Medikamente im Test

Monoklonaler Antikörper: Secukinumab

Wirkungsweise

Mit dem monoklonalen Antikörper Secukinumab soll die Entzündung der Haut bei Schuppenflechte verringert werden. Man bezeichnet diesen Wirkstoff als Interleukin-17a-Hemmstoff, weil Secukinumab diesen Botenstoff des Immunsystems blockiert. Dadurch werden bestimmte Abläufe im Immunsystem unterbrochen, die sonst die Entzündung weiter befördern würden.

In verschiedenen Studien konnte nachgewiesen werden, dass Secukinumab im Vergleich zu einem Scheinmedikament und auch gegenüber Standardmitteln wie einer Kombination aus Fumarsäureestern (Fumaderm) sowie einem weiteren Biologikum, dem Interleukin-Hemmstoff Ustekinumab (Stelara), besser wirkt. Bereits nach zwölf Wochen verbessert sich durch die Behandlung mit Secukinumab bei 79 von 100 Personen mit mittelschwerer bis schwerer Schuppenflechte der Hautzustand deutlich im Vergleich zu 4 von 100 Personen, die mit einem Scheinmedikament behandelt wurden. Im direkten Vergleich zu Fumaderm liegen diese Erfolgsraten von Secukinumab nach 24 Wochen bei 90 von 100 Personen, während die Fumarsäureester den Hautzustand lediglich bei 34 von 100 Personen verbessern konnten. Auch wurde die Behandlung mit Secukinumab seltener wegen unerwünschter Wirkungen vorzeitig abgebrochen als die mit den Fumarsäureestern.

Allerdings ist das Mittel bisher erst über einen kurzen Zeitraum erprobt. Es fehlen daher Daten über eine langfristige Anwendung und die Anwendung bei einer größeren Zahl an Patienten. Die bisherigen Untersuchungen bescheinigen dem Wirkstoff eine gute Verträglichkeit. Es kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass – sobald Secukinumab von mehr Menschen und über längere Zeit eingenommen wird – sich noch schwerwiegende unerwünschte Wirkungen zeigen, die nur selten oder sehr selten auftreten. Darüber hinaus fehlen noch Untersuchungen, ob Secukinumab ebenso gut wirkt wie das weltweit als Standardmittel geltende Methotrexat sowie die Wirkstoffe Acitretin oder Ciclosporin.

Das Mittel wird zur Behandlung der Schuppenflechte als "auch geeignet" bewertet. Es ist zu berücksichtigen, dass es noch wenig erprobt ist. Es kann zur Behandlung einer Schuppenflechte zum Einsatz kommen, wenn eine innerliche Behandlung erforderlich ist, weil die alleinige Anwendung äußerlicher Mittel oder einer Phototherapie das Hautbild nicht ausreichend verbessern würde und man gegenüber geeigneten Mitteln zur innerlichen Anwendung (Methotrexat oder Adalimumab) bei Secukinumab Vorteile erwartet.

Anwendung

Secukinumab können Sie sich selbst unter die Haut spritzen. Ein Arzt sollte Ihnen die Anwendung zeigen, dann spritzen Sie sich das Mittel in den ersten vier Wochen einmal wöchentlich, danach einmal monatlich. Die empfohlene Dosis beträgt 300 Milligramm pro Anwendung, die Sie sich in Form von zwei Injektionen zu je 150 Milligramm verabreichen.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass innerhalb von vier Monaten deutlich wird, ob Sie auf die Behandlung mit Secukinumab ansprechen. Bei Patienten, die während dieser Zeit keine Verbesserung der Hautbeschwerden zeigen, sollte die Behandlung nicht fortgesetzt werden.

Achtung

Vor der Behandlung sollte überprüft werden, ob Sie an Tuberkulose erkrankt sind. Dabei ist es wichtig, auch zu klären, ob eine latente Infektion, bei der die Erreger im Körper abgekapselt wurden, vorliegt.

Darüber hinaus sollte sich der Arzt versichern, dass bei Ihnen keine Hepatitis-B-Infektion vorliegt. Eine derartige Infektion kann durch die Behandlung mit Secukinumab aktiviert werden.

Da Secukinumab die Immunabwehr absenken kann, sollte während einer Behandlung mit dem Mittel keine Impfung mit einem Lebendimpfstoff (z. B. gegen Masern, Röteln, Mumps, Windpocken, Gelbfieber) erfolgen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Impfstoff bei gemeinsamer Anwendung genau die Infektion auslöst, gegen die Sie geimpft werden sollen.

Gegenanzeigen

Wenn Sie aktuell an einer schweren Infektion leiden (z. B. einer aktiven Tuberkulose, Hepatitis B oder Pilzinfektion im Körperinneren), dürfen Sie das Mittel nicht anwenden.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Secukinumab besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie haben oder hatten wiederkehrende oder chronische Infektionen, wie beispielsweise Pilzinfektionen.
  • Sie leiden unter einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa). Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich diese Erkrankung durch die Behandlung mit Secukinumab verschlimmert.
  • Die Funktion von Leber und Nieren ist eingeschränkt. Für diese Patienten liegen keine ausreichenden Informationen zu therapeutischer Wirksamkeit und Verträglichkeit vor.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Secukinumab ist ein neuer Wirkstoff, für den es bisher noch keine ausreichenden Informationen zu möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten gibt. Dies schließt auch die Kombination mit anderen Mitteln ein, die Auswirkungen auf das Immunsystem haben. Zu diesen gehört beispielsweise Methotrexat.

Nebenwirkungen

Bei Secukinumab handelt es sich um einen neuen Wirkstoff mit einem bisher noch nicht angewendeten Wirkmechanismus. Daher ist unklar, ob bereits alle unerwünschten Wirkungen bekannt sind, wie bedeutsam sie sind und welche Folgen sie haben können.

Keine Maßnahmen erforderlich

Der Wirkstoff vermindert die Abwehrkraft des Körpers. Dadurch kommt es beispielsweise häufiger zu Erkältungen und Lippenherpes. Meist sind die Beschwerden nur leicht oder mittelschwer und vergehen nach einiger Zeit von alleine.

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten verursacht Secukinumab leichte Magen-Darm-Beschwerden, insbesondere Durchfall.

Muss beobachtet werden

Das Mittel erhöht das Risiko für Infektionen, die auch schwerwiegend sein können. Wenn Erkältungsbeschwerden oder Ohrenschmerzen nach fünf bis sieben Tagen nicht abklingen oder Fieber, Husten oder allgemeine Abgeschlagenheit auftreten, sollten Sie so bald wie möglich Ihren Arzt kontaktieren. Er wird dann entscheiden, ob die Behandlung unterbrochen werden muss.

Das Mittel schwächt die Abwehr gegen Pilze, sodass es zu Infektionen mit Pilzen kommen kann, die generell beim Menschen auf der Haut und Schleimhaut siedeln. Dies kann sich durch runde oder ovale Stellen auf der Haut bemerkbar machen, die meist jucken oder schuppen. Je nach Pilzart sind die befallenen Hautstellen weißlich und nässen. Eine Pilzinfektion der Scheide macht sich dadurch bemerkbar, dass der äußere Genitalbereich juckt sowie gerötet, geschwollen und mit einem weißlichen Belag überzogen ist. Bei Männern sind Vorhaut und Eichel gerötet und von Juckreiz betroffen. Weiße Pusteln und cremige Flecken auf der Mundschleimhaut, die sich nur schwer abstreifen lassen, oder eine weiß belegte Zunge können bedeuten, dass sich im Mund ein Pilz ausgebreitet hat, der Schmerzen oder Brennen in der Mundhöhle und ein gestörtes Geschmacksempfinden verursachen kann. Wenn sich zwischen den Zehen die Haut abschält, kann dies ein Zeichen für Fußpilz sein. Diese Pilzinfektionen lassen sich in der Regel gut mit Mitteln zum Auftragen behandeln. Besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt. Meist kann die Behandlung mit Secukinumab weitergeführt werden.

Selten kann es vorkommen, dass sich Pilze aus der Mundhöhle in die Speiseröhre ausbreiten. Wenn Sie Schluckbeschwerden oder Sodbrennen haben oder Erbrechen müssen, sollte ein Arzt untersuchen, ob Ihre Speiseröhre von einem Pilz befallen ist. Auch diese Infektion lässt sich gut behandeln.

Bei einem bis 10 von 1 000 Behandelten entzündet sich die Bindehaut des Auges. Bei einer Bindehautentzündung sind die Augen gerötet. Sie können brennen, tränen, jucken und es kann sich ein Fremdkörpergefühl einstellen. Die Augen können anschwellen und morgens beim Aufwachen durch weißlich-gelbes Sekret verklebt sein. Halten die Beschwerden an oder kehren sie wieder, sollten Sie einen Augenarzt aufsuchen.

Wenn Sie wiederholt Durchfall und Bauchschmerzen haben, sollten Sie dies von einem Arzt genauer untersuchen lassen. Es könnte sich um eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung handeln.

Wenn die Haut sich an nicht von Psoriasis betroffenen Stellen verstärkt rötet und juckt (bei einem bis 10 von 1 000), reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Wenn starker Hautausschlag, Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel auftreten, müssen Sie die Anwendung sofort stoppen und unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen, weil es sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln kann. Dies kommt bei Secukinumab etwa bei 1 bis 10 von 10 000 Behandelten vor.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollen nicht mit Secukinumab behandelt werden, weil für sie die therapeutische Wirksamkeit und Verträglichkeit des Mittels nicht belegt ist.

Zur Empfängnisverhütung

Secukinumab hat ein neuartiges Wirkprinzip, zu dem noch wenige Erfahrungen vorliegen. Wenn Sie schwanger werden wollen, sollten Sie daher nicht mit Secukinumab behandelt werden. Sicherheitshalber sollten Sie während und bis 20 Wochen nach Beendigung einer Behandlung mit Secukinumab eine Schwangerschaft sicher verhüten.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Secukinumab sollte während der Schwangerschaft sicherheitshalber nicht angewendet werden. Es liegen bisher keine ausreichenden Erfahrungen vor. Sein Einsatz ist nur vertretbar, wenn der Arzt es für unbedingt erforderlich hält und andere Medikamente, zu denen auch TNF-alpha-Hemmstoffe gehören, nicht infrage kommen.

Wegen unzureichender Erfahrungen empfiehlt der Hersteller, während der Behandlung mit Secukinumab nicht zu stillen, da geringe Mengen des Wirkstoffs in die Muttermilch übergehen könnten. Es wird aber angenommen, dass diese geringen Mengen bereits im Magen-Darm-Trakt des Kindes inaktiviert werden und somit keine Wirkung im Körper des Kindes entfalten. Daher ist Experten zufolge auch das Stillen akzeptabel, wenn die Behandlung der Mutter unbedingt erforderlich ist.

Beim Tragen von Kontaktlinsen

Wenn sich während der Behandlung die Bindehaut des Auges entzündet, sollten Sie auf Kontaktlinsen verzichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs