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Lipidsenker: Fibrate

Wirkungsweise

Fibrate senken vor allem die Triglyceride, weniger das Gesamtcholesterin. Sie führen dazu, dass die Leber weniger Triglyceride herstellt, aber vermehrt Cholesterin aufnimmt, das über Galle und Darm wieder ausgeschieden wird. Darüber hinaus erhöhen sie das HDL-Cholesterin. Außerdem werden weniger fetttransportierende Eiweißstoffe produziert. Testergebnisse Fibrate

Fibrate sind sinnvoll, wenn sehr hohe Triglyceridwerte gesenkt werden müssen. Für diesen Zweck ist besonders Gemfibrozil geeignet und den anderen Wirkstoffen vorzuziehen. Es liegen Untersuchungen vor, die zeigen, dass dieser Wirkstoff bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Herzinfarktrate senken kann.

Bezafibrat und Fenofibrat sind gegenüber Gemfibrozil nur mit Einschränkung geeignet, weil für diese Wirkstoffe noch besser nachgewiesen werden sollte, dass sie das Risiko verringern, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu bekommen und an ihnen zu versterben.

Gemfibrozil kann auch bei erhöhten Cholesterinwerten eingesetzt werden, wenn Statine nicht angewendet werden können. Weil es aber schlechter wirkt als diese, ist das Mittel für diesen Einsatzbereich nur mit Einschränkung geeignet.

Anwendung

Der Arzt sollte vor und 6 Wochen nach Beginn der Einnahme, dann nach 3 Monaten und später alle 6 Monate die Leberwerte kontrollieren. Wenn sie über das Dreifache der Normwerte ansteigen, sollten Fibrate nicht mehr angewendet werden.

Achtung

Fibrate können vereinzelt die Empfindlichkeit der Haut gegenüber Sonnenlicht erhöhen, sodass sich die Haut großflächig entzündet. Wenn dies bei Ihnen bereits einmal vorgekommen ist, dürfen Sie keine Fibrate mehr einnehmen.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie keine Fibrate einnehmen:

  • Ihre Leber arbeitet nur noch eingeschränkt.
  • Sie haben eine Erkrankung der Gallenblase.
  • Die Nierenfunktion ist stark eingeschränkt.

Wenn die Nierenfunktion leicht bis mittelschwer gestört ist, muss der Arzt die Dosis um die Hälfte oder auf ein Viertel der normalen Menge verringern.

Wenn eine Muskelerkrankung vorliegt, muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Fibraten sorgfältig abwägen.

Gemfibrozil dürfen Sie nur mit Vorsicht einsetzen, wenn Sie Typ-2-Diabetes haben und mit Sulfonylharnstoffen oder Repaglinid behandelt werden. Dann kann sich die Wirkung der blutzuckersenkenden Wirkstoffe sehr verstärken und verlängern, sodass das Risiko für schwerwiegende Unterzuckerungen steigt.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Nur nach sehr sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken sollten Sie Fibrate gleichzeitig mit Statinen (ebenfalls bei erhöhten Blutfetten) einnehmen, weil bei kombinierter Anwendung das Risiko für schwere Muskelschäden steigt. Mittel mit dem Wirkstoff Rosuvastatin dürfen Sie dann keinesfalls in der 40-Millligramm-Dosierung einnehmen, sondern – wenn überhaupt – allenfalls in einer niedrigeren Dosis.
  • Wenn Sie gleichzeitig Colestyramin einnehmen, um Cholesterin zu senken, müssen Sie die Fibrate eine Stunde vor oder vier Stunden nach der Anwendung von Colestyramin einnehmen, weil die Mittel sonst nicht richtig aufgenommen werden.

Unbedingt beachten

Fibrate verstärken die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden. Zu Beginn sowie nach Beendigung der gleichzeitigen Einnahme sollten Sie deshalb die Blutgerinnung häufiger als sonst selbst kontrollieren oder vom Arzt kontrollieren lassen und gegebenenfalls nach Absprache mit dem Arzt die Dosis der Gerinnungshemmer anpassen. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Fibrate verstärken auch die Wirkung von Sulfonylharnstoffen und Repaglinid (bei Typ-2-Diabetes). Damit wächst die Gefahr für eine Unterzuckerung, vor allem nachts. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel zur Blutzuckersenkung: verstärkte Wirkung.

Gemfibrozil dürfen Sie keinesfalls zusammen mit Repaglinid einnehmen.

Nebenwirkungen

Mittel aus dieser Wirkstoffgruppe können Haarausfall auslösen. Dieser lässt meist wieder nach, sobald das Mittel abgesetzt wird.

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Es können Magen-Darm-Beschwerden wie Völlegefühl, Übelkeit, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durchfall (bei mehr als 1 von 100 Behandelten) auftreten.

Muss beobachtet werden

Alle Fibrate können dazu führen, dass sich die Konzentration von Cholesterin in der Gallenflüssigkeit erhöht. Dadurch steigt das Risiko, dass sich Gallensteine bilden. Wenn Sie Bauchschmerzen haben, sollte der Arzt mit Ultraschall kontrollieren, ob Gallensteine vorhanden sind. Wenn ja, dürfen Sie die Fibrate nicht weiter einnehmen.

Etwa ein von zehn behandelten Männern klagt während der Behandlung über Impotenz. Belastet diese Nebenwirkung Ihr Sexualleben nachhaltig, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt und Sie ein Alternativmedikament benötigen. Solche Unverträglichkeitsreaktionen kommen bei mehr als 1 von 100 Behandelten vor.

Sofort zum Arzt

Die Mittel können die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind: eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen. Solche allergischen Reaktionen kommen selten vor.

Sehr selten können Fibrate die Skelettmuskelzellen so schwer schädigen, dass sie zerfallen (Rhabdomyolyse). Bei diesem Zerfall wird der Muskelfarbstoff Myoglobin freigesetzt, der den Urin bräunlich-rot verfärbt. Beobachten Sie eine solche Verfärbung, müssen Sie das Medikament umgehend absetzen und den Arzt aufsuchen. Er sollte sofort die Werte für Leberenzyme, Creatinin, Creatinkinase (CK) sowie Myoglobin im Blut bestimmen. Beim Zerfall der Muskelzellen können auch die Nieren schwer geschädigt werden. Wird nicht rasch, gegebenenfalls auch mit einer Dialyse zur Blutwäsche behandelt, kann eine Rhabdomyolyse tödlich verlaufen. Die Gefahr für diese schwere unerwünschte Wirkung steigt, wenn Sie neben Fibraten gleichzeitig Statine einnehmen.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

In Schwangerschaft und Stillzeit dürfen Fibrate nur gegeben werden, wenn eine akut lebensbedrohliche Situation durch massiv erhöhte Triglyceride droht, z. B. eine starke Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Der Arzt sollte dann Nutzen und Risiken sorgfältig abwägen.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollten die Mittel nicht einnehmen. Unbedenklichkeit und Wirksamkeit wurden in dieser Altersgruppe noch nicht oder noch nicht ausreichend nachgewiesen.

Für ältere Menschen

Sie sollten mit der geringstmöglichen Dosis behandelt werden, weil die Nieren im Alter oft nur noch eingeschränkt arbeiten. Dann drohen eher unerwünschte Wirkungen.

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