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Magenmittel mit Antibiotika: Bismut + Metronidazol + Tetracyclin (Kombination)

Wirkungsweise

In diesem Präparat sind Tabletten mit den Wirkstoffen Bismut, Metronidazol und Tetracyclin zusammengestellt. Diese drei Stoffe sind für die Behandlung einer Infektion mit dem Magenkeim Helicobacter pylori erforderlich. Zusätzlich muss noch Omeprazol eingenommen werden, um eine Behandlung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren, die durch Helicobacter verursacht wurden, durchzuführen. Die Kombination aus diesen vier Wirkstoffen kann den Magenkeim wirksam beseitigen.

Ob es allerdings notwendig ist, eine solche Viererkombination hierzulande einzusetzen, ist nicht belegt. Auch ist bisher nicht geklärt, inwieweit die Kombination bei breitem Einsatz verträglich ist und wie sich die Empfindlichkeit der Erreger gegen die Wirkstoffe entwickelt.

Wenn allerdings eine Eradikation von Helicobacter mit einer Dreifachkombination aus Pantoprazol + Amoxicillin + Clarithromycin nicht erfolgreich war oder wenn Risikofaktoren für eine Clarithromycin-Resistenz vorliegen, ist die Vierfachkombination zu empfehlen. Denn dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die klassische Dreifachtherapie nicht hilft.

Zu den Risikofaktoren, die eine Resistenz wahrscheinlicher machen, gehören das Herkunftsland des Patienten (Süd-Ost-Europa, z. B. Türkei) sowie eine vorangegangene Behandlung mit einem Makrolid-Antibiotikum wie Clarithromycin oder Erythromycin. Bei der Auswahl der Therapieform müssen also vorangegangene Therapien mit Antibiotika (egal aus welchem Grund) berücksichtigt werden.

Anwendung

Während der Behandlung mit Pylera müssen Sie zehn Tage lang eine große Anzahl von Kapseln schlucken. Nur wenn Sie das Einnahmeschema genau einhalten, werden Sie den Magenkeim sicher los.

Sie nehmen das Mittel viermal täglich ein plus zweimal täglich Omeprazol:

  • 20 mg Omeprazol vor dem Frühstück
  • drei Kapseln nach dem Frühstück,
  • drei Kapseln nach dem Mittagessen,
  • 20 mg Omeprazol vor dem Abendessen,
  • drei Kapseln nach dem Abendessen und
  • drei Kapseln Pylera vor dem Schlafengehen (nach einem kleinen Imbiss).

Die Einnahme nach dem Essen ist wichtig, damit nicht zu viel Bismut ins Blut gelangt. Ebenso wichtig ist die Ergänzung mit dem Protonenpumpenhemmer Omeprazol, denn nur zusammen ist eine effektive Eradikation von Helicobacter möglich. Die Behandlung müssen Sie über zehn Tage fortführen.

Nehmen Sie das Mittel aufrecht ein – im Sitzen oder Stehen und nur zusammen mit einer ausreichenden Menge Wasser, da die Tabletten sonst in der Speiseröhre haften bleiben und dort das Gewebe schädigen können. Nach der Einnahme sollten Sie möglichst ein bis zwei Stunden nicht liegen. Beachten Sie dies insbesondere bei der letzten Dosis am Tag vor dem Schlafengehen.

Achtung

Das in dem Mittel enthaltene Tetracyclin macht die Haut empfindlicher für Sonnenlicht. Während der Behandlung sollten Sie die Haut nie ohne Sonnenschutzmittel der Sonne aussetzen. Sie sollten auch keine Sonnenbäder nehmen und nicht ins Solarium gehen. Sehr oft kommt es während der Behandlung zu sonnenallergieähnlichen Symptomen: Es bilden sich Bläschen und die Haut rötet sich. Entsteht ein Sonnenbrand mit stark geröteter, entzündeter Haut, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Gegenanzeigen

Wenn die Funktion Ihrer Leber oder Nieren gestört ist, dürfen Sie das Mittel nicht einnehmen.

Wenn Sie eine Erkrankung des Nervensystems, z. B. eine Empfindungsstörung an den Armen oder Beinen haben, sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abwägen.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente anwenden, können vermehrt unerwünschte Wirkungen auftreten. Außerdem ist zu beachten:

  • Wird das Mittel gemeinsam mit Disulfiram (zur Alkoholentwöhnung) eingenommen, können psychotische Zustände auftreten.
  • Nehmen Sie hohe Dosen von Lithium (bei Depressionen) ein, sollte der Arzt während der Behandlung den Lithiumspiegel überwachen.
  • Antazida (bei Sodbrennen) und Eisen (bei Blutarmut), Primidon, Carbamazepin, Phenobarbital und Phenytoin (alle bei Epilepsien) sowie Rifampicin (bei Tuberkulose) können verhindern, dass das Mittel in den Blutkreislauf übergeht. Ob dies die Wirksamkeit des Mittels auch im Magen beeinträchtigt, ist unklar. Nehmen Sie diese Mittel deshalb vorsichtshalber im Abstand von zwei bis drei Stunden ein.
  • Dieses Mittel enthält mehrere Antibiotika. Damit sich keine Resistenzen gegen verschiedene Antibiotika entwickeln, sollten nicht weitere Antibiotika hintereinander oder gleichzeitig eingesetzt werden, auch nicht äußerlich.

Unbedingt beachten

Durch Pylera kann sich die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin (bei erhöhter Thrombosegefahr) verlängern. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Das Mittel darf nicht gleichzeitig mit Isotretinointabletten (bei Akne) angewendet werden, weil dann der Hirndruck gefährlich ansteigen kann.

Das Mittel verstärkt die Aufnahme von Digoxin (bei Herzschwäche) ins Blut. Der Arzt sollte daher die Dosis von Digoxin anpassen. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel bei Herzschwäche: verstärkte Wirkung.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Während und bis zu 24 Stunden nach Beendigung der Behandlung mit Pylera dürfen Sie keinen Alkohol trinken. Durch die Kombination kann es zu Kopfschmerzen, Übelkeit und Herzrasen mit Schweißausbrüchen kommen, vereinzelt können auch psychotische Zustände mit Wahnvorstellungen und Halluzinationen auftreten.

Möglicherweise wirkt das Mittel nicht so gut, wenn Sie es zusammen mit Milch oder mit Mineralwässern und Säften, die mit Calcium angereichert sind, einnehmen. Sie sollten daher während der Behandlung möglichst auf calciumreiche Lebensmittel verzichten.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei mehr als einem von zehn Behandelten färbt sich der Stuhl vorübergehend schwarz. Das ist harmlos.

Im Mund kann sich bei mehr als einem von zehn Anwendern ein metallisch-bitterer Geschmack entwickeln. Die Zunge kann grünlich belegt sein und der Urin kann sich rotbraun färben. Diese Veränderungen bilden sich nach dem Ende der Behandlung wieder zurück.

Es können Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen und Appetitlosigkeit auftreten. Leichter Durchfall ist dadurch bedingt, dass die Antibiotika auch die nützlichen Darmbakterien abtöten. Die Verdauung reguliert sich wieder, wenn die Behandlung beendet ist.

Mehr als 1 von 100 Behandelten klagt über Kopfschmerzen oder fühlt sich schwindelig oder benommen.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen.

Wenn Sie die Antibiotika über längere Zeit (mehrere Wochen) und in hoher Dosierung einnehmen müssen, töten die Mittel auch die nützliche Bakterienflora auf den Schleimhäuten in Mund, Rachen und im Genitalbereich ab. Dann können sich dort Pilze vermehren. Solche Pilzinfektionen machen sich bemerkbar, indem sich die Schleimhaut entzündet und sich ein weißlicher Belag bildet. Im Genitalbereich tritt starker Juckreiz auf, bei Frauen zusätzlich unangenehm riechender, weiß-krümeliger Ausfluss. Wenn Sie solche Symptome bemerken, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Mehr als einer von zehn Anwendern reagiert mit Stuhlveränderungen und Durchfall auf die Behandlung. Wenn Sie starken Durchfall bekommen oder der Durchfall länger als drei Tage anhält, sollten Sie sich an einen Arzt wenden.

Die Mundschleimhaut kann sich bei 1 bis 10 von 1 000 Anwendern entzünden und es können sich kleine Geschwüre bilden. Wenn sich das nach wenigen Tagen nicht bessert, sollten Sie es einem Arzt zeigen.

Wenn Sie Fieber bekommen und sich abgeschlagen fühlen, sollte der Arzt das Blutbild kontrollieren.

Ein Gefühl von Taubheit und Kribbeln in Armen und Beinen oder verminderte Druck- und Temperaturempfindlichkeit deutet auf eine Erkrankung der Nervenenden hin. Derartiges trifft 1 bis 10 von 1 000 Behandelte. Dann sollten Sie sich mit dem Arzt in Verbindung setzen.

Sofort zum Arzt

In Einzelfällen kann das Mittel die Gehirnfunktion stören. Wenn die Hände stark zittern, Denk- oder Orientierungsstörungen, Sinnestäuschungen oder Verwirrtheit auftreten, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen.

Lang anhaltende starke Durchfälle mit Bauchkrämpfen und Fieber deuten auf eine lebensbedrohliche Darmentzündung (pseudomembranöse Colitis) hin. Diese Komplikation ist sehr selten und trifft nur einige wenige Behandelte. Bei diesen Symptomen sollten Sie sofort einen Notarzt (Telefon 112) rufen.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen, oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Die oben beschriebenen Hauterscheinungen können in sehr seltenen Fällen auch erste Anzeichen für andere sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arzneimittel sein. Meist entwickeln diese sich während der Anwendung des Mittels nach Tagen bis Wochen. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus, und es bilden sich Blasen ("Syndrom der verbrühten Haut"). Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich sofort an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch lebensbedrohlich verschlimmern.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Wenn Sie die Pille anwenden, ist zu beachten, dass die empfängnisverhütende Wirkung unter Umständen nicht mehr gewährleistet ist. Das Mittel enthält Antibiotika, die einen Großteil der Bakterienflora im Darm zerstören. Daraus resultiert oft Durchfall, sodass die Wirkstoffe aus der Pille nur noch vermindert aufgenommen werden. Es ist nicht sicher, dass sie den Eisprung dann noch wirksam unterdrücken. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel zur Empfängnisverhütung: verringerte Wirkung.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Während der Schwangerschaft und Stillzeit dürfen Sie nicht mit dem Mittel behandelt werden.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Das Mittel darf aufgrund des Tetracyclin-Anteils bei Kindern unter zwölf Jahren nicht angewendet werden. Das Antibiotikum kann Auswirkungen auf das Knochenwachstum und die Zahngesundheit haben.

Für ältere Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren wird der Einsatz des Mittels vom Hersteller nicht empfohlen. Wirksamkeit und Verträglichkeit wurden in dieser Altersgruppe bislang nicht untersucht. Falls bei einem Jugendlichen jedoch eine Infektion mit einem nachgewiesenermaßen Clarithromycin-resistenten Keim vorliegt und die Behandlung unbedingt erforderlich ist, sehen Experten den Einsatz des Mittels als vertretbar an. Bei weniger als 50 Kilogramm Körpergewicht sollte Pylera allerdings niedriger dosiert werden.

Für ältere Menschen

Bei älteren Menschen muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abwägen. In dieser Altersgruppe ist häufig die Nieren- oder Leberfunktion beeinträchtigt oder es müssen noch weitere Medikamente eingenommen werden. Nebenwirkungen treten dann häufiger auf.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Die Bestandteile Metronidazol und Tetracyclin des Mittels können Auswirkungen auf Sehkraft und Reaktionsfähigkeit haben. Wenn Sie sich während der Behandlung mit Pylera schwindelig oder benommen fühlen oder Sie vorübergehend verschwommen sehen, sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs