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Motilitätssteigerndes Mittel: Metoclopramid

Wirkungsweise

Metoclopramid wird gegen Übelkeit und Erbrechen unterschiedlicher Ursache eingesetzt. Der Wirkstoff besetzt die Bindestellen des Nervenbotenstoffes Dopamin im Brechzentrum. Das führt dazu, dass wiederum andere Nervenbotenstoffe freigesetzt werden, die die Magenbewegungen fördern. Dadurch wird der Speisebrei zügig durchgemischt und in den Dünndarm weiterbefördert.

Das kann auch dazu beitragen, dass kein Magensaft in die Speiseröhre aufsteigt und dort unangenehm brennt oder sie sogar verätzt. Das Mittel ist geeignet bei Übelkeit und Erbrechen im Rahmen einer Chemo- oder Strahlentherapie bei Krebs sowie bei einem Migräneanfall.

Liegt die Ursache eines Reizmagens darin, dass der Magen den Speisebrei nicht richtig weitertransportiert, wird Metoclopramid auch hierbei eingesetzt. Bei Reisekrankheit wirkt es jedoch nicht.

Den positiven Wirkungen des Mittels stehen jedoch einige unerwünschte Wirkungen gegenüber. Aufgrund von Verträglichkeitsproblemen unterzog die Europäische Zulassungsbehörde Metoclopramid einer Überprüfung.

Der Wirkstoff dringt auch in das Nervengewebe des Gehirns ein und kann dort schwere Nebenwirkungen verursachen, vor allem extrapyramidale Symptome. Das sind Bewegungsstörungen wie Muskelkrämpfe oder unwillkürliches Zucken der Muskeln an Hals und Nacken oder im Gesicht. Das Risiko für solche Bewegungsstörungen steigt mit der Dosis und der Dauer der Anwendung und liegt bei Kindern deutlich höher als bei Erwachsenen. Aus diesem Grund legte die Europäische Zulassungsbehörde zum Schutz der Patienten strenge Obergrenzen für den Einsatz fest.

Anwendung

Sie nehmen das Mittel nach Bedarf ein. Die Beschwerden bessern sich meist innerhalb einer halben bis einer Stunde.

Produkte mit 30 Milligramm Metoclopramid setzen den Wirkstoff verzögert frei. Von diesen Mitteln dürfen Sie nur eine Tablette oder Kapsel pro Tag einnehmen. Die Zehn-Milligramm-Produkte sollten Sie im Abstand von mindestens sechs Stunden einnehmen und zwar höchstens dreimal täglich eine Tablette oder Kapsel. Die Europäische Zulassungsbehörde rät, das Mittel nicht länger als höchstens fünf Tage in Folge einzunehmen.

Wenn Ihre Nieren nicht richtig arbeiten, muss die Dosis auf ein Drittel der angegebenen Menge gesenkt werden. Arbeitet Ihre Leber nicht richtig, dürfen Sie nur die Hälfte der angegebenen Menge einnehmen.

Wenn Metoclopramid gespritzt wird, sollten Sie nach der Injektion noch mindestens eine halbe Stunde unter ärztlicher Beobachtung bleiben, damit unerwünschte Wirkungen rasch erkannt und behandelt werden können.

Bei Übelkeit und Erbrechen in Zusammenhang mit einer akuten Migräneattacke nehmen Sie Metoclopramid etwa 15 bis 30 Minuten vor dem Schmerzmittel ein. Das verbessert die Aufnahme des Schmerzmittels in den Körper.

Achtung

Einige Präparate enthalten Parabene (siehe Übersicht). Diese Konservierungsmittel können Allergien auslösen. Wenn Sie auf Parastoffe allergisch reagieren, dürfen Sie diese Mittel nicht anwenden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Mittel, die die Magenbewegungen anregen wie etwa Metoclopramid, nicht anwenden und müssen sich sofort in ärztliche Behandlung begeben:

  • Sie haben zusätzlich zur Übelkeit kolikartige Bauchschmerzen und ein ungewöhnliches Völlegefühl. Das deutet auf einen Darmverschluss hin.
  • Sie erbrechen Blut (Hinweis auf ein blutendes Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür).
  • Sie haben sehr heftige Bauchschmerzen und sind am Bauch sehr berührungsempfindlich. Das kann bedeuten, dass ein Geschwür in die Bauchhöhle durchbricht.
  • Sie leiden an Epilepsie. Metoclopramid kann dann die Krampfbereitschaft erhöhen.
  • Sie leiden an der Parkinsonkrankheit oder bei Ihnen sind schon einmal vergleichbare Bewegungsstörungen aufgetreten. Metoclopramid kann Bewegungsstörungen verstärken.

Wenn Sie einen Tumor haben, dessen Wachstum durch das Hormon Prolaktin gefördert wird (z. B. Brustkrebs), oder eine Überfunktion des Nebennierenmarks (Phäochromozytom) dürfen Sie das Mittel ebenfalls nicht einnehmen.

Wenn Sie Herzrhythmusstörungen haben, bei denen die elektrischen Signale am Herzen falsch oder verzögert weitergeleitet werden, wenn Ihr Herz sehr langsam schlägt und wenn ihr Elektrolythaushalt nicht ausgeglichen ist, sollte der Arzt mit Ihnen besprechen, ob Sie nicht besser ein anderes Medikament verwenden. Bei solchen Herzproblemen kann das erhöhte Risiko den Nutzen von Metoclopramid überwiegen. Diese Vorsichtsmaßnahme gilt insbesondere bei älteren Menschen und wenn Metoclopramid gespritzt werden soll.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente einnehmen, ist zu beachten, dass Anticholinergika (bei Parkinsonkrankheit) die Aufnahme von Metoclopramid beeinträchtigen und dadurch die Wirkung verringern. Zusätzlich sind folgende Wechselwirkungen zu beachten:

  • Anticholinergika (bei Parkinsonkrankheit) können die motilitätssteigernde Wirkung von Metoclopramid beeinträchtigen.
  • Metoclopramid kann die Aufnahme von Paracetamol (bei Schmerzen) in den Körper verbessern und dadurch dessen Wirkung, aber auch seine Nebenwirkungen verstärken. Wenn Sie eine hohe Dosis Paracetamol einnehmen oder eine Lebererkrankung haben, kann sich das Risiko für eine Leberfunktionsstörung erhöhen.
  • Wenn Sie Metoclopramid zusammen mit Neuroleptika wie Fluphenazin oder Thioridazin (bei Schizophrenien und anderen Psychosen) und/oder Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmstoffen (SSRI wie Fluoxetin und Paroxetin, bei Depressionen) einnehmen, können häufiger Bewegungsstörungen auftreten.
  • Zusammen mit SSRI (bei Depressionen) kann sich zudem ein bedrohliches Serotonin-Syndrom mit Erregungszuständen, Bewusstseinstrübung, Muskelzittern und -zucken sowie Blutdruckabfall entwickeln. Die gleichzeitige Anwendung sollte daher vermieden werden.
  • Wenn Sie Metoclopramid zusammen mit Wirkstoffen wie Benzodiazepinen, Opioiden, Antihistaminika oder bestimmten Antidepressiva wie Amitriptylin oder Mirtazapin einnehmen, können sich deren müdemachenden Eigenschaften verstärken.

Metoclopramid kann – vor allem wenn es gespritzt wird – außerdem den Herzrhythmus beeinflussen. Sie sollten das Mittel deshalb nicht gleichzeitig mit Medikamenten einnehmen, die sich ebenfalls auf den Herzrhythmus auswirken können. Dazu gehören z. B. die Antibiotika Erythromycin, Azithromycin und Moxifloxacin (alle bei bakteriellen Infektionen), Haloperidol (bei Schizophrenien und anderen Psychosen), Citalopram (bei Depressionen) oder Amiodaron (bei Herzrhythmusstörungen).

Unbedingt beachten

Dieses Mittel dürfen Sie nicht zusammen mit Levodopa oder Dopaminagonisten wie Bromocriptin, Lisurid, Ropinirol oder Rotigotin (alle bei Parkinsonkrankheit) anwenden, weil sich die Mittel in ihrer Wirkung gegenseitig aufheben können.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Während der Einnahme dieser Mittel sollten Sie keinen Alkohol zu sich nehmen, weil sie die Wirkung von Alkohol verstärken und die Reaktionsfähigkeit noch weiter herabsetzen.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei 1 bis 10 von 100 Personen tritt Durchfall auf.

Mehr als 1 von 10 Behandelten fühlen sich benommen, schläfrig oder schwach.

Bei 1 bis 10 von 1 000 sinkt der Blutdruck ab, was sich durch plötzlich auftretenden Schwindel, Schwäche und Blässe oder unnormal kalte Hände oder Füße bemerkbar machen kann.

Muss beobachtet werden

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten kommt es zu Bewegungsstörungen. Typisch dafür sind Muskelkrämpfe oder unwillkürliche Muskelzuckungen im Gesicht, an Hals oder Nacken oder die Unfähigkeit, still zu sitzen (Dyskinesien). Bei diesen Beschwerden sollten Sie so bald wie möglich einen Arzt aufsuchen.

Diese unerwünschten Wirkungen treten gehäuft bei älteren Menschen auf, vor allem wenn sie Metoclopramid hoch dosiert und lange anwenden. Die Beschwerden werden dann leicht mit einer Parkinsonkrankheit verwechselt und fälschlicherweise mit Mitteln gegen diese Krankheit behandelt. Wenn solche Symptome auftreten, sollten Sie einen Arzt aufsuchen und ihn darauf hinweisen, dass Sie dieses Mittel gegen Übelkeit einnehmen.

1 bis 10 von 1 000 Behandelten erleben Halluzinationen. Diese unerwünschte Wirkung tritt vornehmlich bei hoher Dosierung auf. Wenn Sie sich verwirrt fühlen oder Dinge wahrnehmen, die andere nicht erkennen können, sollten Sie sich mit einem Arzt beraten.

Sofort zum Arzt

Wenn sich die im vorigen Abschnitt beschriebenen Bewegungsstörungen innerhalb von ein bis drei Tagen nach Beginn der Behandlung einstellen, wenn gleichzeitig hohes Fieber, Muskelsteifigkeit sowie Bewusstseinsstörungen auftreten und sich Atmung und Herzschlag beschleunigen, müssen Sie das Mittel absetzen und sich sofort in ärztliche Behandlung begeben, und zwar am besten bei einem Neurologen. Am Wochenende oder an Feiertagen gehen Sie direkt ins Krankenhaus. Dieses "maligne neuroleptische Syndrom" kann lebensbedrohlich sein.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Wenn Sie während der ersten Schwangerschaftsmonate stark unter Übelkeit und Erbrechen leiden und Ihr Wohlbefinden dadurch erheblich beeinträchtigt ist, können Sie ausprobieren, ob sich die Übelkeit mit Metoclopramid bessert. Bisher sind keine negativen Auswirkungen auf das Ungeborene bekannt geworden. Metoclopramid ist vor allem angebracht, wenn Magensäure in die Speiseröhre zurückfließt. Auch während der Stillzeit darf das Mittel für kurze Zeit eingesetzt werden, ohne dass Sie mit Nachteilen für das Kind rechnen müssen.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Tabletten und Kapseln sollten Kinder unter 14 Jahren aufgrund des hohen Wirkstoffgehaltes nicht bekommen. Ohnehin sollten Kinder das Mittel nur bei Übelkeit und Erbrechen nach Operationen oder im Zusammenhang mit Krebstherapien erhalten und das auch nur dann, wenn besser verträgliche Mittel nicht gegeben werden können. Für die Anwendung bei migränebedingter Übelkeit von Kindern und Jugendlichen ist Metoclopramid nicht zugelassen.

Das Mittel kann bei Kindern und jungen Erwachsenen bereits nach einer einmaligen Einnahme parkinsonähnliche Bewegungsstörungen hervorrufen.

Für ältere Menschen

Wegen des erhöhten Risikos für unerwünschte Wirkungen am Herzen sollte der Arzt genau abwägen, ob die Behandlung mit diesem Mittel wirklich erforderlich ist und gegebenenfalls auf einen anderen, besser verträglichen Wirkstoff ausweichen.

Bei älteren Menschen ist häufig die Funktion von Nieren und Leber eingeschränkt. Dann wirkt das Mittel länger und das Risiko für unerwünschte Wirkungen wie beispielsweise belastende Bewegungsstörungen steigt. Sie sollten daher Metoclopramid nur in niedriger Dosierung anwenden.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Metoclopramid kann die Reaktionsfähigkeit stark beeinflussen. Während der Einnahme sollten Sie deshalb nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs