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Lipasehemmer: Orlistat

Wirkungsweise

Orlistat ist ein Lipasehemmer, der die Aufnahme von Fett in den Körper behindert. Die somit nicht genutzten Kalorien sollen bei der Gewichtsabnahme helfen.

Orlistat blockiert die fettspaltende Tätigkeit der Lipasen. Dadurch können die Fette, die mit der Nahrung in Magen und Dünndarm gelangt sind, nicht in ihre Bestandteile aufgespalten werden. So verhindert Orlistat, dass Nahrungsfette ins Blut aufgenommen werden. Üblicherweise verlässt nur ein geringer Teil des Fetts unverdaut den Körper, nach der Einnahme von Orlistat ist es etwa ein Viertel. Testergebnis Orlistat

In verschiedenen Übersichtsarbeiten wurden zahlreiche Studien zur Gewichtsabnahme mithilfe von Medikamenten gemeinsam ausgewertet. Die Teilnehmenden hielten eine kalorien- und fettreduzierte Kost ein. Diejenigen, die zusätzlich Orlistat in einer Dosierung von 120 Milligramm einnahmen, verloren tatsächlich mehr Gewicht als diejenigen, die es nicht einnahmen, und zwar im Laufe eines Jahres durchschnittlich knapp drei Kilogramm. Produkte mit 120 Milligramm Orlistat pro Tablette sind verschreibungspflichtig.

Bis 60 mg pro Tablette ist Orlistat für die Selbstmedikation rezeptfrei erhältlich. Für die niedrigere Dosierung liegen deutlich weniger Studien zur Gewichtsabnahme vor.

Im Zusammenhang mit der Gewichtsabnahme verbesserten sich die Werte der Blutfette, des Blutdrucks und des Blutzuckers. In der Folge wurden weniger Diabeteserkrankungen festgestellt: Nach vier Jahren Behandlung wurde bei 9 von 100 Personen, die eine Ernährungsumstellung vornahmen, Diabetes festgestellt. Nahmen die Personen zusätzlich noch Orlistat ein, zeigte sich ein Diabetes nur bei etwa 6 von 100 Personen. Ob sich jedoch auch die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch das Mittel verringert, ist nicht untersucht. Diese Studienergebnisse gelten allerdings nicht für Tabletten mit 60 Milligramm Orlistat. Sie sind zudem wenig aussagekräftig, da etwa ein Drittel der Studienteilnehmer das Programm vorzeitig abgebrochen hat. Sie litten vor allem an Bauchschmerzen infolge von Blähungen und an Durchfällen, die so heftig sein konnten, dass sie nicht zu kontrollieren waren.

Nicht nur in Studien, sondern auch unter Alltagsbedingungen brechen viele Menschen die Anwendung von Orlistat ab. Höchstens 10 von 100 Personen, die das Mittel verschrieben bekamen, nahmen es nach einem Jahr noch ein. Nach zwei Jahren waren es noch weniger.

Nach dem Ende einer Orlistateinnahme steigt das Gewicht Studien zufolge tendenziell wieder an.

Zur dauerhaften Gewichtsabnahme ist Orlistat wenig geeignet. Diese ist nur mit umfassenden Änderungen des Lebensstils mit einer nachhaltigen Ernährungsumstellung und mehr Bewegung zu erreichen.

Der Wirkstoff kann allenfalls unterstützend eingesetzt werden, wenn stark übergewichtige Menschen nach Umstellung der Ernährung und vermehrter Bewegung ihr Gewicht nicht ausreichend senken konnten. Diese Behandlung sollte durch einen Arzt angeleitet werden. Das verschreibungspflichtige höherdosierte Orlistat gilt hierfür daher als "mit Einschränkung geeignet". Auch in der Selbstbehandlung kann das Mittel eine Lebensstiländerung kurzzeitig unterstützen. Doch auch das nur bei einem begrenzten Personenkreis, denn Orlistat ist nur für Menschen zugelassen, deren BMI mindestens 28 beträgt. Für diejenigen, die nicht so viel wiegen oder normalgewichtig sind, ist es nicht gedacht. Mit diesem Mittel lassen sich weder Ernährungssünden abfangen, noch Fettpolster auflösen. Zudem wird vorausgesetzt, dass sich die Anwender und Anwenderinnen während der Behandlung kalorien- und fettarm ernähren.

Außerdem ist bei der Einnahme von Orlistat zu berücksichtigen, dass mit Fett auch lebenswichtige fettlösliche Vitamine in den Körper aufgenommen werden. Bei Dauereinnahme des Mittels kann sich die vermehrte Fettausscheidung also negativ auf die Versorgung mit diesen Vitaminen niederschlagen. Zudem wird die Aufnahme von fettlöslichen Arzneistoffen in den Organismus durch Orlistat behindert.

Anwendung

Gemäß der Empfehlung der Deutschen Adipositas Gesellschaft sollte Orlistat erst eingenommen werden, wenn es innerhalb von sechs Monaten nicht gelungen ist, durch eine veränderte Ernährung und Bewegung mindestens fünf Prozent des Ausgangsgewichts abzunehmen.

Zu jeder fetthaltigen Mahlzeit nehmen Sie eine Kapsel mit Orlistat ein. Mehr als drei Kapseln pro Tag sollten es keinesfalls sein. Essen Sie gar nichts oder nichts Fetthaltiges, lassen Sie das Mittel weg.

Wenn Sie nach drei Monaten der Selbstbehandlung noch kein Gewicht verloren haben, sollten Sie mit dem Arzt oder dem Apotheker über das weitere Vorgehen reden. Länger als ein halbes Jahr sollte die Behandlung ohne ärztliche Kontrolle nicht dauern.

Auch unter ärztlicher Betreuung sollten Sie die Einnahme von Orlistat beenden, wenn Sie nicht innerhalb von drei Monaten mindestens fünf Prozent Ihres Körpergewichts verloren haben. Nach ein bis zwei Jahren sollte die Behandlung in der Regel beendet werden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie kein Orlistat einnehmen:

  • Sie sind allgemein in schlechtem Zustand und können Nahrung nur schlecht verwerten.
  • Der Abfluss Ihrer Galle ist gestört.

Wenn Sie Ciclosporin (nach Transplantationen) oder gerinnungshemmende Mittel (bei erhöhter Thrombosegefahr) einnehmen, dürfen Sie Orlistat nicht im Rahmen einer Selbstbehandlung anwenden. In diesen Fällen muss ein Arzt Nutzen und Risiko einer Behandlung mit Orlistat sorgfältig abwägen und gegebenenfalls vermehrt Blutkontrollen vornehmen.

Wenn Sie eine chronische Nierenfunktionsstörung haben, sollten Sie die Einnahme von Orlistat unbedingt mit einem Arzt besprechen. Das Mittel kann das Risiko für Nierensteine erhöhen.

Durch einen Gewichtsverlust bei Einnahme von Orlistat können der Blutdruck, der Blutzuckerwert und die Menge an Fettstoffen im Blut sinken. Um das festzustellen, sollten die Werte häufiger als sonst kontrolliert werden. Wenn Sie Medikamente zur Regulierung dieser Werte einnehmen, muss der Arzt möglicherweise deren Dosierung an die veränderten Bedingungen anpassen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten, dass Orlistat die Wirksamkeit von Levothyroxin (bei Schilddrüsenerkrankungen) verringern kann. Sie sollten die beiden Medikamente also nicht zur gleichen Zeit einnehmen, sondern zeitversetzt. Bevor Sie jedoch zusätzlich zu einer Levothyroxin-Behandlung Orlistat einnehmen, sollten Sie ärztlichen Rat einholen. Das gilt auch für Mittel, die gegen epileptische Anfälle eingesetzt werden (z.B. Valproinsäure).

Unbedingt beachten

Durch Orlistat kann Ciclosporin (nach Transplantationen) schwächer wirken. Unter Umständen wird dann die Abstoßungsreaktion gegen das Transplantat nicht mehr ausreichend unterdrückt. Ist eine gemeinsame Anwendung unbedingt erforderlich, müssen die Ciclosporin-Blutwerte durch einen Arzt engmaschig kontrolliert werden.

Orlistat verstärkt die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden. Sie müssen deshalb die Blutgerinnung häufiger als sonst selbst kontrollieren oder vom Arzt kontrollieren lassen und gegebenenfalls nach Absprache mit dem Arzt die Dosis der Gerinnungshemmer verringern. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Bei Einnahme von Orlistat sind stark fetthaltige Lebensmittel und eine allgemein fettreiche Ernährung zu meiden. Richten Sie sich nicht danach, können die unerwünschten Wirkungen, vor allem Blähungen und Durchfall, verstärkt auftreten.

Nebenwirkungen

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihre Ärztin, Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Ein Viertel der Anwender und Anwenderinnen werden von Blähungen und Bauchschmerzen gequält, bei denen auch Stuhl abgehen kann. Mit der gleichen Häufigkeit wird über ölige Flecken am After berichtet.

10 von 100 klagen über Durchfall mit fettigem, öligem Stuhl, doppelt so viele über vermehrten Stuhldrang. Je mehr Fett die Nahrung enthält, desto stärker sind die Beschwerden. Bei 6 von 100 geht das so weit, dass sie den Stuhlabgang manchmal nicht mehr kontrollieren können.

Bei 30 von 100 kommen Kopfschmerzen vor. 1 bis 10 von 100 Behandelten fühlen sich abgeschlagen.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Haben Sie sich das Mittel zur Eigenbehandlung ohne Rezept besorgt, sollten Sie es absetzen. Sind die Hauterscheinungen auch einige Tage nach dem Absetzen nicht deutlich abgeklungen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Hat dagegen ein Arzt Ihnen das Mittel verordnet, sollten Sie ihn aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen.

Durch die verringerte Fettaufnahme kann es zu einem Mangel der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K kommen. Den Vitamin-K-Verlust müssen Menschen besonders beachten, die aufgrund einer erhöhten Thrombosegefahr Mittel einnehmen, die die Blutgerinnung herabsetzen. Bei ihnen kann sich die Blutungsneigung zusätzlich verstärken.

Ein sich eventuell ergebender Vitamin-D-Mangel kann die Versorgung der Knochen mit Calcium beeinträchtigen. Das ist für Menschen bedeutsam, die ein erhöhtes Risiko für Osteoporose haben. Das betrifft besonders Frauen nach den Wechseljahren. Sie sollten die Einnahme von Orlistat daher mit einem Arzt besprechen. Gegebenenfalls wird dieser zur zusätzlichen Einnahme von Calcium und Vitamin D raten.

Wenn Sie sich müde und träge fühlen und trotz verminderten Appetits an Gewicht zulegen, kann das auf eine Schilddrüsenunterfunktion hindeuten. Sie kann darauf beruhen, dass bei Einnahme von Orlistat möglicherweise nicht mehr genügend Jod aufgenommen wird. Dieses ist für die Funktion der Schilddrüse unentbehrlich.

Vereinzelt kann es durch die Einnahme von Orlistat zu Nierenschäden durch Oxalatablagerungen kommen. Der Nahrungsbestandteil Oxalat gelangt bei einer Behandlung mit Orlistat in größerer Menge als sonst ins Blut und kann sich in den Nieren ablagern. Das kann zu Nierensteinen, Nierenentzündungen und Nierenversagen führen. Wenn Sie Schmerzen in der Nierengegend oder beim Wasserlassen bemerken, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Das Mittel kann die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind: eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen. Leberschäden zeigen sich in Einzelfällen.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Die Sicherheit der Pille kann beeinträchtigt werden, wenn durch die Einnahme von Orlistat schwere Durchfälle auftreten. Um eine Schwangerschaft sicher zu vermeiden, sollten Sie bei der Einnahme von Orlistat zusätzlich weitere Verhütungsmittel, z. B. Kondome oder ein Diaphragma, benutzen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Über die Risiken einer Anwendung in der Schwangerschaft gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Sicherheitshalber sollten Sie das Mittel daher nicht anwenden. Abgesehen davon ist die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft ein natürlicher Vorgang. Selbst wenn es mehr sein sollte, als der Arzt für vertretbar hält, sind Medikamente nicht der richtige Weg, um eine weitere Zunahme zu begrenzen.

Ob Orlistat in die Muttermilch übergeht, ist nicht bekannt. Daher darf es während der Stillzeit nicht angewendet werden.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Eine Behandlung von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen in der Wachstumsphase sollte grundsätzlich ärztlich begleitet werden. Eine medikamentöse Hilfe beim Abnehmen ist bei ihnen normalerweise nicht angebracht. Über die Anwendung von Orlistat bei Kindern und Jugendlichen bis zu 18 Jahren gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse.

Das Mittel kann allenfalls auf ärztliche Veranlassung bei schwer übergewichtigen Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren eingesetzt werden, bei denen verhaltenstherapeutische Maßnahmen innerhalb eines Jahres keinen Erfolg gezeigt haben.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs