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Nootropikum: Memantin

Wirkungsweise

Memantin wird bei Alzheimer-Demenz eingesetzt, um die Nervenzellen vor Zerstörung zu schützen. Ergebnisse der Grundlagenforschung legen nahe, dass bei Alzheimer-Demenz unter anderem die Bindungsstellen von Glutamat, einem Botenstoff im Gehirn, übermäßig aktiviert werden. Dadurch werden Nervenzellen in Gehirnregionen, die für Sinneswahrnehmungen, Bewegungen, Lernen und Gedächtnis zuständig sind, verstärkt abgebaut. Im Tierversuch konnte Memantin diese Überaktivität bremsen und die Nervenzellen vor Zerstörung schützen. Inwieweit sich die Ergebnisse solcher Tierexperimente auf die Behandlung von Menschen übertragen lassen, muss genau geprüft werden. Das ist in klinischen Studien an erkrankten Menschen geschehen.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat in einer Übersichtsarbeit die Daten von neun dieser Studien zusammengeführt und daraus ein Gesamtergebnis errechnet. In sieben Studien wurde die Memantinbehandlung mit einer Scheinbehandlung verglichen; zwei Studien haben die kombinierte Einnahme von Memantin und einem Acetylcholinesterasehemmer im Vergleich zu einem Acetylcholinesterasehemmer plus Placebo betrachtet. Das Ergebnis: Eine sechsmonatige Behandlung mit Memantin kann bei 10 von 100 Menschen mit Alzheimer-Demenz das Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit geringfügig verzögern. Ob das aber bedeutet, dass sich diese Personen im Alltag allein zurechtfinden und in ihrer häuslichen Umgebung bleiben und sich versorgen können, ist unklar. Auch ist nicht geklärt, wie es sich auswirkt, wenn das Medikament länger als ein halbes Jahr eingenommen wird.

Medikamentennebenwirkungen scheinen die Behandelten nicht nennenswert zu beeinträchtigen. In den Studien brachen sie die Behandlung jedenfalls aus solchen Gründen nicht häufiger ab als diejenigen, die ein Placebo erhielten.

Mittel mit Memantin werden als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Es ist bisher der einzige Wirkstoff, der für die Behandlung von Menschen mit schwerer Alzheimer-Demenz zugelassen ist.

Anwendung

Die Behandlung sollte nur erfolgen, wenn eine Bezugsperson des Kranken die regelmäßige Einnahme sicherstellt.

Um Nebenwirkungen durch Memantin möglichst zu vermeiden, soll das Mittel "einschleichend" dosiert werden. Das heißt, dass zu Beginn der Behandlung eine geringe Dosis eingenommen und diese wöchentlich gesteigert wird, bis die notwendige Dosis erreicht ist.

Alle sechs Monate sollte das Medikament abgesetzt und geprüft werden, ob sich der Zustand des Betroffenen dadurch verschlechtert. Ist das nicht der Fall, ist ein Ende der Therapie zu erwägen.

Bei mittelschwer bis schwer eingeschränkter Nierenfunktion sollen pro Tag nicht mehr als zehn Milligramm (eine Tablette oder zehn Tropfen) Memantin eingenommen werden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen sollte der Arzt Nutzen und Risiken einer Behandlung mit Memantin besonders sorgfältig abwägen:

  • Der Kranke hatte schon einmal einen epileptischen Anfall.
  • Er hatte erst kürzlich einen Herzinfarkt.
  • Es liegt eine nicht ausreichend behandelte Herzschwäche vor.
  • Der Blutdruck ist erhöht, wird aber nicht ausreichend behandelt.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Die gleichzeitige Anwendung von Amantadin (bei Parkinsonerkrankung) oder Dextromethorphan (bei Reizhusten) sollte vermieden werden. Bei einer solchen Kombination können unerwünschte Wirkungen häufiger auftreten oder stärker ausfallen.

Unbedingt beachten

Memantin kann die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden, verstärken. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Wer bisher gemischte Kost gegessen hat, sollte in der Zeit der Memantinbehandlung nicht zu einer vegetarischen Kostform wechseln. Bei einer solchen Ernährungsumstellung wird mit dem Urin möglicherweise weniger Memantin ausgeschieden.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Memantin kann bei mehr als 1 von 100 Behandelten Verstopfung hervorrufen und bei mehr als 1 von 1 000 zu Magen-Darm-Beschwerden mit Erbrechen führen.

Bei mehr als 1 von 100 mit Memantin Behandelten treten Kopfschmerzen auf.

Muss beobachtet werden

Mehr als 1 von 100 Behandelten reagiert mit Müdigkeit oder Schläfrigkeit.

Memantin kann Schwindel hervorrufen und zu Gangunsicherheit führen. Darüber sollte der Arzt informiert werden.

Es kann psychische Störungen geben. Dann kann der Behandelte zeitlich und örtlich desorientiert sein und befremdliche Dinge hören oder sehen, die andere Menschen nicht bemerken (Halluzinationen). Er kann das Gefühl entwickeln, beobachtet oder kontrolliert zu werden (Psychose). Bei derartigen Symptomen sollte die Betreuungsperson im Laufe des nächsten Tages mit einem Arzt Kontakt aufnehmen. Allerdings kann es schwierig sein, diese unerwünschten Wirkungen von den Symptomen der Erkrankung zu unterscheiden, denn auch eine Demenz kann mit derartigen psychischen Veränderungen einhergehen.

Sofort zum Arzt

Vereinzelt hat das Mittel Krampfanfälle hervorgerufen. In diesem Fall sollte sofort ein Arzt kontaktiert werden. Möglicherweise war das Mittel zu hoch dosiert.

Akute und starke Schmerzen im oberen Bauchbereich, Übelkeit und Erbrechen können Symptome einer Bauchspeicheldrüsenentzündung sein. Bei solchen Beschwerden sollte sofort ein Arzt gerufen werden.

Besondere Hinweise

Zur Verkehrstüchtigkeit

Memantin kann die Reaktionsfähigkeit und damit die sichere Teilnahme am Straßenverkehr beeinträchtigen.

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