Medikamente im Test

Neuroleptikum: Ziprasidon

Wirkungsweise

Ziprasidon wird gegen Psychosen eingesetzt. Es gehört zur Gruppe der wenig sedierenden, atypischen Neuroleptika.

Ziprasidon wirkt antipsychotisch, im direkten Vergleich scheint das Mittel etwas weniger wirksam zu sein als Risperidon.Es gibt keine Belege aus klinischen Studien, dass der Wirkstoff die Eigenschaften aufweist, die die atypischen von den klassischen Neuroleptika unterscheiden. Damit ist unklar, ob die Kranken, die eine konventionelle Therapie nicht vertragen, von Ziprasidon profitieren. Frühe Bewegungsstörungen treten seltener auf, doch ob das auch für die spät auftretenden Störungen zutrifft, ist nicht bekannt. Die negativen Aspekte von Ziprasidon sind hingegen gut bekannt. Es kann schwere Herzrhythmusstörungen auslösen. Vor allem das hat zu der Bewertung "mit Einschränkung geeignet" geführt.

Injektionen

Von Ziprasidon gibt es eine Zubereitung, die in Akut- oder Notfallsituationen injiziert werden kann. So wirkt das Mittel besonders schnell. Es einzusetzen ist aber nur für kurze Zeit sinnvoll, wenn andere Zubereitungsformen zum Einnehmen nicht gegeben werden können.

Näheres zur Langzeitbehandlung lesen Sie unter Neuroleptika richtig dosieren.

Ausführliches über die Unterschiede der neuroleptisch wirkenden Stoffe unter Neuroleptika: klassische und atypische Wirkstoffe.

Anwendung

Die Behandlung beginnt mit zweimal täglich 20 Milligramm und kann langsam auf höchstens zweimal täglich 80 Milligramm gesteigert werden. Eine niedrige Anfangsdosis ist bei Menschen mit einer Funktionsstörung der Leber besonders wichtig.

Achtung

Zeldox Suspension: Dieses Mittel enthält Parabene (siehe Tabelle). Diese Konservierungsmittel können Allergien auslösen. Wenn Sie auf Parastoffe allergisch reagieren, dürfen Sie dieses Mittel nicht anwenden.

Gegenanzeigen

Ziprasidon dürfen Sie nicht anwenden bei Herzrhythmusstörungen, wenn Sie vor Kurzem einen Herzinfarkt erlitten haben oder an einer Herzschwäche leiden, die nicht ausreichend behandelt ist. Außerdem dürfen Sie Ziprasidon nicht einnehmen, wenn Sie gleichzeitig mit Arzneimitteln behandelt werden, die selbst Herzrhythmusstörungen hervorrufen können.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt bei der Anwendung von Ziprasidon Nutzen und Risiken besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie leiden an der Parkinsonkrankheit. Durch Neuroleptika können sich die Parkinsonsymptome verschlimmern.
  • Sie hatten schon einmal einen Krampfanfall. Die Mittel können die Krampfbereitschaft erhöhen.
  • Sie sind bettlägerig oder haben aus anderen Gründen ein erhöhtes Risiko für eine Thrombose.
  • Sie haben eine Erkrankung der Herzkranz- oder Hirngefäße, sodass sich Ihr Risiko für einen Schlaganfall erhöht. Oder Sie weisen Risikofaktoren für derartige Ereignisse auf, wie hohen Blutdruck oder Diabetes.
  • Sie haben ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen, z. B. weil der Salzgehalt des Blutes gestört ist.
  • Die Funktion Ihrer Leber ist schwer gestört.
  • Sie haben eine stabile Herzerkrankung wie Angina Pectoris oder koronare Herzkrankheit.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Zusammen mit Mitteln, die den Abbau von Ziprasidon verzögern, zum Beispiel SSRI wie Fluoxetin und Paroxetin (bei Depressionen), Imidazolen zur innerlichen Pilzbehandlung wie Ketoconazol und Itraconazol sowie HIV-Mitteln wie Ritonavir können sich die Wirkung und die Nebenwirkungen von Ziprasidon verstärken.

Unbedingt beachten

Ziprasidon darf nicht gemeinsam mit Arzneimitteln angewendet werden, die sich auf den Herzrhythmus auswirken. Zu diesen gehören Antiarrhythmika wie Amiodaron und Flecainid (bei Herzrhythmusstörungen), Neuroleptika wie Pimozid, Sertindol und Thioridazin (alle bei Schizophrenien und anderen Psychosen), Antibiotika aus der Gruppe der Makrolide wie Erythromycin und der Chinolone wie Moxifloxacin (bei bakteriellen Infektionen), Antihistaminika wie Terbinafin (bei Allergien) sowie Malariamittel wie Mefloquin. Auch bei Anwendung von Paliperidon oder Risperidon sollte eine Kombination mit den genannten Mitteln sicherheitshalber vermieden werden. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel bei Herzrhythmusstörungen: verstärkte Wirkung.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Während der Behandlung sollten Sie keinen Alkohol trinken, da dieser die unerwünschten Wirkungen von Ziprasidon verstärken kann.

Wenn Sie diesen Wirkstoff einnehmen, sollten Sie keine Grapefruits essen und auf Grapefruitsaft verzichten. Andernfalls verstärkt sich die Wirkung von Ziprasidon. Dann können vermehrt Schwindel und Müdigkeit auftreten und das Risiko für schwere Herzrhythmusstörungen steigt.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Es können Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung auftreten.

Die Medikamente können zu Unruhe, Nervosität und Schlaflosigkeit führen. Bei einigen Menschen tritt bei der Behandlung mit diesen Mitteln aber auch das Gegenteil ein: Sie werden müde und schläfrig.

Muss beobachtet werden

Wenn Ihnen beim Aufstehen aus dem Liegen schwindlig wird, kann das daran liegen, dass der Blutdruck abgesunken ist. Das sollten Sie dem Arzt mitteilen. Bei zu niedrigem Blutdruck sollte das Mittel geringer dosiert werden.

Wenn der Schwindel auch in anderen Situationen auftritt, sollte der Arzt eventuell ein EKG machen. Bei älteren Menschen und solchen, deren Herz bereits geschädigt ist, können diese Symptome darauf hinweisen, dass die Erregungsleitung des Herzens gestört ist. Näheres hierzu finden Sie unter Herzrhythmusstörungen.

Eine gravierende unerwünschte Wirkung der Behandlung mit Neuroleptika sind Bewegungsstörungen. Sie können in unterschiedlicher Form während verschiedener Phasen der Behandlung und je nach Wirkstoff unterschiedlich häufig auftreten, allerdings bei Ziprasidon seltener als nach der Einnahme klassischer Neuroleptika wie z. B. Haloperidol.

Zu Beginn der Therapie und wenn die Dosierung plötzlich gesteigert werden muss, treten Bewegungen auf, die nicht willentlich zu beeinflussen sind (Frühdyskinesie): Die Zunge wird krampfartig herausgestreckt, der Kopf in den Nacken geworfen, Blick und Kaumuskulatur verkrampfen sich. In der akuten Situation kann der Arzt zusätzlich das Medikament Biperiden als Notfallmedikament injizieren. Es bringt diese Erscheinungen zum Verschwinden. Wird die Dosierung der Neuroleptika im weiteren Verlauf der Behandlung langsam gesteigert, treten solche Symptome meist nicht mehr auf.

Schon nach ein bis zwei Wochen, teilweise aber auch erst nach mehreren Monaten, können sich parkinsonähnliche Beschwerden einstellen (Parkinsonoid, pharmakogenes Parkinsonsyndrom). Tätigkeiten, für die ein fein abgestimmtes Muskelspiel notwendig ist, lassen sich nicht mehr ausführen. Die Bewegungen werden zittrig, die Schritte klein, die Mimik starr. Auch das Denken verlangsamt sich quälend. Diese Wirkung lässt sich ebenfalls mit Biperiden behandeln. Gleichzeitig muss aber die Dosierung des Neuroleptikums überprüft werden, denn eine Dauerbehandlung mit Biperiden kann die antipsychotische Wirkung der Neuroleptika verringern. Ob durch Biperiden die Entstehung von irreversiblen Bewegungsstörungen beschleunigt wird, ist umstritten. Deshalb sollte der Arzt immer wieder versuchen, Biperiden abzusetzen oder die Dosierung des Neuroleptikums zu verringern.

Zu den parkinsonähnlichen Störungen kann eine sehr quälende Unruhe hinzukommen. Die Betroffenen können nicht still sitzen bleiben, sie müssen sich fortgesetzt bewegen (Akathisie). Hier kann versucht werden, ob sich das durch eine geringere Dosierung legt. Manchmal hilft es auch, zu Clozapin zu wechseln oder zusätzlich den Betablocker Propranolol zu verordnen. Nach mehrjähriger Neuroleptikabehandlung, manchmal sogar erst nach ihrem Ende, können weitere Bewegungsstörungen auftreten. Bei diesen Spätdyskinesien bewegen sich die Muskeln von Mund, Zunge und Gesicht ununterbrochen, ohne dass sich das gezielt steuern lässt. Das ständige Schmatzen, Schnalzen und Kauen belastet vor allem die Menschen in der Umgebung, selten die Erkrankten selbst.

Unter welchen Voraussetzungen solche Spätdyskinesien auftreten, ist noch nicht hinreichend erforscht. Es scheint, als sei das Risiko für ältere Personen, insbesondere ältere Frauen, deutlich erhöht. Vermutlich treten diese Störungen häufiger auf, je länger die Behandlung dauert und je höher das Neuroleptikum dosiert ist. Auch die zusätzliche Einnahme weiterer Psychopharmaka kann das Risiko für Bewegungsstörungen erhöhen. Ob diese wieder vergehen oder bestehen bleiben, scheint ebenfalls von diesen Faktoren abhängig zu sein. Wenn das Neuroleptikum, das zu Spätdyskinesien geführt hat, schnell abgesetzt oder durch Clozapin ersetzt wird, sind die Chancen größer, dass die Störungen wieder vergehen. Allerdings können sich diese Bewegungsstörungen bei besonders empfindlichen Personen auch schon nach kurzer Behandlungszeit und bei geringer Dosierung entwickeln.

Die Behandlung mit Neuroleptika kann die Symptome einer beginnenden Bewegungsstörung zunächst verbergen. Die Störung tritt erst dann in Erscheinung, wenn das Neuroleptikum abgesetzt wird.

Im Laufe der Behandlung kann sich eine durch das Medikament bedingte Depression einstellen. Manche Menschen sind dadurch gefährdet, sich das Leben zu nehmen. Auf eine solche zusätzliche Gemütskrankheit sollten am ehesten die Angehörigen aufmerksam werden. Die Behandlung muss dann geändert werden und kann zum Bespiel mit Clozapin fortgeführt werden.

Sie können an Gewicht zunehmen. Die Blutzuckerwerte können ansteigen. Nach langjähriger Therapie kann sich dann ein Typ-2-Diabetes einstellen. Um auf diese Entwicklung frühzeitig aufmerksam zu werden, wird der Arzt gelegentlich den Blutzucker kontrollieren.

Sofort zum Arzt

Eine Behandlung mit atypischen Neuroleptika kann zu einer Thrombose in den tiefen Beinvenen führen, die eine lebensbedrohliche Lungenembolie nach sich ziehen kann. Das Risiko steigt, wenn Sie wenig trinken, übergewichtig sind oder rauchen. Für Frauen kommt als Risikofaktor die Anwendung von hormonellen empfängnisverhütenden Mitteln hinzu, für ältere Menschen mit demenziellen Erkrankungen Bettlägerigkeit und Einnahme von stark entwässernden Mitteln wie Furosemid. Bei Schmerzen in der Leistenbeuge und Kniekehle, zusammen mit einem Schwere- und Stauungsgefühl in den Beinen wenden Sie sich an einen Arzt. Gibt es stechende Schmerzen im Brustkorb, verbunden mit Atemnot, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen.

Bei Zungen-, Schlund- und Blickkrämpfen sowie einem Schiefhals sollten Sie sich sofort zum Arzt begeben.

Wenn Bewegungs- und Bewusstseinsstörungen gleichzeitig mit hohem Fieber auftreten und eventuell noch Herzrasen, schnelles Atmen und Atemnot, Speichelfluss und Schwitzen hinzukommen, kann es sich um das lebensbedrohliche maligne neuroleptische Syndrom handeln. Da Fiebermittel nicht sicher wirken, sollte die erhöhte Temperatur mit Wadenwickeln oder Kühlbädern gesenkt werden. Das Mittel muss abgesetzt und sofort der Notarzt (Telefon 112) gerufen werden. Der Kranke braucht eine intensivmedizinische Behandlung.

Wenn starker Hautausschlag, Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel auftreten, müssen Sie die Anwendung sofort stoppen und unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen. Mit einer solchen lebensbedrohlichen Allergie ist bei etwa 1 von 10 000 Personen zu rechnen.

Schwindel, Herzstolpern und plötzliche Bewusstlosigkeit können Zeichen einer schweren, lebensgefährlichen Herzrhythmusstörung, der Torsade de pointes, sein, die ein Herzversagen nach sich ziehen kann. Eine moderate Störung des Herzrhythmus tritt bei 1 bis 10 von 100 Behandelten auf, schwerwiegend ist sie bei etwa 1 bis 10 von 10 000. Bei solchen Beschwerden sollten Sie unverzüglich den Arzt rufen. Das Risiko für eine solche Störung nimmt mit ansteigender Dosierung zu, steigt insbesondere mit dem Alter an und ist bei Frauen größer als bei Männern.

In Einzelfällen kann sich am gesamten Körper ein starker Hautausschlag bilden, der von Fieber und geschwollenen, schmerzenden Lymphknoten begleitet ist. Dann müssen Sie sofort einen Arzt aufsuchen. Es handelt sich um eine Immunreaktion auf Ziprasidon, die den gesamten Körper einschließlich der inneren Organe wie Leber, Nieren und Lunge betrifft. In der Regel treten diese Beschwerden ein bis vier, manchmal acht Wochen nach der ersten Einnahme des Medikaments auf. Der Arzt muss das Blutbild untersuchen und die Leberwerte prüfen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Für die Schizophreniebehandlung mit Ziprasidon fehlen Erfahrungen bei Kindern und Jugendlichen. Daher wird die Anwendung bei ihnen nicht empfohlen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Die Erfahrungen zur Anwendung von Ziprasidon während der Schwangerschaft sind noch recht begrenzt. Es sollte nur eingesetzt werden, wenn es unbedingt erforderlich ist. Es kann nicht sicher ausgeschlossen werden, dass das Mittel die Entwicklung des Kindes beeinträchtigt. Eltern, die sich über die Entwicklung ihres Kindes vor der Geburt möglichst genau informieren wollen, können dazu spezielle Ultraschalluntersuchungen machen lassen.

Wenn Sie Ziprasidon im letzten Schwangerschaftsdrittel eingenommen haben, kann das Baby nach der Geburt Entzugssymptome zeigen. Dazu gehören eine verstärkte oder verringerte Muskelspannung, Zittern, Schläfrigkeit, Atemnot und Probleme beim Trinken.

Ob oder in welchem Ausmaß Ziprasidon in die Muttermilch übergeht, ist unzureichend untersucht. Daher sollten Sie dieses Mittel während dieser Zeit sicherheitshalber nicht einsetzen.

Für ältere Menschen

Menschen diesen Alters kommen in aller Regel mit einer geringeren Dosis aus.

Neue Studienergebnisse weisen darauf hin, dass ältere Menschen bei der Behandlung mit Antipsychotika ein erhöhtes Risiko haben, eine Lungenentzündung zu bekommen. Diese verlief bei einem Viertel der Betroffenen tödlich. In der ersten Einnahmewoche ist die Gefahr besonders groß und sie steigt mit der Dosierung des Schizophreniemittels. Besonders gefährdet sind Personen, die ihre Wohnung nicht eigenständig verlassen können, chronische Erkrankungen haben oder bestimmte Medikamente einnehmen. Über die Ursachen dieser Zusammenhänge ist man sich noch nicht im Klaren. Möglicherweise liegt es daran, dass das Medikament zu Schluckstörungen führt und dadurch vermehrt Fremdstoffe in die Lunge gelangen, die Entzündungen verursachen können.

Bei älteren Menschen mit Demenz, die gleichzeitig eine Psychose haben, scheint die Behandlung mit Neuroleptika das Risiko für einen Schlaganfall und vorzeitigen Tod zu erhöhen. Sie sollten daher mit diesen Medikamenten nur behandelt werden, wenn es sich um eine schwere Psychose handelt, die die Betroffenen erheblich beeinträchtigt, und wenn eine regelmäßige ärztliche Begleitung gewährleistet ist. Werden die Mittel eingesetzt, um starke Unruhe oder aggressives Verhalten bei dementen Personen abzumildern, ist dies – wenn überhaupt – nur für kurze Zeit zu vertreten. Für diesen Einsatz ist der Nutzen einer Daueranwendung nicht nachgewiesen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Ziprasidon kann die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen, besonders zu Beginn der Behandlung. Sie sollten deshalb nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten. Dasselbe gilt, wenn der Blutdruck durch das Mittel erheblich sinkt.

Akut Psychosekranke dürfen nicht Auto fahren. Das ist allenfalls denkbar, nachdem sie bei einer Dauerbehandlung mit nicht dämpfenden Medikamenten lange Zeit psychosefrei waren und zudem keine Bewegungsstörungen aufweisen.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs