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Opioid: Morphin

Wirkungsweise

Morphin ist ein Schmerzmittel gegen starke und stärkste Schmerzen. Es ist ein Opiat. Das sind jene Substanzen, die schon seit Langem aus Opium, dem getrockneten Milchsaft des Schlafmohns (Papaver somniferum, nicht zu verwechseln mit Papaver rhoeas, dem Klatschmohn), gewonnen wurden und auch heute noch in großem Maßstab daraus hergestellt werden. Wichtigster Bestandteil von Opium ist Morphin (Morphium). Weitere Informationen finden Sie unter Opioide allgemein: Was ist das Besondere an diesen Wirkstoffen?

Morphin wird als "geeignet" bewertet, um starke und stärkste Schmerzen zu behandeln.

Trotz eigentlich ausreichender schmerzunterdrückender Behandlung können manchmal noch Schmerzattacken, sogenannte Durchbruchschmerzen, auftreten. Um sie zu dämpfen, gelten Morphintropfen als Mittel der Wahl. Doch bei Patienten, die Buprenorphinpflaster zur Dauerbehandlung nutzen, eignen sich Morphintropfen nicht, denn Buprenorphin macht einen Teil der Morphinwirkung zunichte. In diesem Fall sind buprenorphinhaltige Sublingualtabletten besser geeignet. Weiteres zu den Behandlungsmöglichkeiten unter Schmerztherapie: Wann der Einsatz von Opioiden sinnvoll ist.

Anwendung

Morphin wird bei akuten Schmerzen in der Dosierung von 5 Milligramm Morphin gespritzt. Die Injektion kann im Abstand von 15 bis 30 Minuten wiederholt werden. Genügt eine weniger rasche Wirkung, werden 10 Milligramm unter die Haut (s. c.) gespritzt oder 30 Milligramm als Tablette eingenommen. Die Injektion unter die Haut wirkt nach etwa 10, die Tablette nach etwa 30 Minuten und hält etwa drei Stunden vor. Retardtabletten wirken für acht bis zwölf Stunden.

Für gewöhnlich gelten bei Tabletten 400 Milligramm Morphin als Tageshöchstdosis. Bei Schwerkranken kann die Menge aber so weit gesteigert werden, wie es notwendig und verträglich ist.

Retardtabletten, aus denen der Wirkstoff nach und nach freigesetzt wird, müssen immer als Ganzes geschluckt werden. Sie dürfen keinesfalls zerteilt, zerschnitten oder zerkaut werden, denn dann könnte zu viel Wirkstoff auf einmal freigesetzt werden. Das kann zu einer Überdosierung führen mit der Gefahr, dass die Atmung beeinträchtigt wird.

Bei einer Störung der Leber- oder Nierenfunktion muss Morphin geringer dosiert werden beziehungsweise die Abstände zwischen den jeweiligen Einnahmen müssen verlängert werden, um eine Überdosierung zu vermeiden.

Gegenanzeigen

Morphin dürfen Sie nicht anwenden, wenn Sie in den vergangenen zwei Wochen MAO-Hemmer eingenommen haben, z. B. Tranylcypromin oder Moclobemid (bei Depressionen) und Selegilin (bei Parkinsonkrankheit).

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Morphin besonders sorgfältig abwägen:

  • Es liegt ein Hirntumor vor oder es besteht ein erhöhter Hirndruck.
  • Der Kranke leidet an Epilepsie, hatte bereits einmal einen Krampfanfall oder nimmt Medikamente ein, die eine Krampfbereitschaft fördern.
  • Der Kranke leidet an Myasthenia gravis, einer Erkrankung, bei der die Nervenimpulse nicht richtig auf die Muskeln übertragen werden.
  • Die Atemfunktion ist beeinträchtigt (z. B. bei Asthma, Lungenemphysem, Lungenhochdruck). Dann kann es – sogar schon bei der empfohlenen Dosierung – zu einer gefährlichen Unterversorgung mit Sauerstoff kommen.
  • Das Bewusstsein des Betroffenen ist eingeschränkt.
  • Es besteht eine Schilddrüsenunterfunktion.
  • Es liegt eine Gallenwegerkrankung vor.
  • Die Bauchspeicheldrüse ist entzündet.
  • Im Darm gibt es Verengungen oder sogar einen Verschluss. Auch entzündliche Darmerkrankungen können zu solchen Einengungen führen. Bei schwerwiegender Verstopfung ist der Darm ebenfalls nicht mehr durchgängig.
  • Der Blutdruck ist stark abgesunken, weil viel Blut oder andere Körperflüssigkeit verloren wurde.
  • Die Harnwege sind verengt oder es gibt Koliken.
  • Bei Männern ist die Prostata so vergrößert, dass die Blase nicht komplett entleert werden kann.
  • Es besteht eine Tumorerkrankung der Nebennieren (Phäochromozytom) oder eine Unterfunktion dieser Organe.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten, dass alle Mittel, die die Gehirnfunktion dämpfen, wie Benzodiazepine (bei Angststörungen und Muskelkrämpfen), Schlafmittel, Mittel bei Depressionen, Schizophrenien und anderen Psychosen sowie bei Allergien, die atemlähmende und allgemein müdemachende Wirkung von Morphin verstärken können.

Bei gleichzeitiger Anwendung dieses Opioids mit einem Benzodiazepin verdoppelt sich das Risiko, dass unerwünschte Wirkungen wie Schwindel, Benommenheit und Atemprobleme auftreten, die eine Krankenhauseinweisung erforderlich machen.

Durch Cimetidin (bei Sodbrennen) kann Morphin stärker und länger wirken.

Morphin kann die Wirkung von muskelentspannenden Arzneimitteln verstärken.

Trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin (bei Depressionen), Dimetinden (bei Allergien) und Anticholinergika wie Biperiden (bei Parkinsonkrankheit) können einige unerwünschte Wirkungen von Morphin verstärken. Hierzu gehören Verstopfung, Mundtrockenheit und Störungen beim Wasserlassen.

Unbedingt beachten

Die zeitgleiche Einnahme von Morphin mit MAO-Hemmern wie Tranylcypromin (bei Depressionen) kann das lebensbedrohliche Serotonin-Syndrom mit Erregungszuständen, Bewusstseinstrübung, Muskelzittern und -zucken sowie Blutdruckabfall auslösen. Nach einer Behandlung mit MAO-Hemmern müssen mindestens zwei Wochen verstreichen, bevor Sie Morphin einnehmen dürfen. Die gleiche Zeit muss vergehen, bis Sie nach einer Behandlung mit diesem Schmerzmittel einen MAO-Hemmer einnehmen dürfen. Ein Serotonin-Syndrom kann sich möglicherweise auch bei der gleichzeitigen Anwendung von Morphin und SSRI wie Citalopram und Fluoxetin, Duloxetin oder Venlafaxin (alle bei Depressionen) einstellen.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Morphin dürfen Sie nicht mit Alkohol anwenden, da Alkohol die atemlähmende Wirkung von Opioiden verstärken kann.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Bis zu 10 von 100 Anwendern berichten von übermäßigem Schwitzen.

Vor allem zu Beginn der Behandlung tritt Juckreiz auf (bei 1 bis 10 von 100 Behandelten). In aller Regel klingt das bald wieder ab.

Bei bis zu 10 von 100 Behandelten können sich der Mund und andere Schleimhäute trocken anfühlen.

Bei fast allen Menschen verengen sich die Pupillen. Das kann beim Sehen störend sein.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen.

Benommenheit und Schläfrigkeit gibt es bei bis zu 10 von 100 Personen, auch Angstzustände und Halluzinationen können auftreten. Über diese Symptome sollten Sie den Arzt informieren.

Benommenheit, Müdigkeit und Verwirrtheit verstärken sich bei höherer Dosierung.

Wenn Ihnen schwindlig ist und schwarz vor den Augen wird, sollte der Arzt die Dosierung verringern.

Die gleiche Maßnahme ist notwendig, wenn sich die Zahl der Atemzüge pro Zeiteinheit deutlich verringert.

Übelkeit und Erbrechen treten meistens zu Beginn der Behandlung auf, besonders bei bettlägerigen Personen nach der ersten Gabe. Wenn Sie sich innerhalb der ersten Stunde übergeben, spucken Sie das eingenommene Medikament meist mit aus und es wirkt nicht. Sprechen Sie dann den Arzt auf ein Medikament gegen Übelkeit an.

Verstopfung ist eine ganz häufige und insbesondere bei längerer Anwendung sehr problematische unerwünschte Wirkung dieser Arzneistoffgruppe. Sie ist bei Morphin am stärksten ausgeprägt. Mit ballaststoffreicher Kost ist dem kaum entgegenzuwirken, sie muss vielmehr gezielt mit Abführmitteln behandelt werden. Gelingt damit keine Besserung, muss die Behandlung abgebrochen werden.

Möglicherweise sehen Sie verschwommen, doppelt und die Augen zittern. Hält dieses länger als drei Tage an, wenden Sie sich an den Arzt.

Es können Kopfschmerzen auftreten.

Der Blutdruck kann abfallen, Schwindel und Herzklopfen können auftreten. Besprechen Sie dieses mit dem Arzt.

Die Bronchialmuskulatur kann sich verkrampfen, sodass es zu einem asthmaähnlichen Anfall kommt. Besonders betroffen sind Menschen mit einer Lungenerkrankung.

Vor allem Männer mit vergrößerter Prostata können Probleme bekommen, die Blase zu entleeren.

Oberbauchschmerzen können auf einer Gallenkolik beruhen.

Sofort zum Arzt

Morphin kann die Zahl der Atemzüge und die Atemtiefe (Atemdepression) verringern. Wer einen Schwerkranken betreut, sollte auf dessen Atmung achten. Sind nur noch vier bis sechs statt der üblichen zwölf Atemzüge pro Minute feststellbar, müssen Sie sofort den Arzt rufen.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen, oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Morphin in kurz wirkender Form ist für Kinder bei sehr starken Schmerzen das Mittel der Wahl. Seine Wirksamkeit und Verträglichkeit sind gut dokumentiert. Die Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht. Morphin-Retardpräparate, aus denen der Wirkstoff über längere Zeit abgegeben wird, dürfen Kinder unter zwölf Jahren nicht erhalten. Bei höheren Morphindosierungen können Kinder Krampfanfälle bekommen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Wenn es unbedingt erforderlich ist, können Opioide wie Morphin in der Schwangerschaft eingesetzt werden. Dauerte die Behandlung weniger als 30 Tage, ist das Risiko, dass das Neugeborene Entzugssymptome aufweist, sehr gering. Bei längerer Behandlung und zusätzlichen Risikofaktoren steigt dieses Risiko für das Kind hingegen deutlich an. Der bevorzugte Wirkstoff ist allerdings Tramadol. Wird das Mittel während der Geburt gegeben, muss beim Neugeborenen mit Atemproblemen gerechnet werden. In der Stillzeit können Opioide für kurze Zeit angewendet werden, wenn es unbedingt erforderlich ist. Der bevorzugte Wirkstoff ist in dieser Zeit Morphin. Bei wiederholter Anwendung können beim Kind Atemprobleme auftreten. Wenn das Mittel häufiger angewendet wird, sollte abgestillt werden.

Für ältere Menschen

Im Alter braucht der Körper länger, um Morphin abzubauen. Darum muss meist eine schwächere Dosis gewählt und der Abstand zwischen den einzelnen Gaben vergrößert werden.

Es gibt Hinweise, dass die Anwendung von Morphin im Vergleich zu NSAR das Risiko für Stürze und nachfolgende Knochenbrüche erhöht.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Benommenheit, Müdigkeit, Schwindel sowie Sehstörungen können die Fähigkeit, aktiv am Verkehr teilzunehmen, Maschinen zu bedienen und Arbeiten ohne sicheren Halt zu verrichten, beeinträchtigen oder ganz unmöglich machen. Das ist insbesondere zu Beginn der Behandlung, bei einer Dosiserhöhung und nach einem Präparatewechsel zu erwarten. Menschen mit einer stabilen Behandlung können hingegen durchaus verkehrstüchtig sein. Bitten Sie daher den Arzt darum, Ihre Verkehrstüchtigkeit einzuschätzen.

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