Medikamente im Test

Minipille: Desogestrel

Wirkungsweise

Der empfängnisverhütende Effekt der Minipille beruht nur auf dem Gestagen Desogestrel, während die üblichen Pillen zwei Hormone, Östrogen und Gestagen, enthalten. Deshalb ist der empfängnisverhütende Effekt von einer sehr zuverlässigen Einnahme abhängig. Unerwünschte Wirkungen, die sonst auf dem Östrogenanteil der Pille beruhen, entfallen demnach bei der Minipille. So ist das Thromboserisiko niedriger als das der kombinierten Pillen. Das Risiko für Thrombosen ist allerdings im Vergleich zur levonorgestrelhaltigen Minipille bei dem neueren Gestagen Desogestrel noch nicht abschätzbar.

Wenn Sie diese Pille regelmäßig einnehmen, wird der Eisprung meistens verhindert. Darüber hinaus wird der Schleim im Gebärmutterhals so zäh, dass ihn die Spermien nicht durchdringen können. Außerdem wird angenommen, dass das Hormon die Samenzellen beeinträchtigt, sodass sie die äußere Haut des Eies nicht durchstoßen können. Selbst wenn eine Eizelle befruchtet worden ist, kann sie sich in der Gebärmutterschleimhaut kaum einnisten, weil diese infolge der Hormonwirkungen nicht genügend aufgebaut ist.

Das Mittel mit Desogestrel wird als "mit Einschränkung geeignet" bewertet, weil derzeit nicht bekannt ist, ob seine Einnahme mit einem erhöhten Risiko für Thrombosen in den Beinvenen und Lungenembolien behaftet ist, wie es für die Kombination von Desogestrel und Östrogen dokumentiert ist.

Anwendung

Die erste Pille schlucken Sie am ersten Tag der Regel. Das ist zugleich der erste Zyklustag. Zu welcher Tageszeit Sie die Pille schlucken, ist egal. Nur sollte es immer zur selben Stunde sein. Erst nachdem Sie 14 Pillen regelmäßig eingenommen haben, sind Sie vor einer Schwangerschaft geschützt. Im ersten Anwendungszyklus ist der Schutz noch unsicher.

Zwischen zwei Pillen dürfen keinesfalls mehr als 36 Stunden vergehen, sonst wird der Empfängnisschutz unsicher. Sicherheitshalber sollten Sie aber ähnlich strenge Einnahmeregeln einhalten wie bei anderen Minipillen.

Die Minipille nehmen Sie täglich, ohne Rücksicht auf Blutungen. Meist bekommen Sie Ihre Regel weiter im bisher gewohnten Abstand und in der üblichen Stärke. Es kommen aber auch Varianten vor: Die Intervalle zwischen den Blutungen sind kürzer oder länger, die Blutung bleibt ein-, zwei- oder dreimal hintereinander aus. Bei Frauen, die dennoch weiter mit der Minipille verhüten, stabilisiert sich der Zyklus meist nach einiger Zeit.

Wenn Sie sechs Wochen lang vergeblich auf Ihre Regel warten, sollten Sie vor der nächsten Tabletteneinnahme einen Schwangerschaftstest machen. Hat der Test bestätigt, dass Sie schwanger sind, setzen Sie die Pille sofort ab und wenden Sie sich an einen Arzt.

Achtung

Falls Sie sich kurz nach der Pilleneinnahme erbrechen, bleibt der Empfängnisschutz erhalten, wenn Sie innerhalb von drei Stunden noch einmal eine Pille schlucken. Ist der Zeitabstand größer, wiederholt sich das Erbrechen oder haben Sie anhaltenden Durchfall, müssen Sie auf eine andere Verhütungsmethode ausweichen.

Zwei bis vier Wochen vor einer geplanten Operation sollten Sie die Minipille absetzen. Durch Bewegungsmangel und längeres Liegen steigt das Thromboserisiko.

Wenn Sie dazu neigen, bei UV-Bestrahlung braune Flecken zu entwickeln, sollten Sie Sonnenbäder und Solarienbestrahlung vermeiden, solange Sie mit der Minipille verhüten.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen sollten Sie nicht oder nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken mit der Minipille verhüten:

  • Sie haben Vaginalblutungen, deren Ursache sich nicht klären lässt.
  • Sie haben einen Tumor, dessen Wachstum durch Hormone beeinflusst wird oder es besteht der Verdacht auf einen solchen Tumor. Das kann beispielsweise bei Brustkrebs der Fall sein.
  • Sie hatten eine Eileiterschwangerschaft oder haben nur noch einen Eileiter. Im Gegensatz zur Pille verringert die Minipille das Risiko für eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter nicht, weil sie den Eisprung nicht sicher verhindert. Tritt dann erneut eine solche Schwangerschaft ein, könnten Sie den verbliebenen Eileiter auch noch verlieren.
  • Sie hatten schon einmal eine Thrombose, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt. Wenn bei mehreren Familienmitgliedern Derartiges vorgekommen ist, sollten Sie die Gerinnungsfähigkeit Ihres Blutes auf Störungen, besonders auf angeborene, untersuchen lassen. Unter Umständen verbietet sich dann die Einnahme der Minipille.
  • Sie haben eine Lebererkrankung oder eine schwerwiegende Leberfunktionsstörung oder der Abfluss der Galle ist gestört.
  • Sie sind Diabetikerin und haben bereits geschädigte Blutgefäße. Wenn Sie während einer Schwangerschaft einen Diabetes entwickelt oder ein Kind von mehr als 4 000 Gramm geboren haben, wenn Sie selbst übergewichtig oder mehrere nahe Verwandte Diabetiker sind, sind das Hinweise, dass Sie selbst einmal Diabetikerin werden könnten. Verhüten Sie dann mit der Minipille, kann es sein, dass der Diabetes zum Ausbruch kommt.
  • Sie hatten während einer Schwangerschaft einen lang anhaltenden, juckenden Hautausschlag am ganzen Körper (Herpes gestationis) oder eine Gelbsucht.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Frauen mit Diabetes, die mit der Minipille verhüten, müssen eventuell mehr Insulin spritzen oder der Arzt muss die Dosierung der Tabletten, mit denen sie ihren Diabetes behandeln, erhöhen. Frauen mit Diabetes sollten daher sorgfältig ihren Blutzucker kontrollieren.

Nebenwirkungen

Prinzipiell gelten die gleichen Angaben wie für Einphasenpräparate mit wenig Östrogen. Das Thromboserisiko der Desogestrel-Minipille ist allerdings nicht abschließend zu beurteilen. Bisher liegen nur Berichte von Kombinationspräparaten mit einer festgelegten Menge an Östrogen und Desogestrel vor, die ein erhöhtes Risiko für Thrombosen in den Beinvenen und Lungenembolien nahelegen.

Darüber hinaus gilt:

Keine Maßnahmen erforderlich

Nahezu jede zweite Frau bekommt unregelmäßige Blutungen. Bei 20 bis 30 von 100 dieser Frauen treten häufiger Blutungen auf, bei weiteren 20 von 100 sind die Blutungen seltener oder bleiben ganz aus. Wenn die sehr häufigen und unregelmäßigen Blutungen Sie sehr stören, sollten Sie eine andere Verhütungsmethode wählen.

Sofort zum Arzt

Bekommen Sie ungewöhnlich starke Schmerzen im Unterbauch begleitet von Schwindel- und Schwächeanfällen, gehen Sie sofort zum Arzt. Es kann sein, dass sich eine Eileiterschwangerschaft entwickelt hat, denn die Minipille verhindert einen Eisprung nicht immer sicher. Eine Eileiterschwangerschaft ereignet sich zwar sehr selten, wenn Frauen mit der Minipille verhüten, kann aber zu einer lebensbedrohlichen Blutung in die Bauchhöhle führen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Bei Mädchen unter 18 Jahren sind Wirksamkeit und Verträglichkeit dieser Minipille nicht nachgewiesen. Sie sollten daher eine andere Verhütungsmethode wählen.

Bei Kinderwunsch

Frauen, die das Verhütungsmittel absetzen, um schwanger zu werden, sollten ein Präparat mit dem Vitamin Folsäure einnehmen. Es kann sein, dass das Blut durch die Einnahme der Minipille wenig Folsäure enthält. Bei einer ungenügenden Versorgung mit diesem Vitamin treten aber beim sich entwickelnden Kind bestimmte Fehlbildungen häufiger auf. Die Folsäureeinnahme noch vor Eintritt einer Schwangerschaft soll diesen Fehlbildungen vorbeugen.

Zur Empfängnisverhütung

Die folgenden Medikamente können, wenn sie in derselben Zeit wie die Pille eingenommen werden, deren Verhütungssicherheit beeinträchtigen. Ist diese Kombination nur kurzzeitig notwendig, sollten Sie auf nichthormonelle Verhütungsmethoden ausweichen, um keine unerwünschte Schwangerschaft zu riskieren.

Antibiotika, Nitrofurantoin und Sulfonamide (bei bakteriellen Infektionen) können die Darmflora beeinträchtigen. Dann werden die Hormone nicht mehr zuverlässig aufgenommen. Auch wenn Sie Kohlepräparate einnehmen, um einen Durchfall zu stoppen, gelangen die Hormone nicht komplett ins Blut.

Rifampicin und Rifabutin (bei Tuberkulose), Carbamazepin, Phenobarbital, Primidon und Phenytoin (bei Epilepsien), Modafinil (bei krankhaften Schlafattacken, Narkolepsie) und möglicherweise Griseofulvin (innerlich bei Pilzinfektionen) beschleunigen den Hormonabbau durch die Leber. Bis zu vier Wochen nach der letzten Einnahme kann das die Wirkung der Pille beeinträchtigen.

Johanniskrautextrakt (bei Depressionen) kann, vor allem bei Einnahme über lange Zeit, die Wirkung der Hormone in der Pille vermindern. Ein Zeichen für die verringerte Hormonwirkung können Zwischenblutungen sein.

Auch Medikamente bei HIV-Infektion (z. B. Nelfinavir, Ritonavir) können die Sicherheit hormoneller Empfängnisverhütungsmittel beeinträchtigen. Für HIV-positive Frauen empfehlen sich daher eher nichthormonelle Maßnahmen. Bei der Wahl der Methode sollte die Frau bedenken, dass nur Kondome davor schützen können, die HIV-Infektion beim Sex an den Partner weiterzugeben.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Haben Sie in den ersten Wochen einer unbemerkten Schwangerschaft die Pille genommen, braucht Sie das nicht zu beunruhigen. Haben Sie sie jedoch mehr als zwei Monate nach Ausbleiben der Regel eingenommen, sollten Sie das Mittel absetzen und das weitere Vorgehen mit dem Arzt besprechen.

Die Minipille beeinflusst die Milchbildung nicht. Stillende Frauen können sie darum bereits sechs Wochen nach der Geburt verwenden.

Beim Tragen von Kontaktlinsen

Die Mittel können die Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit verändern. Dann werden Kontaktlinsen oft schlechter vertragen.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs