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NSAR: Phenylbutazon

Wirkungsweise

Phenylbutazon ist ein sehr lang wirkendes NSAR, das bei einem nicht anders zu beeinflussenden akuten Gichtanfall eingesetzt wird. Mit dem Wirkstoff kam 1956 das erste nichtsteroidale Antirheumatikum (NSAR) auf den Markt. Seine Wirkung hält bis zu fünf Tage lang an und seine Anwendung ist oft mit schweren unerwünschten Wirkungen verbunden. Später entwickelte NSAR, die besser verträglich sind, haben Phenylbutazon in der Behandlung rheumatischer Beschwerden abgelöst. Es einzusetzen, ist nur für ganz kurze Zeit vertretbar und nur für eng begrenzte Anwendungsgebiete wie den akuten Gichtanfall.

Die Injektion von Phenylbutazon birgt zusätzlich zu den Nebenwirkungen, die das Medikament ohnehin hat, noch das Risiko, dass sich das Gewebe am Injektionsort vereitert oder zerstört wird. Dann können sich lebensbedrohliche Infektionen entwickeln.

Phenylbutazon wirkt auf die gleiche Weise wie andere NSAR. Näheres unter NSAR – viele Einsatzgebiete, aber nicht ohne Risiken.

Anwendung

Die Injektionslösung soll nur einmal gespritzt werden.

Achtung

Phenylbutazon kann die Haut empfindlicher für UV-Strahlen machen. Vermeiden Sie deshalb Sonnenbäder oder Solarienbesuche.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen darf Phenylbutazon bei Ihnen nicht angewendet werden:

  • Sie haben ein Magen-Darm-Geschwür, Blutungen im Magen-Darm-Trakt oder sonstige ungeklärte Blutungen.
  • Ihre Leber- oder Nierenfunktion ist eingeschränkt.
  • Sie leiden an einer schweren Herzschwäche.
  • Nach der Anwendung von Acetylsalicylsäure oder Mitteln mit vergleichbarer Wirkung haben Sie bereits einmal einen Asthmaanfall erlitten, allergische Hautreaktionen oder einen allergischen Schnupfen gehabt. Dann können nach Anwendung dieser NSAR die gleichen Reaktionen auftreten.
  • Ihr Risiko für ein Magen-Darm-Geschwür ist erhöht, z. B. weil Sie schon einmal – unabhängig von der Einnahme von NSAR – eine solche Erkrankung hatten oder Sie bereits älter sind.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken einer Behandlung mit Phenylbutazon besonders sorgfältig abwägen, den Wirkstoff niedrig dosieren und Ihren Gesundheitszustand häufig kontrollieren:

  • Sie haben Asthma oder Nasenpolypen oder Sie neigen zu Allergien.
  • Sie haben oder hatten schon einmal eine entzündliche Darmerkrankung (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn).
  • Sie haben Flüssigkeitsmangel, z. B. aufgrund von Erbrechen oder Durchfall, oder Sie haben bei einer Operation viel Blut verloren. Phenylbutazon kann dann die Schutzfunktion behindern, mit der der Körper in bedrohlichen Situationen für eine ausreichende Durchblutung der Nieren sorgt.
  • Ihr Herz arbeitet unzureichend (Herzinsuffizienz) oder Sie haben Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe (Ödeme). Da sich durch Phenylbutazon die Nierenfunktion verschlechtern kann und dann mehr Flüssigkeit im Körper zurückbleibt, können sich die genannten Störungen verschlimmern. Bei einer schweren Herzinsuffizienz (Stadium IV) dürfen Sie das Mittel daher gar nicht bekommen.
  • Nach der Anwendung eines Arzneimittels gab es bei Ihnen schon einmal schwere Hautreaktionen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente anwenden, ist zu beachten:

  • Phenylbutazon kann die Wirkung von blutdrucksenkenden Arzneimitteln (ACE-Hemmer, Betablocker, Diuretika, Sartane) abschwächen. Wenn Sie Phenylbutazon dauerhaft anwenden, sollte die Dosierung der Blutdruckmittel überprüft und gegebenenfalls erhöht werden.
  • Zusammen mit ACE-Hemmern, Diuretika und Sartanen kann außerdem das Risiko für eine Nierenfunktionsstörung ansteigen. Dann sollte die Nierenfunktion häufiger kontrolliert werden und auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Das gilt insbesondere, wenn Sie bereits eine Kombination aus einem ACE-Hemmer oder Sartan mit einem Diuretikum einnehmen. Diese Wirkstoffe senken bereits die Nierenleistung. Kommt dann mit Phenylbutazon noch ein dritter Wirkstoff hinzu, kann es zum akuten Nierenversagen kommen. Diese Gefahr besteht insbesondere bei längerfristiger Anwendung.
  • Die gemeinsame Anwendung mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI, bei Depressionen) kann das Risiko für eine Magenblutung erhöhen.
  • Wenn Sie Lithium einnehmen (bei manisch-depressiver Erkrankung) und zusätzlich Phenylbutazon, kann der Lithiumblutspiegel so steigen, dass erhebliche unerwünschte Wirkungen eintreten. Bei dieser Kombination sollte der Lithiumblutspiegel überwacht und gegebenenfalls die Lithiumdosierung verringert werden.
  • Wenn Phenylbutazon gemeinsam mit Methotrexat (z. B. bei rheumatoider Arthritis) angewendet wird, kann sich die Giftigkeit des Medikaments verstärken. Ist die gemeinsame Anwendung unumgänglich, muss die Nierenfunktion sorgfältig beobachtet werden.
  • Phenylbutazon sollten Sie wegen der Gefahr vermehrter unerwünschter Wirkungen nicht zusammen mit einer anderen Substanzen aus dieser Gruppe oder mit Acetylsalicylsäure einnehmen. Bereits ab einer Dosierung von 100 Milligramm ASS am Tag, wie sie bei arteriellen Durchblutungsstörungen üblich ist, kann das Risiko für Magen-Darm-Geschwüre und in der Folge das für Blutungen ansteigen. Derartige Kombinationen können sogar unbeabsichtigt zustande kommen, weil einige dieser Wirkstoffe auch in Kombinationsmitteln etwa gegen Grippe, Schmerzen und Fieber oder in Lutschtabletten bei Halsschmerzen enthalten sein können.
  • In Kombination mit Glucocorticoiden – besonders wenn diese injiziert werden – vergrößert sich das Risiko von Magen-Darm-Geschwüren und -Blutungen erheblich.

Unbedingt beachten

Phenylbutazon kann die Wirkung von gerinnungshemmenden Mitteln wie Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden, und auch die der neueren Mittel Apixaban, Dabigatran, Edoxaban, Rivaroxaban und Ticlopidin verstärken. Gleiches gilt für Clopidogrel, das bei arterieller Durchblutungsstörung angewendet wird. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung. Sollte eine gleichzeitige Anwendung erforderlich sein, muss die Blutgerinnung häufiger kontrolliert werden.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Eine größere Menge Alkohol oder regelmäßiger Konsum kann die schädliche Wirkung von Phenylbutazon auf den Magen und das Gehirn verstärken. Dann kann das Risiko für Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre und -blutungen sowie Schwindel und Benommenheit ansteigen.

Nebenwirkungen

Am häufigsten verursacht Phenylbutazon unerwünschte Wirkungen im Magen-Darm-Trakt. Vor allem Menschen, die älter sind als 60 Jahre, sind davon betroffen.

Manche unerwünschten Wirkungen treten bei Menschen häufiger auf, die Asthma haben oder bei denen die Schleimhaut der Atemwege aufgrund einer Überempfindlichkeit leicht anschwillt.

Bei Personen mit einer Nierenfunktionsstörung oder Herz-Kreislauf-Erkrankung und bei solchen, die entwässernde Mittel (Diuretika) einnehmen, ist das Risiko für einen Nierenschaden erhöht. Dieser zeigt sich vor allem daran, dass sich in den Beinen Gewebewasser ansammelt (Ödeme).

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Mehr als 10 von 100 Anwendern klagen über Magenbeschwerden und Durchfall.

Muss beobachtet werden

Bei etwa 1 von 100 Personen treten Magengeschwüre auf, die mit oder ohne Schmerzen einhergehen können. Je nachdem, wie stark die Beschwerden sind, sollten Sie sich umgehend oder im Laufe des nächsten Tages an einen Arzt wenden.

Wenn das Mittel die Magenschleimhaut schädigt, kann es aus diesen Wunden immer wieder bluten. Das macht sich durch Müdigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit bemerkbar. Geronnenes Blut färbt den Stuhl auffällig dunkel. Dann sollten Sie möglichst bald einen Arzt aufsuchen.

Etwa jeder Zehnte merkt von diesem anhaltenden geringfügigen Blutverlust jedoch nichts. Dann kann sich im Laufe der Zeit eine Blutarmut ausbilden. Sie äußert sich in Blässe (zu wenig rote Blutkörperchen), Müdigkeit und Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen, rasche Ermüdbarkeit und „aus der Puste kommen“ auch bei kleineren Anstrengungen. Der mit dem Blutverlust einhergehende Eisenmangel kann zudem zu rauer und rissiger Haut sowie brüchigen Nägeln führen. Bei solchen Symptomen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

1 bis 10 von 100 000 Behandelten entwickeln eine Herzschwäche oder einen Nierenschaden. Diese Veränderungen bleiben oft ohne Beschwerden. Ein Zeichen dafür aber können erhöhte Blutdruckwerte und anschwellende Beine durch eingelagertes Gewebewasser (Ödem) sein. Bei diesen Symptomen sollten Sie sich an einen Arzt wenden.

Wenn Ihnen beim schnellen Gehen oder Laufen, Treppensteigen oder unter seelischer Belastung eng in der Brust wird, kann dies darauf hindeuten, dass die Pumpleistung Ihres Herzens eingeschränkt ist. Sie sollten mit einem Arzt klären, ob es sich um eine Herzschwäche handelt.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen. Solche allergischen Reaktionen treten bei mehr als 10 von 100 Behandelten auf.

Phenylbutazon muss ins Bindegewebe gespritzt werden. Gelangt das Medikament stattdessen ins Fettgewebe, sterben Fettzellen ab und es entstehen Dellen und Knoten. Trifft die Spritze versehentlich ein Blutgefäß, kann sich das darüberliegende Gewebe zunächst röten und es kann anschwellen. Später kann daraus eine offene Wunde werden, die nur langsam abheilt. Außerdem können Nervenschäden auftreten.

Sofort zum Arzt

Das Mittel kann die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer Gelbfärbung der Augen) – oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen. Eine solche unerwünschte Wirkung tritt insbesondere bei Dauertherapie auf.

In Einzelfällen kann es aus einem Magengeschwür stark bluten, es kann sogar die Magenwand durchbrechen. Symptome dafür sind plötzlich einsetzende heftige Bauchschmerzen, die in den Rücken ausstrahlen und eventuell das Erbrechen von Blut. Bei diesen Beschwerden müssen Sie sofort den Notarzt (Telefon 112) rufen.

Wenn Sie nicht mehr richtig durchatmen können, Übelkeit und Bauchschmerzen sowie eine Atemnot in einem bisher nicht erlebtem Ausmaß auftreten, könnte es sich um einen Herzinfarkt handeln. Häufig treten auch Schmerzen hinter dem Brustbein auf, ebenso im Kopf-Hals-Bereich oder in den Armen (nicht nur, aber häufig im linken). Dann sollten Sie einen Notarzt verständigen.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen, oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen. Solche allergischen Reaktionen treten vereinzelt auf.

Die oben beschriebenen Hauterscheinungen können in sehr seltenen Fällen auch erste Anzeichen für andere sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arzneimittel sein. Meist entwickeln diese sich während der Anwendung des Mittels nach Tagen bis Wochen. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus und es bilden sich Blasen ("Syndrom der verbrühten Haut"). Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich sofort an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch lebensbedrohlich verschlimmern. Diese Reaktionen treten bei 1 bis 10 von 100 000 Behandelten auf.

Wenn Sie grippeartige Beschwerden haben, sich bereits seit längerer Zeit abgeschlagen und müde fühlen und zusätzlich Halsschmerzen und Fieber auftreten, kann es sich um eine Blutbildungsstörung handeln, die bedrohlich werden kann. Dann muss ein Arzt umgehend das Blutbild kontrollieren. An einer solchen Blutbildungsstörung sterben 2 bis 7 von 100 000 Menschen, die Phenylbutazon angewendet haben.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren dürfen nicht mit Phenylbutazon behandelt werden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Phenylbutazon darf Ihnen während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht gespritzt werden.

Für ältere Menschen

Phenylbutazon ist für ältere Menschen eher unangebracht. Näheres hierzu lesen Sie in der Einleitung unter Hinweise für ältere Menschen.

Bei älteren Menschen muss Phenylbutazon geringer dosiert werden, da ihre Nieren- und/oder Leberfunktion häufig eingeschränkt sind und sie daher ein erhöhtes Risiko für Schäden in Magen und Darm haben. Hinzu kommt, dass ältere Personen eher Blutbildungsstörungen erleiden als jüngere.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs