Medikamente im Test

Minipille: Levonorgestrel

Wirkungsweise

Levonorgestrel ist ein Gestagen, das vor einer möglichen Schwangerschaft schützen kann. Zur Empfängnisverhütung wird es unter anderem als Minipille eingesetzt. Darüber hinaus wird der Wirkstoff auch auf einem Intrauterinpessar als Hormonkomponente aufgebracht oder als Gestagenkomponente in vielen kombinierten Verhütungspillen. Im Notfall findet der Wirkstoff als Pille danach Einsatz.

Der empfängnisverhütende Effekt dieser Minipille beruht auf dem Gestagen Levonorgestrel. Die Minipille hat keinen Östrogenanteil, der bei kombinierten Pillen zu unerwünschten Wirkungen führen kann. Diese entfallen bei der Einnahme der Minipille demnach. So ist das Thromboserisiko der Minipille niedriger als das der kombinierten Pillen. Allerdings muss die Minipille sehr zuverlässig eingenommen werden.

Bei der Pille mit Levonorgestrel wird der Einsprung auch bei regelmäßiger Einnahme nicht ganz so sicher unterdrückt wie bei den Minipillen mit Desogestrel, da sie geringer dosiert ist. Allerdings lässt der Wirkstoff den Schleim im Gebärmutterhals so zäh werden, dass ihn die Spermien nicht durchdringen können. Außerdem wird angenommen, dass das Gestagen die Samenzellen beeinträchtigt, sodass sie die äußere Haut des Eies nicht durchstoßen können. Selbst wenn eine Eizelle befruchtet worden ist, kann sie sich in der Gebärmutterschleimhaut kaum einnisten, weil diese infolge der Hormonwirkung nicht genügend aufgebaut ist.

Das Mittel mit Levonorgestrel gilt zur Empfängnisverhütung als "geeignet", wenn die regelmäßige Einnahme der Tabletten gewährleistet werden kann.

Anwendung

Die erste Pille schlucken Sie am ersten Tag der Regel. Das ist zugleich der erste Zyklustag. Zu welcher Tageszeit Sie die Pille schlucken, ist egal. Nur sollte es immer zur selben Stunde sein. Erst nachdem Sie 14 Pillen regelmäßig eingenommen haben, sind Sie vor einer Schwangerschaft geschützt. Im ersten Anwendungszyklus ist der Schutz noch unsicher.

Zwischen zwei Pillen dürfen keinesfalls mehr als 27 Stunden vergehen, sonst wird der Empfängnisschutz unsicher.

Die Minipille nehmen Sie täglich, ohne Rücksicht auf Blutungen. Meist bekommen Sie Ihre Regel weiter im bisher gewohnten Abstand und in der üblichen Stärke. Es kommen aber auch Varianten vor: Die Intervalle zwischen den Blutungen sind kürzer oder länger, die Blutung bleibt ein-, zwei- oder dreimal hintereinander aus. Bei Frauen, die dennoch weiter mit der Minipille verhüten, stabilisiert sich der Zyklus meist nach einiger Zeit.

Wenn Sie sechs Wochen lang vergeblich auf Ihre Regel warten, sollten Sie vor der nächsten Tabletteneinnahme einen Schwangerschaftstest machen. Hat der Test bestätigt, dass Sie schwanger sind, setzen Sie die Pille sofort ab und wenden Sie sich an einen Arzt.

Achtung

Falls Sie sich kurz nach der Pilleneinnahme erbrechen, bleibt der Empfängnisschutz erhalten, wenn Sie innerhalb von drei Stunden noch einmal eine Pille schlucken. Ist der Zeitabstand größer, wiederholt sich das Erbrechen oder haben Sie anhaltenden Durchfall, müssen Sie auf eine andere Verhütungsmethode ausweichen.

Zwei bis vier Wochen vor einer geplanten Operation sollten Sie die Minipille absetzen. Durch Bewegungsmangel und längeres Liegen steigt das Thromboserisiko.

Wenn Sie dazu neigen, bei UV-Bestrahlung braune Flecken zu entwickeln, sollten Sie Sonnenbäder und Solarienbestrahlung vermeiden, solange Sie mit der Minipille verhüten.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen sollten Sie nicht oder nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken mit der Minipille verhüten:

  • Sie haben Vaginalblutungen, deren Ursache sich nicht klären lässt.
  • Sie haben einen Tumor, dessen Wachstum durch Hormone beeinflusst wird oder es besteht der Verdacht auf einen solchen Tumor. Das kann beispielsweise bei Brustkrebs der Fall sein.
  • Sie hatten eine Eileiterschwangerschaft oder haben nur noch einen Eileiter. Im Gegensatz zur Pille verringert die Minipille das Risiko für eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter nicht, weil sie den Eisprung nicht sicher verhindert. Tritt dann erneut eine solche Schwangerschaft ein, könnten Sie den verbliebenen Eileiter auch noch verlieren.
  • Sie hatten schon einmal eine Thrombose, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt. Wenn bei mehreren Familienmitgliedern Derartiges vorgekommen ist, sollten Sie die Gerinnungsfähigkeit Ihres Blutes auf Störungen, besonders auf angeborene, untersuchen lassen. Unter Umständen verbietet sich dann die Einnahme der Minipille.
  • Sie haben eine Lebererkrankung oder eine schwerwiegende Leberfunktionsstörung oder der Abfluss der Galle ist gestört.
  • Sie sind Diabetikerin und haben bereits geschädigte Blutgefäße. Wenn Sie während einer Schwangerschaft einen Diabetes entwickelt oder ein Kind von mehr als 4 000 Gramm geboren haben, wenn Sie selbst übergewichtig oder mehrere nahe Verwandte Diabetiker sind, sind das Hinweise, dass Sie selbst einmal Diabetikerin werden könnten. Verhüten Sie dann mit der Minipille, kann es sein, dass der Diabetes zum Ausbruch kommt.
  • Sie hatten während einer Schwangerschaft einen lang anhaltenden, juckenden Hautausschlag am ganzen Körper (Herpes gestationis) oder eine Gelbsucht.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Frauen mit Diabetes, die mit der Minipille verhüten, müssen eventuell mehr Insulin spritzen oder der Arzt muss die Dosierung der Tabletten, mit denen sie ihren Diabetes behandeln, erhöhen. Frauen mit Diabetes sollten daher sorgfältig ihren Blutzucker kontrollieren.

Nebenwirkungen

Prinzipiell gelten für die Minipille die gleichen Angaben wie für Ethinylestradiol + Levonorgestrel. Aufgrund des fehlenden Östrogenanteils und der niedrigen Dosierung von Levonorgestrel ist das Risiko für Thrombose, Infarkt und Schlaganfall geringer als bei diesen Kombinationspillen.

Keine Maßnahmen erforderlich

Mehr als 1 von 100 Frauen bekommt insbesondere in den ersten Monaten Zwischenblutungen und einen unregelmäßigen Zyklus; bei manchen bleibt nach mehrjähriger Einnahme die Regel sogar ganz aus.

Sofort zum Arzt

Bekommen Sie ungewöhnlich starke Schmerzen im Unterbauch begleitet von Schwindel- und Schwächeanfällen, gehen Sie sofort zum Arzt. Es kann sein, dass sich eine Eileiterschwangerschaft entwickelt hat, denn die Minipille verhindert einen Eisprung nicht immer sicher. Eine Eileiterschwangerschaft ereignet sich zwar sehr selten, wenn Frauen mit der Minipille verhüten, kann aber zu einer lebensbedrohlichen Blutung in die Bauchhöhle führen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Da die empfängnisverhütende Wirkung der Minipille nur gegeben ist, wenn sie sehr regelmäßig eingenommen wird, sollten sehr junge Mädchen eine sicherere Verhütungsmethode wählen.

Bei Kinderwunsch

Frauen, die das Verhütungsmittel absetzen, um schwanger zu werden, sollten ein Präparat mit dem Vitamin Folsäure einnehmen. Es kann sein, dass das Blut durch die Einnahme der Minipille wenig Folsäure enthält. Bei einer ungenügenden Versorgung mit diesem Vitamin treten beim sich entwickelnden Kind bestimmte Fehlbildungen häufiger auf. Die Folsäureeinnahme noch vor Eintritt einer Schwangerschaft soll diesen Fehlbildungen vorbeugen.

Zur Empfängnisverhütung

Die folgenden Medikamente können, wenn sie in derselben Zeit wie die Pille eingenommen werden, deren Verhütungssicherheit beeinträchtigen. Ist diese Kombination nur kurzzeitig notwendig, sollten Sie auf nichthormonelle Verhütungsmethoden ausweichen, um keine unerwünschte Schwangerschaft zu riskieren.

Antibiotika, Nitrofurantoin und Sulfonamide (bei bakteriellen Infektionen) können die Darmflora beeinträchtigen. Dann werden die Hormone nicht mehr zuverlässig aufgenommen. Auch wenn Sie Kohlepräparate einnehmen, um einen Durchfall zu stoppen, gelangen die Hormone nicht komplett ins Blut.

Rifampicin und Rifabutin (bei Tuberkulose), Carbamazepin, Phenobarbital, Primidon und Phenytoin (bei Epilepsien), Modafinil (bei krankhaften Schlafattacken, Narkolepsie) und möglicherweise Griseofulvin (innerlich bei Pilzinfektionen) beschleunigen den Hormonabbau durch die Leber. Bis zu vier Wochen nach der letzten Einnahme kann das die Wirkung der Pille beeinträchtigen.

Johanniskrautextrakt (bei Depressionen) kann, vor allem bei Einnahme über lange Zeit, die Wirkung der Hormone in der Pille vermindern. Ein Zeichen für die verringerte Hormonwirkung können Zwischenblutungen sein.

Auch Medikamente bei HIV-Infektion (z. B. Nelfinavir, Ritonavir) können die Sicherheit hormoneller Empfängnisverhütungsmittel beeinträchtigen. Für HIV-positive Frauen empfehlen sich daher eher nichthormonelle Maßnahmen. Bei der Wahl der Methode sollte die Frau bedenken, dass nur Kondome davor schützen können, die HIV-Infektion beim Sex an den Partner weiterzugeben.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Haben Sie in den ersten Wochen einer unbemerkten Schwangerschaft die Pille genommen, braucht Sie das nicht zu beunruhigen. Haben Sie sie jedoch mehr als zwei Monate nach Ausbleiben der Regel eingenommen, sollten Sie das Mittel absetzen und das weitere Vorgehen mit dem Arzt besprechen.

Die Minipille beeinflusst die Milchbildung nicht. Stillende Frauen können sie darum bereits sechs Wochen nach der Geburt verwenden.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs