Medikamente im Test

Lithium

Wirkungsweise

Lithiumpräparate stabilisieren bei Manisch-Depressiven die Stimmungslage. Vom genauen Wirkmechanismus der Lithiumsalze wie Lithiumcarbonat sind bisher erst Teilaspekte bekannt. Lithium beeinflusst unter anderem die Konzentration von Calcium und wichtigen Botenstoffen in den Zellen des zentralen Nervensystems und damit ihre Leitfähigkeit. Außerdem trägt es dazu bei, dass die Konzentration der Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin, Dopamin und Acetylcholin im zentralen Nervensystem ausgewogen ist.

Lithium wird vorwiegend bei schweren bipolaren Erkrankungen eingesetzt, um der häufigen Wiederholung manischer und depressiver Phasen vorzubeugen. Eine einphasige Störung, bei der es nur manische Episoden gibt, kann ebenfalls mit Lithium behandelt werden, wenn diese Episoden wiederkehren. Jede manische Phase erhöht das Risiko, dass ihr eine nächste folgt. Eine Lithiumbehandlung kann das verhindern. Für diese Anwendungen gilt Lithium als "geeignet". Außerdem ist Lithium das einzige Medikament, von dem gesichert ist, dass es das mit Depressionen einhergehende erhöhte Selbsttötungsrisiko eindrucksvoll senken kann.

Weniger gut geeignet ist Lithium, wenn manische und depressive Symptome gleichzeitig bestehen oder die Episoden innerhalb weniger Tage oder Wochen schnell wechseln.

Anwendung

Die antidepressive Behandlung mit Lithium beginnt mit einer niedrigen Dosis. Sie wird nach zwei bis fünf Tagen gesteigert. Frühestens wenn Sie zwei Wochen lang die vom Arzt angestrebte Arzneimittelmenge eingenommen haben, manchmal auch erst nach vier bis sechs Wochen, ist eine Besserung des depressiven Zustands zu erwarten. Die gegen die Manie gerichtete Wirkung kann hingegen schon in der ersten Woche spürbar werden. Selbst wenn Sie sich wohl fühlen, sollten Sie das Medikament mindestens ein halbes Jahr lang einnehmen, damit das Risiko eines Rückfalls geringer wird.

Für die Vorbeugung gegen manische Phasen muss die richtige Lithiumdosierung individuell ermittelt werden. Dazu ist es notwendig, die Konzentration des Stoffes im Blut zu messen, zu Anfang wöchentlich. Auf Dauer genügt eine Messung pro Quartal. Ob Lithium im konkreten Fall den manischen Phasen vorbeugt, lässt sich frühestens nach einem halben Jahr sagen. Ein abschließendes Urteil über die antidepressive und antimanische Wirkung ist erst nach zwei Jahren möglich. Sind weitere manische und depressive Phasen tatsächlich ausgeblieben, sollte die Behandlung mindestens drei Jahre lang fortgeführt werden, wenn nötig, auch ein Leben lang.

Eine Lithiumtherapie sollte sehr langsam, über viele Wochen oder Monate hinweg, beendet werden. In dieser Zeit wird die Dosis stufenweise verringert. Geschieht das zu schnell, ist das Risiko für eine erneute Episode sehr groß.

Achtung

Bei Lithium ist die Spanne zwischen wirksamer Dosierung und Überdosierung relativ schmal. Deshalb sollte der Arzt Ihnen den Unterschied zwischen unerwünschten Wirkungen, die bei einer wirksamen Therapie vorkommen und ertragen werden müssen, und denjenigen, die auf einer Überdosierung beruhen, genau erklären.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Lithium besonders sorgfältig abwägen:

  • Ihre Nieren arbeiten nicht vorschriftsmäßig.
  • Sie leiden an Herzschwäche oder an Herzrhythmusstörungen.
  • Sie leiden an einer Unterfunktion der Schilddrüse.
  • Sie leiden an Myasthenia gravis, einer Autoimmunerkrankung, bei der die Nervenimpulse nicht richtig auf die Muskeln übertragen werden.
  • Sie haben ein Krampfleiden.
  • Sie haben Schuppenflechte.
  • Sie müssen sich kochsalzarm ernähren.

Wird Lithium bei diesen Bedingungen eingesetzt, sind regelmäßige Kontrollen durch den Arzt erforderlich, da das Risiko unerwünschter Wirkungen erhöht ist.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Bestimmte Entwässerungsmittel, z. B. kaliumsparende Diuretika und Thiazide, ACE-Hemmer und Sartane (alle bei hohem Blutdruck) sowie NSAR (bei rheumatoider Arthritis) können den Lithium-Blutspiegel ansteigen lassen und damit dessen Wirkung und die Nebenwirkungen verstärken. Betroffen sind vor allem das Herz, die Nieren und Nerven. Muss Lithium gemeinsam mit solchen Medikamenten eingesetzt werden, sollte der Lithiumblutspiegel regelmäßig kontrolliert und die Dosierung gegebenenfalls angepasst werden.
  • Lithium kann die unerwünschten Wirkungen von Neuroleptika (bei Schizophrenien und anderen Psychosen) verstärken. Es können starke Benommenheit oder Bewegungsstörungen auftreten und das Herz kann unregelmäßig schlagen.

Unbedingt beachten

Lithium sollten Sie nicht zusammen mit Mitteln einnehmen, die den Herzrhythmus beeinflussen. Dazu gehören Antiarrhythmika wie Amiodaron und Chinidin (bei Herzrhythmusstörungen). Andernfalls erhöht sich das Risiko für bedrohliche Herzrhythmusstörungen, den Torsade de pointes. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel bei Herzrhythmusstörungen: verstärkte Wirkung.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Coffeinhaltige Lebensmittel wie Kaffee, Tee und Colagetränke können die Ausscheidung von Lithium erhöhen. Während einer Behandlung mit Lithium sollte der Konsum dieser Genussmittel möglichst nicht verändert werden. Trinken Sie während einer Lithiumtherapie – im Gegensatz zur Zeit ihres Beginns z. B. keine coffeinhaltigen Getränke mehr, kann sich der Blutspiegel von Lithium erhöhen und die Gefahr unerwünschter Wirkungen steigt. Dann muss der Lithiumblutspiegel sorgfältig kontrolliert werden.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Lithium kann Haarausfall auslösen. Dieser lässt meist wieder nach, sobald das Mittel abgesetzt wird.

Zu Beginn der Behandlung bemerkt bis zu ein Viertel der Kranken, dass die Hände zittern.

Auch Durst und vermehrte Urinausscheidung können auftreten. Beides gibt sich zwar meist von selbst, doch sollten Sie dem Arzt davon berichten. Ein Durchfall aufgrund des Mittels ist meist so leicht, dass er nicht stört.

Muss beobachtet werden

Die Behandlung mit Lithium kann zu einer Gewichtszunahme führen. Hiervon sind besonders Menschen betroffen, die bereits zu Übergewicht neigen. Wenn Sie sehr häufig Wasser lassen müssen oder deutlich an Gewicht zulegen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Das Mittel kann bei längerer Einnahme die Funktion der Schilddrüse beeinträchtigen. Besonders häufig sind davon junge Frauen betroffen. Deshalb sollte die Schilddrüsenfunktion einmal pro Jahr überprüft werden. Ungewöhnliche Müdigkeit kann ein Zeichen dafür sein, dass sich eine Schilddrüsenunterfunktion entwickelt hat. Als weiteres Symptom gilt ein verdickter Hals durch einen Kropf. Wenden Sie sich dann an einen Arzt. Bestätigen entsprechende Untersuchungen die Unterfunktion, müssen Sie zusätzlich zur Lithiumtherapie das Schilddrüsenhormon Levothyroxin einnehmen.

Das Mittel kann bei Dauereinnahme die Nieren schädigen. Besonders häufig sind davon junge Frauen betroffen. Deshalb sollte die Nierenfunktion in regelmäßigen Abständen überprüft werden. Wenn Sie Wasseransammlungen in den Beinen bemerken, sollten Sie davon dem Arzt berichten.

Wenn unwillkürliche Bewegungen an Armen und Beinen, Zittern oder Koordinationsschwierigkeiten auftreten oder wenn das Sprechen undeutlich wird, sollte der Arzt die Lithiumdosis überprüfen.

Die Haut kann sich röten, jucken und schuppen. Wenn sich zusätzlich Bläschen bilden, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Tritt ein Krampfanfall auf, muss sofort ein Arzt gerufen werden.

Der Arzt muss auch sofort benachrichtigt werden, wenn es Anzeichen für eine beginnende Lithiumvergiftung gibt. Hierzu gehören zunächst heftiges Händezittern, Erbrechen, Durchfall, langsame Bewegungen, verwaschene Sprache und Schläfrigkeit. Später kommen Bewusstseinsstörungen, Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle und schwere Nierenfunktionsstörungen hinzu.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Über die Anwendung bei Kindern unter zwölf Jahren gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Sicherheitshalber sollten sie mit diesem Mittel nicht behandelt werden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Eine Lithiumbehandlung sollte in der Schwangerschaft möglichst nicht begonnen werden. Sind Sie aber mit Lithium stabil eingestellt und werden schwanger, kann die Behandlung nach sorgfältigem Abwägen von Nutzen und Risiken fortgeführt werden. Die Tagesdosis sollte auf mehrere kleine Einzeldosen verteilt werden. Dann müssen die Lithiumblutspiegel im gesamten Schwangerschaftsverlauf häufiger kontrolliert werden als sonst. Lithium wird zum Ende der Schwangerschaft verstärkt aus dem Körper ausgeschieden. Gegebenenfalls muss in dieser Zeit die Dosis angepasst werden. Da das Medikament möglicherweise zu Fehlbildungen am Herzen des Kindes führt, sollten Sie mit dem Gynäkologen besprechen, ob Sie eine spezielle Ultraschalluntersuchung machen lassen.

In den ersten Lebenstagen sollten Sie besonders aufmerksam sein, ob das Neugeborene schlapp und schwach wirkt, schlecht trinkt, schnell atmet oder sich seine Haut bläulich färbt. Das können Auswirkungen der Lithiumeinnahme sein. Vonseiten des Arztes muss beim Säugling eine Unterfunktion der Schilddrüse ausgeschlossen werden.

Ob Sie während einer Lithiumbehandlung stillen können, sollten Sie mit Ihrem Arzt beratschlagen. Stillen Sie das Kind, müssen Sie es aufmerksam auf Symptome wie Bewegungsstörungen beobachten. Wenn der Säugling Fieber hat oder wenig trinkt, kann er schnell austrocknen.

Für ältere Menschen

Ältere Menschen reagieren häufig empfindlicher auf Lithium als jüngere Menschen. Außerdem kann sich bei ihnen durch eine altersbedingte Nierenfunktionsstörung Lithium stärker im Blut anreichern. Dann genügt eine geringere Dosis, um die angestrebte Wirkung zu erzielen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Wenn Schläfrigkeit, Schwindel oder Koordinationsstörungen auftreten, sollten Sie kein Fahrzeug lenken, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs