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Lipidsenker: Atorvastatin, Fluvastatin, Lovastatin, Pravastatin, Rosuvastatin und Simvastatin

Wirkungsweise

Statine (auch CSE-Hemmer genannt) blockieren ein für die Bildung von Cholesterin wesentliches Enzym, das Cholesterin-Synthese-Enzym (CSE). Wird dieses gehemmt, wird weniger Cholesterin hergestellt und die im Blut verfügbare Menge sinkt.

Das ist aber nur ein Teil der Wirkung. Weil auch der Cholesteringehalt in den Leberzellen sinkt, werden diese "hungrig" auf Cholesterin und besetzen ihre Oberfläche mit mehr Bindungsstellen für LDL-Cholesterin. Diese Rezeptoren nehmen nun vermehrt schädliches LDL-Cholesterin auf und entziehen es damit dem Blutkreislauf.

Alle Statine verringern den Anteil des schädlichen LDL-Cholesterins und in gewissem Maße auch der Triglyceride im Blut. Zugleich erhöhen sie den Blutspiegel des nützlichen HDL-Cholesterins. Dabei gilt: Je höher die Ausgangswerte der Blutfette sind, desto deutlicher ist der blutfettsenkende Effekt. Das LDL sinkt um durchschnittlich 30 bis 50 Prozent, der Triglyceridspiegel um deutlich weniger. Das HDL-Cholesterin steigt um bis zu zehn Prozent.

Für fast alle Statine gibt es Belege, dass sie die Sterberate verringern und die Häufigkeit von Herzinfarkten senken. Das gilt sowohl für erstmalig auftretende als auch für wiederholte Herzinfarkte. Statine sind somit anderen Blutfettsenkern vorzuziehen. Nur für Fluvastatin liegen noch keine gleichwertigen Studienergebnisse vor, es wird dennoch ähnlich wie die anderen Stoffe dieser Gruppe eingeschätzt. Alle diese Statine sind zur Senkung erhöhter Blutfette geeignet.

Statine scheinen den Verlauf von Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht allein durch den blutfettsenkenden Effekt zu beeinflussen, sondern auch durch andere, davon unabhängige Mechanismen. Beispielsweise wird diskutiert, ob Statine antientzündliche Effekte haben. Von Interesse ist dies, da Komplikationen einer Arteriosklerose wie Angina Pectoris, Herzinfarkt und Schlaganfall durch entzündliche Vorgänge mit bedingt werden. Auch beeinflussen Statine das Gerinnungssystem und tragen dazu bei, dass sich die Muskelfasern in den Blutgefäßen entspannen. Ob diese Wirkungen bei allen Wirkstoffen gleichermaßen ausgeprägt sind und welchen Anteil sie am therapeutischen Effekt haben, ist bislang nicht bekannt.

Rosuvastatin wirkt erheblich stärker als die anderen Statine, weshalb schon eine Dosis von fünf Milligramm täglich ausreichend sein kann, um die Blutfette zu senken.

Seit Anfang 2010 darf Rosuvastatin bei Personen mit einem hohen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt werden, auch wenn die Blutfette nicht erhöht sind. Grundlage für die Erweiterung der Zulassung war eine sehr groß angelegte Studie unter Beteiligung von 1 315 Zentren mit fast 18 000 Teilnehmenden. Bei diesen Probanden waren zwar nicht die Blutfette erhöht, wohl aber ein bestimmter Blutwert, der als Indikator für entzündliche Prozesse im Körper gilt (C-reaktives Protein, CRP-Wert). Es sollte geprüft werden, ob Rosuvastatin bei diesen Personen einen Herzinfarkt oder Schlaganfall verhindern kann, indem es diese entzündliche Aktivität senkt. Die Hälfte der Teilnehmer bekam Rosuvastatin, die andere ein Scheinmedikament. Diese Studie wurde bereits nach einer durchschnittlichen Behandlungszeit von zwei Jahren abgebrochen, weil in der Statingruppe deutlich weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle auftraten und auch die Sterberate geringer war.

Dennoch kann eine vorbeugende Einnahme von Rosuvastatin bei normalen Cholesterinwerten derzeit nicht generell empfohlen werden. Zum einen muss mit unerwünschten Wirkungen auf die Muskulatur gerechnet werden, zum anderen wurden in der Rosuvastatingruppe häufiger Diabetes oder – als mögliches Zeichen einer Nierenschädigung – erhöhte Eiweißwerte im Urin festgestellt. Überdies würde bei einer vorbeugenden Einnahme eine Vielzahl von Menschen mit Rosuvastatin behandelt, ohne einen Nutzen davon zu haben, denn der positive Effekt tritt nicht bei jedem Teilnehmenden auf.

In einer weiteren Studie (HOPE-3) wurde die Behandlung mit niedrig dosiertem Rosuvastatin (10 mg) mit einem Scheinmedikament verglichen. Die Studienteilnehmer hatten mindestens einen weiteren kardiovaskulären Risikofaktor, aber noch keine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Über einen Zeitraum von fünfeinhalb Jahren zeigte sich auch bei denen, deren Blutfettwerte nur leicht erhöht waren, ein Effekt. Es traten weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle auf. Allerdings war der Effekt in absoluten Werten gering. Statt 5 von 100 Personen waren nur 4 von 100 von einem Herzinfarkt oder Schlaganfall betroffen.

Zahlreiche Fachleute gehen davon aus, dass der Nutzen einer Behandlung mit blutfettsenkenden Mitteln umso größer ist, je stärker die Werte fallen. Um solche drastischen Effekte zu erreichen, wird deshalb immer häufiger empfohlen, Statine in relativ hoher Dosierung einzunehmen oder verschiedene blutfettsenkende Mittel miteinander zu kombinieren. Dem zu erwartenden höheren Nutzen steht allerdings ein größeres Risiko für unerwünschte Wirkungen entgegen, das bei der Verordnung berücksichtigt und mit den Betroffenen diskutiert werden muss. Vor allem die Muskulatur kann Schaden nehmen.

Die Entscheidung für die Einnahme von Statinen richtet sich aber nicht nur nach der Höhe der Blutfette. Sie hängt auch davon ab, ob bei Gesunden mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko einem Herzinfarkt oder Schlaganfall vorgebeugt werden soll (Primärprävention) oder ob bei einer bereits vorhandenen Herz-Kreislauf-Erkrankung (z. B. koronare Herzkrankheit, arterielle Durchblutungsstörungen in Becken und Beinen) ein (erneuter) Herzinfarkt oder Schlaganfall verhindert werden soll (Sekundärprävention). Außerdem kommt es darauf an, ob zusätzlich Risikofaktoren vorliegen, die die Gefahr für einen ersten oder weiteren Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöhen, z. B. hoher Blutdruck, Diabetes, Rauchen oder eine familiär bedingte Neigung zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wird bei Ihnen ein erhöhter Blutfettspiegel festgestellt, sollte der Arzt mit Ihnen gemeinsam Ihr persönliches Risikoprofil für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erstellen. Dafür gibt es spezielle Tabellen, aus denen dieses Risiko ablesbar ist. Ob die Einnahme von Statinen sinnvoll ist, hängt von der Höhe des Blutfettspiegels ab. Er trägt wesentlich zum Zehn-Jahres-Risiko für die kardiovaskuläre Sterblichkeit bei (SCORE-Wert). Die Einnahme von Statinen ist sinnvoll, wenn dieser SCORE-Wert über fünf Prozent liegt.

Anwendung

Alle Statine müssen in der Regel nur einmal täglich eingenommen werden. Da der Körper Cholesterin im Wesentlichen nachts herstellt, empfiehlt es sich, die Mittel abends einzunehmen (außer, Sie brauchen eine hohe Dosis und somit mehrere Tabletten, dann verteilen Sie die Gesamtdosis auf morgens und abends).

Die Wirkung setzt nach etwa ein bis zwei Wochen ein, spätestens nach vier bis sechs Wochen.

Statine müssen über lange Zeit hinweg eingenommen werden, womöglich sogar lebenslang.

Es ist unklar, ob die Mittel die Augenlinse trüben können. Sicherheitshalber sollten Sie die Augen vor Beginn der Behandlung und später einmal jährlich augenärztlich untersuchen lassen.

Außerdem sollte der Arzt vor Beginn der Einnahme und dann alle drei Monate und jedes Mal, wenn die Dosis erhöht wird, die Leberwerte kontrollieren. Wenn die Werte über das Dreifache der Normwerte ansteigen, sollten Sie Statine nicht mehr anwenden. Da Statine das Risiko erhöhen können, an Diabetes zu erkranken, sollte der Arzt bei Personen, die dafür besonders gefährdet sind, verstärkt auf Anzeichen für Diabetes achten. Diabetesgefährdet sind vor allem Personen mit hohen Triglyceridwerten, hohem Blutdruck, erheblichem Übergewicht und erhöhten Nüchternblutzuckerwerten und wenn in der Familie (z. B. bei den Eltern) bereits eine Diabeteserkrankung aufgetreten ist.

Statine können eine Muskelerkrankung hervorrufen, die sich als Muskelschwäche und Muskelschmerz äußert und mit einer starken Erhöhung des Muskelzellenzyms Creatinkinase, abgekürzt CK, einhergeht. Der Arzt sollte diesen CK-Wert im Blut vor Behandlungsbeginn und unter der Therapie vor allem unter folgenden Bedingungen überwachen:

  • Die Nierenfunktion ist eingeschränkt.
  • Sie haben eine Unterfunktion der Schilddrüse.
  • In der Familie bestehen erbliche Muskelerkrankungen.
  • Während der Einnahme von Statinen oder Fibraten sind bereits Muskelschäden aufgetreten.
  • Sie hatten eine Lebererkrankung.
  • Sie trinken viel Alkohol.
  • Sie sind älter als 70 Jahre.

Diese Untersuchungen werden ebenfalls notwendig, wenn während der Behandlung Muskelschmerzen und Muskelschwäche auftreten.

Atorvastatin: Dieses Mittel liegt auch als Kautablette vor, was günstig ist, wenn es Ihnen schwerfällt, Tabletten zu schlucken.

Rosuvastatin: Wenn Sie dieses Mittel in einer Dosierung von 40 Milligramm täglich einnehmen, sollte der Arzt regelmäßig die Nierenwerte überprüfen.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie keine Statine anwenden:

  • Sie haben eine Muskelerkrankung.
  • Ihre Leber arbeitet nicht richtig oder Ihre Leberwerte sind ohne erkennbaren Grund stark erhöht.
  • Sie sind alkoholkrank.

Lovastatin und Simvastatin dürfen Sie unter folgenden Bedingungen nicht einnehmen:

  • Sie haben eine Pilzerkrankung und nehmen dagegen Tabletten mit den Wirkstoffen Itraconazol oder Ketoconazol ein.
  • Sie haben eine bakterielle Infektion und werden mit einem Antibiotikum wie Erythromycin, Clarithromycin oder Telithromycin behandelt.
  • Sie sind HIV-infiziert und werden mit Indinavir, Ritonavir oder Saquinavir behandelt.

Wenn Ihre Nieren sehr stark geschädigt sind, sollte der Arzt Nutzen und Risiken einer Anwendung dieser Mittel sorgfältig abwägen und gegebenenfalls die Dosis verringern.

Simvastatin dürfen Sie nicht einnehmen, wenn Sie mit Ciclosporin behandelt werden.

Rosuvastatin dürfen Sie unter folgenden Bedingungen nicht einnehmen:

  • Ihre Nieren sind sehr stark geschädigt (Kreatinin-Clearance weniger als 30 Milliliter pro Minute). Bei einer mittelschweren Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance niedriger als 60 Milliliter pro Minute) sollte der Arzt die Dosis verringern.
  • Sie haben rheumatoide Arthritis oder Schuppenflechte oder Sie hatten eine Organtransplantation und werden deshalb mit dem Wirkstoff Ciclosporin behandelt.
  • Sie haben Hepatitis C und werden deshalb mit der Kombination aus Sofosbuvir, Velpatasvir und Voxilaprevir (Vosevi) behandelt.

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Rosuvastatin nicht in einer Dosierung von 40 Milligramm täglich einnehmen, weil ein erhöhtes Risiko für Muskelschäden besteht:

  • Sie haben eine mittelschwere Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance niedriger als 60 Milliliter pro Minute, aber noch über 30 Milliliter).
  • Ihre Schilddrüse schüttet zu wenig Hormon aus (Schilddrüsenunterfunktion).
  • Sie selbst oder Mitglieder Ihrer Familie hatten oder haben eine Muskelerkrankung.
  • Sie haben erhöhte Triglyceride und werden deshalb mit Fibraten behandelt.
  • Es ist bereits einmal eine Muskelerkrankung aufgetreten, während Sie mit Statinen oder Fibraten (bei erhöhten Triglyceriden) behandelt wurden.
  • Ihre Familie ist asiatischen Ursprungs (dann bleibt das Statin meist länger im Blut und wirkt stärker).

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Bei gleichzeitiger Anwendung folgender Medikamente, steigt die Gefahr von Muskelschäden. Müssen Sie diese Mittel unbedingt zusammen einnehmen, muss meist die Dosis des Statins verringert werden.

  • Fibrate, z. B. Fenofibrat oder Gemfibrozil (ebenfalls bei erhöhten Blutfetten).
  • Ciclosporin (bei Schuppenflechte, rheumatoider Arthritis oder nach Transplantationen). Atorvastatin, Fluvastatin, Lovastatin und Pravastatin sollte so niedrig wie möglich dosiert werden, wenn Sei gleichzeitig Ciclosporin einnehmen. Bestimmte Tagesmengen dürfen nicht überschritten werden, besprechen Sie das mit Ihrem Arzt. Im Gegensatz dazu dürfen Sie Rosuvastatin und Simvastatin keinesfalls gleichzeitig mit Ciclosporin einnehmen.
  • Atorvastatin, Lovastatin und Simvastatin sollten Sie nicht zusammen mit Amiodaron und vermutlich auch nicht mit Dronedaron (bei Herzrhythmusstörungen), Diltiazem oder Verapamil (beide bei hohem Blutdruck) einnehmen.
  • Rosuvastatin sollten Sie möglichst weder mit Teriflunomid (bei multipler Sklerose) noch mit Clopidogrel (bei arteriellen Durchblutungsstörungen) einnehmen.
  • Bei Simvastatin ist diese Gefahr außerdem gegeben, wenn Sie das Mittel mit Ranolazin (bei koronarer Herzkrankheit) anwenden. Müssen Sie diese Mittel unbedingt zusammen einnehmen, muss die Dosis der Statine verringert werden.

Johanniskraut (bei depressiven Verstimmungen) kann den Abbau der Statine beschleunigen und dadurch deren Wirksamkeit herabsetzen. Wenn die Einnahme von Johanniskraut erforderlich ist, sollte möglichst auf ein Statin gewechselt werden, dessen Abbau unbeeinflusst bleibt, z. B. Pravastatin.

Atorvastatin: Wenn Sie neben Atorvastatin auch Rifampicin (bei Tuberkulose) einnehmen müssen, sollen die beiden Mittel zum gleichen Zeitpunkt eingenommen werden, weil in diesem Fall auf eine Dosisanpassung verzichtet werden kann.

Rosuvastatin: Wenn Sie Antazida (bei Sodbrennen, Speiseröhrenentzündung) benötigen, sollten Sie Rosuvastatin entweder 2 Stunden vor dem Antazidum einnehmen oder 4 Stunden danach, damit die Wirkung von Rosuvastatin nicht vermindert wird.

Unbedingt beachten

Statine, insbesondere Fluvastatin und Rosuvastatin, können die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin verstärken, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden. Zu Beginn sowie nach Beendigung der gleichzeitigen Einnahmen sollten Sie deshalb die Blutgerinnung häufiger als sonst selbst kontrollieren oder vom Arzt kontrollieren lassen und gegebenenfalls nach Absprache mit dem Arzt die Dosis der Gerinnungshemmer anpassen. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Atorvastatin kann bei hoher Dosierung die Konzentration von Digoxin (bei Herzschwäche) im Blut ansteigen lassen. Damit steigt das Risiko für unerwünschte Wirkungen der Digitaliswirkstoffe. Der Arzt muss dann die Digoxinspiegel im Blut häufiger prüfen. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel bei Herzschwäche: verstärkte Wirkung.

Wenn Sie Atorvastatin, Lovastatin oder Simvastatin gleichzeitig mit Fluconazol, Itraconazol oder Ketoconazol (als Tabletten bei Pilzerkrankungen), Erythromycin, Clarithromycin oder Telithromycin (Antibiotika, bei Infektionen), mit Proteasehemmern wie Indinavir, Ritonavir und Saquinavir (bei HIV-Infektion, Aids) oder auch Paritaprevir und Telaprevir (bei Hepatitis C) einnehmen, erhöht sich die Konzentration der Statine um ein Vielfaches. Dadurch steigt auch das Risiko für unerwünschte Wirkungen, vor allem für Muskelschäden. Lovastatin und Simvastatin dürfen Sie deshalb nicht gleichzeitig mit diesen Mitteln einnehmen. Ist eine Behandlung mit ihnen unverzichtbar, sollten Sie die Statine währenddessen absetzen. Auch eine Kombination der genannten Wirkstoffe mit Atorvastatin sollte möglichst vermieden werden. Ist sie dennoch erforderlich, darf die tägliche Dosis zehn Milligramm nicht überschreiten.

Bei der gleichzeitigen Anwendung der Proteasehemmern Ritonavir, Atazanavir, Lopinavir und Tipranavir (alle bei HIV-Infektion) mit Rosuvastatin sollten Sie nicht mehr als 10 Milligramm Rosuvastatin einnehmen. Das Risiko für Muskelschäden kann sich auch bei der gleichzeitigen Anwendung mit anderen Proteasehemmern (bei HIV-Infektion, Hepatitis C) erhöhen. Wenn Sie mit dem Hepatitis-C-Präparat Vosevi (Kombination aus Sofosbuvir, Velpatasvir und Voxilaprevir) behandelt werden, dürfen Sie Rosuvastatin nicht anwenden.

Rosuvastatin und Simvastatin dürfen Sie nicht gleichzeitig mit Ciclosporin (bei rheumatoider Arthritis, Schuppenflechte, nach Organtransplantationen) einnehmen, weil sich dann das Risiko für schwerwiegende Muskelerkrankungen erhöht.

Wenn Sie die Mittel in einer hohen Dosierung anwenden müssen, dürfen sie keinesfalls Fibrate wie Fenofibrat oder Gemfibrozil (ebenfalls bei erhöhten Blutfetten) gleichzeitig einnehmen.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Wenn Sie erhebliche Mengen Alkohol konsumieren, steigt das Risiko für Muskelschäden.

Während der Einnahme von Atorvastatin, Lovastatin oder Simvastatin sollten Sie keine Grapefruits essen und keinen Grapefruitsaft trinken. Schon wenn Sie einen Viertelliter Grapefruitsaft (= ein Glas) morgens trinken und abends Simvastatin einnehmen, steigt der Wirkstoffspiegel auf das Doppelte an. Große Mengen (mehr als ein Liter Grapefruitsaft täglich) erhöhen die Konzentration von Simvastatin im Blut um das Siebenfache. Auch die Blutspiegel von Atorvastatin oder Lovastatin können ansteigen, wenn Sie während der Einnahme Grapefruit essen oder Grapefruitsaft trinken.

Nebenwirkungen

Bei Daueranwendung können Statine das Risiko für Diabetes etwas erhöhen. Besteht ein hohes Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, ist der Nutzen einer Statin-Behandlung aber höher zu bewerten als das Diabetesrisiko, weil damit die Anzahl dieser Vorfälle deutlich verringert wird. Ob das auch gilt, wenn ein geringes Risiko für diese Ereignisse besteht, ist noch nicht bekannt.

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Mittel aus dieser Wirkstoffgruppe können Haarausfall auslösen. Dieser lässt meist wieder nach, sobald das Mittel abgesetzt wird.

Rosuvastatin ist ein vergleichsweise stark wirkendes Statin. Unerwünschte Wirkungen können bei diesem Mittel in hohen Dosierungen (insbesondere 40 Milligramm) häufiger vorkommen.

Keine Maßnahmen erforderlich

Es können Magen-Darm-Beschwerden auftreten wie Verstopfung, Blähungen, Übelkeit, darüber hinaus auch Kopfschmerzen, Benommenheit, Schlafstörungen und bisweilen depressive Stimmungen (bei mehr als 1 von 100 Behandelten).

Muss beobachtet werden

Muskelschmerzen (ähnlich einem Muskelkater, besonders in den Beinen) treten bei 1 bis 10 von 100 Behandelten und oft im ersten Behandlungsjahr oder bei Dosiserhöhung auf, sind aber meist nicht schwerwiegend. Wenn Sie sich in den letzten Tagen sportlich betätigt haben oder bestimmte Muskeln mehr als üblich beansprucht haben, sollten Sie dies einige Tage beobachten. In den meisten Fällen wird es sich um Muskelkater handeln, der nach einigen Tagen von alleine wieder vergeht. Das Risiko für schwerwiegende Muskelschäden wächst mit steigender Dosis des Statins und wenn Sie gleichzeitig bestimmte andere Medikamente (siehe Wechselwirkungen) einnehmen.

Wenn zugleich Muskelkrämpfe oder eine Muskelschwäche vorkommen oder wenn die Muskelschmerzen länger als zwei Tage anhalten und nicht auf sportliche Betätigung zurückzuführen sind, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Dieser sollte dann den CK-Wert im Blut prüfen. Sind die Werte deutlich erhöht, muss das Statin vorübergehend abgesetzt werden (CK-Wert übersteigt den Normwert um das 10-fache). Die Muskelbeschwerden können auch ohne deutliche Erhöhung des Enzymwertes auftreten. Dann besteht die Möglichkeit die Statindosis zu reduzieren, auf ein anderes Statin umzustellen oder eine Kombination mit einem Lipidsenker einer anderen Wirkstoffgruppen einzusetzen.

Alle Statine können depressive Verstimmungen hervorrufen. Wenn Sie bei sich selbst oder nahestehende Personen bei Ihnen ungewohnte Stimmungsschwankungen bemerken und Sie sich traurig und bedrückt fühlen, eventuell auch sehr unruhig und grundlos unzufrieden, sollten Sie mit dem Arzt, der Ärztin darüber sprechen. 

Selten kann eine spezielle Form von Lungenerkrankung auftreten (interstitielle Lungenerkrankung), deren wichtigstes Anzeichen Atemnot ist. Sollten Sie während der Behandlung auffällig oft kurzatmig werden, sollten Sie den Arzt aufsuchen.

Möglicherweise können Statine das Risiko erhöhen, dass die Augenlinse trüb wird (grauer Star, Katarakt). Wenn Sie merken, dass Sie nur noch verschwommen sehen (vor allem Schrift), sollten Sie sich augenärztlich untersuchen lassen.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt und Sie ein Alternativmedikament benötigen. Solche Unverträglichkeitsreaktionen kommen bei mehr als 1 von 100 Behandelten vor.

Sofort zum Arzt

Die Mittel können die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind: eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notruf (Telefon 112) wählen. Solche allergischen Reaktionen treten selten auf.

Das Unterhautgewebe kann anschwellen, besonders im Gesicht, an den Lippen und der Zunge. Diese Schwellungen können so schwerwiegend sein, dass sie Atemnot und Erstickungsanfälle hervorrufen. Dann muss ebenfalls umgehend der Notarzt (Telefon 112) gerufen werden.

Sehr selten können Statine die Skelettmuskelzellen so schwer schädigen, dass sie zerfallen (Rhabdomyolyse). Dabei wird der Muskelfarbstoff Myoglobin freigesetzt, der den Urin bräunlich-rot verfärbt. Beobachten Sie eine solche Verfärbung, müssen Sie das Medikament umgehend absetzen und den Arzt aufsuchen. Er sollte sofort die Werte für Leberenzyme, Kreatinin, Creatinkinase (CK) sowie Myoglobin im Blut bestimmen. Beim Zerfall der Muskelzellen können auch die Nierenkanälchen verstopfen und die Nieren schwer geschädigt werden. Wird nicht rasch, gegebenenfalls mit einer Dialyse (Blutwäsche), behandelt, kann eine Rhabdomyolyse tödlich verlaufen. Die Gefahr für diese schwere unerwünschte Wirkung steigt, wenn Sie zusätzlich zu den Statinen noch bestimmte andere Arzneimittel wie Fibrate (ebenfalls bei erhöhten Blutfetten) einnehmen.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Da nicht auszuschließen ist, dass Statine das Ungeborene schädigen, sollten Frauen, die schwanger werden können, während der Einnahme ein sicheres Verhütungsmittel benutzen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Es ist nicht ausreichend nachgewiesen, dass Sie Statine in der Schwangerschaft unbedenklich einnehmen können. So wurden bei Ungeborenen in Einzelfällen Fehlbildungen beobachtet. Die Mittel sollen daher während der Schwangerschaft nicht eingesetzt werden. Wenn die Einnahme – was nur selten vorkommt – unbedingt erforderlich sein sollte, liegen für Simvastatin die meisten Erfahrungen vor.

In welchem Ausmaß Statine in die Muttermilch gelangen, ist unklar. Sie sollten die Mittel in der Stillzeit besser nicht anwenden.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Da die Auswirkungen der Mittel auf die körperliche Entwicklung von Kindern vor der Pubertät noch nicht ausreichend untersucht sind, sollte der Arzt den Nutzen einer Anwendung von Statinen sorgfältig gegen die Risiken abwägen.

Kinder ab zehn Jahre können mit Atorvastatin behandelt werden, jedoch nur durch einen erfahrenen Facharzt.

Fluvastatin kann bei Kindern ab neun Jahre eingesetzt werden.

Lovastatin sollte bei Kindern unter zehn Jahren mangels Erfahrung nicht eingesetzt werden.

Pravastatin kann bei Kindern über acht Jahre angewendet werden.

Simvastatin kann bei Kindern über zehn Jahre ab einem bestimmten Entwicklungsstadium angewendet werden. Bei Mädchen sollte die erste Menstruation schon mindestens ein Jahr zurückliegen, bei Jungen sollte das Hodenvolumen auf mindestens zwei Milliliter (etwa kirschgroß) angewachsen sein, auch sollte sich bereits eine leichte Schambehaarung zeigen.

Rosuvastatin kann bei Kindern ab sechs Jahren eingesetzt werden. Allerdings wurden mit diesem Mittel nach sportlicher Betätigung häufiger Muskelschmerzen beobachtet als bei Erwachsenen.

Für ältere Menschen

Für Rosuvastatin gilt, dass es bei älteren Menschen eher zurückhaltend und nur in niedriger Dosierung eingesetzt werden soll. In dieser Altersgruppe ist die Nieren- und Leberfunktion häufig eingeschränkt. Menschen über 70 Jahre haben zudem ein höheres Risiko für unerwünschte Wirkungen auf die Muskulatur.

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