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Opioid: Tramadol

Wirkungsweise

Tramadol ist ein Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide. Der Wirkstoff greift an zwei Stellen der Schmerzwahrnehmung an. Es bindet wie Morphin und andere Opioide an die Opioidrezeptoren, zusätzlich hemmt es die Wiederaufnahme von Botenstoffen, die an der Reizleitung beteiligt sind, in die Nervenzellen. Tramadol wirkt schwächer als Morphin und zählt zu den schwach wirkenden Opioiden.

Weitere Informationen finden Sie unter Opioide allgemein: Was ist das Besondere an diesen Wirkstoffen?

Die therapeutische Wirksamkeit von Tramadol ist ausreichend nachgewiesen. Präparate, die den Wirkstoff nach und nach freigeben (retardiert), sind geeignet für die Behandlung von mäßig starken Schmerzen. Tropfen und Mittel zum Einnehmen mit schneller Freisetzung sind nur für eine kurzzeitige, akute Therapie besonders bei Kindern oder zu Beginn einer Schmerzbehandlung sinnvoll.

Weiteres zu den Behandlungsmöglichkeiten unter Schmerztherapie: Wann der Einsatz von Opioiden sinnvoll ist.

Anwendung

Die übliche Dosis von Präparaten, die ihren Wirkstoff sofort freigeben, liegt bei 50 bis 100 Milligramm alle sechs Stunden. Eine Dosierung von 400 Milligramm pro Tag sollte nicht überschritten werden. Eine weitere Steigerung verbessert die schmerzstillende Wirkung nicht, aber es treten häufiger unerwünschte Wirkungen auf.

Tramadoltabletten, aus denen der Wirkstoff unverzögert freigesetzt wird, wirken nach 30 bis 45 Minuten, jedoch nur für ein bis zwei Stunden. Brausetabletten, die aufgelöst und getrunken werden, und Tropfen wirken besonders rasch. Retardpräparate, die ihren Wirkstoff nach und nach freisetzen, wirken mehrere Stunden lang und werden daher in der Regel nur zweimal, höchstens dreimal täglich eingenommen. Solche Retardtabletten müssen immer als Ganzes geschluckt werden. Sie dürfen keinesfalls zerteilt, zerschnitten oder zerkaut werden, denn dann könnte zu viel Wirkstoff auf einmal freigesetzt werden. Das kann zu einer Überdosierung führen mit der Gefahr, dass die Atmung beeinträchtigt wird.

Bei einer Störung der Leber- oder Nierenfunktion sollten die Abstände zwischen den jeweiligen Einnahmen von Tramadol verlängert werden, um eine Überdosierung zu vermeiden.

Achtung

Einige Präparate enthalten Alkohol (siehe Übersicht). Personen mit Alkoholproblemen dürfen die Mittel nicht einnehmen. Auch Leberkranke und Personen mit Anfallleiden sollten den Alkoholgehalt berücksichtigen. Darüber hinaus kann Alkohol die Wirkung vieler Arzneimittel (z. B. Schlaf- und Beruhigungsmittel, Psychopharmaka, andere starke Schmerzmittel, einige Mittel bei hohem Blutdruck) verstärken.

Einige Präparate enthalten Parabene (siehe Übersicht). Diese Konservierungsmittel können Allergien auslösen. Wenn Sie auf Parastoffe allergisch reagieren, dürfen Sie diese Produkte nicht anwenden.

Gegenanzeigen

Tramadol dürfen Sie nicht anwenden, wenn Sie in den vergangenen zwei Wochen MAO-Hemmer eingenommen haben, z. B. Tranylcypromin oder Moclobemid (bei Depressionen) und Selegilin (bei Parkinsonkrankheit).

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Tramadol besonders sorgfältig abwägen:

  • Es liegt ein Hirntumor vor oder es besteht ein erhöhter Hirndruck.
  • Der Kranke leidet an Epilepsie, hatte bereits einmal einen Krampfanfall oder nimmt Medikamente ein, die eine Krampfbereitschaft fördern.
  • Die Atemfunktion ist beeinträchtigt (z. B. bei Asthma, Lungenemphysem, Lungenhochdruck). Dann kann es – sogar schon bei der empfohlenen Dosierung – zu einer gefährlichen Unterversorgung mit Sauerstoff kommen.
  • Das Bewusstsein des Betroffenen ist eingeschränkt.
  • Die Funktion der Leber ist eingeschränkt.
  • Die Funktion der Niere ist eingeschränkt.
  • Im Darm gibt es Verengungen oder sogar einen Verschluss. Auch entzündliche Darmerkrankungen können zu solchen Einengungen führen. Bei schwerwiegender Verstopfung ist der Darm ebenfalls nicht mehr durchgängig.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten, dass alle Mittel, die die Gehirnfunktion dämpfen, wie Benzodiazepine (bei Angststörungen und Muskelkrämpfen), Schlafmittel, Mittel bei Depressionen, Schizophrenien und anderen Psychosen sowie bei Allergien, die atemlähmende und allgemein müdemachende Wirkung von Tramadol verstärken können.

Bei gleichzeitiger Anwendung dieses Opioids mit einem Benzodiazepin verdoppelt sich das Risiko, dass unerwünschte Wirkungen wie Schwindel, Benommenheit und Atemprobleme auftreten, die eine Krankenhauseinweisung erforderlich machen.

Durch Ondansetron (bei Übelkeit, Erbrechen) verringert sich die schmerzstillende Wirkung von Tramadol erheblich. Wird dann die Tramadoldosis erhöht, verstärkt sich das Erbrechen. Die gleichzeitige Anwendung sollte vermieden werden.

Die gleichzeitige Anwendung von Tramadol und Medikamenten bei psychischen Störungen wie SSRI, SNRI, trizyklische Antidepressiva, Bupropion und Mirtazapin (bei Depressionen), Neuroleptika (bei Schizophrenien und anderen Psychosen) und Tetrahydrocannabinol (bei Schmerzen) erhöht die Gefahr für Krampfanfälle.

Unbedingt beachten

Die zeitgleiche Einnahme von Tramadol mit MAO-Hemmern wie Tranylcypromin (bei Depressionen) kann das lebensbedrohliche Serotonin-Syndrom mit Erregungszuständen, Bewusstseinstrübung, Muskelzittern und -zucken sowie Blutdruckabfall auslösen. Nach einer Behandlung mit MAO-Hemmern müssen mindestens zwei Wochen verstreichen, bevor Sie Tramadol einnehmen dürfen. Die gleiche Zeit muss vergehen, bis Sie nach einer Behandlung mit diesem Schmerzmittel einen MAO-Hemmer einnehmen dürfen. Ein Serotonin-Syndrom kann sich möglicherweise auch bei der gleichzeitigen Anwendung von Tramadol und SSRI wie Citalopram und Fluoxetin, Duloxetin oder Venlafaxin (alle bei Depressionen) einstellen. Dies gilt in der Gruppe der Opioide besonders für Tramadol.

Tramadol kann in Einzelfällen die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden, verstärken. Wenn Sie eine Schmerzbehandlung mit diesen Wirkstoffen beginnen, sollten Sie die Blutgerinnung häufiger als sonst selbst kontrollieren oder vom Arzt kontrollieren lassen. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Tramadol dürfen Sie nicht mit Alkohol anwenden, da Alkohol die atemlähmende Wirkung von Opioiden verstärken kann.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei Tramadol berichten bis zu 10 von 100 Anwendern von übermäßigem Schwitzen.

Vor allem zu Beginn der Behandlung tritt Juckreiz auf. In aller Regel klingt das bald wieder ab.

Bei bis zu 10 von 100 Behandelten können sich der Mund und andere Schleimhäute trocken anfühlen.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen.

Benommenheit und Schläfrigkeit gibt es bei bis zu 10 von 100 Personen, auch Angstzustände und Halluzinationen können auftreten. Über diese Symptome sollten Sie den Arzt informieren.

Benommenheit, Müdigkeit und Verwirrtheit verstärken sich bei höherer Dosierung.

Wenn Ihnen schwindlig ist und schwarz vor den Augen wird, sollte der Arzt die Dosierung verringern.

Übelkeit tritt meistens zu Beginn der Behandlung bei mehr als einem von zehn Behandelten auf. Wenn Sie sich innerhalb der ersten Stunde übergeben, spucken Sie das eingenommene Medikament meist mit aus und es wirkt nicht. Sprechen Sie dann den Arzt auf ein Medikament gegen Übelkeit an.

Verstopfung ist eine ganz häufige und insbesondere bei längerer Anwendung sehr problematische unerwünschte Wirkung. Mit ballaststoffreicher Kost ist dem kaum entgegenzuwirken, sie muss vielmehr gezielt mit Abführmitteln behandelt werden. Gelingt damit keine Besserung, muss die Behandlung abgebrochen werden.

Möglicherweise sehen Sie verschwommen, doppelt und die Augen zittern. Hält dieses länger als drei Tage an, wenden Sie sich an den Arzt.

Es können Kopfschmerzen auftreten.

Der Blutdruck kann abfallen, Schwindel und Herzklopfen können auftreten. Besprechen Sie dieses mit dem Arzt.

Bei einer ausgeprägten Veränderung der Persönlichkeit mit Traurigkeit und depressiver Stimmung wenden Sie sich an den Arzt. Diese Aufforderung richtet sich auch an die Angehörigen, die solche Gemütsverstimmungen beim Patienten bemerken.

Es können vermehrt Unterzuckerungen auftreten. Wenn Sie stark schwitzen, häufiger nervös, zittrig und unruhig, unkonzentriert oder aggressiv sind, Ihr Herz schnell schlägt oder Heißhungerattacken auftreten, sind das Anzeichen einer Unterzuckerung. Dann sollten Sie sofort etwas Zuckerhaltiges trinken oder essen und baldmöglichst den Arzt ansprechen. Er muss dann den Nutzen und das Risiko einer Anwendung von Tramadol neu abwägen.

Sofort zum Arzt

Tramadol kann die Zahl der Atemzüge und die Atemtiefe (Atemdepression) verringern. Wer einen Schwerkranken betreut, sollte auf dessen Atmung achten. Sind nur noch vier bis sechs statt der üblichen zwölf Atemzüge pro Minute feststellbar, müssen Sie sofort den Arzt rufen.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen, oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Tramadoltropfen dürfen bei Kindern unter einem Jahr nicht eingesetzt werden. Brausetabletten, Kapseln, Tabletten und Zäpfchen sind für Kinder frühstens ab zwölf Jahre vorgesehen. Tramadol sollte nicht bei Kindern angewendet werden, wenn ihre Atemfunktion eingeschränkt ist, z. B. aufgrund einer Atemwegserkrankung, wenn bei ihnen die Erregungsleitung zwischen Nervensystem und Muskulatur gestört ist oder wenn sie an den Gaumen- oder Rachenmandeln operiert wurden. Solche Kinder sind anfälliger für Atemprobleme, schlimmstenfalls kann eine Atemlähmung auftreten.

Bedenken Sie darüber hinaus, dass einige Präparate Alkohol enthalten (siehe Übersicht). Mittel ohne Alkohol sind vorzuziehen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Wenn es unbedingt erforderlich ist, können Opioide wie Tramadol in der Schwangerschaft eingesetzt werden. Dauerte die Behandlung weniger als 30 Tage, ist das Risiko, dass das Neugeborene Entzugssymptome aufweist, sehr gering. Bei längerer Behandlung und zusätzlichen Risikofaktoren steigt dieses Risiko für das Kind hingegen deutlich an. Tramadol ist aus der Gruppe der Opioide der bevorzugte Wirkstoff. Wird das Mittel während der Geburt gegeben, muss beim Neugeborenen mit Atemproblemen gerechnet werden.

In der Stillzeit können Opioide für kurze Zeit angewendet werden, wenn es unbedingt erforderlich ist. Der bevorzugte Wirkstoff ist in dieser Zeit Morphin. Bei wiederholter Anwendung können beim Kind Atemprobleme auftreten. Wenn das Mittel häufiger angewendet wird, sollte abgestillt werden.

Darüber hinaus sollten Sie bedenken, dass einige Präparate Alkohol enthalten (siehe Übersicht). Mittel ohne Alkohol sind vorzuziehen.

Für ältere Menschen

Wenn die Funktion der Leber oder Niere eingeschränkt ist, sollte der Abstand zwischen den einzelnen Gaben vergrößert werden. Bei Menschen über 75 Jahre wird dies generell empfohlen.

Es gibt Hinweise, dass die Anwendung von Tramadol im Vergleich zu NSAR das Risiko für Stürze und nachfolgende Knochenbrüche erhöht. Diese Gefahr besteht besonders, wenn Sie nachts aufstehen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Benommenheit, Müdigkeit, Schwindel sowie Sehstörungen können die Fähigkeit, aktiv am Verkehr teilzunehmen, Maschinen zu bedienen und Arbeiten ohne sicheren Halt zu verrichten, beeinträchtigen oder ganz unmöglich machen. Das ist insbesondere zu Beginn der Behandlung, bei einer Dosiserhöhung und nach einem Präparatewechsel zu erwarten. Menschen mit einer stabilen Behandlung können hingegen durchaus verkehrstüchtig sein. Bitten Sie daher den Arzt darum, Ihre Verkehrstüchtigkeit einzuschätzen.

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