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Muskelrelaxans: Baclofen

Wirkungsweise

Baclofen ist bei Erkrankungen geeignet, die aufgrund einer gestörten Nervenfunktion eine verstärkte krampfartige Muskelspannung (Spastik) hervorrufen.

Der wichtigste Botenstoff, der im zentralen Nervensystem die Erregung von Nervenzellen hemmt, ist GABA (Gammaaminobuttersäure). Baclofen wirkt wie GABA und verhindert, dass Gehirn und Rückenmark den Muskeln den Auftrag geben, sich stark und anhaltend zusammenzuziehen.

Anwendung

Von Baclofen nehmen Sie im Allgemeinen 30 bis 75 Milligramm täglich ein und verteilen die Dosis auf mindestens zwei Einzelportionen. Wenn Sie die Tabletten zu den Mahlzeiten oder mit Milch einnehmen, sind sie besonders gut verträglich.

Sie beginnen die Behandlung mit einer geringen Dosierung und steigern sie frühestens alle drei Tage um jeweils 5 bis 15 Milligramm. Optimal ist die Dosis, wenn die Verkrampfung so weit wie möglich gelockert ist, gleichzeitig aber die Muskelspannung noch ausreicht, um sich aktiv zu bewegen, und wenn sich die unerwünschten Wirkungen des Mittels in Grenzen halten. Bis sich dieses Verhältnis von Nutzen und Nebenwirkungen beurteilen lässt, können drei und mehr Wochen vergehen.

Verbessert die Behandlung nach sechs bis acht Wochen die Spastik nicht merklich, sollte die Behandlung mit Baclofen nach Rücksprache mit dem Arzt beendet werden.

Wenn Sie eine länger dauernde Therapie beenden, sollten Sie die Dosierung im Verlauf von drei Wochen langsam verringern. Wenn Baclofen nach zwei bis drei Monaten Anwendung abrupt abgesetzt wird, können Symptome wie bei einem Medikamentenentzug auftreten: Konzentrationsstörungen, Verwirrtheit, Erregung, Krampfanfälle, Fieber über 40 °C, Muskelstarre, Herzrasen und hoher Blutdruck.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Baclofen nicht anwenden:

  • Sie leiden an Epilepsie.
  • Ihre Nierenfunktion ist stark eingeschränkt.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken besonders sorgfältig abwägen:

  • Ihre Leber oder die Nieren arbeiten nur eingeschränkt.
  • Sie haben Magen-Darm-Geschwüre.
  • Sie leiden unter Verwirrtheit und psychotischen Zuständen.
  • Sie sind von der Parkinsonkrankheit betroffen oder von einer Nervenerkrankung, die mit Muskellähmungen verbunden ist.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Alkohol kann die müdemachende Wirkung von Baclofen verstärken.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei bis zu 60 von 100 Behandelten tritt Müdigkeit auf. Bis zu 12 von 100 klagen über Übelkeit und Erbrechen. Auch die Muskelkraft kann verringert sein.

Der Mund kann sich trocken anfühlen, die Augen können sich nicht mehr auf verschiedene Sehabstände einstellen (Akkommodationsstörung) und die Lider zittern. Kribbeln in den Gliedmaßen und Durchfall kommen vor. Bei bis zu 6 von 100 Anwendern stellt sich eine Verstopfung ein.

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten wird die Atemfunktion gedämpft. Allerdings bemerken die Betroffenen das in der Regel nicht.

Selten treten Muskelschmerzen und sehr selten Muskelzittern auf.

Muss beobachtet werden

Bei 1 bis 10 von 100 kann der Bewegungsablauf gestört sein und es kann Auswirkungen auf die Psyche geben: Albträume, der Situation nicht angemessene Hochstimmung (Euphorie) und Depressionen. Je nachdem, wie stark die Beschwerden sind und wie sehr sie Sie beeinträchtigen, sollten Sie im Laufe des nächsten Tages oder der kommenden Tage einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Selten kann die Blasenentleerung gestört sein. Dann können Sie entweder kein Wasser mehr lassen (Harnverhalt) oder Sie können es nicht mehr halten (Inkontinenz). Wenn Sie trotz Harndrang kein Wasser lassen können, müssen Sie sich umgehend in ärztliche Behandlung begeben.

Wenn Sie wiederholt befremdliche Dinge sehen und hören, die andere Menschen nicht bemerken (Halluzinationen), sollten Sie den Arzt darüber informieren.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Baclofen sollte während der Schwangerschaft nur in besonderen Ausnahmesituationen eingesetzt werden. Haben Sie Baclofen eingenommen, können Sie mit dem Frauenarzt beraten, ob Sie eine spezielle Ultraschalluntersuchung durchführen lassen, die Auskunft über die Entwicklung des Kindes gibt.

Das Mittel geht in geringen Mengen in die Muttermilch über. Sicherheitshalber sollten Sie Baclofen während der Stillzeit nicht anwenden.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Theoretisch können Kinder bereits im Säuglingsalter mit Baclofen behandelt werden. Auch bei ihnen muss allerdings die Behandlung mit einer sehr geringen Dosis beginnen. Angemessen sind circa 0,3 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht am Tag. Damit sind die hier aufgeführten Produkte für die Anfangsbehandlung nicht geeignet, wenn das Kind weniger als 33 Kilogramm wiegt. Bei Kindern mit geringerem Körpergewicht müssen individuelle Rezepturen hergestellt werden.

Die Anfangsdosis kann im Abstand von ein bis zwei Wochen bis zu der Menge gesteigert werden, die das Kind benötigt.

Die Tagesdosis liegt in der Regel bei 0,75 bis 2 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Allerdings ist die Tagesmenge für Kinder unter acht Jahren auf höchstens 40 Milligramm Baclofen begrenzt. Für Kinder über acht Jahre liegt die Grenze bei 60 Milligramm am Tag. Die Tagesdosis sollte möglichst auf vier Portionen aufgeteilt werden.

Für ältere Menschen

Baclofen ist für ältere Menschen eher unangebracht, da bei vielen von ihnen die Funktion von Nieren und Leber und damit die Ausscheidung des Mittels eingeschränkt ist. Dadurch können unerwünschte Wirkungen häufiger auftreten, insbesondere Verwirrtheit und Gangunsicherheit. Näheres hierzu lesen Sie in der Einleitung unter Hinweise für ältere Menschen.

Werden ältere Personen dennoch mit Baclofen behandelt, sollte die Dosierung zu Anfang so niedrig wie möglich sein und nur langsam angehoben werden. Baclofen kann insbesondere bei älteren Menschen die Hirnleistung beeinträchtigen. Das zeigt sich durch Verwirrtheit und Erinnerungslücken. Regelmäßige Kontrollen sollen diese Nebenwirkung frühzeitig aufdecken.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Baclofen macht müde. Darum sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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