Medikamente im Test

Nitroimidazol: Metronidazol

Wirkungsweise

Metronidazol aus der Gruppe der Nitroimidazole wirken gut gegen Keime, die zum Wachsen nur wenig oder gar keinen Sauerstoff brauchen (Anaerobier).

Die Substanz verhindert, dass sich die Erreger vermehren, indem sie das Erbmaterial der Zellen schädigt. Auch menschliche Zellen kann sie auf diese Weise angreifen. Die Behandlungsempfehlungen für die Scheideninfektion haben das Ziel, diese Gefahr für das Erbgut gering zu halten, dabei aber trotzdem eine ausreichende therapeutische Wirksamkeit zu gewährleisten.

Bakterielle Infektion der Scheide

Die therapeutische Wirksamkeit von Metronidazol bei einer Scheideninfektion, die durch Gardnerella verursacht wurde, ist nachgewiesen.

Bei einer lokalen Behandlung der Scheideninfektion sind die Risiken von Metronidazol für den übrigen Körper gering. Eine solche Behandlung ist bei einer Infektion mit Gardnerella angebracht.

Müssen Tabletten eingenommen werden, sollte das in Form einer Kurztherapie geschehen, weil dabei ein geringeres Risiko für Zellschäden zu erwarten ist als bei einer Einnahme über längere Zeit. Mit einer solchen Kurztherapie kann gegen eine bakterielle Infektion der Scheide vorgegangen werden.

Sexuell übertragbare Erkrankung: Trichomonadeninfektion

Die therapeutische Wirksamkeit von Metronidazol bei einer Scheideninfektion, die durch Trichomonaden verursacht wurde, ist nachgewiesen. Bei einer lokalen Behandlung der Scheideninfektion sind die Risiken von Metronidazol für den übrigen Körper gering. Eine solche Behandlung ist bei einer Trichomonadeninfektion allerdings nicht ausreichend.

Müssen Tabletten eingenommen werden, sollte das in Form einer Kurztherapie geschehen, weil dabei ein geringeres Risiko für Zellschäden zu erwarten ist als bei einer Einnahme über längere Zeit. Mit einer solchen Kurztherapie kann gegen eine Trichomonadeninfektion vorgegangen werden. Die Tabletten eignen sich auch zur Partnerbehandlung.

Unter bestimmten Bedingungen, die der Arzt beurteilt, ist eine Wochentherapie angebrachter als eine Kurztherapie.

Anwendung

Bakterielle Infektion der Scheide

An sechs Abenden wird vor dem Schlafengehen je eine Vaginaltablette mit 100 Milligramm Metronidazol eingeführt oder, wenn die Infektion zum ersten Mal auftritt, nur an einem Abend einmal ein Vaginalzäpfchen mit 1 000 Milligramm Metronidazol. Treten die Infektionen wiederholt auf und hat die Frau Beschwerden, kann an zwei aufeinanderfolgenden Abenden je ein hoch dosiertes Vaginalzäpfchen eingeführt werden.

Sexuell übertragbare Erkrankung: Trichomonadeninfektion

Kurztherapie für Frauen und Männer: Es werden an einem Abend 2 000 Milligramm Metronidazol auf einmal eingenommen.

Wochentherapie für Frauen und Männer: Es werden sieben Tage lang jeweils 500 bis 1 000 Milligramm Metronidazol eingenommen.

Bei Frauen, deren Trichomonadeninfektion sich sehr hartnäckig hält, kann es hilfreich sein, wenn sie Metronidazol zusätzlich vaginal anwenden. Die Scheidentabletten führen Sie am besten abends vor dem Schlafengehen ein, dann kann sich der Wirkstoff während der Nacht gut verteilen. Tagsüber ist das nicht unbedingt gewährleistet, weil möglicherweise einiges von dem Mittel wieder aus der Scheide herausläuft.

Eine Behandlung mit Metronidazol sollte nicht länger als zehn Tage dauern und möglichst selten wiederholt werden. Muss Metronidazol doch deutlich länger angewendet werden, sollte der Arzt in regelmäßigen Abständen das Blutbild kontrollieren.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abwägen:

  • Ihre Leberfunktion ist erheblich beeinträchtigt.
  • Sie leiden an einer gestörten Blutbildung.
  • Sie haben eine Erkrankung des Nervensystems.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Wird Metronidazol gemeinsam mit Disulfiram (zur Alkoholentwöhnung) eingenommen, können psychotische Zustände auftreten.
  • Phenytoin (bei Epilepsien) schwächt die Wirkung von Metronidazol. Gleichzeitig kann sich Phenytoin durch Metronidazol im Körper übermäßig stark anreichern.

Unbedingt beachten

Durch Metronidazol verlängert sich die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Während der Behandlung mit Metronidazol darf kein Alkohol getrunken werden. Durch die Kombination kann es zu Kopfschmerzen, Übelkeit und Herzrasen mit Schweißausbrüchen kommen, vereinzelt können auch psychotische Zustände mit Wahnvorstellungen und Halluzinationen auftreten.

Nebenwirkungen

Bakterielle Infektion der Scheide

Wie häufig unerwünschte Wirkungen auftreten, hängt von der Wirkstoffmenge ab, die in den Körper gelangt. Die nachfolgend genannten Häufigkeiten gelten für eingenommenes Metronidazol.

Bei lokaler Anwendung in der Scheide wird nur ein Teil des Wirkstoffs in den Organismus aufgenommen. Dann sind unerwünschte Wirkungen seltener.

Keine Maßnahmen erforderlich

Im Mund kann sich ein metallisch-bitterer Geschmack entwickeln, die Zunge kann grünlich belegt sein und der Urin kann sich rotbraun färben. Diese Veränderungen bilden sich nach dem Ende der Behandlung wieder zurück.

Appetitlosigkeit, Brechreiz, Durchfall und Bauchschmerzen treten bei mehr als 1 von 100 Behandelten auf. Etwa ebenso viele klagen über Kopfschmerzen und Schwindel.

Muss beobachtet werden

Weißlicher cremiger Ausfluss aus der Scheide zusammen mit Juckreiz kann darauf hindeuten, dass sich eine Pilzinfektion entwickelt hat. Diese muss – zusätzlich zu der bakteriellen Infektion – mit einem geeigneten Pilzmittel behandelt werden.

Während der Behandlung kann bei bis zu 10 von 100 Behandelte Durchfall auftreten. Hält dieser länger als zwei bis drei Tage an, wenden Sie sich an einen Arzt.

Wenn Sie Fieber bekommen und sich abgeschlagen fühlen, sollte der Arzt das Blutbild kontrollieren. Metronidazol kann eine Blutbildungsstörung hervorrufen.

Sofort zum Arzt

Lang anhaltende starke Durchfälle, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen deuten auf eine lebensbedrohliche Darmentzündung (pseudomembranöse Kolitis) hin. Diese Komplikation ist sehr selten und trifft nur einige wenige Behandelte. Bei diesen Symptomen sollten Sie sofort einen Notarzt (Telefon 112) rufen.

Ein Gefühl von Taubheit und Kribbeln in Armen und Beinen deutet auf eine Erkrankung der Nervenenden hin. Derartiges trifft bis zu 10 von 100 Behandelte. Der Nervenschaden tritt meist dann auf, wenn von der Substanz mehr als 1 500 Milligramm angewendet wurden oder wenn die Behandlung länger als vier Wochen gedauert hat. Da sich die Beschwerden nach dem Absetzen des Medikaments nicht immer ganz zurückbilden, sollten Sie sich mit einem Arzt in Verbindung setzen.

Es können Krampfanfälle auftreten.

Plötzliches Fieber, Schweißausbrüche, Schwindel und Kopfschmerzen deuten auf eine Allergie hin. Dann sollten Sie sofort einen Arzt rufen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Die Dosierung richtet sich nach dem Gewicht des Kindes. Üblicherweise erhalten Kinder täglich zwischen 20 und 30 Milligramm Metronidazol pro Kilogramm Körpergewicht.

Zur Empfängnisverhütung

Auf die Sicherheit spermientötender Substanzen sollten Sie sich während der Behandlung nicht verlassen, da deren Wirkung beeinträchtigt werden kann.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Im Tierversuch verursachen Nitroimidazole, zu denen Metronidazol gehört,  Fehlbildungen. Soweit bekannt, haben schwangere Frauen nach der Behandlung mit diesen Substanzen aber bisher keine fehlgebildeten Kinder geboren.

Bakterielle Infektion der Scheide

Bei bakteriellen Scheideninfektionen können anstelle von Metronidazol Amoxicillin, Erythromycin oder – wenn diese versagen – Clindamycin eingenommen werden.

Kommen während der Schwangerschaft Vaginaltabletten zum Einsatz, sollten diese mit dem Finger eingeführt werden. Manipulationen mit einem Applikator bergen das Risiko, Blutungen am Muttermund auszulösen.

Sexuell übertragbare Erkrankung: Trichomonadeninfektion

Da Metronidazol Trichomonaden sehr effektiv abtötet, gilt es während der gesamten Schwangerschaft bei Infektionen, die Beschwerden verursachen, als Mittel der Wahl. Es wird in einer Einzeldosis von 2 000 Milligramm eingenommen oder – bei Magen-Darm-Beschwerden – für fünf bis sieben Tage zweimal täglich 500 Milligramm. Insbesondere im ersten Schwangerschaftsdrittel kann das lokal angewendete Pilzmittel Clotrimazol statt Metronidazol eingesetzt werden. Allerdings tötet diese Behandlung die Trichomonaden nicht ab, sondern lindert lediglich die Beschwerden.

Nitroimidazole finden sich in der Muttermilch in der gleichen Konzentration wie im Blut. Wenn sich die Anwendung von Metronidazol in der Stillzeit nicht vermeiden lässt, brauchen Sie bei einer einmaligen Einnahme von 2 000 Milligramm Metronidazol mit dem Stillen trotzdem nicht auszusetzen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Besonders zu Beginn der Behandlung kann es sein, dass Sie Ihre Bewegungen schlecht koordinieren können. Dann sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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