Medikamente im Test

Neuroleptikum: Chlorprothixen

Wirkungsweise

Chlorprothixen wird gegen Psychosen eingesetzt. Es gehört zur Gruppe der klassischen Neuroleptika, zu der auch z. B. Haloperidol als Standardmittel gerechnet wird.

Chlorprothixen wirkt schwach antipsychotisch und dämpft stark. Die Wirkung bei Wahn und Halluzinationen setzt im Lauf der ersten Behandlungswoche ein. Chlorprothixen eignet sich vor allem, wenn hochgradige Angst, Unruhe, Erregung und Getriebenheit dominieren und Schlafstörungen behandelt werden müssen.

Chlorprothixen verursacht, wie alle klassischen Neuroleptika, Bewegungsstörungen, in niedriger Dosierung allerdings eher selten. Die antipsychotische Wirksamkeit ist daher mitunter mit extrapyramidal-motorischen Störungen (EPS) als unerwünschter Folge verbunden.

Näheres zur Langzeitbehandlung lesen Sie unter Neuroleptika richtig dosieren.

Ausführliches über die Unterschiede der neuroleptisch wirkenden Stoffe unter Neuroleptika: klassische und atypische Wirkstoffe.

Anwendung

Bei einer Behandlung mit Chlorprothixen wird mit einer niedrigen Dosis begonnen und entsprechend der Krankheitszeichen langsam oder schneller gesteigert. Chlorprothixen dämpft stark und macht sehr müde. Die beruhigende und angstlösende Wirkung setzt sofort ein, doch bis sich die psychotischen Denkinhalte abschwächen, können ein bis drei Wochen vergehen.

Spätestens nach sechs Wochen sollte das Mittel ausreichend wirken. Wenn nicht, wird entweder die Dosis erhöht oder zu einem Neuroleptikum aus einer anderen chemischen Gruppe gewechselt. Insgesamt sprechen etwa 70 von 100 Kranken auf die Behandlung an. Wer nicht dazugehört, lässt sich nicht vorhersagen.

Der Arzt muss vor der Behandlung und während der gesamten Behandlungszeit mit Chlorprothixen regelmäßig das Blut sowie die Herztätigkeit mittels EKG untersuchen. So lassen sich unerwünschte Wirkungen auf das Herz und blutbildende Zellen frühzeitig erkennen. Zudem sollten während der Behandlung regelmäßig die Leber- und Nierenwerte überprüft werden.

Achtung

Chlorprothixen kann die Haut empfindlicher für UV-Strahlen machen. Vermeiden Sie deshalb Sonnenbäder und Solarien.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Chlorprothixen besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie haben eine schwere Blutbildungsstörung.
  • Ein Neuroleptikum hat bei Ihnen bereits einmal parkinsonähnliche Bewegungsstörungen oder ein malignes neuroleptisches Syndrom ausgelöst. Dann kommen zur Behandlung von Schizophrenien nur atypische Neuroleptika infrage, die als "geeignet" beurteilt werden, z. B. Clozapin.
  • Sie sind von Parkinsonkrankheit betroffen. Durch Neuroleptika können sich die Krankheitssymptome verschlimmern.
  • Sie haben Herzrhythmusstörungen, weil die Impulse, die das Herz zu seiner Tätigkeit anregen, nicht richtig weitergeleitet werden, oder Ihr Herz schlägt ungewöhnlich langsam (Bradykardie). Wenn Ihr Herz sehr langsam schlägt (weniger als 50 Schläge pro Minute) darf Chlorprothixen nicht angewendet werden.
  • Sie hatten oder haben derzeit einen Herzschaden oder hohen Blutdruck.
  • Der Salz-Wasser-Haushalt des Blutes ist gestört.
  • Sie haben viel zu niedrigen Blutdruck.
  • Sie haben Epilepsie. Durch Neuroleptika können Krampfanfälle ausgelöst werden.
  • Sie haben Brustkrebs oder einen Tumor, dessen Wachstum durch das Hormon Prolaktin begünstigt wird.
  • Ihre Leber- oder Nierenfunktion ist gestört.
  • Sie können Ihre Blase nicht vollständig entleeren, bei Männern z. B. weil Ihre Prostata vergrößert ist.
  • Der Übergang vom Magen zum Darm ist verengt (Pylorusstenose).
  • Sie haben ein Engwinkelglaukom (grüner Star).
  • Sie haben Depressionen oder neigen zu einer solchen Störung. Dann können Neuroleptika die positive Wirkung eines Antidepressivums einerseits verstärken, sie können aber auch eine neue depressive Episode auslösen oder den bestehenden Zustand verschlechtern.
  • Sie leiden an Myasthenia gravis, einer Erkrankung, bei der die Nervenimpulse nicht richtig auf die Muskeln übertragen werden.
  • Sie sind bettlägerig oder haben aus anderen Gründen ein erhöhtes Risiko für eine Thrombose.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Werden bei einer Behandlung mit Neuroleptika zusätzlich Anticholinergika (bei Parkinsonkrankheit) oder trizyklische Antidepressiva (bei Depressionen) eingenommen, können die Nebenwirkungen der zusätzlichen Medikamente verstärkt auftreten. Zu diesen unerwünschten Wirkungen gehören unter anderem Mundtrockenheit, Harnverhalten und Sehstörungen. Möglicherweise kann auch ein Delir ausgelöst werden. Zu dessen Symptomen gehören Halluzinationen, Herzrasen, Zittern, Desorientiertheit, Gleichgewichtsstörungen und Krampfanfälle.
  • Einige Medikamente verlangsamen den Abbau von Neuroleptika. Hierzu gehören SSRI wie Fluoxetin und Paroxetin (bei Depressionen). Werden Neuroleptika mit solchen Mitteln gemeinsam eingenommen, können Nebenwirkungen verstärkt auftreten. Dann sollte der Arzt gegebenenfalls die Dosierungen anpassen.
  • Schmerz-, Schlaf- und Beruhigungsmittel können die dämpfende Wirkung von Neuroleptika so verstärken, dass Bewusstsein, Bewegungen und Atmung ernsthaft beeinträchtigt werden.
  • Die blutdrucksenkende Wirkung von Arzneimitteln und die der Neuroleptika können sich gegenseitig verstärken. Das gilt auch, wenn die Blutdrucksenkung eine unerwünschte Wirkung eines Arzneimittels ist.
  • Insbesondere bei älteren Menschen kann die gleichzeitige Anwendung von klassischen Neuroleptika und Lithium (bei manisch-depressiven Erkrankungen) das Risiko für Bewegungsstörungen (Spätdyskinesien) erhöhen.
  • Alizaprid und Metoclopramid kann die durch Neuroleptika verursachten Bewegungsstörungen verstärken; unter Umständen können dann Zungen- und Schlundkrämpfe auftreten.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Mit Alkohol dürfen Sie Chlorprothixen nicht einnehmen. Neuroleptika verstärken die dämpfende Wirkung von Alkohol auf das zentrale Nervensystem. Bei der Kombination beider können Bewusstsein, Bewegungen und Atmung ernsthaft beeinträchtigt sein.

Nebenwirkungen

Viele unerwünschte Wirkungen schwächen sich im Laufe der Behandlung ab, andere nehmen mit der Dauer der Behandlung zu. Das gilt insbesondere für Bewegungsstörungen (Spätdyskinesien). Demgegenüber können beim abrupten Absetzen der Mittel Beschwerden auftreten, die auf der fehlenden Medikamentenwirkung beruhen.

Keine Maßnahmen erforderlich

Müdigkeit tritt bei bis zu 80 von 100 Behandelten auf, vor allem zu Beginn der Therapie.

Bei etwa 10 von 100 Personen fühlt sich der Mund trocken an und die Nase ist verstopft. Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung können auftreten.

Muss beobachtet werden

Bei Frauen können Menstruationsstörungen auftreten und die Brustdrüse kann Milch absondern (Galactorrhö).

Viele Behandelte nehmen an Gewicht zu, was die Gefahr erhöht, einen Diabetes zu entwickeln.

Sie können Schwierigkeiten beim Wasserlassen bekommen.

Die Sexualität ist beeinträchtigt: Das Interesse an Sex verringert sich, es tritt kein Orgasmus mehr ein. Bei Männern lässt die Erektionsfähigkeit nach, bei Frauen die Produktion von Scheidenflüssigkeit. All diese Veränderungen sollten Sie dem Arzt mitteilen.

Sie fühlen sich benommen, Ihr Denken ist verlangsamt und Ihr Gedächtnis beeinträchtigt. Dann sollte der Arzt die Dosierung des Mittels überprüfen.

Wenn Ihnen beim Aufstehen aus dem Liegen schwindlig wird, kann der Auslöser sein, dass der Blutdruck abgesunken ist. Das sollten Sie dem Arzt mitteilen. Wenn der Schwindel auch in anderen Situationen auftritt, sollte der Arzt eventuell ein EKG machen. Bei älteren Menschen und solchen, deren Herz bereits geschädigt ist, können diese Symptome darauf hinweisen, dass die Erregungsleitung des Herzens gestört ist. Näheres hierzu finden Sie unter Herzrhythmusstörungen.

Es können Leberschäden auftreten. Daher sollte der Arzt regelmäßig die Leberwerte kontrollieren. Selten kommt es vor, dass die Galle nicht mehr abfließt und sich eine Gelbsucht entwickelt. Meist vergeht das folgenlos, sobald das Medikament abgesetzt wird.

Die gravierendste unerwünschte Wirkung der Behandlung mit klassischen Neuroleptika sind Bewegungsstörungen. Sie treten etwa bei einem bis 10 von 100 Personen auf. Sie können in verschiedenen Phasen der Behandlung beginnen und unterscheiden sich darin, welche Bewegungen auf welche Weise gestört sind.

Zu Beginn der Therapie und wenn die Dosierung plötzlich gesteigert werden muss, treten Bewegungen auf, die nicht willentlich zu beeinflussen sind (Frühdyskinesie): Die Zunge wird krampfartig herausgestreckt, der Kopf in den Nacken geworfen, Blick und Kaumuskulatur verkrampfen sich. Darauf sollte der Arzt unbedingt aufmerksam gemacht werden. Er kann dann zusätzlich den Wirkstoff Biperiden verordnen, durch den diese Erscheinungen verschwinden. Wird die Dosierung der Neuroleptika später langsam gesteigert, treten solche Symptome meist nicht mehr auf.

Schon nach ein bis zwei Wochen, teilweise aber auch erst nach mehreren Monaten, können sich parkinsonähnliche Beschwerden einstellen (Parkinsonoid, pharmakogenes Parkinsonsyndrom): Tätigkeiten, für die ein fein abgestimmtes Muskelspiel notwendig ist, lassen sich nicht mehr ausführen. Die Bewegungen werden zittrig, die Schritte klein, die Mimik starr. Diese Wirkung lässt sich ebenfalls mit Biperiden behandeln. Gleichzeitig muss aber die Dosierung des Neuroleptikums überprüft werden, denn eine Dauerbehandlung mit Biperiden kann die antipsychotische Wirkung der Neuroleptika verringern und beschleunigt die Entstehung der irreversiblen Bewegungsstörungen noch. Deshalb sollte der Arzt immer wieder versuchen, Biperiden abzusetzen oder die Dosierung des Neuroleptikums zu verringern.

Zu den parkinsonähnlichen Störungen kann eine sehr quälende Unruhe hinzukommen: Die Betroffenen können nicht still sitzen bleiben, sie müssen sich fortgesetzt bewegen (Akathisie). Hier kann versucht werden, ob sich das durch eine geringere Dosierung legt. Manchmal hilft es auch, zu Clozapin zu wechseln oder zusätzlich den Betablocker Propranolol zu verordnen.

Nach mehrjähriger Neuroleptikabehandlung, manchmal sogar erst nach ihrem Ende, können weitere Bewegungsstörungen auftreten. Bei diesen Spätdyskinesien bewegen sich – vor allem im Zusammenhang mit innerer Erregung – die Muskeln von Mund, Zunge und Gesicht ununterbrochen, ohne dass sich das gezielt steuern lässt. Das ständige Schmatzen, Schnalzen und Kauen belastet vor allem die Menschen in der Umgebung, selten die Erkrankten selbst.

Unter welchen Voraussetzungen solche Spätdyskinesien auftreten, ist noch nicht hinreichend erforscht. Es scheint, als sei das Risiko für ältere Personen, insbesondere ältere Frauen, deutlich erhöht. Vermutlich treten diese Störungen häufiger auf, je länger die Behandlung dauert und je höher das Neuroleptikum dosiert ist. Ob die Bewegungsstörungen wieder vergehen oder bestehen bleiben, scheint ebenfalls von diesen Faktoren abhängig zu sein. Allerdings können sich diese Bewegungsstörungen bei besonders empfindlichen Personen auch schon nach kurzer Behandlungszeit und bei geringer Dosierung entwickeln.

Die Behandlung mit Neuroleptika kann die Symptome einer beginnenden Bewegungsstörung zunächst verbergen. Die Störung tritt erst dann in Erscheinung, wenn das Neuroleptikum abgesetzt wird.

Im Laufe der Behandlung kann sich eine durch das Medikament bedingte Depression einstellen. Auf eine solche zusätzliche Gemütskrankheit sollten am ehesten die Angehörigen aufmerksam werden. Dann muss die Behandlung geändert und eventuell zusätzlich ein Antidepressivum eingenommen werden.

Sofort zum Arzt

Wenn starker Hautausschlag, Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel auftreten, müssen Sie die Anwendung sofort stoppen und unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen. Mit einer solchen lebensbedrohlichen Allergie ist bei etwa 1 von 1 000 Personen zu rechnen.

Wenn Sie innerhalb der ersten acht Behandlungswochen grippeartige Beschwerden bekommen, sich längere Zeit abgeschlagen und müde fühlen und Halsschmerzen und Fieber auftreten, kann es sich um eine Blutbildveränderung handeln, die bedrohlich werden kann. Derartiges tritt bei 1 bis 10 von 10 000 Behandelten auf. Sie müssen dann umgehend den Arzt aufsuchen und das Blutbild kontrollieren lassen.

Wenn Bewegungs- und Bewusstseinsstörungen gleichzeitig mit hohem Fieber auftreten und eventuell noch Herzrasen, schnelles Atmen und Atemnot, Speichelfluss und Schwitzen hinzukommen, kann es sich um das lebensbedrohliche maligne neuroleptische Syndrom handeln. Da Fiebermittel nicht sicher wirken, sollte die erhöhte Temperatur mit Wadenwickeln oder Kühlbädern gesenkt werden. Das Mittel muss abgesetzt und sofort der Notarzt (Telefon 112) gerufen werden. Der Kranke braucht eine intensivmedizinische Behandlung.

Eine Behandlung mit Neuroleptika kann zu einer Thrombose in den tiefen Beinvenen führen, die eine lebensbedrohliche Lungenembolie nach sich ziehen kann. Das Risiko steigt, wenn Sie wenig trinken, übergewichtig sind und rauchen. Für Frauen kommt als Risikofaktor die Anwendung von hormonellen empfängnisverhütenden Mitteln hinzu. Bei Schmerzen in der Leistenbeuge und Kniekehle, zusammen mit einem Schwere- und Stauungsgefühl in den Beinen sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Gibt es stechende Schmerzen im Brustkorb, verbunden mit Atemnot, sollten Sie sich sofort mit einem Arzt in Verbindung setzen.

Schwindel, Herzstolpern und plötzliche Bewusstlosigkeit können Zeichen einer schweren, lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörung, der Torsade de pointes, sein, die Herzversagen nach sich ziehen kann. Bei solchen Beschwerden sollten Sie unverzüglich einen Arzt rufen. Diese Nebenwirkung ist bei anderen klassischen Neuroleptika aufgetreten und kann auch für Chlorprothixen nicht ausgeschlossen werden. Das Risiko für eine solche Störung steigt mit der Dosierung und dem Alter des Patienten an und ist bei Frauen größer als bei Männern.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren können entsprechend den Angaben der Hersteller mit klassischen Neuroleptika behandelt werden. Allerdings liegen insgesamt für diese Patientengruppe nur begrenzte Daten zu Wirksamkeit und Verträglichkeit vor. Die Mittel sollten daher nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und in niedriger Dosierung eingesetzt werden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Zur Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es für Chlorprothixen kaum Erkenntnisse. Sie sollten es daher sicherheitshalber nicht anwenden. Dokumentierte Erfahrungen zur Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit liegen beispielsweise für Levomepromazin, Flupentixol und Haloperidol vor. Neuroleptika sollten in der Schwangerschaft aber generell nur eingesetzt werden, wenn es unbedingt erforderlich ist. Es ist nicht sicher auszuschließen, dass Neuroleptika die Entwicklung des Kindes beeinträchtigen. Eltern, die sich über die Entwicklung ihres Kindes vor der Geburt möglichst genau informieren wollen, können dazu spezielle Ultraschalluntersuchungen machen lassen.

Wenn Sie im letzten Schwangerschaftsdrittel ein klassisches Neuroleptikum eingenommen haben, kann das Baby nach der Geburt Entzugssymptome zeigen. Dazu gehören eine verstärkte oder verringerte Muskelspannung, Zittern, Schläfrigkeit, Atemnot und Probleme beim Trinken.

Da das Mittel in die Muttermilch übergeht, sollten Sie während der Therapie besser nicht stillen. Wenn Sie trotz einer Behandlung mit Neuroleptika stillen wollen, sollten Sie sehr aufmerksam beobachten, ob Ihnen bei Ihrem Baby etwas Ungewöhnliches auffällt.

Chlorprothixen kann den Milchfluss erhöhen, das Abstillen ist dann schwieriger.

Für ältere Menschen

Ältere Menschen reagieren auf Neuroleptika recht empfindlich. Ihr Risiko für unerwünschte Wirkungen am Herzen steigt, Bewegungsstörungen als Spätfolge der Behandlung treten besonders häufig auf. Sie dürfen daher nur mit einer deutlich verringerten Dosis behandelt werden. Das gilt ganz besonders, wenn sie gleichzeitig andere Arzneimittel einnehmen.

Neue Studienergebnisse weisen darauf hin, dass ältere Menschen bei der Behandlung mit Antipsychotika ein erhöhtes Risiko haben, eine Lungenentzündung zu bekommen. Diese verlief bei einem Viertel der Betroffenen tödlich. In der ersten Einnahmewoche ist die Gefahr besonders groß und sie steigt mit der Dosierung des Neuroleptikums. Besonders gefährdet sind Personen, die ihre Wohnung nicht eigenständig verlassen können, chronische Erkrankungen haben oder bestimmte Medikamente einnehmen. Über die Ursachen dieser Zusammenhänge ist man sich noch nicht im Klaren. Möglicherweise liegt es daran, dass das Medikament zu Schluckstörungen führt und dadurch vermehrt Fremdstoffe in die Lunge gelangen, die Entzündungen verursachen können.

Bei älteren Menschen mit Demenz, die gleichzeitig eine Psychose haben, scheint die Behandlung mit Neuroleptika das Risiko für einen Schlaganfall und vorzeitigen Tod zu erhöhen. Sie sollten daher mit diesen Medikamenten nur behandelt werden, wenn es sich um eine schwere Psychose handelt, die die Betroffenen erheblich beeinträchtigt, und wenn eine regelmäßige ärztliche Begleitung gewährleistet ist. Werden die Mittel eingesetzt, um starke Unruhe oder aggressives Verhalten bei dementen Personen abzumildern, ist dies – wenn überhaupt – nur für kurze Zeit zu vertreten. Für diesen Einsatz ist der Nutzen einer Daueranwendung nicht nachgewiesen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Chlorprothixen kann die Reaktionsfähigkeit soweit beeinträchtigen, dass die Fähigkeit deutlich eingeschränkt ist, aktiv am Verkehr teilzunehmen, Maschinen zu bedienen und Arbeiten ohne sicheren Halt zu verrichten. Dasselbe gilt, wenn der Blutdruck durch das Medikament erheblich sinkt.

Allerdings dürfen akut Psychosekranke ohnehin nicht Auto fahren. Das ist allenfalls denkbar, nachdem sie bei einer Dauerbehandlung mit gering dosierten Substanzen, die nicht dämpfend wirken, lange Zeit psychosefrei waren und zudem keine Bewegungsstörungen aufweisen.

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