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Osteoporosemitel: Denosumab

Wirkungsweise

Denosumab ist ein spezieller Abwehrstoff, der sich gegen Zellen richtet, die am Knochenabbau beteiligt sind. Er verhindert, dass ein bestimmter Eiweißstoff (RANK-Ligand) an seine Bindungsstellen andocken kann und den Knochenabbau in Gang setzt. Die Endsilbe "mab" macht deutlich, dass Denosumab zur Gruppe der gentechnisch hergestellten monoklonalen Antikörper gehört. "Mab" steht für "monoclonal antibody".

Bei einer Behandlung mit Denosumab erhöht sich die Knochendichte rasch und schneller als durch Bisphosphonate. Das bedeutet aber nicht notwendigerweise, dass Denosumab besser vor Knochenbrüchen schützt als die bewährten Bisphosphonate. Gegenüber der Behandlung mit einem Scheinmedikament hat Denosumab nachweislich Vorteile: Während 26 von 1 000 Personen, die drei Jahre lang mit einem Scheinmedikament behandelt wurden, einen Wirbelbruch erlitten, waren es von 1 000 mit Denosumab Behandelten nur 8 Personen. Bei den Oberschenkelhalsbrüchen gab es bei der Scheinbehandlung 12 Brüche auf 1 000 Personen, bei Denosumab 7 Brüche auf 1 000 Behandelte. Es ist aber noch nicht geklärt, ob Denosumab in dieser Hinsicht auch den Bisphosphonaten überlegen ist.

Da es sich bei Denosumab um ein relativ neues Medikament handelt, sind seine Langzeitverträglichkeit und Auswirkungen auf das Immunsystem noch nicht einschätzbar. Es sind zwar seltene, aber schwerwiegende Folgen möglich, wie schwere Infektionen, Hautschäden und Krebserkrankungen. Zudem wurden während der Behandlung mit Denosumab – wie es für die Bisphosphonate bereits bekannt ist – Zerstörungen von Knochen im Gesichtsbereich beobachtet.

Vorsicht scheint darüber hinaus notwendig zu sein, wenn die Behandlung mit Denosumab beendet wird. Nach den bisherigen Erkenntnissen nimmt, die Knochendichte vergleichsweise schnell wieder ab, sobald Denosumab nicht mehr angewendet wird. Dies ist nach einer Behandlung mit Bisphosphonaten nicht der Fall. Menschen, die Denosumab absetzen, haben dadurch ein höheres Risiko für einzelne oder auch mehrfache Knochen- und Wirbelbrüche. Muss die Anwendung von Denosumab beendet werden, empfehlen Experten daher, eine Behandlung mit einem anderen Osteoporosemittel direkt anzuschließen.

Denosumab wird derzeit als "mit Einschränkung geeignet" beurteilt. Es sollte eingesetzt werden, wenn Bisphosphonate aus irgendeinem Grund nicht infrage kommen. Dann ist Denosumab allerdings allen anderen Osteoporosemedikamenten vorzuziehen.

Das Mittel kann auch bei Männern eingesetzt werden. Bei ihnen verbessert es die Knochendichte. Bei Männern mit Prostatakrebs, die aufgrund einer Hormonbehandlung an Knochenschwund leiden, kann das Mittel auch das Risiko für Wirbelbrüche senken. Dass es auch bei ansonsten gesunden Männern mit einem erhöhten Frakturrisiko die Rate an Knochenbrüchen vermindern kann, ist dagegen noch nicht nachgewiesen.

Bei der Osteoporosebehandlung mit Denosumab kann darüber hinaus die Einnahme von Calcium und/oder Vitamin D sinnvoll sein. Das kommt vor allem dann zum Tragen, wenn Ihre Ernährung nicht genügend Calcium liefert und Sie sich tagsüber nur wenig im Freien aufhalten.

Anwendung

Denosumab wird zweimal jährlich unter die Haut gespritzt.

Achtung

Die Anwendung von Denosumab kann eine Kiefernekrose auslösen. Hierbei wird der Kieferknochen durch Prozesse, die sich nicht aufhalten lassen, zerstört. Das Risiko für eine derartige Nebenwirkung ist in folgenden Situationen erhöht: Bei einer

  • Krebserkrankung, an der die Knochen beteiligt sind,
  • Chemotherapie,
  • Strahlentherapie im Kopf- oder Halsbereich,
  • Behandlung mit Glucocorticoiden, mit TNF-alpha-Hemmstoffen,
  • schlechten Mundhygiene und
  • bei Zahnerkrankungen.

Vor Beginn der Behandlung sollte daher ein Zahnarzt das Gebiss überprüfen; größere zahnmedizinische Behandlungen müssen abgeschlossen sein. Während der Behandlung ist intensiv auf sorgfältige Zahnpflege zu achten. Eine größere zahnärztliche Behandlung während der Anwendung von Denosumab kann den Zustand von Zähnen und Kiefer verschlechtern. Wenn der Kieferknochen während der Behandlung mit Denosumab Schaden nimmt, muss der Arzt Nutzen und Risiken einer Weiterbehandlung sorgfältig gegeneinander abwägen.

Gegenanzeigen

Sie dürfen nicht mit Denosumab behandelt werden, wenn Sie zu wenig Calcium im Blut haben. Vor der Behandlung muss der Calciumspiegel erst mit einem Calciumpräparat angehoben werden.

Der Wirkstoff Denosumab sollte nicht gleichzeitig zur Behandlung von Osteoporose und von Knochenmetastasen bei einer Krebserkrankung eingesetzt werden.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten kann es zu einer Verstopfung kommen.

Muss beobachtet werden

Denosumab kann das Immunsystem beeinflussen und das Risiko für Infektionskrankheiten erhöhen. Bei häufigeren Infektionen der Harnwege, Atemwege, Ohren und der Haut sollten Sie sich an einen Arzt wenden.

Bei etwa 1 von 1 000 Behandelten rötet sich die Haut verstärkt und juckt und es bilden sich Bläschen. Diese Personen reagieren vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie sich an einen Arzt wenden.

Bei der Anwendung von Denosumab kann es – wie auch bei den Bisphosphonaten – in Einzelfällen zu einem Bruch des Oberschenkelschafts kommen. Wenn ungewöhnliche Schmerzen im Bereich des Oberschenkels, der Hüfte oder in der Leistengegend auftreten, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Vor allem bei Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion kann Denosumab den Calciumgehalt des Blutes absenken. Das macht sich durch Missempfindungen in Armen und Beinen bemerkbar. Dann sollten Sie bald einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Der Calciummangel kann schlimmstenfalls zu einem Krampfanfall führen, bei dem die Hände ungewöhnlich gekrümmt gehalten werden. Dann müssen Sie unverzüglich einen Arzt alarmieren.

Wenn starker Hautausschlag, Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel auftreten oder das Gesicht im Bereich von Lippen und Zunge anschwillt und Atemnot eintritt, müssen Sie unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen. Es kann sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln.

Bei 1 bis 10 von 10 000 Behandelten kann es sein, dass nach zahnärztlichen oder oralchirurgischen Eingriffen die Wunde nicht heilt, die Schmerzen und Schwellungen vielmehr anhalten und womöglich noch Fieber und Eiterabsonderungen hinzukommen. Dann kann eine Aufweichung und Zerstörung des Kieferknochens der Grund dafür sein. Weisen Sie Ihren Zahnarzt bei solchen Symptomen unbedingt darauf hin, dass Sie mit Denosumab behandelt werden.

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