Medikamente im Test

Muskelrelaxans: Dantrolen

Wirkungsweise

Durch die Wirkung von Dantrolen erreicht der Nervenreiz, der einen Muskel zur Kontraktion anregt, den Muskel nicht mehr. In der Folge mildern sich die Verkrampfungen, die nach Hirn- und Rückenmarkschädigungen auftreten können.

Allerdings sollte die therapeutische Wirksamkeit von Dantrolen bei solchen Verkrampfungszuständen noch besser belegt werden. Da das Medikament schwerwiegende Leberschäden verursachen und Lähmungserscheinungen sogar verschlimmern kann, sollte es nur eingesetzt werden, wenn besser geeignete Mittel nicht infrage kommen. Die Bewertung lautet daher "mit Einschränkung geeignet".

Anwendung

Die optimale Dosierung muss langsam herausgefunden werden. Die Therapie beginnt mit zweimal 25 Milligramm Dantrolen täglich. In der zweiten Woche wird diese Dosis viermal täglich eingenommen. In der dritten Woche folgen dreimal täglich 50 Milligramm, in der vierten Woche viermal täglich 50 Milligramm. Für eine Dauerbehandlung ist das die Höchstdosis.

Die Tagesmenge Dantrolen, bei der die Verkrampfungen optimal gelindert sind und die dauerhaft eingenommen wird, sollte auf vier Portionen im Tagesverlauf aufgeteilt werden, damit das Blut möglichst immer eine gleichmäßige Menge Wirkstoff enthält. So lassen sich die Nebenwirkungen in Grenzen halten.

Ist nach ein bis zwei Monaten kein Behandlungserfolg zu verzeichnen, sollte die Therapie beendet werden.

Weil Dantrolen die Leber schädigen kann, müssen vor Beginn der Therapie die Leberwerte bestimmt und im Laufe der Behandlung regelmäßig kontrolliert werden. Das Risiko für solche Leberstörungen ist erhöht, wenn pro Tag mehr als 300 Milligramm Dantrolen und das Mittel über lange Zeit eingenommen wird. Die Gefahr für Leberstörungen ist ferner besonders groß bei Frauen, Personen über 30 Jahre und solchen, die zusätzlich Arzneimittel einnehmen, die die Leber angreifen, wie beispielsweise Itraconazol (innerlich bei Pilzerkrankungen) und Paracetamol (bei Schmerzen).

Achtung

Dantrolen macht die Haut empfindlicher für den UV-Anteil des Sonnenlichts. Während der Behandlung sollten Sie keine Sonnenbäder nehmen und nicht ins Solarium gehen. Bei starker UV-Strahlung sollten Sie die Haut tagsüber mit Sunblockern schützen. Entsteht dennoch ein Sonnenbrand mit stark geröteter, entzündeter Haut, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen darf Dantrolen nicht angewendet werden:

  • Sie haben eine Lebererkrankung.
  • Ihre Lungenfunktion ist eingeschränkt.
  • Sie haben einen schweren Herzmuskelschaden.
  • Bei Ihnen ist eine verstärkte Muskelanspannung notwendig, damit Sie sich aufrecht oder bei Bewegungen die Balance besser halten können.

Unter folgenden Bedingungen sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abwägen:

  • Es liegt eine amyotrophische Lateralsklerose (AML) vor oder es gibt Symptome von Nervenkrankheiten, die auf einer Schädigung bestimmter Gehirnteile beruhen (Bulbärparalyse). Dantrolen kann die Lähmungen verstärken.
  • Sie haben eine Herzerkrankung, insbesondere eine Schädigung des Herzmuskels oder Herzrhythmusstörungen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten, dass die gleichzeitige Einnahme von dämpfenden Medikamenten wie Benzodiazepinen (bei Angst- und Schlafstörungen, muskulären Verspannungen), Schlafmitteln oder Antihistaminika (bei Allergien) die Nebenwirkungen von Dantrolen verstärken kann. Vor allem die Dämpfung und die Muskelschwäche können dann stärker ausfallen.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

In Kombination mit Alkohol können sich die Nebenwirkungen von Dantrolen verstärken. Dämpfung und Muskelschwäche können dann verstärkt auftreten.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei der Behandlung mit Dantrolen kann es zu vermehrter Schweißbildung kommen. Auch der Tränenfluss kann sich verstärken.

Muss beobachtet werden

Bis zu 10 von 100 Anwendern werden durch Dantrolen müde und fühlen sich kraftlos.

Es können Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie Durchfall oder Verstopfung auftreten. Meist gehen diese Symptome rasch vorüber. Halten sie jedoch an oder verstärken sie sich, sollten Sie einen Arzt kontaktieren.

Bis zu 10 von 1 000 Personen verspüren häufigen Harndrang – manchmal sogar so plötzlich, dass ungewollt Urin abgeht. Von dieser Art Inkontinenz sollten Sie den Arzt in Kenntnis setzen.

Bei einer Dauerbehandlung kann sich die Stimmung bis hin zu Depressionen verschlechtern. Auch Halluzinationen und Irrbilder können auftreten. Über diese Veränderungen sollte ein Arzt informiert werden.

Dantrolen kann eine Entzündung des Herzbeutels oder des Rippenfells hervorrufen. Starke Schmerzen in der Herzgegend oder über den Lungenflügeln weisen darauf hin. Bei einer Rippenfellentzündung verstärkt sich der Schmerz oft beim Atmen und das Luftholen fällt schwer. Durch die Entzündung kann sich außerdem im Herzbeutel und in den Lungengeweben Flüssigkeit einlagern. Das erschwert dem Herzen die Arbeit. In der Folge fühlen Sie sich müde und Ihre körperliche Belastbarkeit nimmt deutlich ab. Solche Symptome müssen Sie rasch einem Arzt mitteilen. Bei derartigen Wassereinlagerungen muss das Medikament abgesetzt werden.

Auffallende Blässe und Müdigkeit können auf eine Blutarmut hindeuten. Diese unerwünschte Wirkung ist bei etwa 1 von 1 000 Anwendern beobachtet worden.

Dantrolen kann den Herzmuskel schwächen und den Herzschlag beschleunigen.

Bei etwa 9 von 100 000 Behandelten schädigt Dantrolen die Leber. Treten Übelkeit, Erbrechen und dunkel gefärbter Urin auf oder ist der Stuhl auffallend hell, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf den Wirkstoff. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Dantrolen kann auch schwere Leberschäden hervorrufen. Wenn sich die Haut gelb färbt – möglicherweise begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper –, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen. Das Risiko für eine Leberschädigung ist besonders groß bei Personen mit einer vorgeschädigten Leber und bei denen, die gleichzeitig andere Arzneimittel einnehmen, die die Leber schädigen können. Das Risiko steigt zudem mit der Höhe der Dosierung, der Dauer der Behandlung, bei Personen über 30 Jahre und ist bei Frauen größer als bei Männern. Dass der Leberschaden schwerwiegend ist, scheint bei Menschen mit multipler Sklerose häufiger vorzukommen. Ältere Menschen mit multipler Sklerose sind besonders gefährdet. 10 bis 20 von 100 betroffenen Personen versterben an dem Leberschaden.

Wenn starker Hautausschlag, Juckreiz, Herzrasen, Atemnot und Schwäche sowie Schwindel auftreten, müssen Sie die Einnahme sofort stoppen und unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen, weil es sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln kann.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Dantrolen sollte nicht bei Kindern unter fünf Jahren angewendet werden, da für diese Altersgruppe keine ausreichenden Erkenntnisse vorliegen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Dantrolen darf in der Schwangerschaft nicht angewendet werden. Bei experimentellen Studien an Tieren hat die Substanz die Nachkommen geschädigt.

Auch während der Stillzeit darf Dantrolen nicht eingesetzt werden, da der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht und unerwünschte Wirkungen auf den Säugling nicht auszuschließen sind.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Dantrolen kann die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Daher sollten Sie während der Behandlung kein Fahrzeug lenken, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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