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Muskelrelaxans: Tizanidin

Wirkungsweise

Tizanidin verringert die Muskelspannung. Es greift an den Schaltstellen im zentralen Nervensystem an und verhindert, dass die Nervenimpulse, die die Muskeln zur Aktivität anregen, umgesetzt werden.

Da Studien eine therapeutische Wirksamkeit von Tizanidin bei spastisch bedingten Muskelverspannungen belegen, wird die Substanz als "geeignet" angesehen, um solche Begleiterscheinungen schwerer Krankheiten zu behandeln.

Anwendung

Die Tagesdosierung liegt bei schmerzhaften akuten Muskelverspannungen üblicherweise zwischen sechs und zwölf Milligramm Tizanidin, die auf drei bis vier Portionen verteilt eingenommen werden. Eine höhere Dosierung bis zur Maximaldosis von 36 Milligramm ist der Behandlung von Muskelverspannungen vorbehalten, die auf Nervenstörungen wie multipler Sklerose, Gehirn- oder Rückenmarkerkrankungen beruhen.

Nach drei bis sieben Tagen kann der Arzt entscheiden, ob die anfängliche Dosierung ausreicht oder gesteigert werden muss. Wenn das Mittel nach längerer Behandlungsdauer abgesetzt werden soll, muss die Dosierung langsam reduziert werden. Ansonsten kann es zu einem deutlichen Blutdruckanstieg und schweren Herzrhythmusstörungen kommen.

Haben Sie eine Herz-Kreislauf-Schwäche oder eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, muss der Arzt die Funktionen von Herz und Kreislauf in kurzen Abständen kontrollieren.

Ist die Tätigkeit Ihrer Leber oder der Nieren eingeschränkt, muss der Arzt die Dosierung anpassen und die Funktionen dieser Organe regelmäßig kontrollieren. Die Leberfunktion sollte vor allem in den ersten vier Behandlungsmonaten alle vier Wochen überprüft werden, insbesondere wenn Beschwerden wie Übelkeit, Müdigkeit und Gewichtsabnahme auftreten.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie kein Tizanidin anwenden:

  • Die Funktion Ihrer Leber ist deutlich gestört.
  • Sie nehmen Fluvoxamin (bei Depressionen) oder Ciprofloxacin (bei bakteriellen Infektionen) ein.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie leiden an Myasthenia gravis, einer Autoimmunerkrankung, bei der die Nervenimpulse nicht richtig auf die Muskeln übertragen werden.
  • Ihr Herz wird aufgrund einer koronaren Herzkrankheit nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt oder Sie haben niedrigen Blutdruck.
  • Sie leiden an Epilepsie.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Tizanidin kann die dämpfende Wirkung von Arzneimitteln, die auf das zentrale Nervensystem wirken, verstärken. Zu diesen gehören z. B. Mittel bei Angststörungen und Depressionen sowie Schlafmittel.
  • Tizanidin kann die Wirkung von blutdrucksenkenden Mitteln verstärken.

Unbedingt beachten

Tizanidin darf nicht gemeinsam mit Fluvoxamin (bei Depressionen) oder Ciprofloxacin (bei bakteriellen Infektionen) angewendet werden, weil sich Tizanidin durch diese Wirkstoffe im Körper stark anreichern kann. Dann können verstärkt unerwünschte Wirkungen auftreten, beispielsweise starker Blutdruckabfall, verlangsamter Herzschlag, trockener Mund, Müdigkeit, Schläfrigkeit und Schwindel.

Ähnliche Symptome können bei der gemeinsamen Anwendung von Tizanidin und Amiodaron oder Propafenon (beide bei Herzrhythmusstörungen), Cimetidin (bei Sodbrennen), Enoxazin oder Norfloxacin (beide bei bakteriellen Infektionen), der Pille zur Empfängnisverhütung oder Ticlopidin (bei erhöhter Thrombosegefahr) auftreten. Auf eine gemeinsame Anwendung sollte daher verzichtet werden.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Alkohol verstärkt die dämpfende Wirkung von Tizanidin.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Bis zu 10 von 100 Anwendern fühlen sich müde, haben einen trockenen Mund, empfinden  Schwindel und bemerken einen abgesunkenen Blutdruck.

Bei etwa 10 von 100 Personen treten Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen auf.

Mit der gleichen Häufigkeit können Akkommodationsstörungen eintreten, dann können sich die Augen schlecht auf verschiedene Sehabstände einstellen. Das kommt besonders häufig vor, wenn Tizanidin hoch dosiert wird.

Muss beobachtet werden

Besonders bei höherer Dosierung wurden Verwirrtheit, Angst und Koordinationsstörungen beobachtet. Je nachdem, wie stark die Beschwerden sind und wie sehr sie Sie beeinträchtigen, sollten Sie rasch oder im Laufe der kommenden Tage einen Arzt aufsuchen.

Durch den Blutdruckabfall kann es zu Herzrasen kommen. In Einzelfällen wurden auch Herzrhythmusstörungen beobachtet. Wenn Sie einen unregelmäßigen Herzschlag bemerken, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Bei 1 bis 10 von 100 000 Behandelten schädigt Tizanidin die Leber. Treten Übelkeit, Erbrechen und dunkel gefärbter Urin auf oder ist der Stuhl auffallend hell, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Tizanidin kann auch schwere Leberschäden hervorrufen. Wenn sich die Haut gelb färbt – möglicherweise begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper –, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen.

Wenn Sie wiederholt befremdliche Dinge sehen und hören, die andere Menschen nicht bemerken (Halluzinationen), sollten Sie den Arzt informieren.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Über die Anwendung von Tizanidin bei Kindern und Jugendlichen gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Sie sollen mit dem Mittel nicht behandelt werden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Über die Anwendung von Tizanidin während Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Das Mittel sollte in dieser Zeit nicht eingenommen werden.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Tizanidin beeinträchtigt die Aufmerksamkeit und kann müde machen. Darum sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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