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Natriumperchlorat

Wirkungsweise

Die Aufnahme von Jod in die Schilddrüse wird durch Perchlorate – hier in Form des Natriumsalzes als Natriumperchlorat – gehemmt und damit eine Schilddrüsenüberfunktion positiv beeinflusst. Nach der Gabe von Natriumperchlorat kann die Drüse keine Hormone mehr bilden.

Die Anwendung von Perchlorat birgt ein beträchtliches Risiko für schwerwiegende Störungen der Blutbildung. Aufgrund dieser Gefahr und der Tatsache, dass weniger problematische Arzneimittel zur Verfügung stehen, wird Perchlorat nur noch in ganz speziellen Notsituationen angewendet, z. B. als Therapie, wenn Amiodaron (bei Herzrhythmusstörungen) eine lebensbedrohliche Schilddrüsenüberfunktion ausgelöst hat.

Ein anderer Grund Natriumperchlorat einzusetzen, kann eine notwendige Röntgenkontrastaufnahme sein. Wenn bei einer Person, bei der jodhaltige Arzneimittel eine gefährliche thyreotoxische Krise auslösen können, dennoch eine Röntgenaufnahme mit einem jodhaltigen Kontrastmittel gemacht werden muss, wird Perchlorat zusammen mit anderen schilddrüsenhemmenden Medikamenten eingesetzt. Dann kann die Schilddrüse keine gefährlich große Hormonmenge bilden.

Perchlorat könnte auch angewendet werden, wenn die sonst gebräuchlichen Mittel zur Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion (Mercaptoimidazole) nicht eingesetzt werden können oder nicht vertragen werden. Allerdings bevorzugt man dann wegen der möglichen unerwünschten Wirkungen des Perchlorats eher eine Radiojodtherapie.

Obwohl es über Perchlorat bereits seit mehr als 60 Jahren wissenschaftliche Literatur gibt, wurden mit diesem Wirkstoff kaum klinische Studien durchgeführt. Diese schlechte Datenlage, die bekannten gravierenden unerwünschten Wirkungen und die zur Verfügung stehenden sichereren Behandlungsmöglichkeiten führen dazu, das Mittel als "wenig geeignet" zu bewerten.

Anwendung

Um auf eine mögliche Blutbildungsstörung aufmerksam zu werden, sollte der Arzt zu Beginn einer Dauerbehandlung in kurzen Zeitabständen ein Blutbild machen. Wird die Behandlung fortgesetzt, sind vierteljährliche Kontrollen angebracht.

Achtung

Durch Perchlorat werden radioaktive Wirkstoffe nicht mehr ausreichend in die Schilddrüse aufgenommen. Mindestens drei Tage vor einer Untersuchung der Schilddrüse mit radioaktiv markierten Stoffen (Szintigrafie) oder einer Radiojodbehandlung müssen Präparate mit Perchlorat abgesetzt werden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Natriumperchlorat nicht anwenden:

  • Sie haben einen Kropf, der sich bis unter das Brustbein ausgedehnt hat.
  • Bei einer früheren Behandlung mit Perchlorat hat sich bereits einmal eine Blutbildveränderung eingestellt.
  • Sie nehmen eine hohe Dosis Jodid ein, um Ihre Schilddrüse auf eine bevorstehende Operation vorzubereiten.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • In Kombination mit anderen schilddrüsenhemmenden Wirkstoffen verstärkt Perchlorat die bremsende Wirkung auf die Schilddrüse.
  • Jodhaltige Arzneimittel, wie z. B. jodhaltige Röntgenkontrastmittel, verringern die Wirkung von Perchlorat.
  • Durch Natriumperchlorat können die gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden, schwächer wirken. Bei einer Änderung der Natriumperchlorat-Dosierung sollten Sie die Gerinnungszeit des Blutes entweder selbst kontrollieren oder vom Arzt überprüfen lassen.

Nebenwirkungen

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Es können vorübergehende Hautrötungen auftreten sowie Beschwerden im Magen-Darm-Bereich wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Muss beobachtet werden

Eine heisere Stimme, trockene Haut und ein trockenes Gefühl im Mund können Zeichen dafür sein, dass das Mittel zu hoch dosiert ist. Dasselbe gilt, wenn sich ein Kropf bildet oder ausdehnt. Suchen Sie dann einen Arzt auf und lassen Sie den Wirkstoffgehalt im Blut überprüfen.

Das Blutbild kann sich verändern. Wie ausgeprägt das ist, hängt davon ab, wie lange das Mittel eingenommen wird.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen. Solche Reaktionen zeigen sich bei etwa 1 von 100 Behandelten.

Bei 1 bis 10 von 10 000 Behandelten tritt eine Nierenschädigung auf. Anzeichen dafür können vermehrte Wassereinlagerungen sein. Morgens bemerken Sie diese vor allem am Oberkörper oder Ihre Augenlider sind geschwollen. Tagsüber werden insbesondere die Beine dicker. Wenden Sie sich bei solchen Symptomen an einen Arzt.

Sofort zum Arzt

Das Mittel kann die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind: eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen. Bei 1 bis 10 von 10 000 Behandelten treten solche Ereignisse auf.

Wenn Sie grippeartige Beschwerden haben, sich längere Zeit abgeschlagen und müde fühlen und Halsschmerzen und Fieber auftreten, Sie Blutergüsse und blaue Flecke bemerken, kann es sich um eine Blutbildungsstörung handeln. Sie tritt nur vereinzelt auf, kann aber bedrohlich werden. Sie müssen dann umgehend den Arzt aufsuchen und das Blutbild kontrollieren lassen.

Geht das Fieber mit einem knotigen Hautausschlag einher, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen, da es sich um eine Abwehrreaktion des Körpers auf den Wirkstoff handeln kann.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Perchlorat passiert die Plazenta und erreicht das ungeborene Kind. Möglicherweise reagiert dessen Schilddrüse empfindlicher auf diesen Wirkstoff als die Schilddrüse Erwachsener. In der Literatur finden sich auch Hinweise, dass sich Perchlorat bei hoher Dosierung auf die geistige Entwicklung des Kindes negativ auswirken könnte. Aus diesem Grund sollten Sie in der Schwangerschaft kein Perchlorat einnehmen.

Ob und in welcher Menge Natriumperchlorat in die Muttermilch übergeht, ist unbekannt. Wenn Sie während der Stillzeit Perchlorat einnehmen müssen, sollten Sie sicherheitshalber abstillen.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Das Mittel kann Kindern über sechs Jahren gegeben werden.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs