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Neuroleptikum: Haloperidol

Wirkungsweise

Haloperidol ist unter den Antipsychotika das Standardmittel, mit dem alle anderen Neuroleptika verglichen werden. Es beseitigt sofort die Angst und wirkt stark antipsychotisch. Mit Haloperidol können akute Psychosen aufgefangen und es kann erneuten Schüben vorgebeugt werden. Haloperidol zum Einnehmen gilt bei Schizophrenien und anderen Psychosen als "geeignet". Es eignet sich besonders für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bewegungsstörungen aller Art treten häufig auf, entweder sofort oder erst bei Langzeitbehandlung.

Ausführliches über die Unterschiede der neuroleptisch wirkenden Stoffe unter Neuroleptika: klassische und atypische Wirkstoffe.

Injektionen

Von Haloperidol gibt es Zubereitungen, die in Akut- oder Notfallsituationen injiziert werden können. So wirkt das Mittel besonders schnell. Es einzusetzen ist aber nur sinnvoll, wenn andere schnell wirkende Zubereitungsformen nicht gegeben werden können. Zu diesen gehören Tropfen, bei denen der Wirkstoff sehr rasch durch die Wangenschleimhaut ins Blut gelangt. Rasch wirkende Injektionsmittel werden als "mit Einschränkung geeignet" bewertet, da die Gefahr von schweren Herzrhythmusstörungen besteht.

Darüber hinaus gibt es Injektionsmittel mit Langzeitwirkung (Depot). Mit diesen wird der Wirkstoff in einer speziellen Zubereitung in einen Muskel gespritzt, sodass er im Verlauf von mehreren Wochen kontinuierlich abgegeben wird. Das hat den entscheidenden Nachteil, dass die Substanz weder individuell dosiert werden kann, noch kann sie bei Bedarf angepasst oder bei Unverträglichkeit sofort abgesetzt werden. Da der Wirkstoff im Körper aus einem Depot freigesetzt wird, dauern Nebenwirkungen so lange an, bis dieses aufgebraucht ist. Die Depotinjektion wird als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.

Depotinjektionsmittel werden zur Dauerbehandlung eingesetzt. Das ist vertretbar, wenn der Patient dies ausdrücklich wünscht. Ansonsten ist diese Anwendungsform nur gerechtfertigt, wenn Mittel zum Einnehmen nicht angewendet werden können oder wenn nicht gesichert ist, dass der Kranke Tabletten oder Tropfen zuverlässig einnimmt, obwohl die Behandlung dringend erforderlich ist.

Anwendung

Injektionen, unabhängig davon ob als Depotmittel oder zur Akutbehandlung sollen nicht in die Vene gespritzt werden, weil dann das Risiko für Herzrhythmusstörungen ansteigt.

Werden Haloperidolinjektionen gegeben, werden diese in den Muskel des Oberarms oder ins Gesäß gespritzt. Nach einer Akut- oder Notfallbehandlung wird üblicherweise mit Mitteln zum Einnehmen weiterbehandelt.

Bei der Behandlungsart mit Langzeitwirkung (Depot) gilt das umgekehrte Verfahren: Zunächst müssen die Kranken mit Tabletten oder Tropfen stabil auf die geringste notwendige Dosierung eingestellt sein. Erst danach kann gegebenenfalls auf die Injektion eines Depotmittels umgestellt werden. Näheres zur optimalen Dosierung von Neuroleptika und zur Langzeitbehandlung lesen Sie unter Psychose behandeln – Neuroleptika richtig dosieren.

Wird von Anfang an mit geschluckten Mitteln behandelt, wird mit einer niedrigen Dosis begonnen und entsprechend der Krankheitszeichen langsam oder schneller gesteigert. Haloperidol wirkt, wie alle Neuroleptika, beruhigend und kann schläfrig machen. Die beruhigende und angstlösende Wirkung setzt sofort ein, doch bis sich die psychotischen Denkinhalte abschwächen, können bei Haloperidol mehrere Tage vergehen.

Spätestens nach sechs Wochen sollte das Mittel ausreichend wirken. Wenn nicht, wird entweder die Dosis erhöht oder zu einem Neuroleptikum aus einer anderen chemischen Gruppe gewechselt. Insgesamt sprechen etwa 70 von 100 Kranken auf die Behandlung an. Wer nicht dazugehört, lässt sich nicht vorhersagen.

Der Vorteil von flüssigen Zubereitungen ist, dass sie sich sehr individuell dosieren lassen.

Achtung

Haloperidol kann die Haut empfindlicher für UV-Strahlen machen. Vermeiden Sie deshalb Sonnenbäder und verzichten Sie auf Solarienbesuche.

Die flüssigen Haloperidolpräparate enthalten Parabene (siehe Übersicht). Diese Konservierungsmittel können Allergien auslösen. Wenn Sie auf Parastoffe allergisch reagieren, dürfen Sie diese Mittel nicht anwenden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Haloperidol nicht anwenden:

  • Sie sind von Parkinsonkrankheit betroffen.
  • Sie haben oder hatten schon einmal schwere Herzrhythmusstörungen.
  • Sie hatten vor kurzem einen Herzinfarkt.
  • Sie haben einen zu geringen Kalium- oder Magnesiumgehalt im Blut.
  • Wenn Sie zusätzlich zu Haloperidol noch andere Arzneimittel anwenden müssen, die Auswirkungen auf den Herzrhythmus haben können.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie haben eine schwere Blutbildungsstörung.
  • Ein Neuroleptikum hat bei Ihnen bereits einmal parkinsonähnliche Bewegungsstörungen oder ein malignes neuroleptisches Syndrom ausgelöst. Dann kommen zur Behandlung von Schizophrenien nur atypische Neuroleptika infrage, die als "geeignet" beurteilt werden, z. B. Clozapin.
  • Ihr Herz schlägt ungewöhnlich langsam (Bradykardie).
  • Sie haben viel zu niedrigen Blutdruck.
  • Sie haben Epilepsie. Durch Neuroleptika können Krampfanfälle ausgelöst werden.
  • Sie haben Brustkrebs oder einen Tumor, dessen Wachstum durch das Hormon Prolaktin begünstigt wird.
  • Ihre Leber- oder Nierenfunktion ist gestört.
  • Sie haben Depressionen oder neigen zu einer solchen Störung. Dann kann Haloperidol eine neue depressive Episode auslösen oder den bestehenden Zustand verschlechtern.
  • Sie haben eine Schilddrüsenüberfunktion.
  • Es bestehen Atembeschwerden, z. B. aufgrund von Asthma.
  • Sie sind bettlägerig oder haben aus anderen Gründen ein erhöhtes Risiko für eine Thrombose.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Neuroleptika können epileptische Anfälle begünstigen. Wenn Sie Haloperidol zusammen mit anderen Mitteln einnehmen, die ebenfalls die Krampfschwelle herabsetzen, steigt das Risiko für einen epileptischen Anfall. Zu diesen Mitteln zählen andere Neuroleptika wie z. B. Clozapin, Levomepromazin, aber auch eine Reihe von Antibiotika (z. B. Chinolone wie Ciprofloxacin oder Penicilline wie Benzylpenicillin), Mittel, die bei Malaria eingenommen werden, oder Bupropion (zur Raucherentwöhnung, bei Depressionen).
  • Werden bei einer Behandlung mit Haloperidol zusätzlich Anticholinergika (bei Parkinsonkrankheit) oder trizyklische Antidepressiva (bei Depressionen) eingenommen, können die Nebenwirkungen der zusätzlichen Medikamente verstärkt auftreten. Zu diesen unerwünschten Wirkungen gehören unter anderem Mundtrockenheit, Harnverhalten und Sehstörungen. Möglicherweise kann auch ein Delir ausgelöst werden. Zu dessen Symptomen gehören Halluzinationen, Herzrasen, Zittern, Desorientiertheit, Gleichgewichtsstörungen und Krampfanfälle.
  • Einige Medikamente verlangsamen den Abbau von Haloperidol. Hierzu gehören SSRI wie Fluoxetin und Paroxetin (bei Depressionen). Werden Neuroleptika mit solchen Mitteln gemeinsam eingenommen, können Nebenwirkungen verstärkt auftreten. Dann sollte der Arzt gegebenenfalls die Dosierungen anpassen.
  • Schmerz-, Schlaf- und Beruhigungsmittel können die dämpfende Wirkung von Neuroleptika wie Haloperidol so verstärken, dass Bewusstsein, Bewegungen und Atmung ernsthaft beeinträchtigt werden.
  • Die blutdrucksenkende Wirkung von anderen Arzneimitteln und die des Neuroleptikums können sich gegenseitig verstärken. Das gilt auch, wenn die Blutdrucksenkung eine unerwünschte Wirkung eines Arzneimittels ist.
  • Insbesondere bei älteren Menschen kann die gleichzeitige Anwendung von klassischen Neuroleptika wie Haloperidol und Lithium (bei manisch-depressiven Erkrankungen) das Risiko für Bewegungsstörungen (Spätdyskinesien) erhöhen.
  • Alizaprid und Metoclopramid können die durch Haloperidol verursachten Bewegungsstörungen verstärken; unter Umständen können dann Zungen- und Schlundkrämpfe auftreten.
  • Bei gleichzeitiger Anwendung von Rifampicin (bei Tuberkulose) sollte der Arzt die Dosierung von Haloperidol anpassen.

Unbedingt beachten

Wenn Sie Haloperidol anwenden, dürfen Sie nicht gleichzeitig mit anderen Arzneimitteln, die Auswirkungen auf den Herzrhythmus haben, behandelt werden. Dazu zählen beispielsweise Chinidin, Amiodaron oder Sotalol (alle bei Herzrhythmusstörungen), Citalopram, Escitalopram (bei Depressionen), Clarithromyzin, Azithromyzin und andere Vertreter der Makrolidantibiotika (bei bakteriellen Infektionen), andere Neuroleptika wie Ziprasidon oder Pimozid (bei Schizophrenie und anderen Psychosen).

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Mit Alkohol dürfen Sie Haloperidol nicht einnehmen. Neuroleptika verstärken die dämpfende Wirkung von Alkohol auf das zentrale Nervensystem. Bei der Kombination beider können Bewusstsein, Bewegungen und Atmung ernsthaft beeinträchtigt sein.

Nebenwirkungen

Viele unerwünschte Wirkungen schwächen sich im Laufe der Behandlung ab, andere nehmen mit der Dauer der Behandlung zu. Das gilt insbesondere für Bewegungsstörungen (Spätdyskinesien). Demgegenüber können beim abrupten Absetzen der Mittel Beschwerden auftreten, die auf der fehlenden Medikamentenwirkung beruhen.

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Sie können müde werden, insbesondere zu Beginn der Therapie.

Bei etwa 10 von 100 Personen fühlt sich der Mund trocken an und die Nase ist verstopft. Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung können auftreten.

1 bis 10 von 100 Behandelten nehmen an Gewicht zu, ebenso viele nehmen ab.

Muss beobachtet werden

Bei Frauen können Menstruationsstörungen auftreten und die Brustdrüse kann Milch absondern (Galactorrhö).

Sie können Schwierigkeiten beim Wasserlassen bekommen.

Die Sexualität ist beeinträchtigt: Das Interesse an Sex verringert sich, es tritt kein Orgasmus mehr ein. Bei Männern lässt die Erektionsfähigkeit nach, bei Frauen die Produktion von Scheidenflüssigkeit. All diese Veränderungen sollten Sie dem Arzt mitteilen.

Sie fühlen sich benommen, Ihr Denken ist verlangsamt und Ihr Gedächtnis beeinträchtigt. Dann sollte der Arzt die Dosierung des Mittels überprüfen.

Wenn Ihnen beim Aufstehen aus dem Liegen schwindlig wird, kann der Auslöser sein, dass der Blutdruck abgesunken ist. Das sollten Sie dem Arzt mitteilen. Wenn der Schwindel auch in anderen Situationen auftritt, sollte der Arzt eventuell ein EKG machen. Bei älteren Menschen und solchen, deren Herz bereits geschädigt ist, können diese Symptome darauf hinweisen, dass die Erregungsleitung des Herzens gestört ist. Näheres hierzu finden Sie unter Herzrhythmusstörungen.

Die gravierendste unerwünschte Wirkung der Behandlung mit klassischen Neuroleptika sind Bewegungsstörungen. Sie treten bei der Behandlung mit Haloperidol bei mehr als einer von zehn Personen auf. Sie können in verschiedenen Phasen der Behandlung beginnen und unterscheiden sich darin, welche Bewegungen auf welche Weise gestört sind.

Zu Beginn der Therapie und wenn die Dosierung plötzlich gesteigert werden muss, treten Bewegungen auf, die nicht willentlich zu beeinflussen sind (Frühdyskinesie): Die Zunge wird krampfartig herausgestreckt, der Kopf in den Nacken geworfen, Blick und Kaumuskulatur verkrampfen sich. Darauf sollte der Arzt unbedingt aufmerksam gemacht werden. Er kann dann zusätzlich den Wirkstoff Biperiden verordnen, durch den diese Erscheinungen verschwinden. Wird die Dosierung der Neuroleptika später langsam gesteigert, treten solche Symptome meist nicht mehr auf.

Schon nach ein bis zwei Wochen, teilweise aber auch erst nach mehreren Monaten, können sich parkinsonähnliche Beschwerden einstellen (Parkinsonoid, pharmakogenes Parkinsonsyndrom): Tätigkeiten, für die ein fein abgestimmtes Muskelspiel notwendig ist, lassen sich nicht mehr ausführen. Die Bewegungen werden zittrig, die Schritte klein, die Mimik starr. Diese Wirkung lässt sich ebenfalls mit Biperiden behandeln. Gleichzeitig muss aber die Dosierung des Neuroleptikums überprüft werden, denn eine Dauerbehandlung mit Biperiden kann die antipsychotische Wirkung der Neuroleptika verringern und beschleunigt die Entstehung der irreversiblen Bewegungsstörungen noch. Deshalb sollte der Arzt immer wieder versuchen, Biperiden abzusetzen oder die Dosierung des Neuroleptikums zu verringern.

Zu den parkinsonähnlichen Störungen kann eine sehr quälende Unruhe hinzukommen: Die Betroffenen können nicht still sitzen bleiben, sie müssen sich fortgesetzt bewegen (Akathisie). Hier kann versucht werden, ob sich das durch eine geringere Dosierung legt. Manchmal hilft es auch, zu Clozapin zu wechseln oder zusätzlich den Betablocker Propranolol zu verordnen.

Nach mehrjähriger Neuroleptikabehandlung, manchmal sogar erst nach ihrem Ende, können weitere Bewegungsstörungen auftreten. Bei diesen Spätdyskinesien bewegen sich – vor allem im Zusammenhang mit innerer Erregung – die Muskeln von Mund, Zunge und Gesicht ununterbrochen, ohne dass sich das gezielt steuern lässt. Das ständige Schmatzen, Schnalzen und Kauen belastet vor allem die Menschen in der Umgebung, selten die Erkrankten selbst.

Unter welchen Voraussetzungen solche Spätdyskinesien auftreten, ist noch nicht hinreichend erforscht. Es scheint, als sei das Risiko für ältere Personen, insbesondere ältere Frauen, deutlich erhöht. Vermutlich treten diese Störungen häufiger auf, je länger die Behandlung dauert und je höher das Neuroleptikum dosiert ist. Ob die Bewegungsstörungen wieder vergehen oder bestehen bleiben, scheint ebenfalls von diesen Faktoren abhängig zu sein. Allerdings können sich diese Bewegungsstörungen bei besonders empfindlichen Personen auch schon nach kurzer Behandlungszeit und bei geringer Dosierung entwickeln.

Die Behandlung mit Neuroleptika kann die Symptome einer beginnenden Bewegungsstörung zunächst verbergen. Die Störung tritt erst dann in Erscheinung, wenn das Neuroleptikum abgesetzt wird. Bei einigen Vertretern der atypischen Neuroleptika ist das Risiko für Bewegungsstörungen geringer.

Im Laufe der Behandlung kann sich eine durch das Medikament bedingte Depression einstellen. Auf eine solche zusätzliche Gemütskrankheit sollten am ehesten die Angehörigen aufmerksam werden. Dann muss die Behandlung geändert und eventuell zusätzlich ein Antidepressivum eingenommen werden.

Sofort zum Arzt

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen. Mit einer solchen lebensbedrohlichen Allergie ist bei etwa 1 von 1 000 Personen zu rechnen.

Das Mittel kann die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind: eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

Wenn Sie innerhalb der ersten acht Behandlungswochen grippeartige Beschwerden bekommen, sich längere Zeit abgeschlagen und müde fühlen und Halsschmerzen und Fieber auftreten, kann es sich um eine Blutbildveränderung handeln, die bedrohlich werden kann. Derartiges tritt bei 1 bis 10 von 10 000 Behandelten auf. Sie müssen dann umgehend den Arzt aufsuchen und das Blutbild kontrollieren lassen.

Wenn Bewegungs- und Bewusstseinsstörungen gleichzeitig mit hohem Fieber auftreten und eventuell noch Herzrasen, schnelles Atmen und Atemnot, Speichelfluss und Schwitzen hinzukommen, kann es sich um das lebensbedrohliche maligne neuroleptische Syndrom handeln. Da Fiebermittel nicht sicher wirken, sollte die erhöhte Temperatur mit Wadenwickeln oder Kühlbädern gesenkt werden. Das Mittel muss abgesetzt und sofort der Notarzt (Telefon 112) gerufen werden. Der Kranke braucht eine intensivmedizinische Behandlung.

Eine Behandlung mit Neuroleptika kann zu einer Thrombose in den tiefen Beinvenen führen, die eine lebensbedrohliche Lungenembolie nach sich ziehen kann. Das Risiko steigt, wenn Sie wenig trinken, übergewichtig sind und rauchen. Für Frauen kommt als Risikofaktor die Anwendung von hormonellen empfängnisverhütenden Mitteln hinzu. Bei Schmerzen in der Leistenbeuge und Kniekehle, zusammen mit einem Schwere- und Stauungsgefühl in den Beinen sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Gibt es stechende Schmerzen im Brustkorb, verbunden mit Atemnot, sollten Sie sich sofort mit einem Arzt in Verbindung setzen.

Bei diesem Wirkstoff können seltene, aber möglicherweise lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen, die Torsade de pointes auftreten, die unbehandelt zum plötzlichen Herztod führen können. Besonders gefährdet für diese Rhythmusstörung sind Patienten, die bereits Arzneimittel einnehmen müssen, die typische Auswirkungen auf die Reizleitung am Herzen (QT-Verlängerung) haben.

Bei Haloperidol tritt diese Nebenwirkung vor allem auf, wenn das Mittel injiziert wird.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Für Haloperidol liegen gut dokumentierte Erfahrungen zur Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit vor.

Grundsätzlich gilt: Neuroleptika sollten in der Schwangerschaft generell nur eingesetzt werden, wenn es unbedingt erforderlich ist. Es ist nicht sicher auszuschließen, dass Neuroleptika die Entwicklung des ungeborenen Kindes beeinträchtigen. Eltern, die sich daher über die Entwicklung ihres Kindes vor der Geburt möglichst genau informieren wollen, können dazu spezielle Ultraschalluntersuchungen machen lassen.

Wenn Sie im letzten Schwangerschaftsdrittel ein klassisches Neuroleptikum eingenommen haben, kann das Baby nach der Geburt Entzugssymptome zeigen. Dazu gehören eine verstärkte oder verringerte Muskelspannung, Zittern, Schläfrigkeit, Atemnot und Probleme beim Trinken.

Da die Mittel in die Muttermilch übergehen, sollten Sie während der Therapie besser nicht stillen. Wenn Sie trotz einer Behandlung mit Haloperidol stillen wollen, sollten Sie sehr aufmerksam sein, ob Ihnen bei Ihrem Baby etwas Ungewöhnliches auffällt.

Haloperidol kann den Milchfluss erhöhen, das Abstillen ist dann schwierig.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren können entsprechend den Angaben der Hersteller mit Haloperidol behandelt werden. Allerdings liegen insgesamt für diese Patientengruppe nur begrenzte Daten zu Wirksamkeit und Verträglichkeit vor. Das Mittel sollte daher nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und in niedriger Dosierung eingesetzt werden.

Für ältere Menschen

Haloperidol (in einer Dosierung von mehr als 2 Milligramm pro Tag) ist für ältere Menschen eher unangebracht, weil dann besonders häufig belastende Nebenwirkungen zu erwarten sind. Näheres hierzu lesen Sie in der Einleitung unter Hinweise für ältere Menschen.

Stattdessen können Melperon oder Pipamperon eingesetzt werden, wenn Arzneimittel mit dämpfender Komponente notwendig sind. Ist keine Dämpfung erforderlich, kann das atypische Neuroleptikum Risperidon eine Alternative sein.

Ältere Menschen reagieren auf Neuroleptika recht empfindlich. Ihr Risiko für unerwünschte Wirkungen am Herzen steigt, Bewegungsstörungen als Spätfolge der Behandlung treten besonders häufig auf. Sie dürfen daher nur mit einer deutlich verringerten Dosis behandelt werden. Das gilt ganz besonders, wenn sie gleichzeitig andere Arzneimittel einnehmen.

Neue Studienergebnisse weisen darauf hin, dass ältere Menschen bei der Behandlung mit Antipsychotika ein erhöhtes Risiko haben, eine Lungenentzündung zu bekommen. Diese verlief bei einem Viertel der Betroffenen tödlich. In der ersten Einnahmewoche ist die Gefahr besonders groß und sie steigt mit der Dosierung des Neuroleptikums. Besonders gefährdet sind Personen, die ihre Wohnung nicht eigenständig verlassen können, chronische Erkrankungen haben oder bestimmte Medikamente einnehmen. Über die Ursachen dieser Zusammenhänge ist man sich noch nicht im Klaren. Möglicherweise liegt es daran, dass das Medikament zu Schluckstörungen führt und dadurch vermehrt Fremdstoffe in die Lunge gelangen, die Entzündungen verursachen können.

Bei älteren Menschen mit Demenz, die gleichzeitig eine Psychose haben, scheint die Behandlung mit Neuroleptika das Risiko für einen Schlaganfall und vorzeitigen Tod zu erhöhen. Sie sollten daher mit diesen Medikamenten nur behandelt werden, wenn es sich um eine schwere Psychose handelt, die die Betroffenen erheblich beeinträchtigt, und wenn eine regelmäßige ärztliche Begleitung gewährleistet ist. Werden die Mittel eingesetzt, um starke Unruhe oder aggressives Verhalten bei dementen Personen abzumildern, ist dies – wenn überhaupt – nur für kurze Zeit zu vertreten. Für diesen Einsatz ist der Nutzen einer Daueranwendung nicht nachgewiesen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Wenn Sie durch Haloperidol müde werden oder Ihre Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt ist – das passiert besonders häufig zu Beginn der Behandlung oder bei höheren Dosierungen –, kann die Fähigkeit deutlich eingeschränkt sein, aktiv am Verkehr teilzunehmen, Maschinen zu bedienen und Arbeiten ohne sicheren Halt zu verrichten. Dasselbe gilt, wenn der Blutdruck durch Haloperidol erheblich sinkt.

Akut Psychosekranke dürfen nicht Auto fahren. Das ist allenfalls denkbar, nachdem Sie bei einer Dauerbehandlung mit nicht dämpfenden Medikamenten über einen längeren Zeitraum psychosefrei waren und zudem keine Bewegungsstörungen aufweisen. Wie lange eine Fahreignung ausgesetzt werden muss, richtet sich nach Schwere des akuten Schubes und dessen Prognose. Sobald Störungen wie Wahn, Halluzination oder geistige Einschränkungen das Realitätsurteil der betroffenen Person nicht mehr beeinträchtigen, kann ein Arzt die Fahreignung feststellen.

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