Medikamente im Test
  • Über 9 000 Medikamente
  • Geprüft durch unabhängige Experten
  • Ständig aktualisiert

Methotrexat

Wirkungsweise

Rheumatoide Arthritis

Methotrexat beeinträchtigt die Vermehrung von Zellen. In der Dosierung, wie es als Basismittel bei rheumatoider Arthritis eingesetzt wird, hemmt es vor allem die Vermehrung der Entzündungszellen. Bis zu zwei Drittel der Rheumakranken profitieren von der Behandlung mit Methotrexat – teilweise über viele Jahre.

Methotrexat wird als Basismedikament bei rheumatoider Arthritis als "geeignet" bewertet. Es wird als alleiniges Behandlungsmittel eingesetzt, dient aber sehr häufig auch als Kombinationspartner mit anderen Basismitteln, wenn die Krankheit auf ein Mittel allein nicht ausreichend angesprochen hat.

Schuppenflechte

Methotrexat beeinträchtigt die Zellteilung und kann somit auch die vermehrte Bildung von Hautzellen im Rahmen einer Schuppenflechte bremsen. Da der Wirkstoff bereits in den 1960er-Jahren eingeführt wurde, beruht sein Einsatz bei diesem Krankheitsbild weniger auf gut dokumentierten klinischen Studien als auf langjähriger Erfahrung, auch in der Langzeittherapie. Bei 25 bis 50 von 100 Behandelten bessert sich die Haut am Ende der Einleitungsphase von 16 Wochen deutlich. Methotrexat ist als Standardmittel für die Behandlung einer schweren Schuppenflechte geeignet, wenn äußerliche Mittel oder eine Lichttherapie nicht ausreichend wirksam sind.

Anwendung

Rheumatoide Arthritis

Von Methotrexat nehmen Sie nur eine Tablette pro Woche ein, keinesfalls mehr. Auch Injektionen dürfen nur einmal pro Woche verabreicht werden. Bei Menschen, die irrtümlich jeden Tag eine Tablette eingenommen haben, sind schwere unerwünschte Wirkungen aufgetreten. Selbst Todesfälle hat es infolge solcher Überdosierungen gegeben. Markieren Sie sich am besten den Einnahmetag im Kalender und streichen Sie ihn ab, wenn Sie das Mittel genommen haben. Die Dosierung von Methotrexat bei rheumatoider Arthritis beträgt zu Beginn der Behandlung 7,5 Milligramm. Sie kann von Woche zu Woche um 2,5 Milligramm auf maximal 20 Milligramm gesteigert werden. In der Regel dauert es ein bis zwei Monate, bis die Beschwerden deutlich nachlassen. Wenn sich die Beschwerden ausreichend gebessert haben, kann die Dosierung bis zur geringsten noch wirksamen Menge abgesenkt werden. Ab einer Dosierung von 20 mg Methotrexat pro Woche kann das Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen, etwa auf die Blutbildung, beträchtlich ansteigen. Haben sich die Beschwerden nach vier Monaten nicht erheblich verringert, ist die Therapie erfolglos und sollte beendet werden.

Schuppenflechte

Methotrexat gibt es als Tabletten und in Form von Spritzen. Methotrexat wird nur einmal pro Woche verabreicht. Wenn Sie das Mittel als Tabletten einnehmen, tun Sie dies mit reichlich Flüssigkeit (Wasser, keine Milch oder Milchprodukte), vorzugsweise am Abend und möglichst nicht zu den Mahlzeiten. Häufiger als einmal wöchentlich dürfen Sie das Mittel keinesfalls anwenden, weil sonst das Risiko schwerer unerwünschter Wirkungen deutlich ansteigt. Es sind sogar Todesfälle vorgekommen, weil das Mittel versehentlich täglich eingenommen wurde. Markieren Sie sich deshalb den Einnahmetag am besten im Kalender und halten Sie fest, dass Sie das Mittel genommen haben. Normalerweise dauert es vier bis acht Wochen, bis sich das Hautbild deutlich bessert. Dann kann die Dosierung so weit abgesenkt werden, bis die geringste noch wirksame Menge gefunden ist.

Übelkeit ist eine sehr häufige und unangenehme unerwünschte Wirkung der Behandlung. Weil sie vor allem am Einnahmetag und dem darauffolgenden Tag auftritt, sollten Sie sich einen Wochentag auswählen, an dem Sie sich am ehesten darauf einstellen können. Nehmen Sie die Tablette mit reichlich Wasser ein, vorzugsweise am Abend und möglichst nicht zu den Mahlzeiten.

Achtung

Rheumatoide Arthritis

Die Haut wird während der Behandlung empfindlicher gegenüber Sonnenlicht. Sie sollten daher während der Behandlung Sonnenbäder und Solarien meiden.

Schuppenflechte

Wenn die Haut während der Behandlung verstärkt dem Sonnenlicht ausgesetzt wird, können sich die Schuppenflechteherde verschlimmern.

Hatten Sie bereits früher einmal durch UV-Strahlung bedingte Hautentzündungen und Sonnenbrand, können diese unter Methotrexat erneut auftreten (Recall-Reaktion).

Vor der Behandlung sowie während der ersten Monate muss der Arzt monatlich die Leber-, Lungen- und Nierenfunktion kontrollieren und ein Blutbild erstellen. Später sind diese Kontrolluntersuchungen in vierteljährlichem Abstand erforderlich. Zusätzlich sollten die Mundhöhle und der Rachen auf Schleimhautveränderungen untersucht werden.

Bevor Sie Methotrexat anwenden, sollte der Arzt eine Röntgenaufnahme der Lunge machen, um später einen Vergleich zu haben, falls sich als unerwünschte Wirkung die Lunge verändert.

Während einer Therapie mit Methotrexat dürfen Sie nicht mit Lebendimpfstoffen geimpft werden (z. B. gegen Masern, Mumps, Röteln, Windpocken, Gelbfieber). Bei dem durch Methotrexat geschwächten Abwehrsystem kann der Impfstoff zu der Infektion führen, gegen die geimpft werden soll. Zudem wird der Impfschutz ungewiss.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie kein Methotrexat einnehmen:

  • Ihre Nierenfunktion ist erheblich eingeschränkt.
  • Ihre Leber ist geschädigt.
  • Die blutbildenden Zellen sind durch andere Behandlungen vorgeschädigt.
  • Sie haben ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür.
  • Sie trinken regelmäßig eine größere Menge Alkohol.
  • Sie haben eine Immunschwäche.
  • Sie haben eine schwere Infektion.

Unter folgenden Bedingungen sollte der Arzt Nutzen und Risiken einer Behandlung mit Methotrexat sorgfältig abwägen:

  • Sie haben Diabetes und spritzen Insulin.
  • Ihre Lungenfunktion ist eingeschränkt.
  • Sie haben eine inaktive, chronische Infektion (z. B. Tuberkulose, Hepatitis B oder C). Da Methotrexat das Immunsystem unterdrückt, steigt das Risiko, dass diese Infektionen aktiviert werden.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Acetylsalicylsäure und Paracetamol (bei Schmerzen), traditionelle NSAR wie Diclofenac und Naproxen (bei Rheuma, Schmerzen), Säureblocker wie Omeprazol und Pantoprazol (bei Sodbrennen, Speiseröhrenentzündung), Penicilline und Sulfonamide (bei bakteriellen Infektionen) sowie Probenecid (bei Gicht) verstärken die Wirkungen und Nebenwirkungen von Methotrexat.
  • Methotrexat sollte nicht zusammen mit anderen leberschädigenden Mitteln wie Leflunomid (bei rheumatoider Arthritis) oder Acitretin (bei Schuppenflechte) eingenommen werden, da dies die Gefahr einer Leberschädigung erhöht.
  • Auch mit Natalizumab (bei multipler Sklerose) sollte Methotrexat nicht gleichzeitig angewendet werden. Durch diese Kombination verstärkt sich die Wirkung von Methotrexat auf das Immunsystem und das Risiko für schwere und lebensbedrohliche Infektionen steigt.
  • Bei der gleichzeitigen Anwendung von Methotrexat und Fumarsäureestern (bei Schuppenflechte Handelsname Fumaderm) kann sich das Risiko für Leber- und Nierenschäden erhöhen. Der Arzt sollte Nutzen und Risiken besonders sorgfältig abwägen.
  • Bei gleichzeitiger Anwendung von Theophyllin (bei Asthma, COPD) kann dieses stärker wirken. Dann sollte der Arzt die Blutspiegel von Theophyllin überwachen und gegebenenfalls die Dosierung anpassen.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Alkohol kann die leberschädigende Wirkung verstärken. Verzichten Sie deshalb am besten darauf. Auch die Menge an Coffeinhaltigem (Kaffee, Cola, schwarzer Tee) sollten Sie gering halten, weil Methotrexat sonst nicht richtig wirken kann.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Vor allem innerhalb der ersten 24 bis 48 Stunden nach der Einnahme kommt es bei mehr als einem von zehn Behandelten zu Übelkeit, Bauchschmerzen und Geschwüren der Mundschleimhaut; bis zu 10 von 100 Personen bekommen Durchfall. Dies zeigt an, dass das Mittel die sich schnell teilenden gesunden Zellen des Körpers beeinträchtigt hat. Das lässt sich abmildern, wenn Sie gleichzeitig fünf Milligramm Folsäure einnehmen. Das sollten Sie aber unbedingt mit Ihrem Arzt besprechen, denn Folsäure kann die Wirksamkeit von Methotrexat beeinträchtigen.

Bis zu 10 von 100 Behandelten haben Kopfschmerzen und fühlen sich müde und benommen.

Haarausfall tritt bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten auf.

Muss beobachtet werden

Lang anhaltende Bauchschmerzen, Durchfall und Geschwüre im Mund- und Rachenraum deuten darauf hin, dass die Schleimhaut des Magen-Darm-Trakts schwer geschädigt ist; dann besteht die Gefahr, dass ein Geschwür im Magen oder Darm in den Bauchraum durchbricht.

Bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten treten Entzündungen und Geschwüre im Bereich der Harnblase auf, was Sie an Schmerzen im Unterbauch und gegebenenfalls an blutigem Urin erkennen.

Methotrexat kann die Nierenfunktion bis hin zum Nierenversagen beeinträchtigen. Dies erkennen Sie beispielsweise an Wassereinlagerungen im Gewebe. Die Gefahr eines Nierenversagens ist besonders erhöht, wenn Sie gleichzeitig nichtsteroidale Antirheumatika (z. B. Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac, alle bei Schmerzen und Verspannungen) einnehmen.

Da Methotrexat das Immunsystem unterdrückt, können vermehrt Infektionen und Wundheilungsstörungen auftreten. Bei Infektionen jeglicher Art sollten Sie den Arzt kontaktieren.

Die Mittel können die Leber schädigen. Treten Übelkeit, Erbrechen und/oder dunkel gefärbter Urin auf und ist der Stuhl auffällig hell, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Bei bis zu 10 von 100 Anwendern rötet sich die Haut verstärkt und juckt. Bei solchen  Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, da Sie auf das Mittel möglicherweise allergisch reagieren.

Sofort zum Arzt

Die oben beschriebenen Hauterscheinungen können auch erste Anzeichen für vereinzelt auftretende, sehr schwerwiegende Reaktionen auf Methotrexat sein. Meist entwickeln sie sich etwa drei bis fünf Wochen nach der Anwendung. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus und es bilden sich Blasen. Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich unbedingt an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch verschlimmern.

Trockener Reizhusten, Kurzatmigkeit auch in Ruhe, Brustschmerzen und Fieber sind Hinweise auf eine Entzündung oder Infektion der Lunge (bei bis zu 10 von 100 Anwendern). Bei diesen Symptomen sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen. Die Behandlung muss abgebrochen werden.

Methotrexat kann schon in niedriger Dosierung die Blutbildung beeinträchtigen. Erste Anzeichen für diese lebensbedrohliche Komplikation sind Fieber, Halsschmerzen, grippeartige Beschwerden, starke Abgeschlagenheit, Nasenbluten und Hautblutungen. Dann sollten Sie unverzüglich den Arzt aufsuchen.

Methotrexat kann die Leber auch schwer schädigen und eine Gelbsucht auslösen. Bei bis zu 1 von 100 Behandelten entwickelt sich eine Leberfibrose oder -zirrhose. Wenn sich die Haut gelb färbt und Sie zusätzlich starken Juckreiz am ganzen Körper verspüren, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen.

Wenn starker Hautausschlag, Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel auftreten, müssen Sie die Anwendung sofort stoppen und unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen, weil es sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln kann.

Zur Empfängnisverhütung

Methotrexat kann das Erbgut schädigen. Männern, die mit Methotrexat behandelt werden, wird empfohlen, während der Behandlung sowie drei bis sechs Monate danach kein Kind zu zeugen.

Frauen dürfen während und bis mindestens sechs Monate nach Beendigung der Therapie mit Methotrexat nicht schwanger werden. In dieser Zeit sollten Sie deshalb für eine sichere Empfängnisverhütung sorgen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Rheumatoide Arthritis

Methotrexat wird bei Kindern mit schwerer juveniler Arthritis eingesetzt. Die übliche Dosierung liegt bei Kindern über zwei Jahre bei durchschnittlich 10 bis 15 Milligramm pro Quadratmeter Körperoberfläche.

Damit können Kinder eine höhere Dosierung erhalten, als sie für Erwachsene üblich ist. Der Grund ist, dass der kindliche Körper Methotrexat anders um- und abbaut als der von Erwachsenen. Mehr als 30 Milligramm pro Quadratmeter Körperoberfläche sollten es aber auch bei ihnen nicht sein.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Methotrexat darf während der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, da es schwere Fehlbildungen verursachen kann.

Auch während der Stillzeit verbietet sich eine Behandlung mit Methotrexat.

Für ältere Menschen

Aufgrund der im höheren Alter verminderten Leistung von Leber und Nieren und nur geringer Folsäurereserven sollte Methotrexat relativ gering dosiert werden. Auf die erforderlichen Kontrolluntersuchungen ist besonders zu achten.

Sie sehen nun nur noch Informationen zu: ${filtereditemslist}.

Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs