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Mirabegron

Wirkungsweise

Der Wirkstoff Mirabegron wird zur Behandlung von Dranginkontinenz eingesetzt. Durch das Mittel kann der Urin etwas besser in der Harnblase zurückgehalten werden.

Mirabegron wirkt auf bestimmte Rezeptoren der Harnblasenmuskulatur. Es ist der erste Vertreter einer neuen Wirkstoffgruppe für die Behandlung einer Dranginkontinenz. Bislang liegen deutlich weniger Erfahrungen für dieses Mittel vor als für die bislang üblichen Inkontinenzmittel, die zur Gruppe der Spasmolytika gehören.

In den klinischen Studien wurde Mirabegron sowohl mit einem Scheinmedikament als auch mit verschiedenen Spasmolytika (Solifenacin und Tolterodin) verglichen. Gegenüber dem Scheinmedikament zeigte Mirabegron einen kleinen Vorteil: Toilettengänge und Inkontinenzereignisse ließen sich mit dem Mittel reduzieren. Allerdings sind die Effekte gering: durchschnittlich mussten die mit Duloxetin Behandelten innerhalb von zwei Tagen etwa einmal weniger zur Toilette. Alle drei Tage konnte ein Inkontinenzereignis verhindert werden.

Gegenüber Tolterodin ergaben sich keine Unterschiede. Studien im Vergleich zu Solifenacin geben Hinweise, dass Mirabegron nicht an die Wirksamkeit von Solifenacin heranreicht. Das neue Mittel ist somit nicht besser wirksam als die Wirkstoffe, die schon zur Verfügung stehen. Aufgrund seiner abweichenden Wirkweise wird Mirabegron aber möglicherweise etwas besser vertragen als andere Inkontinenzmittel.

Während bei Tolterodin mehr als 10 von 100 Behandelten über Mundtrockenheit klagen, sind dies bei Mirabegron etwa 6 weniger. Allerdings wurde diese Nebenwirkung nicht von allen Patienten als belastend empfunden.

Schwere unerwünschte Wirkungen waren Studien zufolge in beiden Gruppen vergleichbar häufig. Da Mirabegron noch nicht so lange auf dem Markt ist, kann man die Verträglichkeit noch nicht so gut einzuschätzen wie die der bisherigen Standardmittel (z. B. Tolterodin oder Solifenacin). In einer Mitteilung weist der Hersteller darauf hin, dass das Mittel in Einzelfällen den Blutdruck sehr stark ansteigen lassen kann.

Da Mirabegron nach den bisher vorliegenden Untersuchungsdaten nicht besser wirksam ist als die bereits verfügbaren Inkontinenzmittel, seine Verträglichkeit insbesondere bei Daueranwendung aber weniger gut untersucht ist, sollte es nur zum Einsatz kommen, wenn Spasmolytika nicht vertragen werden oder nicht gegeben werden können.

Anwendung

Pro Tag werden 50 Milligramm Mirabegron eingenommen.

Die Tablette wird im Ganzen mit einem Glas Wasser geschluckt. Sie darf nicht zerkaut, geteilt oder zerstoßen werden. Betmiga kann unabhängig von Mahlzeiten eingenommen werden.

Erst nach mehreren Wochen Behandlung lässt sich entscheiden, ob das Mittel die Beschwerden spürbar bessert. Ein Zeichen hierfür wäre, dass etwa Unternehmungen außerhalb der gewohnten Umgebung wieder leichter möglich werden.

Bei schwerer Nierenfunktionsstörung und bei moderat beeinträchtigter Leberfunktion darf die Mirabegrondosis pro Tag nicht über 25 Milligramm liegen.

Achtung

Wenn Sie Mirabegron einnehmen, sollten Sie Ihren Blutdruck regelmäßig kontrollieren. Steigen die Blutdruckwerte dauerhaft an, sollten Sie dies einem Arzt mitteilen.

Gegenanzeigen

Unter den folgenden Bedingungen dürfen Sie Mirabegron nicht einnehmen:

  • Sie haben erhöhten Blutdruck, der nicht ausreichend mit blutdrucksenkenden Mitteln behandelt wird und über 180/110 mm Hg liegt. Der Wirkstoff hat selbst blutdrucksteigernde Eigenschaften.
  • Sie sind dialysepflichtig.
  • Ihre Leberfunktion ist deutlich eingeschränkt.
  • Sie leiden an einer schweren Nieren- oder einer moderaten Leberfunktionsstörung und werden zusätzlich mit Arzneimitteln behandelt, die stark wirksam sind und deren Abbau von Mirabegron deutlich behindert wird. Dazu zählen etwa Thioridazin (bei Psychosen und Schizophrenie) aber auch die Antiarrhythmika Flecainid und Propafenon (bei Herzrhythmusstörungen).

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken einer Behandlung mit Mirabegron sorgfältig gegeneinander abwägen:

  • Sie leiden an speziellen Rhythmusstörungen des Herzens (QT-Verlängerung). Für diesen Fall liegen noch zu wenige Erfahrungen für die Anwendung von Mirabegron vor.
  • Sie haben hohen Blutdruck. Für Patienten mit erhöhten Blutdruckwerten (über 160/100 mm HG) liegen noch keine ausreichenden Erfahrungen vor. Zudem kann das Mittel den Blutdruck weiter erhöhen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Mittel, die den Abbau von Mirabegron hemmen, wie Ketoconazol oder Itraconazol (innerlich bei Pilzinfektionen), das Virustatikum Ritonavir (bei HIV-Infektion) oder das Antibiotikum Clarithromycin (bei bakteriellen Infektionen) verstärken die Wirkung aber auch die Nebenwirkungen von Mirabegron. Insbesondere wenn Ihre Nieren- oder Leberfunktion stark eingeschränkt ist, kann der Blutdruck und die Gefahr für unerwünschte Wirkungen beispielsweise am Herzen ansteigen. In diesem Fall sollten Sie die Mittel daher nicht gleichzeitig anwenden. Ist Ihre Nierenfunktion nur leicht bis moderat eingeschränkt, können Sie Mirabegron zusammen mit den genannten Wirkstoffen anwenden. Allerdings darf die tägliche Dosis von Mirabegron dann 25 Milligramm nicht übersteigen.

Mirabegron hemmt die Ausscheidung von Medikamenten, die über ein bestimmtes Enzym abgebaut werden. Dann verbleiben beispielsweise die trizyklischen Antidepressiva Desipramin und Imipramin (bei Depressionen) oder die Antiarrhythmika Flecainid und Propafenon (bei Herzrhythmusstörungen) länger im Körper und deren Nebenwirkungen können verstärkt auftreten. Wenn möglich, sollte auf die kombinierte Anwendung dieser Mittel verzichtet werden. Ist das nicht der Fall, muss der Arzt die Dosis der Mittel anpassen und die Herzfunktion regelmäßig kontrollieren.

Unbedingt beachten

Mirabegron dürfen Sie nicht gleichzeitig mit Thioridazin (bei Schizophrenie und anderen Psychosen) einnehmen. Es verlängert und verstärkt dessen unerwünschte Wirkungen, so dass das Risiko von bedrohlichen Herzrhythmusstörungen vom Typ Torsade de pointes steigt. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel bei Herzrhythmusstörungen: verstärkte Wirkung.

Wenn Sie bereits Digoxin (bei Herzschwäche) einnehmen und zusätzlich Mirabegron bekommen, muss der Arzt möglicherweise die Dosis von Digoxin reduzieren. Mirabegron kann den Abbau von Digoxin behindern. Dann wirkt das Herzglykosid länger und es können Herzrhythmusstörungen bis hin zu Ohnmachtsanfällen auftreten. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel bei Herzschwäche: verstärkte Wirkung.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Während der Behandlung kann es bei 1 bis 10 von 100 Behandelten zu Kopfschmerzen kommen. Ebenso häufig können Mundtrockenheit und Verstopfung, aber auch Durchfall auftreten.

Diese Beschwerden vergehen in der Regel von alleine.

Muss beobachtet werden

Bleiben Kopfschmerzen bestehen, kann dies auf einen erhöhten Blutdruck hindeuten. Bei etwa 1 von 100 Patienten kann der Blutdruck während der Behandlung mit Mirabegron ansteigen, vereinzelt auch gefährlich. Wenn bei Kontrollmessungen ein anhaltender Blutdruckanstieg auffällt, sollten Sie sich an einen Arzt wenden und mit ihm das weitere Vorgehen besprechen.

Das Mittel kann auch den Herzrhythmus beeinflussen. Bei etwa 1 von 100 schlägt das Herz schneller als normal oder hat Aussetzer. Wenn Sie dies feststellen, sollten Sie sich an einen Arzt wenden.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet, juckt und sich Bläschen bilden, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen.

Sofort zum Arzt

Bei 1 bis 10 von 10 000 Behandelten kann es vorkommen, dass das Unterhautgewebe anschwillt. Geschieht dies im Gesicht an Lippen oder Zunge, drohen Atemnot und Erstickungsanfälle (Quincke-Ödem oder angioneurotisches Ödem). Dann müssen Sie umgehend den Notarzt (Telefon 112) rufen.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Frauen im gebährfähigen Alter sollten während der Anwendung von Mirabegron eine sichere Verhütungsmethode anwenden. Es ist unklar, ob Mirabegron ein Ungeborenes schädigen kann.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Während Schwangerschaft und Stillzeit sollten Sie auf die Anwendung von Mirabegron verzichten. Es liegen keine ausreichenden Erfahrungen über die Anwendung von Mirabegron während dieser Zeiten vor.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Das Mittel ist nicht für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren gedacht. Es fehlen Studien, die therapeutische Wirksamkeit und Verträglichkeit für diese Altersgruppe nachweist.

Für ältere Menschen

Für Mirabegron wurden gute wissenschaftliche Studien auch an älteren Menschen durchgeführt, die seine – wenn auch nur eingeschränkte – Wirksamkeit nachweisen konnten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs