheinbehandlung das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, geringfügig senken. Andererseits steigt aber das Risiko für tödliche Schlaganfälle und Beinvenenthrombosen. Die Herzinfarktrate bleibt nach den bisherigen Studienergebnissen unverändert.

Insgesamt ergibt sich aus diesen Faktoren die Bewertung "mit Einschränkung geeignet".

Anwendung

Die Dosierung beträgt 60 Milligramm Raloxifen am Tag. Die Behandlung kann über lange Zeit fortgesetzt werden.

Wenn Sie während der Behandlung eine Blutung bemerken, sollten Sie die Ursache gynäkologisch abklären lassen.

Fallen bei einer ärztlichen Untersuchung erhöhte Leberwerte auf, sollten diese im Laufe der Behandlung regelmäßig kontrolliert werden.

Bei Frauen, deren Blutfettwerte ansteigen, wenn sie Östrogene einnehmen, kann diese unerwünschte Wirkung auch durch Raloxifen eintreten. Dann sollten die entsprechenden Blutwerte regelmäßig kontrolliert werden.

Achtung

Drei Tage vor einem geplanten Krankenhausaufenthalt und sofort bei einer Krankheit, bei der Sie längere Zeit im Bett liegen müssen, sollte Raloxifen abgesetzt werden. Die Behandlung soll erst dann fortgesetzt werden, wenn Sie wieder ständig auf den Beinen sein können. Der Grund ist, dass durch Bewegungsmangel und längeres Liegen das Thromboserisiko steigt.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Raloxifen nicht anwenden:

  • Sie haben Blutungen aus der Gebärmutter, deren Ursache nicht geklärt ist.
  • Sie haben oder hatten bereits einmal eine Thrombose.
  • Ihre Leberfunktion ist eingeschränkt oder der Gallenabfluss behindert.
  • Sie haben einen schweren Nierenschaden.

Wenn Sie an Brustkrebs erkrankt sind, muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abwägen.

Bei Gebärmutterschleimhautkrebs soll Raloxifen nicht eingesetzt werden, weil bisher unklar ist, ob eine derartige Behandlung für diese Frauen möglicherweise Nachteile birgt.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten, dass Colestyramin (bei Fettstoffwechselstörungen) die Aufnahme von Raloxifen aus dem Magen-Darm-Trakt erheblich verringern kann. Die beiden Medikamente sollten deshalb nicht gemeinsam eingesetzt werden.

Unbedingt beachten

Raloxifen kann die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden, etwas verstärken. Daher sollte zu Beginn und nach Absetzen der Behandlung mit Raloxifen die Blutgerinnung häufiger als sonst kontrolliert werden und der Arzt sollte gegebenenfalls die Dosierung anpassen. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Es kann zu Magen-Darm-Beschwerden mit Übelkeit und Erbrechen sowie Bauchschmerzen kommen.

Vor allem im ersten Behandlungshalbjahr treten bei jeder zehnten Frau Hitzewallungen auf. Wadenkrämpfe machen bis zu 10 von 100 Frauen zu schaffen.

Muss beobachtet werden

Bei bis zu 10 von 100 Frauen schwellen die Fußknöchel an, weil sich im Gewebe Wasser einlagert. Solche Ödeme können ein Zeichen dafür sein, dass sich die Herz- oder Nierenfunktion verschlechtert. Über derartige Schwellungen sollten Sie daher mit dem Arzt sprechen.

1 bis 10 von 100 Frauen entwickeln grippeähnliche Symptome. Halten diese länger als eine Woche an oder treten sie im Wochenabstand wiederholt auf, sollte der Arzt zurate gezogen werden.

Kopfschmerzen und Migräne können auftreten. Wenn Sie nach der Einnahme von Raloxifen erstmals einen Migräneanfall erleben, sollten Sie das einem Arzt mitteilen.

Sofort zum Arzt

Wenn Ihre Beine schmerzen und Sie gerötete Venen bemerken, sollten Sie umgehend den Arzt informieren. Diese Symptome deuten auf eine Thrombose hin. Sie tritt bei 1 bis 10 von 1 000 mit Raloxifen behandelten Frauen auf.

Kommen migräneartige Kopfschmerzen hinzu, die zum ersten Mal auftreten oder ungewöhnlich stark sind, Sehstörungen oder Flimmern vor den Augen und Hörschwäche, Schmerzen in der Leistenbeuge oder Kniekehle, zusammen mit einem Schwere- oder Stauungsgefühl in den Beinen, müssen Sie sich sofort in ärztliche Behandlung begeben.

Plötzliche Unruhe, Atemnot, Schweißausbrüche, schneller Puls, vertiefte Atmung und eventuell eine Blaufärbung der Haut können ihre Ursache in einer Lungenembolie haben. Bei diesen Symptomen sollten Sie den Notarzt (Telefon 112) rufen.

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