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Milnacipran

Wirkungsweise

Milnacipran wirkt antidepressiv. Der Wirkstoff gehört zur Gruppe der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer. Solche Mittel verhindern, dass die Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin, die bei Signalübertragungen aus den Nervenenden freigesetzt werden, sofort wieder in die Nervenzellen aufgenommen werden. So steht dem Gehirn mehr von diesen Botenstoffen zur Verfügung und das auch noch für längere Zeit. Das spielt insofern eine Rolle, weil man davon ausgeht, dass sich die Verfügbarkeit der Botenstoffe im zentralen Nervensystem bei psychischen Störungen ändert.

Insgesamt liegen aber nur wenige Studien mit geringen Patientenzahlen für dieses Mittel vor, wenn man es mit anderen antidepressiv wirkenden Stoffen vergleicht. In Deutschland ist es erst seit wenigen Jahren verfügbar. Dass Milnacipran Wirksamkeits- oder Verträglichkeitsvorteile gegenüber anderen antidepressiv wirkenden Wirkstoffen besitzt, ist nicht nachgewiesen.

Es fehlen außerdem Langzeitstudien, in denen die therapeutische Wirksamkeit sowie die Verträglichkeit bei einer Daueranwendung von Milnacipran gegenüber anderen Antidepressiva untersucht wurden. Zur Behandlung mittelschwerer bis sehr schwerer Depressionen ist der Wirkstoff „mit Einschränkung geeignet“.

Möglicherweise bietet Milnacipran einen gewissen Vorteil bei depressiven Patienten mit gleichzeitigen chronischen Schmerzen. In den USA, nicht aber in Europa ist das Mittel auch für die Behandlung der Schmerzerkrankung Fibromyalgie zugelassen.

Anwendung

Die empfohlene Dosis liegt bei zweimal täglich 50 Milligramm Milnacipran. Höher sollte die Dosis nicht liegen.

Wie lange eine Behandlung mit Milnacipran durchgeführt wird, richtet sich nach Art, Ausprägung und Verlauf der Depression und wird vom Arzt festgelegt.

Wenn die Nieren nur noch eingeschränkt arbeiten, muss die Dosis verringert werden. Bei moderat eingeschränkter Nierenfunktion liegt die Tagesdosis von Milnacipran bei zweimal täglich 25 Milligramm, bei schwerer Nierenfunktionsstörung bei einmal täglich 25 Milligramm.

Achtung

Es gibt Hinweise, dass Antidepressiva, zu denen Milnacipran gehört, die Bereitschaft zur Selbsttötung steigern können. Näheres hierzu lesen Sie unter Antidepressiva und Suizidprävention.

Gegenanzeigen

Milnacipran dürfen Sie nicht einnehmen, wenn Sie zugleich mit einem MAO-Hemmer (z. B. Tranylcypromin bei Depressionen) behandelt werden.

Auch wenn Sie an einer schweren koronaren Herzerkrankung leiden, Ihr Herz dauerhaft unregelmäßig schlägt oder Ihr Blutdruck zu hoch und nicht ausreichend mit Medikamenten behandelt ist, darf Milnacipran nicht angewendet werden.

Unter folgenden Bedingungen sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abwägen:

  • Die Entleerung Ihrer Blase ist gestört, bei Männern beispielsweise, weil die Prostata erheblich vergrößert ist.
  • Sie haben Epilepsie mit Krampfanfällen.
  • Sie leiden bereits an einer bipolaren Störung (manisch-depressive Erkrankung) oder es entwickelt sich während der Behandlung eine solche.
  • Sie haben schon einmal Blutgerinnungsstörungen gehabt oder wenden derzeit Mittel an, die die Blutgerinnung hemmen.
  • Ihr Augeninnendruck ist erhöht (Glaukom, grüner Star) oder es besteht das Risiko für ein akutes Engwinkelglaukom. Die Mittel können die Pupille so verengen, dass das Kammerwasser des Auges schlechter abfließt.
  • Wenn bei Ihnen hoher Blutdruck oder eine Herzerkrankung mit Arzneimitteln behandelt wird, muss der Arzt während der Behandlung mit Milnacipran – insbesondere zu Beginn – die Blutdruckwerte und den Herzrhythmus regelmäßig kontrollieren.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Bei der gleichzeitigen Behandlung mit entwässernden Mitteln (Diuretika, bei hohem Blutdruck) können vor allem ältere Menschen viel Natrium verlieren. Dann können sich z. B. Gedächtnisstörungen, Verwirrtheit, Gangunsicherheit bis hin zu Krampfanfällen einstellen.
  • Die gemeinsame und längere Anwendung mit nichtsteroidalen Antirheumatika wie Diclofenac oder Ibuprofen (bei Schmerzen, Arthrose) kann das Risiko für Magenblutungen erhöhen.
  • Die gemeinsame Anwendung mit Levomepromazin (bei Psychosen und Schizophrenien) kann Wirkungen und Nebenwirkungen von Milnacipran verstärken – insbesondere wenn die Nieren nur noch eingeschränkt arbeiten.

Unbedingt beachten

Die Kombination von Milnacipran mit einem MAO-Hemmer (z. B. Tranylcypromin und Moclobemid bei Depressionen) kann das lebensbedrohliche Serotonin-Syndrom auslösen. Symptome sind Erregungszustände, Bewusstseinstrübung, Muskelzittern und -zucken sowie Blutdruckabfall. Nach einer Behandlung mit MAO-Hemmern müssen mindestens zwei Wochen verstreichen, bevor Sie dieses Mittel einnehmen dürfen. Umgekehrt müssen nach einer Behandlung mit Milnacipran mindestens sieben Tage vergehen, bevor Sie nach dem Absetzen dieser Mittel einen MAO-Hemmer einnehmen dürfen.

Auch Linezolid (bei bakteriellen Infektionen) hat MAO-hemmende Wirkungen. Wenn Sie neben Milnacipran dieses Antibiotikum einnehmen müssen, sollten Sie mit Ihrem Arzt das Risiko für ein Serotonin-Syndrom besprechen.

Ein Serotonin-Syndrom kann sich auch bei der gleichzeitigen Anwendung von Milnacipran mit SSRI, trizyklischen Antidepressiva (beide bei Depressionen), Triptanen (bei Migräne), Tramadol und Fentanyl (bei Schmerzen) sowie bei Einnahme von Präparaten mit hoch dosiertem Johanniskrautextrakt (bei Depressionen) einstellen.

Milnacipran verstärkt die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Acetylsalicylsäure, Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden. Sie müssen deshalb die Blutgerinnung häufiger als sonst selbst kontrollieren oder vom Arzt kontrollieren lassen und gegebenenfalls nach Absprache mit dem Arzt die Dosis der Gerinnungshemmer verringern. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Nehmen Sie Milnacipran nicht zusammen mit Alkohol ein. Alkohol kann unerwünschte Wirkungen wie Müdigkeit oder Schwindel verstärken.

Nebenwirkungen

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

1 bis 10 von 100 Behandelten geben Mundtrockenheit als unerwünschte Wirkung an, wenn sie mit Milnacipran behandelt werden.

Übelkeit tritt bei mehr als 10 von 100 Behandelten auf.

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten kommt es zu Erbrechen, Verstopfung, Durchfall und Bauchschmerzen.

Über Gewichtsabnahme berichtet etwa 1 von 100 Personen.

1 bis 10 von 100 Behandelten schwitzen vermehrt.

Bei mehr als 10 von 100 stellen sich Kopfschmerzen ein und bei 1 bis 10 von 100 kommt es zu Schlafstörungen.

1 bis 10 von 100 Männern berichten von Erektionsstörungen. Auch Hodenschmerzen können vorkommen. Leichtere Sexualstörungen sind wahrscheinlich häufiger.

Muss beobachtet werden

Der Blutdruck kann bei 1 bis 10 von 100 Behandelten ansteigen. Insbesondere wenn das Medikament hoch dosiert wird, sollte der Blutdruck regelmäßig kontrolliert werden. Denn dann können die Blutdrucksteigerungen auch gefährlich hoch sein.

Bei etwa 1 von 100 kann der Blutdruck auch absinken. Dies kann sich darin äußern, sodass Sie sich schwindlig, benommen und müde fühlen. Wenn Sie zu schnell aufstehen, kann Ihnen schwarz vor Augen werden.

Händezittern und Herzrasen sowie Herzrhythmusstörungen kommen vor. Von diesen Beschwerden sollten Sie dem Arzt beim nächsten Besuch berichten; eventuell macht er dann ein EKG.

Wenn sich Ihr Verhalten ändert und Sie sich zunehmend ängstlich oder aggressiv und erregt fühlen, kann sich ein erhöhtes Risiko ergeben, sich etwas anzutun. Dann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen. Dieser Hinweis gilt auch für Angehörige, die möglicherweise ein derart verändertes Verhalten bemerken.

Das Medikament kann die bei depressiven Menschen oft beeinträchtigte Sexualität noch stärker stören. Die Erregbarkeit lässt nach, Dauer und Intensität des Orgasmus verringern sich. Im Genitalbereich kann ein Taubheitsgefühl auftreten. Wenn diese Störungen Sie stark belasten, sollten Sie mit einem Arzt darüber sprechen und beratschlagen, ob es für Sie eine geeignete Behandlungsalternative gibt.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen.

Es können sich auf dem ganzen Körper punktartige Hautblutungen zeigen. Dieses trifft insbesondere ältere Menschen und Menschen, die Arzneimittel einnehmen, die die Blutgerinnung hemmen (z. B. ASS, Dipyridamol, NSAR, Ticlopidin). Bemerken Sie kleine rote Flecken in der Haut, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Fieber, Desorientiertheit, Erregungszustände, steife, zuckende und verkrampfte Muskeln können Anzeichen für das Serotonin-Syndrom sein. Es kann sich bis zur Bewusstseinstrübung und zum Blutdruckabfall steigern und ist lebensgefährlich. Bei diesen Beschwerden sollten Sie sofort einen Arzt oder eine Notaufnahme aufsuchen.

Das Mittel kann die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind: eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen. Solche Schädigungen treten in Einzelfällen auf.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen, oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen. Solche schweren allergischen Reaktionen zeigen sich in Einzelfällen.

Die oben beschriebenen Hauterscheinungen können in sehr seltenen Fällen auch erste Anzeichen für andere sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arzneimittel sein. Meist entwickeln diese sich während der Anwendung des Mittels nach Tagen bis Wochen. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus und es bilden sich Blasen ("Syndrom der verbrühten Haut"). Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich sofort an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch lebensbedrohlich verschlimmern.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Wenn Sie schwanger sind und eine Depression medikamentös behandelt werden muss, sind die SSRI Citalopram, Paroxetin und Sertralin die Mittel der Wahl.

Für die Anwendung von Milnacipran in der Schwangerschaft liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor. Die Sicherheit des Mittels ist nicht hinreichend belegt. Sie sollten vorsichtshalber auf seine Anwendung während der Schwangerschaft verzichten.

Das Mittel geht in die Muttermilch über. Da keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen, darf das Mittel während dieser Zeit nicht angewendet werden.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Das Mittel darf bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren nicht eingesetzt werden. Die Wirksamkeit ist für diese Altersgruppe nicht ausreichend nachgewiesen und es gibt Bedenken, weil sich durch dieses Medikament möglicherweise das Selbsttötungsrisiko erhöht. Zudem ist die Langzeitverträglichkeit von Milnacipran für Kinder und Jugendlichen nicht ausreichend belegt. Aggressivität, Feinseligkeit und Wut treten bei Kindern, die mit Milnacipran behandelt werden häufiger auf als bei solchen, die ein Scheinmedikament bekommen.

Für ältere Menschen

Da bei älteren Menschen die Nieren häufig nur eingeschränkt arbeiten, muss die Milnacipran-Dosis bei ihnen gegebenenfalls verringert werden.

Ältere Menschen sind zudem durch die Behandlung gefährdet, viel Natrium zu verlieren. Dann können sich z. B. Verwirrtheit, Gangunsicherheit und Schwindel einstellen. Das erhöht das Sturzrisiko.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Vor allem zu Beginn der Behandlung können Sehstörungen, Schwindel oder Müdigkeit auftreten. Dann kann die Fähigkeit beeinträchtigt sein, aktiv am Verkehr teilzunehmen, Maschinen zu bedienen und Arbeiten ohne sicheren Halt zu verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs