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Motilitätssteigerndes Mittel: Alizaprid

Wirkungsweise

Alizaprid wird gegen Übelkeit und Erbrechen, insbesondere im Rahmen einer Krebsbehandlung, eingesetzt. Der Wirkstoff besetzt die Bindestellen des Nervenbotenstoffes Dopamin im Brechzentrum. Das führt dazu, dass Nervenbotenstoffe freigesetzt werden, die die Magenbewegungen fördern. Dadurch wird der Speisebrei zügig durchgemischt und in den Dünndarm weiterbefördert. Das kann dazu beitragen, dass kein Magensaft in die Speiseröhre aufsteigt und dort unangenehm brennt oder sie sogar verätzt. Das Mittel wird daher nicht nur bei Übelkeit und Erbrechen verwendet, sondern kann auch zur Behandlung eines Reizmagens eingesetzt werden. Bei Reisekrankheit wirkt es jedoch nicht.

Anwendung

Im Rahmen einer Krebstherapie nehmen Sie 150 Milligramm Alizaprid (3 Tabletten) eine halbe Stunde vor der Zytostatikagabe sowie die gleiche Menge noch einmal eine halbe Stunde danach ein. An den folgenden Tagen genügt meist dreimal täglich eine Tablette. Wenn Ihre Nieren nur eingeschränkt arbeiten, muss die Dosis verringert werden.

Länger als vier bis sieben Tage sollten Sie dieses Mittel nicht einnehmen.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Mittel, die die Magenbewegungen anregen, nicht anwenden und müssen sich sofort in ärztliche Behandlung begeben:

  • Sie haben zusätzlich zur Übelkeit kolikartige Bauchschmerzen und ein ungewöhnliches Völlegefühl. Das deutet auf einen Darmverschluss hin.
  • Sie erbrechen Blut. Dies ist ein Hinweis auf ein blutendes Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür.
  • Sie haben sehr heftige Bauchschmerzen und sind am Bauch sehr berührungsempfindlich. Das kann bedeuten, dass ein Geschwür in die Bauchhöhle durchbricht.

Wenn Sie einen Tumor haben, dessen Wachstum durch das Hormon Prolaktin gefördert wird (z. B. Brustkrebs), dürfen Sie das Mittel ebenfalls nicht einnehmen.

Alizaprid dürfen Sie auch nicht anwenden, wenn Sie Bewegungsstörungen haben oder Levodopa oder Wirkstoffe aus der Gruppe der Dopaminagonisten einnehmen (bei Parkinsonkrankheit).

Mit dem Mittel dürfen Sie außerdem nicht behandelt werden, wenn Sie eine Überfunktion des Nebennierenmarks (Phäochromozytom) haben.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente einnehmen, ist zu beachten, dass Anticholinergika (bei Parkinsonkrankheit) die Aufnahme von Alizaprid beeinträchtigen und dadurch seine Wirkung verringern.

Alizaprid verstärkt die unerwünschten Wirkungen von Neuroleptika (bei Schizophrenien und anderen Psychosen). Dazu gehören die Wirkstoffe Chlorpromazin, Fluphenazin und Thioridazin.

Schlaf- und Beruhigungsmittel (bei Angst- und Schlafstörungen) sowie Opiate (bei starken Schmerzen) und müdemachende Antihistaminika (bei Allergien, Reisekrankheit, Schlafstörungen) verstärken die beruhigenden und einschläfernden Wirkungen von Alizaprid.

Unbedingt beachten

Alizaprid dürfen Sie nicht anwenden, wenn Sie Levodopa oder Wirkstoffe aus der Gruppe der Dopaminagonisten einnehmen (bei Parkinsonkrankheit). Diese Mittel und Alizaprid blockieren sich gegenseitig in ihrer Wirkung.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Während der Einnahme dieses Mittels sollten Sie keinen Alkohol zu sich nehmen, weil es die Wirkung von Alkohol verstärkt und die Reaktionsfähigkeit noch weiter herabsetzt.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Es können Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Einschränkung des Reaktionsvermögens, Durchfall und Mundtrockenheit auftreten.

Bei Frauen kann aufgrund einer erhöhten Produktion von Prolaktin im Gehirn die Brust etwas Milch absondern. Auch kann die Monatsblutung ausbleiben.

Bei Männern kann die Brust anschwellen (Gynäkomastie).

Muss beobachtet werden

Bei etwa 2 von 1 000 Behandelten kommt es zu Bewegungsstörungen, bei Kindern auch häufiger. Typisch für solche Bewegungsstörungen sind Muskelkrämpfe oder unwillkürliche Muskelzuckungen im Gesicht, an Hals oder Nacken (Dyskinesien). Wenn diese Beschwerden zunehmen oder wiederholt auftreten, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Diese unerwünschte Wirkung kann in Einzelfällen auch bei älteren Menschen auftreten, vor allem bei hoher Dosierung und langfristiger Anwendung. Die Beschwerden werden dann leicht mit einer Parkinsonkrankheit verwechselt und fälschlicherweise mit Mitteln gegen diese Krankheit behandelt. Wenn solche Symptome auftreten, sollten Sie einen Arzt aufsuchen und ihn darauf hinweisen, dass Sie dieses Mittel gegen Übelkeit einnehmen.

Der Blutdruck kann stark absinken. Wenn häufig Schwindel auftritt oder Sie sich anhaltend müde fühlen, sollten Sie spätestens nach acht Tagen den Arzt informieren.

Beobachten Sie, dass Sie teilnahmslos und niedergeschlagen sind und halten solche  Depressionen länger als acht Tage an, sollten Sie ebenfalls einen Arzt aufsuchen.

Über anhaltende Menstruations- und Zyklusstörungen sollten Sie den Arzt informieren. Das gilt auch, wenn die Brüste (auch bei Männern) schmerzhaft anschwellen.

Sofort zum Arzt

Wenn sich die im vorigen Abschnitt beschriebenen Bewegungsstörungen innerhalb von ein bis drei Tagen nach Beginn der Behandlung einstellen, wenn gleichzeitig hohes Fieber, Muskelsteifigkeit sowie Bewusstseinsstörungen auftreten und sich Atmung und Herzschlag beschleunigen, müssen Sie das Mittel absetzen und sich sofort in ärztliche Behandlung begeben, und zwar am besten bei einem Neurologen. Am Wochenende oder an Feiertagen gehen Sie direkt ins Krankenhaus. Dieses "maligne neuroleptische Syndrom" kann lebensbedrohlich sein.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen, oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

In der Schwangerschaft dürfen Sie Alizaprid nicht einnehmen. Es liegen keine ausreichenden Erkenntnisse zur Sicherheit des Mittels bei Schwangeren vor. Da unklar ist, ob Alizaprid in die Muttermilch übertritt, sollten Sie auch während der Stillzeit möglichst darauf verzichten.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Kinder und Jugendliche dürfen dieses Mittel nicht bekommen. Weder Wirksamkeit noch Verträglichkeit sind bei ihnen ausreichend nachgewiesen. Zudem reagieren sie besonders empfindlich auf Alizaprid und es können schon nach der ersten Dosis Bewegungsstörungen auftreten.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Alizaprid kann die Reaktionsfähigkeit stark beeinflussen. Während der Einnahme sollten Sie deshalb nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs