Medikamente im Test

Lisdexamfetamin

Wirkungsweise

Lisdexamfetamin wirkt bei einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS). Der Wirkstoff ist ein synthetischer Abkömmling des stark anregenden Wirkstoffs Amfetamin. Lisdexamfetamin wird im Körper rasch zu einer Substanz umgebaut, die etwa zehn Stunden lang wirkt. Wie diese Substanz eine ADHS genau beeinflusst, ist nicht vollständig geklärt.

Lisdexamfetamin ist vorgesehen zur Behandlung von ADHS bei Kindern ab sechs Jahren und Jugendlichen, wenn eine vorangegangene Behandlung mit Methylphenidat nicht erfolgreich war. Erwachsene können mit Lisdexamfetamin weiterbehandelt werden, wenn sie das Mittel als Jugendliche eingenommen und davon eine eindeutige Besserung erfahren haben und die Beschwerden bis ins Erwachsenenalter fortbestehen.

In den Studien, in denen die Wirksamkeit einer Behandlung mit Lisdexamfetamin mit einer Scheinbehandlung verglichen wurde, verbesserte der Wirkstoff das Beschwerdebild der ADHS. Wie das Mittel im Vergleich zu den anderen Wirkstoffen, die bei ADHS eingesetzt werden, einzuschätzen ist, ist derzeit nicht sicher zu beantworten. Nach den bisher vorliegenden Daten scheint der Effekt von Lisdexamfetamin dem einer Methylphenidatzubereitung, die den Wirkstoff langsam freisetzt, zu entsprechen. Die beiden Wirkstoffe sind bisher aber noch kaum direkt miteinander verglichen worden. Im Vergleich zu Atomoxetin ergaben sich in einer Untersuchung zwar Vorteile für Lisdexamfetamin, doch ist dieses Ergebnis aufgrund von Qualitätsmängeln bei der Studie noch mit Zweifeln behaftet. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen kann keinen Zusatznutzen gegenüber Atomoxetin feststellen, wenn die Mittel nach einer erfolglosen Methylphenidatbehandlung eingesetzt werden. Auch hinsichtlich der Nebenwirkungen sind keine Vorteile gegenüber anderen ADHS-Mitteln nachgewiesen. Im Gegenteil: Weitere Studien müssen klären, ob Lisdexamfetamin schwere Herzschäden hervorrufen kann.

Da Lisdexamfetamin zur Behandlung von ADHS noch recht neu und wenig untersucht ist, wird es bei Kindern als „auch geeignet“ bewertet, wenn zuvor Methylphenidat die Beschwerden nicht ausreichend besserte. Für seinen Einsatz bei Erwachsenen gilt es als "mit Einschränkung geeignet". Der Grund ist vor allem, dass Langzeitstudien fehlen, die seine nachhaltige Wirksamkeit und Verträglichkeit belegen. "Wenig geeignet" ist es bei Anwendern jeden Alters, wenn es ohne Begleittherapien eingesetzt wird, die auf ein verändertes Verhalten abzielen.

Anwendung

Das Mittel wird individuell dosiert. Als Anfangsdosis werden einmal täglich 30 Milligramm Lisdexamfetamin empfohlen. Im Einzelfall können auch 20 Milligramm ausreichend sein. Muss die Dosierung gesteigert werden, geschieht das im Wochenabstand in Schritten von jeweils 10 oder 20 Milligramm. Die Tageshöchstdosis liegt bei 70 Milligramm Lisdexamfetamin, bei Personen mit deutlich eingeschränkter Nierenfunktion bei 50 Milligramm.

Das Mittel sollte morgens eingenommen werden, um Schlafstörungen zu vermeiden.

Vor Beginn der Behandlung und jedesmal, wenn die Medikamentendosierung erhöht wird, müssen Blutdruck und Puls gemessen und die Werte dokumentiert werden. Während der Behandlung sind diese Kontrollen halbjährlich notwendig. Durch den Vergleich der Werte wird sichergestellt, dass eventuelle Einflüsse von Lisdexamfetamin auf das Herz frühzeitig erkannt werden.

Bei Kindern müssen zu Behandlungsbeginn Körpergewicht und Körpergröße festgestellt und alle sechs Monate kontrolliert werden. Wenn das Mittel Wachstumsverzögerungen verursacht, sollten sie auf diese Weise frühzeitig entdeckt werden. Bei erheblicher Abweichung von durchschnittlichen Normalwachstum muss die Behandlung unter Umständen abgebrochen werden.

Hat sich die Symptomatik nach vier Wochen nicht spürbar gebessert, sollte die Behandlung beendet werden.

Wie lange die Behandlung fortgeführt wird, hängt davon ab, wie das Kind auf das Medikament anspricht. Dosierung und Einnahmenotwendigkeit sollten vom Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen in etwa halbjährlichem Abstand überprüft werden. Außerdem sollte das Medikament immer wieder längere Zeit, z. B. in den Schulferien, abgesetzt werden. So lässt sich auch feststellen, ob es überhaupt noch notwendig ist.

Bei Erwachsenen, die mit dem Mittel über die Jugendzeit hinaus behandelt werden, sollte jedes Jahr überprüft werden, ob die weitere Einnahme noch notwendig ist.

Achtung

Lisdexamfetamin wirkt anregend, eventuell auch euphorisierend. Mit dieser Eigenschaft verbindet sich das Risiko für missbräuchliche Anwendung, Übergebrauch und Gewöhnung. Das kann dazu führen, dass die empfohlene Dosierung um ein Vielfaches überschritten wird und es zu einer Abhängigkeit kommt. Anzeichen dafür sind deutliche Müdigkeit und depressive Verstimmungen, wenn die Dosis verringert wird, ausgeprägte Schlafstörungen und Persönlichkeitsveränderungen bis hin zur Entwicklung von Psychosen.

Mittel mit Lisdexamfetamin dürfen nicht abrupt abgesetzt werden, vielmehr sollte die Dosis nach und nach verringert werden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen darf Lisdexamfetamin nicht eingenommen werden:

  • Es besteht eine Schilddrüsenüberfunktion.
  • Der ADHS-Betroffene gerät immer wieder in Erregungszustände.
  • Es liegt ein Engwinkelglaukom (grüner Star) vor.
  • Es bestehen Beschwerden aufgrund einer Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems, wie angeborener Herzfehler, Verdickung des Herzmuskels, Angina Pectoris und Herzrhythmusstörungen.
  • Der Blutdruck ist mäßig bis stark erhöht oder die Blutgefäße sind durch Ablagerungen stark verengt.
  • Der Betroffene wird mit einem Wirkstoff aus der Gruppe der MAO-Hemmer wie Tranylcypromin (bei Depressionen) behandelt oder eine solche Behandlung liegt weniger als 14 Tage zurück. Dann ist das Risiko für einen bedrohlichen Blutdruckanstieg erhöht.

Unter folgenden Voraussetzungen muss der Arzt Nutzen und Risiken einer Behandlung mit Lisdexamfetamin besonders sorgfältig abwägen:

  • Das Risiko für eine Herz- oder Gefäßerkrankung, die mit Veränderungen am Herzmuskel, der Reizleitung am Herzen oder mit einer schlechteren Durchblutung einhergeht, ist erhöht. Dann kann Lisdexamfetamin das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall oder plötzlichen Herztod erhöhen. Erwachsene sind davon eher betroffen als Kinder.
  • Der Blutdruck ist erhöht oder es gibt Herzrhythmusstörungen, die aber derzeit keine Beschwerden verursachen.
  • Es besteht eine Epilepsie.
  • Es gibt bereits eine psychische Störung, z. B. eine psychotische Störung, eine manisch-depressive Erkrankung oder Tics. Bei einer Behandlung mit Lisdexamfetamin können sich die Beschwerden verstärken.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn noch andere Medikamente eingenommen werden, ist zu beachten, dass die Wirkung von Lisdexamfetamin durch Haloperidol (bei Schizophrenien und anderen Psychosen) vermindert werden kann. Außerdem ist zu beachten, dass Lisdexamfetamin bei gleichzeitiger Anwendung von Sympathomimetika wie Phenylephrin (z. B. in Wick Daymed Erkältungsgetränk) und Pseudoephedrin (z. B. in Rhinopront Kombi) stärker wirken kann.

Unbedingt beachten

MAO-Hemmer wie Tranylcypromin (bei Depressionen) und Lisdexamfetamin dürfen nicht gemeinsam angewendet werden, weil sonst der Blutdruck gefährlich stark ansteigt und sich das Risiko für innere Blutungen und Organschäden erhöht. MAO-Hemmer müssen zwei Wochen lang abgesetzt sein, bevor eine Therapie mit Lisdexamfetamin beginnen kann.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

10 von 100 Anwendern können reizbar und angespannt sein, aber auch aufgedreht und euphorisch wirken. Manche schwitzen sehr.

Bei 1 bis 10 von 100 Anwendern treten Beschwerden im Magen-Darm-Trakt auf. Der Mund fühlt sich trocken an, es kommt zu Übelkeit und Bauchschmerzen. Der Appetit lässt nach. Mehr als 10 von 100 Anwendern verlieren an Gewicht.

Muss beobachtet werden

Bei mehr als 10 von 100 Anwendern treten Schlafstörungen auf, 1 bis 10 von 100 Personen sind dann tagsüber müde. Wenn die Müdigkeit den Alltag erheblich beeinträchtigt, sollte ein Arzt zurate gezogen werden.

Bei etwa 1 von 100 Behandelten treten Schwindel, verschwommenes Sehen oder Doppeltsehen auf. Auch kann es Schwierigkeiten geben, die Augen auf das Sehen in der Nähe oder Ferne einzustellen. Das kann die Orientierungs- und Reaktionsfähigkeit einschränken.

Schon nach wenigen Wochen kann sich der Körper an den Wirkstoff gewöhnen. Wird das Medikament dann nicht wie gewohnt zugeführt, drohen Entzugserscheinungen wie Kopfschmerzen, Unruhe, Benommenheit und depressive Verstimmungen, die sich bis zu psychotischen Reaktionen und Krampfanfällen verstärken können. Bei derartigen Symptomen sollte rasch ein Arzt aufgesucht werden.

Das Mittel kann den Blutdruck im Lungenkreislauf erhöhen und dadurch zu Kurzatmigkeit und verringerter körperlicher Belastbarkeit führen. Auch der Blutdruck im übrigen Körperkreislauf und der Puls können ansteigen. Bei etwa 1 von 100 Personen kann das zu Herzrasen, Herzrhythmusstörungen und Veränderungen des Herzmuskels führen. Wenn das Herz stolpert und unregelmäßig schlägt und sich bei Anstrengung Schmerzen im Brustkorb oder Atembeschwerden einstellen, sollte der Betroffene möglichst bald von einem Arzt untersucht werden.

Das Mittel kann zu aggressivem und feindseligem Verhalten führen, insbesondere zu Beginn der Behandlung. Dann sollte ein Arzt zurate gezogen werden.

Bei Krampfanfällen, die bei der Behandlung mit Lisdexamfetamin erstmalig auftreten oder vermehrt bei denjenigen, die schon einmal Krampfanfälle hatten, sollte der Arzt das Mittel absetzen.

Wenn sich die Haut verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Dann sollten Sie es absetzen. Sind die Hauterscheinungen einige Tage später nicht deutlich abgeklungen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Wenn starker Hautausschlag, Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel auftreten, müssen Sie die Anwendung sofort abbrechen und unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen, weil es sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln kann.

Das Mittel kann darüber hinaus vereinzelt sehr schwerwiegende Hautreaktionen auslösen. Meist entwickeln sie sich etwa drei bis fünf Wochen nach der Anwendung. Sie beginnen damit, dass sich die Haut verstärkt rötet und juckt. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus und es bilden sich Blasen. Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich unbedingt an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch verschlimmern.

Möglich ist auch, dass das Unterhautfettgewebe anschwillt. Geschieht dies im Bereich von Hals, Gesicht, Lippen und Zunge besteht die Gefahr von Atemnot und Erstickungsanfällen. Dann müssen Sie sofort einen Arzt rufen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Mit dem Mittel können Kinder ab sechs Jahre behandelt werden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Über die Anwendung von Lisdexamfetamin während der Schwangerschaft gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Allerdings kann das wirksame Abbauprodukt des Wirkstoffs das Ungeborene erreichen. Zwar gibt es bislang keine Hinweise auf Fehlbildungen, doch sollte Lisdexamfetamin in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der zu erwartende Nutzen für die Mutter höher eingeschätzt wird als das mögliche Risiko für das Kind.

Lisdexamfetamin kann in die Muttermilch übergehen. Das Medikament darf daher während der Stillzeit nicht angewendet werden.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Die möglichen Nebenwirkungen wie Schwindel, Schläfrigkeit und Sehstörungen können die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen einschränken. Daher sollten Sie zu Beginn der Behandlung und bei entsprechenden Beschwerden nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs