Medikamente im Test
  • Über 9 000 Medikamente
  • Geprüft durch unabhängige Experten
  • Ständig aktualisiert

Opioid: Pethidin

Wirkungsweise

Pethidin ist ein Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide. Es wirkt schwächer als Morphin und die Schmerzstillung hält nur zwei bis drei Stunden an. Bei seinem Abbau entstehen im Körper schädliche Substanzen. Sie bleiben 15 bis 20 Stunden lang wirksam und können Krampfzustände und Halluzinationen hervorrufen. Bei wiederholter Anwendung von Pethidin oder Dauertherapie können sich diese Abbauprodukte im Körper anreichern. Daher wird Pethidin zur Dauerbehandlung von starken Schmerzen als "wenig geeignet" bewertet. Sein Einsatz ist allenfalls in wenigen Einzelfällen zur kurzzeitigen Schmerzlinderung bei Geburten zu vertreten.

Weitere Informationen finden Sie unter Opioide allgemein: Was ist das Besondere an diesen Wirkstoffen?

Weiteres zu den Behandlungsmöglichkeiten unter Schmerztherapie: Wann der Einsatz von Opioiden sinnvoll ist.

Anwendung

Bei einer Störung der Leber- oder Nierenfunktion muss Pethidin geringer dosiert werden beziehungsweise die Abstände zwischen den jeweiligen Einnahmen müssen verlängert werden, um eine Überdosierung zu vermeiden.

Achtung

Dolantin enthält Parabene (siehe Übersicht). Diese Konservierungsmittel können Allergien auslösen. Wenn Sie auf Parastoffe allergisch reagieren, dürfen Sie dieses Produkt nicht anwenden.

Gegenanzeigen

Pethidin dürfen Sie nicht anwenden, wenn Sie in den vergangenen zwei Wochen MAO-Hemmer eingenommen haben, z. B. Tranylcypromin oder Moclobemid (bei Depressionen) und Selegilin (bei Parkinsonkrankheit).

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Pethidin besonders sorgfältig abwägen:

  • Es liegt ein Hirntumor vor oder es besteht ein erhöhter Hirndruck.
  • Der Kranke leidet an Epilepsie, hatte bereits einmal einen Krampfanfall oder nimmt Medikamente ein, die eine Krampfbereitschaft fördern.
  • Die Atemfunktion ist beeinträchtigt (z. B. bei Asthma, Lungenemphysem, Lungenhochdruck). Dann kann es – sogar schon bei der empfohlenen Dosierung – zu einer gefährlichen Unterversorgung mit Sauerstoff kommen.
  • Das Bewusstsein des Betroffenen ist beeinträchtigt.
  • Es besteht eine Schilddrüsenerkrankung (Über- oder Unterfunktion).
  • Die Funktion der Leber ist gestört.
  • Die Funktion der Niere ist gestört. Dann ist die Gefahr von Krampfanfällen und Halluzinationen erhöht, weil sich schädliche Abbauprodukte im Körper anreichern können.
  • Es liegt eine Gallenwegerkrankung vor.
  • Im Darm gibt es Verengungen oder sogar einen Verschluss. Auch entzündliche Darmerkrankungen können zu solchen Einengungen führen. Bei schwerwiegender Verstopfung ist der Darm ebenfalls nicht mehr durchgängig.
  • Der Blutdruck ist stark abgesunken, weil viel Blut oder andere Körperflüssigkeit verloren wurde.
  • Es bestehen Herzrhythmusstörungen mit beschleunigtem oder verlangsamten Herzschlag.
  • Die Harnwege sind verengt oder es gibt Koliken.
  • Bei Männern ist die Prostata so vergrößert, dass die Blase nicht komplett entleert werden kann.
  • Es besteht eine Unterfunktion der Nebennierenrinde.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten, dass alle Mittel, die die Gehirnfunktion dämpfen, wie Benzodiazepine (bei Angststörungen und Muskelkrämpfen), Schlafmittel, Mittel bei Depressionen, Schizophrenien und anderen Psychosen sowie bei Allergien, die atemlähmende und allgemein müdemachende Wirkung von Pethidin verstärken können.

Bei gleichzeitiger Anwendung dieses Opioids mit einem Benzodiazepin verdoppelt sich das Risiko, dass unerwünschte Wirkungen wie Schwindel, Benommenheit und Atemprobleme auftreten, die eine Krankenhauseinweisung erforderlich machen.

Wird das Mittel zusammen mit Ritonavir (bei HIV-Infektion) angewendet, können sich die Nebenwirkungen verstärken. Die gleichzeitige Anwendung sollte vermieden werden.

Unbedingt beachten

Die zeitgleiche Einnahme von Pethidin mit MAO-Hemmern wie Tranylcypromin (bei Depressionen) kann das lebensbedrohliche Serotonin-Syndrom mit Erregungszuständen, Bewusstseinstrübung, Muskelzittern und -zucken sowie Blutdruckabfall auslösen. Nach einer Behandlung mit MAO-Hemmern müssen mindestens zwei Wochen verstreichen, bevor Sie Pethidin einnehmen dürfen. Die gleiche Zeit muss vergehen, bis Sie nach einer Behandlung mit diesem Mittel einen MAO-Hemmer einnehmen dürfen. Ein Serotonin-Syndrom kann sich möglicherweise auch bei der gleichzeitigen Anwendung von Opioiden und SSRI wie Citalopram und Fluoxetin, Duloxetin oder Venlafaxin (alle bei Depressionen) einstellen.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Pethidin dürfen Sie nicht mit Alkohol anwenden, da Alkohol die atemlähmende Wirkung von Opioiden verstärken kann.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Vor allem zu Beginn der Behandlung kann Juckreiz auftreten. In aller Regel klingt das bald wieder ab.

Der Mund und andere Schleimhäute können sich trocken anfühlen.

Die Pupillen können sich verengen. Das kann beim Sehen störend sein.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen.

Benommenheit, Verwirrtheit und Stimmunsveränderungen gibt es bei bis zu 10 von 100 Personen, auch Angstzustände und Halluzinationen können auftreten. Über diese Symptome sollten Sie den Arzt informieren.

Wenn Ihnen schwindlig ist und schwarz vor den Augen wird, sollte der Arzt die Dosierung verringern.

Die gleiche Maßnahme ist notwendig, wenn sich die Zahl der Atemzüge pro Zeiteinheit deutlich verringert.

Übelkeit und Erbrechen treten meistens zu Beginn der Behandlung auf, besonders bei bettlägerigen Personen nach der ersten Gabe. Wenn Sie sich innerhalb der ersten Stunde übergeben, spucken Sie das eingenommene Medikament meist mit aus und es wirkt nicht. Sprechen Sie dann den Arzt auf ein Medikament gegen Übelkeit an.

Verstopfung ist insbesondere bei längerer Anwendung eine sehr problematische unerwünschte Wirkung. Mit ballaststoffreicher Kost ist dem kaum entgegenzuwirken, sie muss vielmehr gezielt mit Abführmitteln behandelt werden. Gelingt damit keine Besserung, muss die Behandlung abgebrochen werden.

Möglicherweise sehen Sie verschwommen, doppelt und die Augen zittern. Hält dieses länger als drei Tage an, wenden Sie sich an den Arzt.

Es können Kopfschmerzen auftreten.

Der Blutdruck kann abfallen, Schwindel und Herzklopfen können auftreten. Besprechen Sie dieses mit dem Arzt. Derartige Kreislaufreaktionen kommen bei Pethidin häufiger vor als bei den anderen Opioiden.

Die Bronchialmuskulatur kann sich verkrampfen, sodass es zu einem asthmaähnlichen Anfall kommt. Besonders betroffen sind Menschen mit einer Lungenerkrankung.

Vor allem Männer mit vergrößerter Prostata können Probleme bekommen, die Blase zu entleeren.

Oberbauchschmerzen können auf einer Gallenkolik beruhen.

Sofort zum Arzt

Pethidin kann die Zahl der Atemzüge und die Atemtiefe (Atemdepression) verringern. Wer einen Schwerkranken betreut, sollte auf dessen Atmung achten. Sind nur noch vier bis sechs statt der üblichen zwölf Atemzüge pro Minute feststellbar, müssen Sie sofort den Arzt rufen.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen, oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Es können Erregungszustände, Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Krampfanfälle auftreten. Dann sollte sofort ein Arzt gerufen werden.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Pethidintropfen können Kinder ab einem Jahr erhalten. Die Anwendung wird jedoch nicht mehr empfohlen, weil die Wirkung von Pethidin lange anhält und Krampfanfälle auftreten können.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Pethidin kann nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken zur akuten Behandlung von Geburtsschmerzen eingesetzt werden. In diesem Fall ist beim Neugeborenen mit Atemproblemen zu rechnen. Bei wiederholter Anwendung von Pethidin sollte auf das Stillen verzichtet werden. Sowohl der Wirkstoff selbst als auch sein Abbauprodukt gehen in die Muttermilch über und können die Atmung des Säuglings tage- bis wochenlang beeinträchtigen.

Für ältere Menschen

Pethidin scheint bei älteren Menschen unangebracht, weil bei ihnen verstärkt Störungen des Bewusstseins, der Aufmerksamkeit, Orientierung und Koordination auftreten können. Näheres hierzu lesen Sie in der Einleitung unter Hinweise für ältere Menschen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Eingeschränkte Aufmerksamkeit und Verwirrtheit beeinträchtigen die Fähigkeit, aktiv am Verkehr teilzunehmen, Maschinen zu bedienen und Arbeiten ohne sicheren Halt zu verrichten. Während der Behandlung sind Sie nicht verkehrstüchtig.

Sie sehen nun nur noch Informationen zu: ${filtereditemslist}.